März, 2009

Hamburg: Tagung/Konferenz: “Kulturelle Übersetzungen”

März 31st, 2009 März 31st, 2009
Posted in Allgemein, Postkolonialismus
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Termin: 17. April 2009 bis 18. April 2009
Isa Lohmann-Siems Stiftung
Tagung/Konferenz: “Kulturelle Übersetzungen”
(Hamburg/Deutschland)

Interdisziplinäre Tagung der Isa Lohmann-Siems Stiftung

In den aktuellen Debatten der Kulturwissenschaften spielt der Begriff der Übersetzung eine wichtige Rolle. Aus dem Bereich der Sprachwissenschaften stammend, bezeichnet er aus kulturwissenschaftlicher Perspektive nicht nur die Übertragung fremdsprachlicher Texte, sondern auch den Import und Export von Kulturgütern und die Aneignung von Wissensformen. Für die Analyse interkultureller Praktiken und Praxen scheint er zu einer Art Schlüsselbegriff zu avancieren. Allerdings verbindet sich mit ihm auch die kritische Frage nach der Übertragbarkeit kultureller Phänomene und nach den problematischen Konstruktionen des Eigenen und des Fremden.
Ziel des diesjährigen interdisziplinären Forschungsprojekts der Isa Lohmann-Siems Stiftung  http://www.isa-lohmann-siems-stiftung.de…) ist es, die Tauglichkeit des Übersetzungsbegriffs für die Analyse von künstlerischer und kultureller Traditionsbildung zu erproben, indem nach den medialen und historischen Bedingungen kultureller Austauschverhältnisse gefragt wird.
Was passiert, wenn Objekte, Begriffe oder soziale Praktiken aus einem spezifischen Kontext in andere Zusammenhänge transferiert werden? Wie lassen sich die politischen und sozialen Verhandlungen, die solche Prozesse strukturieren, beschreiben? Welche diskursiven Konzepte von Originalität und Differenz haben sich in den Übersetzungsvorgängen der Moderne entwickelt? Und wie sehr haben sie unsere Vorstellungen von Kunst und Kultur geprägt?

PROGRAMM

Programmflyer

Freitag, 17. April 2009

13.15 Begrüßung

13.45 Reetta Toivanen, Helsinki
Verpflanzung von juristischen Begriffen: Kulturelle Übersetzung von Menschenrechten

14.30 Serhat Karakayali, Berlin
>Learning From…Gender TroubleKulturelle Übersetzungen< der Isa Lohmann-Siems Stiftung, Hamburg abgehalten.

Zum Projekt:
www.isa-lohmann-siems-stiftung.de/projekte/2008/index.html

Weiterführende Links:
www.isa-lohmann-siems-stiftung.de/projekte/2008/index.html
www.ils-s.de
www.isa-lohmann-siems-stiftung.de/tagungen/2009/anmeldung.html
www.isa-lohmann-siems-stiftung.de/tagungen/2009/faltblatt.pdf
www.isa-lohmann-siems-stiftung.de/tagungen/2009/programm.html

Sozialkritik versus Künstlerkritik – Zur Kritik einer falschen Dichotomisierung im Postfordismus

März 31st, 2009 März 31st, 2009
Posted in ArbeitWorkLabour, Praxen der Kritik
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Nachtrag von der INTERNATIONALE FACHSTAGUNG MOBILITÄT UND MOBILISIERUNG, ARBEIT IM SOZIOKULTURELLEN, ÖKONOMISCHEN UND POLITISCHEN WANDEL

AM INSTITUT FÜR VOLKSKUNDE/EUROPÄISCHE ETHNOLOGIE (LMU MÜNCHEN) IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER KOMMISSION „ARBEITSKULTUREN“ DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR VOLKSKUNDE, MÜNCHEN VOM 26-28. MÄRZ 2009, SENAATSAAL LMU

KLAUS SCHÖNBERGER
Sozialkritik versus Künstlerkritik – Zur Kritik einer falschen Dichotomisierung im Postfordismus
(Prolegomena zu einer künftigen Theorie der Subversion, die als praktisch werdende Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung wird auftreten können)

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist zum einen die Tatsache (1.), dass Bernd Jürgen Warneken in seiner Einführung zur „Ethnographie popularer Kulturen“ die Widerständigkeit als eines der drei Leitmotive ethnographischer Beschreibungen subalterner, unterschichtlicher Kultur bzw. der Volkskultur hervorgehoben hat. Der zweite Ausgangpunkt (2.) ist die Analyse der Rolle von Kritik am Kapitalismus wie sie Luc Boltanski und Evé Chiapello für Frankreich vorgenommen haben. Sie besagt, dass die Kritik am Kapitalismus den Motor für die Veränderung des kapitalistischen Geistes darstelle. Der dritte Ausgangspunkt (3.) ist ein Versuch, diesen Zusammenhang eben nicht mehr als dialektischen misszuverstehen, sondern es sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, die Kritik so zu positionieren, dass sie sich nicht mehr außerhalb des kapitalistischen Verwertungszusammenhangs imaginieren muss und dennoch dysfunktionale Wirkung entfalten kann.
Antonio Negri und Michael Hardt haben aus einer ähnlichen Beobachtung die Konsequenz gezogen, dass es viertens kein Innen und kein Außen (4.) mehr gebe und infolgedessen auch keinen sicheren (nicht vereinnahmbaren) Ort der Kritik. Damit verknüpft ist der fünfte Punkt, der die theoretische Frage nach der Möglichkeit von Subversion eben nicht nur in kulturwissenschaftlicher Perspektive reflektiert, sondern in einem angewandten Sinne zur Bestimmung subversiver und widerständiger Praktiken beiträgt. Nämlich in welcher Weise (5.) der Kontext einer politischen Praxis zu konzipieren ist, um die Möglichkeit von Widerständigkeit und Subversion im Kognitiven Kapitalismus respektive Postfordismus auszuloten. Beispielhaft herangezogen werden sollen hierfür die Überlegungen zur „Autonomie der Migration“.

Zum übrigen Programm

Ulrich Peltzer: “Ohne Begriffe kein Denken”/Robert Misik: “Ist der Kommunismus die Alternative?”

März 25th, 2009 März 25th, 2009
Posted in Krise_des_Kapitalismus, Kritik der Politischen Ökonomie
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In der taz (25.03.2009) von heute findet sich ein interessanter Artikel des Schriftstellers Ulrich Peltzer: Dabei stellt er die Frage nach alternativen Begriffen für die Nutzbarmachung der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus.

Ohne Begriffe kein Denken
Die Erinnerung an die 70er-Jahre-Linke ist die Basis für ein Vokabular der Gegenwart

Mitte der Siebzigerjahre war es gang und gäbe, zu fragen, wie das System zu verändern und was an seine Stelle zu setzen sei. Das Spektrum möglicher Antworten war so breit wie die aus heutiger Sicht in zahllose Parteien, Zellen, Initiativen zersplitterte bundesdeutsche (europäische) Linke.

Jetzt, in einem historischen Augenblick, in dem eine Systemalternative tatsächlich zur Diskussion stehen müsste, nachdem die neoliberale Rechte drei Jahrzehnte Zeit hatte, willfährig das anzurichten, was als Wirtschaftskrise zu bezeichnen sich in den kommenden Monaten als abgeschmackter Euphemismus erweisen wird, scheinen ausnahmslos alle nur wie’s Kaninchen auf die Schlange starren zu können.

Der Gedanke, dass es anders zu machen sei, dass man sich bei der Einrichtung der Produktion am Bedarf und nicht am Profit zu orientieren habe, dass es nicht um die Verwertung von Kapital, sondern um ein gutes Leben für alle zu gehen habe, ist – jenseits nicht zu vermeidender Überspanntheiten – in den Jahren meines Studienbeginns, 1975, Konsens gewesen. Ein Konsens, der die Jugendorganisationen der sozialliberalen Koalition ebenso einschloss wie die kurzlebigste Spontigruppe, sich selbst im medialen Mainstream ohne Mühe wiederfinden ließ, um erst gar nicht von linksoppositionellen Gewerkschaftlern, die etwa in Betriebsrat von Daimler saßen, oder von den ganzen “roten” Fakultäten anzufangen. Diesen Konsens als hegemonial zu bezeichnen, wäre dennoch verkürzt. Gleichwohl existierte ein Arsenal von Begriffen, auf das jede/r zugreifen konnte: praktisch-politisch oder wissenschaftlich, aus Gründen der Analyse oder rein polemisch, ausdifferenziert oder als Totschlaginstrument, im aufblühenden feministischen Diskurs so gut wie in Fernsehdiskussionen (auch sie gab es einmal), in Privatgesprächen wie in Kritiken oder Examensarbeiten. Jenes Vokabular war Verständigungsmittel bis an den Punkt der Redundanz und Tautologie, bis hin zum notwendigen Moment der Verweigerung: Klasse, Klassenkampf, Ausbeutung, Bourgeoisie, Proletariat, Entfremdung, Unterdrückung, Macht, Herrschaftsverhältnisse – als gängige Münzen im Austausch von Positionen, die man nicht immer einem Kompromiss zuzuführen gedachte, sondern häufig (zu Recht) als widerstreitende verstand. Die Interessen des Unternehmers sind nicht die des Arbeiters, die von Herrn Ackermann nicht meine, und schon mal gar nicht unter der soziale Widersprüche einkassierenden Sachzwang-Flagge eines Standorts, der von “uns allen” unterschiedslos zu sichern wäre gegen internationale Konkurrenz.

Ulrich Peltzer erinnert daran, dass die Voraussetzung für die Fähigkeit die Revolution zu denken eine Metaerzählung gewesen sei:

So schnell und unbedacht man in den Siebzigerjahren das Wort Revolution herausposaunte und unablässig die Machtfrage stellte, um das Kapitalverhältnis subito abzuschaffen, so scheint heute, da die Dinge sich real zuspitzen, kein Begriff mehr davon vorhanden zu sein. Es fehlt eine Vorstellung, die weiter reichen würde als hysterische De- oder Inflationsangst, das Geschimpfe auf Managergehälter, die Mantras von Konjunkturbelebungen auf diese oder die entgegengesetzte Art. Als könnten Gesellschaften dümmer werden, als könnten sie von einer Generation zur nächsten komplett vergessen, was sie bereits einmal gewusst haben.

Robert Misik, ebenfalls taz-Autor beschäftigt sich in ähnlicher weise in seinem Videocast mit dem Problem und fragt “ist die Alternative der Kommunismus?. Das ist nebenbei gesagt eine überaus amüsante Art und Weise, aktuelle Fragen theoretisch angeleitet zu erörtern:

“Communism, a viable alternative?” fragt der britische “Guardian”. Ganz ernst gemeint ist das nicht. Aber natürlich steht die Frage im Raum: Was kommt nach Krise und Depression? Läuft alles weiter wie bisher? Kommt ein Kapitalismus mit ein paar Regeln mehr? Jedenfalls sollte man beginnen, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie eine neue Organisation von leben, arbeiten, wirtschaften aussehen könnte. Krisenbewußtsein grassiert an allen Ecken, aber utopisches Bewußtsein, das gibt’s nicht mehr. Aber das könnte sich ändern. Denn Krisen waren immer auch Verwandlungs-Zeiträume.”

Katja Diefenbach über Fluchtlinien u.ä.: “Wenn ich von sozialen Kräfteverhältnissen ausgehe, dann wird die Frage nach dem Politischen radikal”

März 24th, 2009 März 24th, 2009
Posted in Deleuze/Guattari
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In einem Interview mit dem anti-deutschen Magazin “Phase 2″ versucht Katja Diefenbach die politischen Implikationen des Post-Strukturalismus aufzuklären:
In diesem Interview erklärt sie in welcher Weise der Begriff “Fluchtlinien” und wie die Absetzung von der marxistischen Telelogie durch den Post-Strukturalismus verstehbar sein könnte:

PHASE 2: Okay, behalten wir das im Hinterkopf und kommen noch einmal auf die Frage zurück, was mit Fluchtlinien gemeint ist.

Katja Diefenbach: Die Absage, um die es Deleuze wie Foucault geht, lautet: es gibt kein (Form-)Gesetz, das die historische Entwicklung bestimmt. Marx theoretisierte ja die Entwicklung der Gesellschaft in doppelter – ökonomischer und politischer – Perspektive: zum einen als Selbstbewegung des Kapitals, als universelle Ausbreitung der Wertform, zum anderen als politische Aneignung dieser unablässlich Widersprüche freisetzenden Entwicklung durch die Arbeiterklasse. Die Kapitalbewegung besitzt in dieser Konzeption eine eigene innere Grenze. Ab einem bestimmtem Moment verkehren sich die Bedingungen der Entwicklung in ihre Fesseln, und es kommt zur Krise. Die ganze Konzeption ist auffällig zirkulär: das Proletariat ist Voraussetzung und Folge der Kapitalbewegung, es schafft die Krise, und es realisiert die Krise. Historisch steht es subjektiv genau da, wo die objektive Bewegung krisenhaft hinführt. Während ich den Eindruck habe, dass euer Umfeld einfach die politische Seite des Marxismus verabschiedet, interveniert der Poststrukturalismus genau an der Stelle, wo der Marxismus einen idealistischen Kurzschluss zwischen Politik und Ökonomie erzeugt hat. Der Begriff der Fluchtlinie gehört in diesem Sinne in eine Konzeption, mit der Gesellschaft als dialektisch nichtvermitteltes Kräfteverhältnis analysiert wird, in dem unterschiedliche Verwertungsstrategien, Ausbeutungsweisen, biopolitische Regierungsformen und Widerstandspraktiken ineinander verschränkt sind. Sofort stellt sich natürlich die Frage nach dem Wie?
Der Begriff der Fluchtlinie antwortet auf einer bis zur Unbrauchbarkeit abstrakten Ebene auf die Frage, warum überhaupt Geschichte statt hat, warum etwas passiert und Verhältnisse nicht einfach stillstehen. Wovon sind sie bewegt? Von sozialen Kämpfen? Von der Dynamik des Kapitals selbst? Von einer relativen Entwicklung von Widerständen und zwischen Antizipation und Reaktion schwankenden Machtstrategien, wie Foucault es beschrieben hat? Deleuze geht davon aus, dass die Verhältnisse von einer nicht-natürlichen und nicht-subjektiven Kraft durchzogen sind, die sie bewegen und in ihren unterschiedlichen Elementen zusammenfügen. Diese Kraft zieht die Fluchtlinie. Die Macht ist demgegenüber sekundär. Sie richtet sich in dieser Bewegung als institutionelle Blockade oder Ablagerung auf. In diesem Sinne ist der Kapitalismus die erste gesellschaftliche Formation, die die Kraft der Fluchtlinie mobilisierend zu integrieren versucht. Der Begriff der Fluchtlinie wirft eine Reihe von Problemen auf, wie die der Vorgänglichkeit oder Ursprünglichkeit. Deleuze hat diese Probleme einfach sprachlich abgebogen, indem er darauf hinwies, dass Fluchtlinien nicht-ursprünglichen, nicht-natürlichen, a-substantiellen, a-subjektiven etc. Charakters seien. Wie viele theoretische Begriffe ist auch der der Fluchtlinie nur relativ zu anderen Konzeptionen zu verstehen: als eine Entfamiliarisierung und Entsexualisierung von Freuds Libido-Begriff; als eine Antwort auf die Frage, warum die Macht begehrt wird; als eine Überarbeitung von Marx These, dass der Kapitalismus aus einer ununterbrochenen Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände bestehe.

Schliesslich unternimmt sie einen Versuch, die Konsequenzen des post-strukturalistischen Projekts für den Begriff des Politischen zu beschreiben:

PHASE 2: Wie lassen sich konkrete politische Ereignisse in Deinem Theoriehorizont bewerten? Die Feststellung, ob etwas über die bestehenden Verhältnisse hinausweisen kann, scheint ja immer erst nach der Reterritorialisierung möglich zu sein. Das wäre doch etwas witzlos.

Katja Diefenbach: Es geht nicht darum, nachträglich aufzuzeichnen, was schief gelaufen ist. Nehmen wir zum Beispiel diese minoritäre Fröhlichkeit, die bei Deleuze und Guattari so ins Auge springt – ihre Rede vom Feuer der Revolution, das in den Stadtteilen brennt, von den molekularen Wünschen, die nicht mehr einholbar sind, egal wie viele Bürokraten und Therapeuten auf ihre Normalisierung angesetzt sind. Diese ultra-optimistische Sprache hat mit der historischen Situation zu tun. In gewisser Weise hat die Intensität der Auseinandersetzungen in Frankreich und Italien dazu geführt, dass Autoren wie Deleuze und Guattari in ihren kleinen Texten und manchen Interviews sowohl in einen Erweckungsdiskurs linker Eschatologie als auch in die Sprache marxistischer Teleologie des Uneinholbaren verfallen sind, gegen die sie sich in ihrer Theorie selber wenden. Man kann oft beobachten, dass Arbeiten Spuren von Diskursen aufweisen, von denen sie sich absetzen. Entscheidend ist aber, dass damals diskutiert wurde, inwieweit minoritäre Politik die kapitalistische Vergesellschaftungsweise modernisiert. Das muss man nicht nachträglich anführen. Diese Frage strukturiert gerade zu Deleuze und Guattaris Buch Anti-Ödipus.
Ein anderes Beispiel: die Popantifa. In den neunziger Jahren hatte jeder Neue-Mitte-Spießer gelernt, was der Pop-Nietzscheanismus der achtziger Jahre “Wir wollen mehr Entgrenzung, Spaß, Werbung, Mode und Tempo” gepredigt hatte, nämlich dass Politik verklemmt, Kritik peinlich und der Kapitalismus dumm, aber lustig sei. Die Antifaschistische Aktion hat gedacht, dass sie sich diese Position repolitisierend aneignen könne, indem sie behauptet, Antifa ist sexy, Antifa ist Pop. Dass dieses Projekt begrenzt ist, war schon damals klar. Zum einen, weil das Begehren nach Stuckrad-Barre und Carhartt, zum anderen, weil das Verhältnis von Leben und Politik nach dem 68er-Übergriff des linken Moralismus auf die eigene Zeit nicht offen diskutiert wurde. Das führt zurück zu Eurer Frage nach dem Befreiungsversprechen und dem Politischen. Wenn ich von sozialen Kräfteverhältnissen ausgehe, die keiner prädeterminierten historischen Logik unterstehen, dann wird die Frage nach dem Politischen radikal. Es gibt keine politische Programmatik, die notwendig verbindlich ist. Damit wird auch eines der großen, schwarzen Löcher der Linken sichtbar: die Frage, nach einer Art und Weise zu leben, in der sich die politische Erfahrung anreichert, ohne ultramoralischen Terror auszuüben. Bei der Pop-Antifa war der Spalt in doppelter Weise zu groß. Sexiness sagen, selber aber das (hetero-) sexuelle Beziehungslangweilerregime fortzusetzen und gleichzeitig zu unterstellen, mehr Sexiness führe aus diesem heraus, mündet in die bekannte Falle politischer Repräsentation, die behauptet, die Linke sei toll, ohne dass es stimmt.

Das ganze Interview

Berlin: Darwin – Anti-Darwin

März 24th, 2009 März 24th, 2009
Posted in Charles Darwin, Theoretiker_innen
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Darwin – Anti-Darwin
Diskussion mit Cord Riechelmann und Helmut Höge

Gastgeber:
Buchladen Schwarze Risse
Montag, 23. März 2009, 19:30 – 22:30
Buchladen Schwarze Risse
Gneisenaustr. 2a
Berlin


Beschreibung

Die Biologie, zumal in ihrer gentechnischen Ausprägung, ist zu einer Leitwissenschaft avanciert. Jetzt im Darwinjahr werden wir geradezu überschwemmt von Biologiebüchern (Darwinensia). Deswegen oder des ungeachtet befaßt sich die Linke immer noch ungerne mit diesem Wissensbereich, mindestens in den linken Buchhandlungen und Antiquariaten Berlins findet man so gut wie keine Biologiebücher, daran haben auch der gen-ethische Informationsdienst und die Feldbefreiungen der “Gendreck weg!”-Initiative wenig geändert.
Unterderhand hat sich jedoch inzwischen die Dichotomie von Natur(wissenschaft) und Kultur(wissenschaft) mindestens in der Verhaltensforschung aufgeweicht, während sich andererseits die Literatur- und Kulturwissenschaft, und die Wissenschaftsgeschichte sowieso, immer mehr mit biologischen Fragestellungen beschäftigen.

Cord Riechelmann, Biologe und Philosoph, arbeitet an einem Merve-Buch über Darwin, während Helmut Höge, der in der Landwirtschaft arbeitete und Sozialwissenschaften studierte, ein Buch über Anti-Darwin vorbereitet. Die beiden werden in einer Diskussion versuchen, ihre Gegensätze herauszustellen.

Das Argument 277/2008: Zur Kritik der Kulturwissenschaften.

März 23rd, 2009 März 23rd, 2009
Posted in Kritik der Kulturwissenschaften
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Bereits Ende 2008 ist eine für unseren Zusammenhang der “Kultur- und Gesellschaftstheorie” interessante Nummer 277 der Zeitschrift “Das Argument” erschienen:

Das Argument 277
Zur Kritik der Kulturwissenschaften
50. Jahrgang der Zeitschrift Das Argument. Heft 4 / 2008
144 S., 11,00 EUR

  • Stuart Hall: Jeder muss ein bisschen aussehen wie ein Amerikaner. Ein Interview
  • Lutz Musner: Wege aus dem Elfenbeinturm. Zur gesellschaftlichen Relevanz der Kulturwissenschaften
  • Thomas Barfuss, Juha Koivisto, Ines Langemeyer: Schlüsselübergabe bei den Cultural Studies: Von Raymond Williams’ „Keywords” zu einem „Revised Vocabulary of Culture and Society”
  • Pepi Leistyna: Kulturwissenschaft als kapitalismuskritische Theorie erneuern. Wider den neoliberalen Angriff auf die Öffentlichkeit
  • Maria Elisa Cevasco: Zu jedem Fortschritt ein Rückschritt: globalisierte Kultur aus brasilianischer Sicht
  • Etienne Balibar: Zu Georges Labicas Theorie der Gewalt
  • Georg W. Auernheimer: Der Designersarg. Aus dem Tagebuch
  • Hierin skizziert Lutz Musner ein Kulturverständnis als Kehrseite des Sozialen. Stuart Hall ruft nochmals das Credo der Cultural Studies Birminghamer Provenienz in Erinnerung: “… doch die Kulturwissenschaft bedeutete für mich weniger eine berufliche Laufbahn, als die Fortsetzung der Politik an anderer Stelle” (484).

    Cabaret Voltaire & Roland Wagner: “Ein künstlerisches Denkmal zu Ehren des kriegerischen neoliberalen Konkurrenzsystems und Leistungswahns”

    März 23rd, 2009 März 23rd, 2009
    Posted in Praxen der Kritik
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    Dada lebt!

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    MEDIENMITTEILING/LEGITIMATION
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    Das Ende aller Weltrekorde.

    AM Sonntag, am 22. März 2009 um 10:22 Uhr, ist Roland Wagner an der Schweizer Schwimmmeisterschaft über 50 Meter Freistil Weltrekord in 00:00:00 Sekunden geschwommen. Wagner sollte eine volle Bahnlänge im Olympischen Becken schwimmen. Er spurtete im Feld los. Doch nach genau 25 Metern machte er eine abrupte Kehrtwendung zurück in Richtung Start. Zurück zu den Wurzeln, zurück an den Anfang. Alles nochmals von vorne. Eine Umkehrung die vieldeutig gelesen werden kann.
    Wagner erfüllte zwar die reglementarisch festgelegte Distanz von 50 Metern, aber auf seine ureigene verdrehte Art. Er setzte ein künstlerisches Denkmal zu Ehren des kriegerischen neoliberalen Konkurrenzsystems und Leistungswahns. Ein gewagter Gedankensprung ins kühle Wasser, ja! Und doch ein Schlusszeichen, weil von nun an jegliches Streben nach «schneller, höher, weiter» und «mehr, mehr, mehr» absolut sinnlos geworden ist. Man kann nicht schneller als 00:00:00 Sekunden sein. Es ist ein Startzeichen in eine Zeit nach dem Nullpunkt.

    Protesthaltung heute!
    Wagners Protest richtet sich nicht gegen den Schwimmsport. Er liebt diesen Sport über alles. Schwimmen ist Kunst! Der Protest richtet sich gegen die Gier nach Rekorden aller Art. Er richtet sich gegen die Verlogenheit in den Leistungssystemen die Chancengleichheit und Fairness vorgaukeln und uns verschaukeln. Die Verlogenheit lässt sich 1:1 vom Sport auf das herrschende polit-ökonomische System übertragen. Langfristige Renditen jenseits von 25 Prozent sind ebenso irre wie ein 44-jähriger, der Weltrekord schwimmt. Sie privatisierten kriminelle Gewinne und werden den Schaden durch die Öffentlichkeit, uns alle, tragen lassen. Der kalkulierte Wahn ging sogar das Risiko einer Depression ein, die Ausmasse der 1930-er Jahren annehmen könnte, mit all seinen Folgen.. Was haben wir dazugelernt?

    Die Medien, Olymp heutiger Helden.
    Unter dem Deckmantel eines Familienvaters, Normalbürgers und Angestellten eines Grosskonzerns infiltrierte der Künstler Roland Wagner unter eigenem Namen den Schweizer Schwimmsport, aber nur als Metapher. Das Mitschwimmen in pfeifengerade abgezirkelten Rennbahnen widerspiegelt das moderne Leben. Niemand kann sich dem Fluss entziehen.
    Mit medialen und realen Mitteln verschaffte sich der 44-jährige – wie er sich mitten in die Schwimmelite hineinkatapultiert hatte, bleibt sein gehütetes Geheimns – eine Bühne für seine «installative Eventskulptur». So bezeichnet die Kulturinstitution «Cabaret Voltaire» diese Kunst-aktion, die zuallererst eine «Soziale Skulptur» ist. Das Soziale zeigt sich darin, dass kein Mensch, nicht einmal der grösste Held, alleine zum Helden werden kann. Helden werden gemacht. Neben den gottgeschenkten Talenten, einer Portion guter Moral und etwas Mut braucht der Held immer ein Volk, über das er sich schwingen kann. Ein vielleicht veraltetes, aber wirkungsmächtiges Modell. Der gezielte, teils experimentell gezirkelte Einsatz von Tageszeitungen, Radio, Facebook, Blog, youtube, flickr, usw. hat Roland Wagner zusammen mit Ada M Riah und Team als einen skurilen Hoffnungsträger auflebenlassen.Glücklicherweise ist er dabei nicht abgesoffen.

    Erschummelter Weltrekord?
    Roland M. Wagner, dieser liebenswürdige und glaubwürdige Manager, Anti-Held und Glückspilz mit Schnauz zog über 500 Facebookfriends, einen absurden Bison Fanclub, 30′000 Ron Orp Newsletterempfänger, hunderttausende Tages Anzeiger-Leser, die Starkolumnistin des Wiener «Kuriers» (grösste Zeitung Österreichs) und Leserbriefschreiber aus Irland in seinen Bann.
    Warum? Um einem breiten Publikum ausserhalb von Museumsmauern einen künstlerischen Vortrag zum aktuellen und sich anbahnenden Disaster im Kampf gegen die krankhaften Entwicklungen der Leistungsgesellschaft zu präsentieren:

    Ur-definition von «Weltrekord»

    Ein Weltrekord ist etwas, das noch nie dagewesen ist. Noch nie ist jemand 00:00:00 Sekunden schnell geschwommen. Ein Protest gegen die von oben, unten, links und rechts diktierten Ziele. Roland Wagner wünscht sich eine Inflation von vielen Milliarden von neuen, «individuellen Weltrekorden». Durch Euch! Umgekehrte, unmessbare, wohltemperierte Eigenkreationen, mitten im Haifischbecken des vorherrschenden (bio-politischen) Kontrollsystems, das wir gar nicht mehr spüren können, weil es uns so angenehm umspühlt.

    00:00:00
    Diese symbolische und tatsächliche Umkehrung und Umkehr in der Mitte der kopflosen Hetze an der Spitze ist ein künstlerischer Akt. Er macht aus dem schwimmenden Manager Roland M. Wagner den Künstler und Mensch Roland Wagner, als physisch-körperlicher Akt im Protest gegen die virtuell ausgelöste Weltkrise, die uns alle am eigenen Leib treffen wird. Folgendes Zitat von Arthur Cravan führt alles vor Augen:

    « Die erste Bedingung für einen Künstler ist, schwimmen zu können »
    (1914, Zeitschrift «Maintenant»)

    AUFRUF ZUR KUNST DES HANDELNS! JEDE und JEDER, möge für sich selbst, die post-dadaistisch die Ära des Post-Weltrekords im Post-Neoliberalismus einläuten, hier an diesem seltsamen Orte, im Hallenbad zu Oerlikon, anlässlich der offiziellen Post-Schweizermeisterschaft im Schwimmen 2009. Eine Ur-Sonate! U – u – u – u – u – uhhhh!!!

    Stossen wir an auf das Ende aller irgendwie erschummelten Weltrekorde!

    Website: www.roland-wagner-will-den-weltrekord.tk

    Facebook-Seiten:
    Roland Wagner
    Bison WELTREKORD Fanclub

    Schwimmer: Roland Wagner
    Coach & Personal Manager: Ada M Riah
    Regisseurin: Ivana Lalovic
    Videokamera: Pascal Hofer
    Curating: Philipp Meier

    Roland Wagner benutzt für seine Wettkampfvorbereitung DUL-X und ist durch PROTEKTA versichert.

    Multitude in der Theaterkritik

    März 23rd, 2009 März 23rd, 2009
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    In der Wiener Tageszeitung “Der Standard” (20. März 2009) wurde vergangenen Samstag die Frage gestellt, ob die gegenwärtige Krise nicht auch etwas positives habe.

    Unter der Überschrift “Lauter Viele – zusammen nichts als Einzelne” bemüht “Theaterkritiker” Ronald Pohl diesen mit dieser Tätigkeit verbundenen bildungsbürgerlichen Kritikergestus um über ein Projekt “emanzipatorischer ‘Theorie’” schreiben zu können. Auf einer ganzen Seite wird die Idee der Multitude behandelt, aber man merkt den Gestus der Distinktion. Einerseits fasziniert davon, dass im Konzept der Multitudes bestimmte Lethargien hinter sich gelassen, aber doch stets bemüht, bloss nicht zuviel Identifikationsflächen zuzulassen:

    Die Krise lässt eine Frage brandaktuell erscheinen: Wer nimmt in der Gesellschaft der “Flexibilisierten” die Rolle des Proletariats ein?
    Linke Philosophen wie der Italiener Paolo Virno träumen von der “Multitude”.

    Rom – Die Konjunktur- und Krisenzyklen des Kapitalismus stellen die Verfechter linker, “emanzipatorischer” Theorie vor immer neue Aufgaben. So müssen die Vordenker einer “anderen” Gesellschaft heute schweren Herzens einräumen, dass der Begriff der Arbeit auch nicht mehr hält, was sich Karl Marx und dessen Jünger von ihm einst erhofft hatten.

    Denker wie der italienische Philosoph Paolo Virno – ein geläuterter Linksradikaler aus dem Umkreis der “Autonomia operaia” – geben daher große, spektakuläre Verlustanzeigen auf: Die Geldmärkte krachen, und die Volkswirtschaften haften für die enstandenen Löcher. Doch es findet sich niemand, der deswegen die moderne Arbeitsgesellschaft von Grund auf infrage stellen würde.

    Unter der Arbeiterklasse verstanden die Anhänger der politischen Ökonomie ursprünglich jenes “Subjekt, das den absoluten und den relativen Mehrwert produziert”. Arbeit wurde “gegenständlich” in Bezug auf jene Dinge und Sachen, in deren Herstellung eine genau bemessene Arbeitszeit investiert wurde. Heute ist das Erwerbsleben, dessen Bild vom edlen “Proleten” gespeist wurde, der ohne Unterlass an seiner Werkbank schuftet, bereits reiner Anachronismus geworden.

    Schliesslich folgt eine Schnellbleiche in Sachen Post-Fordismus, revolutionäres Subjekt und “Empire”:

    Wer sind die “Vielen”?

    Diejenigen, die den gesellschaftlichen Reichtum real erwirtschaften, nennt man heute die “Vielen” . Diese sind in ihrer konkreten “Vielheit” aber nicht konkret erfassbar. Denker wie Paolo Virno – vor ihm Antonio Negri und Michael Hardt in ihrem berühmten Epochenschwellenwerk Empire – schicken das gute alte Proletariat daher in die Rente. Die linke Theorie streckt und dehnt ihre Gliedmaßen. Noch weiß man aber nicht so recht, wer der Träger kommender Umwälzungen wirklich sein könnte.

    Spricht man heute über die Umwandlung und Überwindung der “fordistischen” Arbeitsgesellschaft, stößt man auf die “Multi-tude” : ein marginaler Begriff aus der Frühzeit der politischen Theorie. Er meinte in den Tagen von Thomas Hobbes (17. Jahrhundert) nichts anderes als jene unorganisierten Bürger, deren bloßes Da-Sein der klassische Staat bereits als Bedrohung seines “einheitlich” gefassten Willens empfinden musste. Heute feiert dieses eigentlich verfemte Wort unter den Bedingungen der Globalisierung ein spektakuläres Comeback.

    Das Subjekt des zeitgenössischen Erwerbslebens ist ein solcher Einzelner, der sich unter lauter “Vielen” wiederfindet. Er stellt keine Schrauben, und er raspelt auch keine Eisenspäne. Die Notdurft der körperlichen Mühsal hat – wenigstens in unseren Breiten – der vollautomatisierte Maschinenpark den arbeitenden Menschen großteils abgenommen.

    Schliesslich werden alle Begriffe genannt (General Intellect) oder Themen berührt (Subjektivierung der Arbeit), die der Diskurs gerade so zu bieten hat:

    Jeder, der für sein Einkommen zu sorgen hat, muss Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden, die ihm eine hohe Anpassungsfähigkeit ermöglichen. Der Held kommender, sich auf noch keinem Zukunftshorizont abzeichnender Arbeitskämpfe muss sich auf dasjenige Grundwerkzeug verlassen können, das allen Menschen mit-gegeben ist: den Grips, den man in Ausbildungsseminaren vielleicht “kommunikative Kompetenz” nennen würde.

    Begriff des “General Intellect”

    Virno bedient sich, um nur ja keinen Zweifel an seiner “kritischen” Grundhaltung zu lassen, eines Begriffes von Marx. Er bezeichnet die Fähigkeiten der sich selbst Flexibilisierenden als “General Intellect”. Auf ihn greift zurück, wer sich im Feld der Öffentlichkeit zu behaupten hat. Und sind heutige Arbeitsstätten nicht fast alle strukturiert wie “öffentliche Räume” ? Wer heute in einer Betriebszelle arbeitet, der muss lernen, mit anderen zu kooperieren. Er muss Argumente gebrauchen, um ein angestrebtes Produktionsziel bestmöglich zu erreichen. Er hat alle potenziellen Mittel an der Hand, um Widerspruch zu formulieren, und er kann – allein mit der Kraft des Wortes – als “politisch Handelnder” Wirksamkeit entfalten.

    “Handeln ist Zweck an sich”, formuliert die neue Linke gutgelaunt. Sie trägt eine geradezu pausbäckige Zuversicht zur Schau. Kommunikation sei die “Königin” unter den Produktivkräften. Mit sehnsüchtigem Blick auf die immaterielle Arbeit und deren Zulieferer träumen Virno und Co von einem neuen Subjekt, das, um sich zu emanzipieren, die alte, “nationalstaatliche” Politik wie einen Bettel hinter sich lässt.

    Natürlich eröffnen Einrichtungen wie das weltweite Netz Einblicke in die Vielstimmigkeit einer Weltgesellschaft, die sich an den Herdfeuern ihrer Eloquenz die immer geringfügiger beschäftigten Hände wärmt. Noch werden aber auch Löhne gezahlt. Und das geradezu blinde Vertrauen der Geldwirtschaft in die Nationalstaaten und deren Haftungserklärungen macht deutlich: Die nächste “Revolution” lässt bestimmt noch lange auf sich warten.

    Klaus Neundlinger: “Was ist immaterielle Arbeit?”

    März 20th, 2009 März 20th, 2009
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    In der hier vor zwei Tagen bereits erwähnten Bildpunkt-Ausgabe zum Material in der Materiellen Arbeit findet sich ein aufschlussreicher Text von Klaus Neundlinger (Was ist immaterielle Arbeit?), der auch Paolo Virnos “Grammatik der Multitude” für Turia + Kant übersetzt und gemeinsam mit Gerald Raunig die Einleitung verfasst hat. Darin findet sich eine ziemlich brauchbare Definition. Zunächst wird die Unterscheidung immateriell-materiell kritisch hinterfragt:

    Man kann die materielle von der immateriellen Arbeit nicht trennen, wenn man sich auf das Vermögen und auf die Akte bezieht, die jedem hervorgebrachten Wert zugrunde liegen. Arbeit als Ereignis, als Vollzug, spielt sich in der räumlichzeitlichen
    Wirklichkeit ab, so wie es undenkbar ist, dass in eine Handlung keine physisch ungreifbare analytische, logische, diese Wirklichkeit ordnende Tätigkeit eingeht. Arbeit besteht immer in der Verausgabung physischer und psychischer Energie. Wir sind immer beides, leibliches und geistiges Vermögen, und ebenso ist jede Umsetzung dieses Vermögens in konkrete Akte sowohl mit geistigem als auch mit leiblichem Aufwand verbunden. Wir sind von der materiellen Wirklichkeit und von der geistigen Welt affiziert und gestalten diese Wirklichkeit nach physischen wie psychischen Interessen, Bedürfnissen, Zwecken und Begriffen.

    Ungeachtet dessen erscheint ihm die Unterscheidung dennoch Sinn zu machen:

    Es ist dennoch nicht ganz verkehrt, von immaterieller oder materieller Arbeit zu sprechen, wenn man damit die Werte meint, die´jeweils hergestellt werden. Es besteht natürlich ein Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Produkten, je nachdem ob jemand Lebensmittel, ein Möbelstück, Kleidung bzw. ein technisches Gerät herstellt oder ob er oder sie einen Plan entwirft, ein Konzept erstellt, eine Beratungsleistung erbringt bzw. eine Werbekampagne entwickelt. Dennoch, auch an diesen wenigen aufgelisteten Beispielen sieht man, dass sich das Materielle und das Immaterielle nicht trennen lassen. In Möbel- und Kleidungsstücke geht Designarbeit ein, genauso wie eine Beratungsleistung ein räumlich-zeitliches Setting voraussetzt und eine Werbekampagne ohne die sinnliche Dimension der verwendeten Zeichen nicht auskommt. Die durch das Arbeitsvermögen erzeugten Differenzen (eine Variante im Design, ein neuer Geschmack, eine neue Kombination von Zeichen und Inhalten), die sich in Gebrauchswerte verwandeln, sind nichts anderes als die über die Sinnlichkeit vermittelten ordnenden Eingriffe in die Welt, die wir vor uns haben. Auf der anderen Seite, auf der Seite des Konsums, haben wir ebenfalls nicht nur die sinnliche Wahrnehmung oder die Integration einer materiellen Wirklichkeit in Stoffwechselprozesse, sondern eben auch eine immaterielle Arbeit der Dechiffrierung, des Genusses und der Bewertung von Produkten und Leistungen.
    Immaterielle Werte unterscheiden sich von materiellen dadurch, dass sie nicht „aufgebraucht“ werden. Oder besser, sie nutzen ich nicht auf dieselbe Weise ab, wie dies bei einem Lebensmittel, einem Möbelstück oder einem Gerät der Fall ist. Immaterielle Werte sind dennoch nicht für die Ewigkeit geschaffen, sondern hängen von zeit-, orts- und kontextbezogener symbolischer Produktion ab. Diese symbolische Produktion entscheidet über Konsumpräferenzen, Moden, Stile, „populäres“ Wissen, die Stellung´von ExpertInnen innerhalb des Produktions- und Konsumtionsprozesses usw. Man denke nur an die Ausdifferenzierung des Gesundheitsbereichs mit all den neuen alternativen Heilmethoden, Wellnessangeboten und Beratungsleistungen, aber natürlich auch an die Musik- und Kleidungskultur, innerhalb deren sich ständig eine Unzahl von Präferenzen und Zugehörigkeiten ausbreitet, ablöst, gegenseitig bekämpft oder zusammenschließt.

    Nachtrag zum Vortrag von Rudi Maier (Vorlesungsreihe ästhetik@subversion)

    März 19th, 2009 März 19th, 2009
    Posted in Veranstaltungen / VTH
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    Zur Vorlesung mit Rudi Maier (Ludwigsburg) im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe ästhetik@subversion («What are you fighting for? Revolutionäre Ikonographie in kommerziellen Werbeanzeigen von 1967 bis heute») vom 11.3. 2009 hier noch ein paar Literaturhinweise:

    Literatur und Materialien

  • Anzeige des Monats auf der Webseite der Mediologischen Vereinigung Ludwigsburg “so geht revolution”
    Werbung & Revolte – ein Ausstellungsprojekt in progress
     http://home.bawue.de/~mauss/monat.html [Stand 26.2.2009]
  • Rudi Maier: Protest | Support | Act – Zur Ökonomisierung der Zeichen des Protests. In Codeflow (Hg.) : Critique of Pure Image – Between Fake and Quotation. The BookOnline-Publikation: http://www.code-flow.net/fake/book/maier…
    english: http://www.code-flow.net/fake/exhibition…
    [Stand 26.2.2009]
  • Rudi Maier: Image. Imagine. Imagineering. Intervenieren im kognitiven Kapitalismus. In: Christoph Haug / Rudi Maier / Berit Schröder (Hg.): Kampf um Teilhabe. Akteure, Orte, Strategien. Hamburg 2008: VSA. Online verfügbar http://home.bawue.de/~mauss/Maier_KuT.pd… [Stand 26.2.2009]
  • Rudi Maier: Ein Zeichen ist ein Zeichen … ist ein Zeichen. Das Kunstmuseum Lentos in Linz widmet sich der Subversion der Zeichen und stellt Fragen zur politischen Reichweite des »Culture Jamming«. In: Jungle World Nr. 13, 31. März 2005. Online verfügbar: http://jungle-world.com/artikel/2005/13/… [Stand 26.2.2009]
  • Letzte Veröffentlichung:

  • Maier, Rudi: “Ein Herz braucht das Blut, so wie wir unsere Kunden”: Firmenhymnen und Firmensongs aus
    kulturwissenschaftlicher Perspektive. In: Herrlyn, Gerrit/Müske, Johannes/Schönberger, Klaus/Sutter, Ove: Arbeit
    und Nicht-Arbeit. München/Mering 2009, S. 117-139.
  • Bildpunkt: Immaterielle Arbeit und ihr Material

    März 19th, 2009 März 19th, 2009
    Posted in Kritik der Politischen Ökonomie
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    Das Bildpunkt-Heft Frühling 2009 “Immaterielle Arbeit und ihr Material” der Zeitschrift der IG Bildende Kunst ist erschienen:

    Bildpunkt

    Download hier

    Immaterielle Arbeit ist nicht nur das, was früher Dritter Sektor oder die Reproduktion genannt wurde. Auch ganz fundamentale Kommunikation ist immaterielle Arbeit. Glaubt man postoperaistischen Intellektuellen wie
    Michael Hardt, Antonio Negri oder Maurizio Lazzarato, hat sich auch der soziale Stellenwert immaterieller Arbeit enorm gewandelt: Sie ist zur hegemonialen Form von Vergesellschaft und Produktion geworden. Leben wir also in der herrschaftsfreien Artokratie? Oder ist doch alles ganz anders? Rühren KünstlerInnen noch die Farbe an oder sind sie selbst das Material, das sie auftragen müssen?

    Dass Arbeitsverhältnisse sich wandeln, kann kaum bestritten werden. Und dass künstlerische Modelle und intellektuelle Praktiken in diesen Transformationen eine besondere Rolle einnehmen, wird von verschiedensten Studien und Gefühlslagen bestätigt. Warum aber ausgerechnet eine Gruppe von Leuten zum ökonomischen Role-Model wurde, die – bezieht man es konkret auf die bildenden KünstlerInnen in Österreich – mit ihrer originären Tätigkeit in der Hälfte aller Fälle kaum mehr als 3.500 Euro pro Jahr verdient und deren Gesamtheit überhaupt weniger Einkommen als vor zehn Jahren hat, mutet doch etwas wunderlich an. Nicht nur über ihre Wirkmächtigkeit wäre also zu streiten.

    Diese Ausgabe des Bildpunkt greift Fragen auf, die (nicht nur) im Laufe der Diskussionen um Hardts und Negris Theorie-Beststeller Empire aufgeworfen wurden. Wir gehen dabei davon aus, dass diese Diskussionen weder abgeschlossen sind, noch sich auf den postoperaistischen Theorierahmen beschränken. Das Material der immateriellen Arbeit in den Blick zu nehmen, meint u.a. den Versuch, die Debatte etwas zu erden und sie von den Praktiken und Kämpfen her anzugehen.

    Inhalt des aktuellen Bildpunkt

    • Klaus Neundlinger:: Was ist immaterielle Arbeit?
    • Susanne Schultz:: Zur feministischen Kritik am Begriff der “immateriellen Arbeit”
    • Immaterielle Arbeit und ihr Material im Gespräch:: .die realen Lebensverhältnisse nicht berücksichtigt. Mit Käthe Knittler und Marion von Osten
    • Markus Wailand:: Should they stay or should they go?
    • Susanne Lang:: Kaltherzigkeit als Waffe?
    • Ceren Türkmen:: Drin ist, wer hybrid genug ist
    • Angela Mitropoulos:: Die Internalisierung des Kommandos als Gewohnheit
    • Jens Kastner:: Immaterielle Arbeit und ihr Material im Buch
    • Poster und Rückseite:: Stefanie Seibold
    • Bildstrecke:: Anna Artaker
    • Daniela Koweindl:: Freiheit und Prekarität
    • Sebastian Weissenbacher:: Ein EUropäisches Weißbuch (in Arbeit)

    Bildpunkt erscheint vier Mal im Jahr. Jede Ausgabe widmet sich einem Themenschwerpunkt. Zentral sind dabei
    ästhetische, aktivistische und theoretische Strategien samt ihrer gegenseitigen Verschränkungen und Überschneidungen.

    Redaktion: Eva Dertschei, Jens Kastner (Koordination), Daniela Koweindl, Nora Sternfeld, Carlos Toledo

    Versand-Abos sind zum Kostenbeitrag von EUR 12,- (Österreich) bzw. EUR 16,- (außerhalb Österreich) pro Jahr über die IG Bildende Kunst zu beziehen.

    Bildpunkt bestellen:
    IG Bildende Kunst
    Gumpendorfer Straße 10-12
    A-1060 Wien
    Email:  office at igbildendekunst.at
    Tel.: +43 (0)1 524 09 09

    Bildpunkt
    Zeitschrift der IG Bildende Kunst
     http://www.igbildendekunst.at/bildpunkt

    Rebellieren: Schuhe tragen oder werfen?

    März 19th, 2009 März 19th, 2009
    Posted in Praxen der Kritik
    1 Kommentar

    Schaufensterdekoration im Zürcher Kreis 5 (11.3. 2009)

    “Die neue Schuhmode”

    Interessant an dem folgenden Artikel aus der NZZ (4.2. 2009) finde ich den Schluss, wobei mir nicht klar ist, ob derselbe als Analyse oder triumphierend gemeint ist:

    Mit «geschwärztem Gesicht, einem Strick um den Hals sowie einer Halskette aus Schuhen» solle er durch die Städte Indiens getrieben werden: So wütete ein sunnitischer Religionsgelehrter gegen den Gründer der Ahmadija, einer im 19. Jahrhundert hervorgetretenen Glaubensgemeinschaft mit islamischen Wurzeln, die orthodoxen Muslimen dennoch Anathema ist. Die zweckentfremdete Fussbekleidung als Schandmal hat in der islamischen Welt Tradition – und erfährt im globalen Zeitalter trotz allen Konfrontationen zwischen Ost und West derzeit offenbar eine Renaissance. Initiiert hat diese der irakische Journalist Muntadhar az-Zaidi, der am 14. Dezember sein Schuhwerk in Richtung des amerikanischen Präsidenten pfefferte und dafür in der ganzen arabischen Welt gefeiert wurde – Muammar Ghadhafis Tochter verlieh ihm eine Ehrenmedaille, in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit wurde gegen Ende Januar eine bronzene Schuhskulptur von moderater künstlerischer Anmutung enthüllt, aber bereits nach zwei Tagen wieder abgeprotzt.

    Doch az-Zaidis Beispiel hat über die Grenzen des arabischen Kulturraums hinaus Schule gemacht: Sowohl postalisch wie auch mit direkten Wurfaktionen wurde der aus dem Amt scheidende George W. Bush mit einer unerwünschten Musterkollektion von Schlappen, Stiefeln, Turnschuhen und Pumps eingedeckt, im Internet durfte jeder, der mochte, sich in der neuen Disziplin erproben. Anti-WEF-Demonstranten haben sich vor der Basler UBS ihrer (so nehmen wir an) aus der Mode gekommenen Treter entledigt, und am Montag wurde nun auch der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao während einer Rede in der Universität Cambridge Opfer einer Schuhattacke.

    Wer Abdelrachman Munifs «Salzstädte» kennt – den ersten Teil der grossartigen Pentalogie über den Aufstieg des Wüstenstaats Saudiarabien zur Ölmacht -, der weiss freilich, dass der Schuh buchstäblich auf den Schützen zurückfallen kann. In einer unvergesslichen Szene bombardieren dort die als Bau- und Hafenarbeiter rekrutierten, in stickige Baracken gepferchten Beduinen die glutheissen Wellblechdächer ihrer Unterkünfte mit Schuhen, die als schmutziger Regen der Schmach umgehend auf sie selbst niedergehen. Der Schuhwurf – das wäre von Munif zu lernen – kann nicht nur Ausdruck der Geringschätzung sein, sondern auch Symbol der eigenen Ohnmacht.

    Angela Schader

    Vgl. ausserdem eine Prognose, die nicht wirklich schwer zu treffen war (Standard 15.12.2008). Zum Schuhwerfer hier entlang.

    Philipp Sarasin “Im Gespäch” auf Ö1 über Foucault und Darwin

    März 19th, 2009 März 19th, 2009
    Posted in Michel Foucault
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    Heute abend, Donnerstag, 19. März 2009, 21:01 Uhr auf Ö 1 (Live-Stream)
    (Ab morgen kostenpflichtig downloadbar)

    Im Gespräch

    Was haben der französische Philosoph und Historiker Michel Foucault – Vordenker der Postmoderne – und der britische Naturforscher Charles Darwin – Begründer der Evolutionstheorie – gemeinsam?

    Für beide ist nichts wesentlich, alles ist ständig in Veränderung. Und für beide gibt es hinter der Geschichte der Menschheit keinen großen Masterplan, keine alles bestimmende Logik, sondern nur Zufälle, Diskontinuitäten und Brüche. Sagt der Schweizer Historiker Philipp Sarasin, Professor für Neuere Allgemeine Geschichte am Historischen Seminar der Universität Zürich, und legt auch gleich ein Buch vor, das die Parallelen in Darwins und Foucaults Denken aufzeigt: “Darwin und Foucault – Genealogie und Geschichte im Zeitalter der Biologie”.

    Darwin, sagt Sarasin, wollte menschliche Herkunft rekonstruieren und fand dabei heraus, dass es nichts “Ursprüngliches” gibt, sondern nur Zerstreuung und unendliche Vielfalt. Und auch das verbinde ihn mit Foucault, der auch menschliche Herkunftsgeschichte rekonstruiert und dabei alles auflöst, was “wesenhaft” erscheint.

    Renata Schmidtkunz im Gespräch mit dem Schweizer Historiker Philipp Sarasin.

    WOZ-Interview (12.02. 2009) mit Philipp Sarasin von Marcel Hänggi:

    Darwin und Foucault
    «Darwin baut die Brücke zwischen Kultur und Natur»

    Der Zürcher Historiker Philipp Sarasin liest die beiden Autoren parallel – und denkt über die Rolle der Kulturwissenschaften in Zeiten krachender Banken nach.

    Unter den unzähligen Büchern, die im Darwin-Jahr 2009 erscheinen, gehört «Darwin und Foucault» des Historikers Philipp Sarasin zweifellos zu den originellsten. Im Vorwort nennt es Sarasin ein «Experiment», zwei der «aggressivsten ‹Säuren› der Theoriebildung in eine Schale zu giessen». Für Sarasin stammt Michel Foucault, wie es auf dem Klappentext heisst, «von Darwin ab». Weder Darwin noch Foucault hätten zwischen Natur und Kultur eine scharfe Grenze gezogen – und so liegt denn die ironische Pointe des Buchs darin, dass Sarasin Foucault gegen die (foucaultianischen) KulturalistInnen liest, für die alle Realitäten letztlich nur Zeichen und Diskurse sind, und Darwin gegen die (darwinistischen) BiologistInnen, die glauben, der Mensch lasse sich allein aus der Biologie respektive der Evolu­tion her­aus verstehen. Das wird etwa dort besonders lustvoll, wo Sarasin dem Turbo-­­Darwinisten und missionarischen Atheisten Richard Dawkins nachweist, dass er in seinem Weltbild eigentlich nicht auf einen Gott verzichten könne …

    WOZ: Sie schreiben gegen Biologismus und Kulturalismus – das ist das Programm des gesunden Menschenverstands gegen zwei unvernünftige Weltsichten. Braucht es dazu 420 gelehrte Seiten?

    Philipp Sarasin (lacht): Ich plante einen Essay von achtzig Seiten. Der Biologismus und der Kulturalismus sind in der Tat unvernünftige Ideologien in dem Mass, in dem sie sich absolut setzen. Aber wenn man sie ablehnt, muss man genau argumentieren. Anhand von Foucault und Darwin zu zeigen, dass es ein Denken dazwischen gibt, braucht Zeit.

    Und dazu beriefen Sie sich auf die beiden Kronzeugen der jeweiligen Ideologie.

    In der Tat wird Foucault als Kronzeuge des Kulturalismus eingesetzt, für den alles nur «Diskurs» ist. Zu Unrecht: Foucault sagte immer deutlich, dass er nicht einfach an die Welt der Zeichen glaubt. Bei Darwin musste ich selber erst realisieren, dass er fälschlicherweise als Kronzeuge des Biologismus gilt.

    Literaturtipps

    Philipp Sarasin: Darwin und Foucault: Genealogie und Geschichte im Zeitalter der Biologie. Suhrkamp Verlag, 2009, ISBN: 978-3518585221
    Rezension von Christoph Geulen

    Philipp Sarasin: “Michel Foucault zur Einführung”, Junius Verlag, 2008, ISBN: 978-3885066330

    Via Adresscomptoir

    Jens E. Sennewald – Zu Gast in der Vertiefung Theorie (VTH):

    März 19th, 2009 März 19th, 2009
    Posted in Veranstaltungen / VTH
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    Mittwoch 25. März 2009, 10:00 Uhr
    Jens Emil Sennewald (Paris)
    «Dem Bild zu schreiben. Kunstkritik als Antwort.»

    Der Kunstkritiker Dr. Jens Emil Sennewald spricht im Rahmen des Kontext-Seminars «Kunstkritik» (Annemarie Bucher/Ludger Schwarte). Interessierte sind herzlich eingeladen.

    Veranstaltungsort: Förrlibuckstrasse 62, 2. Stock, Raum 2.421


    Zur Person:

    Als Kunstkritiker und Publizist arbeitet Dr. Jens E. Sennewald in Paris überwiegend für deutschsprachige Zeitschriften, darunter Kunstbulletin (Zürich), springerin (Wien), Kunstzeitung (Regensburg), Weltkunst (München). Er verfolgt – auch als Mitglied einer Forschungsgruppe an der Universität, sowie als Mitherausgeber des Publikationsprojekts «arts et sciences en recherche transversale Erkundungen in Kunst und Wissenschaft» – seine Forschungen zum Symbolischen, den Wechselwirkungen zwischen Kunst und Wissenschaft sowie den Interdependenzen von Schrift und Bild.

    Mit der Forschungsarbeit Zur Poetik der «Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm»; hat er sich an der Universität Hamburg als Literaturwissenschaftler promoviert. Neben Vorträgen, Veranstaltungsreihen, Essays, Hörfunk-Arbeiten und Artikeln produziert er auch Performances und künstlerisch-literarische Texte. Forschungsfelder: Wechselwirkungen von Kunst und Wissenschaft, dynamische Raumkonzepte und Konfigurationen von Zeichnung. Zahlreiche Artikel und aktuelle Veröffentlichungen.

    Vertiefung Theorie / Bewerbungsschluss, 26. März 2009

    März 18th, 2009 März 18th, 2009
    Posted in Studium/Bewerbung
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    THEORY RELOADED
    Kultur-Theorie als Labor für Medienpraxis und künstlerische Intervention an der ZHdK

    REMIX
    Theorie als Studium? Und dazu auch noch an einer Kunsthochschule? Genau. Kulturtheorie wird an der Zürcher Hochschule der Künste als anspruchsvolle Ausbildung mit einem hohen Anteil an experimentellen ästhetischen Prakiken angeboten. Gerade diejenigen, die im kulturellen Leben reflektiert handeln wollen, werden von fundierten Kenntnissen der Kulturtheorie in vielerlei Hinsicht profitieren. Vor allem werden sie wissen, dass Theorie, die Anstrengung des Begriffs, durchaus Spaß machen kann. Auch wer sich als kritische AutorIn vor allem für die kritische Reflektion und konzeptuelle Entwicklung der eigenen ästhetischen Praxis interessiert, ist im Bachelor „Medien und Kunst“ in der Vertiefung (Kultur-) Theorie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) bestens aufgehoben. Hier werden bewährte wie neue ästhetische Praktiken ausprobiert, Kulturwissenschaft mit Gesellschaftskritik verbunden, philosophische Grundfragen diskutiert, methodisches Grundwissen vermittelt und mit Techniken der Intervention medial wie im öffentlichen Raum experimentiert.

    In den nächsten Jahren werden wir die Möglichkeit  KULTURTHEORIE an der ZHdK zu studieren (so könnte der Studiengang demnächst heißen) weiter entwickeln und möchten auf diesem Weg hierüber informieren.

    CULTURAL THEORY 2.0
    Wir bieten:

    • eine anspruchsvolle, klar strukturierte Grundausbildung mit praktischen Anteilen.
    • Themenfelder: Ästhetik, Kulturwissenschaft, Gesellschaftswissenschaft, Philosophie und Medientheorie, sowie die theoretische Reflexion künstlerischer Praktiken (Bildende Kunst, Fotografie, Mediale Künste…).
    • eine sehr gute Betreuungsrelation, ein junges, hochqualifiziertes Team von DozentInnen und GastdozentInnen.

    Wir bilden aus: AutorInnen, die eine Zukunft als FilmemacherInnen, LiteratInnen, PerformerInnen, KuratorInnen, VeranstaltungsmacherInnen, ForscherInnen, JournalistInnen oder AktivistInnen vor Augen haben oder in beratender Funktion in Medien, Verlagen und Museen, in Kulturinstituten, Agenturen und Institutionen wirken wollen.

    Wir suchen: Engagierte Studierende, die einen fast konkurrenzlosen Betreuungsschlüssel von Lehrenden und Studierenden und die damit verbundene individuelle Förderung zu schätzen wissen, die neugierig und gesellschaftlich engagiert sind und geduldig genug, um die Ressourcen theoretischer Reflexion für interessante Projekte nutzen zu können.

    Die Fakten:
    Zum 1. Februar 2009 bekommt die bisherige Vertiefung “Theorie – Das praxisnahe, kulturwissenschaftliche Studium mit den Schwerpunkten Kunst und Design” an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) eine neue Leitung. Unter Leitung von Ludger Schwarte (Dozentur für die Theorie des Ästhetischen) und Klaus Schönberger (Dozentur für Kultur- und Gesellschaftstheorie) wird auch das Studium für das Herbstsemester 2009/2010 neu konzipiert werden. Über das Studium erschliesst sich den Studierenden ein ausgedehntes Netzwerk an Kontakten und Zugängen zu zahlreichen Bereichen von Kunst, Design, Medien und Kultur.

    Der Abschluss lautet: “Bachelor of Arts in Medien & Kunst” – Danach lässt sich der „Master of Art in Fine Arts“ im Departement Medien & Kunst anschliessen.

    MAKE IT YOURS

    Der Bewerbungsschluss für den BA-Studiengang Medien & Kunst ist der 26. März 2009
    Bewerbungshinweise:
     http://www.zhdk.ch/pages/de/studiengaeng…

    Die Auswahlgespräche finden am 2. und 3. April statt.

    Klaus Schönberger / Ludger Schwarte
    Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
    Vertiefung Theorie VTH
    Förrlibuckstrasse 62
    Postfach
    CH-8031 Zürich

    Telefon +41 (0)43 446 31 94 – E-Mail: mail.theorie[at]zhdk.ch
    Webpage: http://sth.web-publishing.ch/

    Weitere Informationen:
    www.zhdk.ch

    Nicht alle Theorie ist grau

    März 18th, 2009 März 18th, 2009
    Posted in Allgemein
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    Willkommen zu unserem Theorie- und KonzeptLabor im Department Kunst und Medien in der Vertiefung Theorie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

    Hier finden sich Hinweise auf Texte, Links, Veranstaltungen oder Ereignisse, die für die Arbeit und das Studium in unserer Studienvertiefung interessieren könnten, relevant oder sonstwie von Interesse sind.

    Dabei gilt es nicht nur unsere Anstrengungen zum und des Begriffs sichtbar zu machen, sondern auch einen inhaltlichen Zusammenhang entstehen zu lassen. Dabei ist weder Kohärenz noch Systematik angestrebt. Aber Vorlieben sind weder vermeidbar noch unbeabsichtigt.