{"id":33,"date":"2013-11-20T22:58:15","date_gmt":"2013-11-20T20:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/?page_id=33"},"modified":"2017-10-30T16:40:32","modified_gmt":"2017-10-30T15:40:32","slug":"forschungsvorhaben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/forschungsvorhaben\/","title":{"rendered":"Forschungsvorhaben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausgangspunkte<\/strong><\/p>\n<p>Die Kunsthochschule wird in der internationalen Forschung als Feld beschrieben, das zum \u00abpreserve of the privileged\u00bb (Malik-Okon 2005) und damit zur Reproduktion von sozialer Ungleichheit tendiert. Verschiedene Studien zeigen, \u00abwie sehr das Studium der \u2039freien K\u00fcnste\u203a weiterhin als ein Privileg anzusehen ist, das vor allem von Angeh\u00f6rigen \u2039bildungsnaher\u203a, EU-einheimischer und \u00f6konomisch wohlhabender Schichten wahrgenommen wird\u00bb (Holert 2010). Die Relevanz dieser Thesen f\u00fcr die Schweiz untersuchte und \u00fcberpr\u00fcfte die vom Institute for Art Education durchgef\u00fchrte Vorstudie <a title=\"Vorstudie\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/preliminary-study\/\"><span style=\"color: #ffcc00\"><span style=\"color: #ffcc00\">Making Differences: Schweizer Kunsthochschulen<\/span><\/span><\/a> durch quantitative und qualitative Erhebungen an drei Kunsthochschulen (Bern, Genf, Z\u00fcrich).<\/p>\n<p>Die Studie ergab ein komplexes und differenziertes Bild zu Inklusion und Exklusion in diesem spezifischen Sektor der terti\u00e4ren Bildung, der durchaus nicht nur \u00abart for a few\u00bb (Burke\/McManus 2009) vermittelt, jedoch zweifellos signifikante Asymmetrien und Ausschl\u00fcsse herstellt und reproduziert. Entgegen dem Mobilit\u00e4tsversprechen scheinen gerade die schweizerischen Kunsthochschulen nach wie vor durch deutliche soziale Schliessungsprozesse gekennzeichnet. Die Ergebnisse der Vorstudie legen fraglos nahe, dass die gesetzlich verankerte Gleichstellung von verschiedenen sozialen Gruppen \u2013 bei allen geleisteten Anstrengungen und messbaren Ver\u00e4nderungen \u2013 im Feld der Kunsthochschule noch zu erreichen ist. Das gilt f\u00fcr die \u00abGleichstellung von Mann und Frau\u00bb noch ebenso wie, in ungleich st\u00e4rkerem Mass, f\u00fcr andere benachteiligte soziale Gruppen, vor allem Migrant_innen oder Kandidat_innen aus dem nicht-urbanen Raum.<\/p>\n<p><b>Kooperationsprojekt von drei Kunsthochschulen<\/b><\/p>\n<p>Art.School.Differences ist ein auf diesen Erkenntnissen aufbauendes Forschungsprojekt in Kooperation von drei Schweizer Hochschulen, der <b>HEAD \u2013 Gen\u00e8ve, Haute \u00e9cole d&#8217;art et de design<\/b>, der <b>Haute \u00e9cole de musique HEM Gen\u00e8ve \u2013 Neuch\u00e2tel<\/b> und der <b>Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste<\/b> (ZHdK). Ziel ist es, den komplexen Konfigurationen von Ungleichheit, Ein- und Ausschl\u00fcssen in der Kunsthochschule genauer nachzugehen, diese zu verstehen und zu ver\u00e4ndern. Dabei werden sowohl der Transformation der Institution Kunsthochschule im europ\u00e4ischen Hochschulraum als auch den Effekten von Globalisierung und Migrationsgesellschaft Rechnung getragen.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr Art.School.Differences ist, dass Forschung und Praxis im Projektdesign konzeptuell verschr\u00e4nkt sind. Die Praxis beziehungsweise die Praktiker_innen werden also nicht beforscht und nachtr\u00e4glich \u00fcber die Ergebnisse informiert, sondern aktiv in den Forschungsprozess involviert. Das Projekt setzt damit dezidiert auf partizipative Forschung und ein methodisches Setting, in dem verschiedene Akteur_innen des Feldes \u2013 Lehrende, Studierende, K\u00fcnstler_innen \u2013 als <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/ko-forschung\/\">Ko-Forscher_innen<\/a> mitarbeiten. Art.School.Differences will in den Institutionen Protagonist_innen f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Ungleichheit engagieren und qualifizieren sowie die Methoden f\u00fcr eine weitergehende partizipative Forschung erarbeiten, die auch f\u00fcr andere Hochschulen relevant sind.<\/p>\n<p><b>Die zwei Projektphasen von Art.School.Differences<\/b><\/p>\n<p>Auf Basis der in der Vorstudie erarbeiteten Grundlagen werden in einer ersten Projektphase Ein- und Ausschl\u00fcsse in allen Etappen des \u00abstudent lifecycle\u00bb und auf verschiedenen institutionellen Ebenen erforscht. Dabei wird durch die Kombination von klassisch sozialwissenschaftlichen mit kulturwissenschaftlichen Ans\u00e4tzen eine der Komplexit\u00e4t des Themas ad\u00e4quate Methodik gesucht. Der f\u00fcr das Gatekeeping der Kunsthochschule entscheidende Prozess der Aufnahme wird hier besonders intensiv untersucht. Wir gehen davon aus, dass sich gerade in der Untersuchung dieses vielschichtigen Selektionsprozesses ein transdisziplin\u00e4rer Ansatz bew\u00e4hren und etwa der performativen Dimension und der vielf\u00e4ltigen Verk\u00f6rperung von Habitus gerecht werden wird. Teilnehmende Beobachtungen, Gruppendiskussionen und Interviews sind dabei ebenso vorgesehen wie die Untersuchung von Diskursen oder Curricula. Als Ergebnisse dieser Phase liegen empirische Befunde zu Prozessen, Politiken und Praktiken der Inklusion und Exklusion vor. <\/p>\n<p>Im Fokus der zweiten Phase stehen die sieben Gruppen von Ko-Forschenden (Lehrende und Studierende), die ihre eigenen Ko-Forschungsprojekte an den beteiligten Hochschulen durchf\u00fchren. Mit ihnen gemeinsam wurde eine Schulung zum Themenfeld der Ungleichheit an Kunsthochschulen durchgef\u00fchrt, die Grundlagen f\u00fcr eine partizipative Forschung durch Akteur_innen des Felds hergestellt hat: Lehrende und Studierende unterschiedlichster k\u00fcnstlerischer Disziplinen wurden eingeladen, sich aus ihrer jeweiligen Arbeitsperspektive und mit den entsprechenden Methoden dem Untersuchungsgebiet und den Erkenntnisinteressen von Art.School.Differences anzun\u00e4hern. Zwischen September 2014 und Juli 2015 haben f\u00fcnf Kolloquien statt gefunden, welche den Ko-Forscher_innen als Schulung zu den ausgew\u00e4hlten Themenfeldern im Zusammenhang mit Ungleichheit und Inklusion\/Exklusion an Kunsthochschulen dienen. F\u00fcr jedes Kolloquium wurde ein Set von Materialien und Methoden in Form eines <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/reader\/\">Readers<\/a> erarbeitet, das nach Projektabschluss f\u00fcr ein engagiertes Weiterforschen zu Ungleichheiten und Normativit\u00e4ten an Hochschulen zur Verf\u00fcgung steht. Zu den Kolloquien wurden Theoretiker_innen und Kunstschaffende eingeladen, die durch Vortr\u00e4ge und Workshops die Vermittlung der behandelten Themenfelder diskutierten und weiter vertieften. Den Ko-Forschenden wurde so erm\u00f6glicht, ihr Wissen \u00fcber theoretische Konzepte und methodische Vorgehensweisen zu vertiefen und gleichzeitig diese Thematiken in ihre eigenen Projektideen einfliessen zu lassen. Jede Forschungsgruppe agiert in der konkreten Auseinandersetzung mit den Themen der Kolloquien autonom und ist selbst f\u00fcr deren Einbindung in die eigenen Projekte verantwortlich. Dazu wird eine konstante und pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung durch das Forschungsteam von Art.School.Differences gew\u00e4hrleistet. Das gemeinsam erarbeitete Wissen \u00fcber Ungleichheiten, Inklusion\/Exklusion und institutionellen Rassismus im Feld der Kunsthochschule sowie potentielle Gegenstrategien bzw. M\u00f6glichkeiten zur Intervention wurden gesammelt und in den Schlussbericht sowie den Readern mit reflektiert. Die Zusammenfassungen der Ko-Forschungsprojekte finden sie <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/ko-forschung\/\">hier<\/a> (in Englisch)<\/p>\n<p>Mit Art.School.Differences wird ein partizipatives Modell forschungsbasierter Hochschulentwicklung in Richtung sozialer Gerechtigkeit erprobt, \u00fcberzeugt davon, dass die Hochschule mehr Egalit\u00e4t, Pluralit\u00e4t, Heterogenit\u00e4t braucht. Teil des Schlussberichtes sind identifizierte Handlungsfelder zur Ver\u00e4nderung bestehender Strukturen, Prozesse und Praktiken an Schweizer Kunsthochschulen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangspunkte Die Kunsthochschule wird in der internationalen Forschung als Feld beschrieben, das zum \u00abpreserve of the privileged\u00bb (Malik-Okon 2005) und damit zur Reproduktion von sozialer Ungleichheit tendiert. Verschiedene Studien zeigen, \u00abwie sehr das Studium der \u2039freien K\u00fcnste\u203a weiterhin als ein Privileg anzusehen ist, das vor allem von Angeh\u00f6rigen \u2039bildungsnaher\u203a, EU-einheimischer und \u00f6konomisch wohlhabender Schichten wahrgenommen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/forschungsvorhaben\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Forschungsvorhaben<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1571,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":2,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-33","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/33","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1571"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33"}],"version-history":[{"count":45,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/33\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4325,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/33\/revisions\/4325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}