{"id":1052,"date":"2014-12-12T16:08:58","date_gmt":"2014-12-12T15:08:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/?p=1052"},"modified":"2018-04-17T17:22:09","modified_gmt":"2018-04-17T15:22:09","slug":"bildungs-und-kunstsoziologie-das-zweite-kolloquium-von-art-school-differences-am-28-und-29-november-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/2014\/12\/12\/bildungs-und-kunstsoziologie-das-zweite-kolloquium-von-art-school-differences-am-28-und-29-november-2014\/","title":{"rendered":"Bildungs- und Kunstsoziologie: Das zweite Kolloquium von Art.School.Differences am 28. und 29. November 2014 an der ZHdK"},"content":{"rendered":"<p>Im Zentrum des 2. Kolloquiums von Art.School.Differences standen soziologische Forschungskonzepte. Die beiden \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4ge wurden von Ulf Wuggenig (Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg) und Olivier Moeschler (Universit\u00e9 de Lausanne) gehalten. Jackie McManus musste ihren Vortrag zu \u00abHopes and Fears for Art: policy and practice in widening participation in art and design higher education in the UK\u00bb leider sehr kurzfristig absagen. Umso erfreulicher war es, dass sich Ulf Wuggenig kurzerhand bereit erkl\u00e4rte, neben seinem Schulungs-Workshop am Samstagvormittag auch einen \u00f6ffentlichen Abendvortrag am Freitag zu halten. Wir werden sobald als m\u00f6glich einen neuen Termin f\u00fcr den Vortrag von Jackie McManus festlegen.<\/p>\n<p>In seinem Vortrag unter dem Titel \u00abSociological Frames of References for Decision-Making in Art Schools. Value systems and their social embeddings from the perspectives of field theory, pragmatist sociology and the art worlds approach\u00bb verglich Ulf Wuggenig mehrere Theorieans\u00e4tze, die in der zeitgen\u00f6ssischen Kunstsoziologie von \u00fcbergeordneter Relevanz sind: Zum einen die Feldtheorie Pierre Bourdieus und die Systemtheorie Luhmanns, andererseits aber auch die pragmatische Soziologie der Rechtfertigungsordnungen von Luc Boltanski und Eve Chiapello, welche auf die Forschung von Boltanski und Laurent Th\u00e9venot aufbaut, sowie den Art worlds-Ansatz von Howard Becker. Die Folien zum Vortrag von Ulf Wuggenig finden sie <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/files\/2014\/12\/Wuggenig_Lecture_Zurich_ZHdK_28.11.2014.pdf\">hier.<\/a><\/p>\n<p>Olivier Moeschler pr\u00e4sentierte in seinem Vortrag \u00abWhat\u2019s the Difference? Cultural Democratization and the Social Determinants of Artistic Practices: Theoretical Considerations and a Swiss Case Study\u00bb einige Resultate seiner <a href=\"http:\/\/www.antipodes.ch\/collections\/existences-et-societe\/de-lecole-a-la-scene-detail\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Studie <\/a>zu Absolvent_innen der Westschweizer Theaterhochschule (gemeinsam verfasst mit Val\u00e9rie Rolle). Am Begriff des \u00abcr\u00e9acteur\u00bb (zusammengesetzt aus den franz\u00f6sischen Begriffen <em>cr\u00e9ateur<\/em> \u2013 Sch\u00f6pfer und <em>acteur<\/em> \u2013 Schauspieler) exemplifizierte Moeschler sowohl die k\u00fcnstlerischen, als auch unternehmerischen Anforderungen, die heutzutage an Kunsthochschulstudierende gestellt werden. Dabei zeigte sich auch, wie Projekte mit dem Ziel der F\u00f6rderung von \u00abDiversit\u00e4t\u00bb ungewollt bestehende Ungleichheitsstrukturen im Zugang zu einer Hochschule verfestigen k\u00f6nnen. Diese Feststellung trifft sich auch elementar mit den zentralen Forschungsinteressen von Art.School.Differences. (Siehe auch die <a href=\"https:\/\/journals.openedition.org\/sdt\/351\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Rezension <\/a>der Studie von Marie Buscatto.)<\/p>\n<p>Im Rahmen des Schulungs-Workshops vom Samstagvormittag verdeutlichte Ulf Wuggenig ausf\u00fchrlich die Relevanz und Bedeutung von Bourdieus Theorie der Praxis (Feld, Kapital und Habitus) f\u00fcr die Forschung von Art.School.Differences. Anhand der dualen Struktur im Feld der kulturellen Produktion \u2013 einem autonomen Subfeld der eingeschr\u00e4nkten Produktion einerseits sowie einem heteronomen Subfeld der Massenproduktion \u2013 sowie der Verortung der kulturellen Praktiken im sozialen Raum (<a title=\"Das Kunstfeld. Eine Studie \u00fcber Akteure und Institutionen der zeitgen\u00f6ssischen Kunst\" href=\"http:\/\/www.jrp-ringier.com\/pages\/index.php?id_r=4&amp;id_t=&amp;id_p=7&amp;id_b=2457\" target=\"_blank\">z.B. des Museumsbesuchs<\/a>) konnten einige grundlegende Funktionsweisen und Ausschlussmechanismen des Feldes der zeitgen\u00f6ssischen bildenden Kunst diskutiert werden.<\/p>\n<p>Der Samstagnachmittag war der Weiterentwicklung und Diskussion der Forschungsentw\u00fcrfe der Ko-Forschungsgruppen mit dem Team von Art.School.Differences sowie dem internationalen Beirat gewidmet. Die Ko-Forschenden brachten durch ihre Projekte verschiedene Sichtweisen ein, wie \u00abDiversit\u00e4t\u00bb in den unterschiedlichen Bereichen und Ebenen der Kunsthochschule praxisorientiert be- und hinterfragt werden kann. Die Pr\u00e4sentationen und anschliessenden Gespr\u00e4chsrunden boten Anlass zu lebhaften Diskussionen \u00fcber die Forschung zu Ungleichheiten und Normativit\u00e4ten an Kunsthochschulen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Forschungsteam von Art.School.Differences bot das Kolloquium auch die Gelegenheit zu einem wertvollen fachlichen Austausch mit den Vertreter_innen des <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/fr\/beirat\/\" target=\"_blank\">International Advisory Board <\/a>von Art.School.Differences. So brachte etwa Melissa Steyn (Wits School of Arts, University of the Witwatersrand, Johannesburg) die Frage nach der \u00abDemokratisierung\u00bb von Bildungsinstitutionen aus der s\u00fcdafrikanischen Perspektive ein, die stark von einer \u00abAfrikanisierung\u00bb, d.h. einem Privilegienabbau der weissen Minderheit gepr\u00e4gt ist. Trotzdem kontrolliere diese aber nach wie vor die meisten \u00f6konomischen Ressourcen wie auch einflussreiche Positionen in Wissenschaft und Kultur. Ruth Sonderegger (Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien) stellte in ihrem Statement die Frage, inwiefern Verst\u00e4ndnisse von Kunst und \u00c4sthetik in die Aufnahmeverfahren von Kunsthochschulen eingebracht werden k\u00f6nnten, die keinen stark eurozentristischen Bias aufweisen. Als konkreten Vorschlag stellte sie die Involvierung von K\u00fcnstler_innen und Theoretiker_innen mit anderen kulturellen Hintergr\u00fcnden in die Aufnahmekommissionen von europ\u00e4ischen Kunsthochschulen in den Raum. Marie Buscatto (Universit\u00e9 Paris 1 \u2013 Panth\u00e9on Sorbonne) schliesslich machte auf die vergeschlechtlichten Arbeitsbedingungen von Studierenden an Kunsthochschulen aufmerksam, die nicht nur die Aufnahmeverfahren, sondern auch die Unterrichtsformate, die Organisation der Curricula sowie informelle Beziehungen zwischen Studierenden und verschiedenen Akteur_innen innerhalb und ausserhalb der Hochschule betreffen. Dar\u00fcber hinaus verwies sie auf die Bedeutung der famili\u00e4ren, schulischen und ausserschulischen Vorbildungsangebote, ohne die die Aufnahme eines Kunst- oder Musikstudiums kaum zu bew\u00e4ltigen sei, durch welche aber auch idealisierte und vergeschlechtliche Rollenbilder \u00abder K\u00fcnstler_in\u00bb reproduziert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dora Borer und Philippe Saner, Dezember 2014<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum des 2. Kolloquiums von Art.School.Differences standen soziologische Forschungskonzepte. 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