{"id":3812,"date":"2017-10-31T16:43:12","date_gmt":"2017-10-31T15:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/?p=3812"},"modified":"2018-02-27T14:48:42","modified_gmt":"2018-02-27T13:48:42","slug":"was-stellt-mentoring-im-kunstunterricht-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/2017\/10\/31\/was-stellt-mentoring-im-kunstunterricht-her\/","title":{"rendered":"Was stellt Mentoring im Kunstunterricht her?"},"content":{"rendered":"<p>WORKSHOP KO-FORSCHUNG \u00abMentoring and Practices of Collective Supervision\u00bb, FINAL SYMPOSIUM 2016<br \/>\nRomy R\u00fcegger, Yvonne Wilhelm<\/p>\n<p>Der Orgelsaal ist beeindruckend. Schwarze Designb\u00e4uche st\u00fclpen sich aus den W\u00e4nden, daran sollen sich jetzt die Tonwellen brechen, so dass man die H\u00f6hen und Tiefen ausgewogen h\u00f6rt. Klar h\u00f6rt. Die Orgel steht auf einer Erh\u00f6hung, neben ihr ein Konzertfl\u00fcgel. St\u00fchle stehen keine mehr im tiefer gelegenen Publikumsraum, ich habe sie f\u00fcr den Workshop (siehe die Workshop-Beschreibung unter <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/parcours-art-school-differences\/\">PARCOURS<\/a>) weggestellt. Ich setze mich in diesem Zuh\u00f6rerbereich auf den Boden. Ohne viel zu tun, ist mein K\u00f6rper dabei in einer r\u00e4umlichen Umkehrung. Die Workshopteilnehmerinnen setzen sich auf das Plateau, auf dem die Orgel steht. Die Workshopbesucherinnen schauen auf mich hinunter, sie sind die Akteurinnen, die auf der B\u00fchne sitzen. Ich frage sie nach ihren Erfahrungen mit Mentoring, was sie damit verbinden und nach ihren Erfahrungen. Einige der Workshopteilnehmerinnen unterrichten an Universit\u00e4ten oder Kunsthochschulen, einige arbeiten f\u00fcr NGOs oder in anderen an Bildung interessierten Institutionen. Erstaunlich oft wird Mentoring als F\u00f6rderprogramm f\u00fcr Frauen am Anfang ihrer Berufst\u00e4tigkeit genannt. Ich erinnere mich selbst, eine Einladung zu einem solchen Programm bekommen zu haben. Ich teile leuchtende Bl\u00e4tter aus, die ich zuvor im Assistenzraum gefunden habe, ohne zu sagen, was damit geschehen soll. Wer weiss, vielleicht m\u00f6chte sich jemand Notizen machen?<br \/>\nZusammen mit Yvonne Wilhelm haben wir versucht herauszufinden, wie wir ein geschlossenes Unterrichtsformat, wie das Mentoratsgespr\u00e4ch in der Ausbildung von K\u00fcnstlerinnen untersuchen k\u00f6nnen (siehe dazu auch <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/artschooldifferences\/ko-forschung\/\">Ko-Forschung<\/a>). Ein Freund von mir macht seine Mentoratsgespr\u00e4che zum Beispiel immer so, dass sie in einer offenen Unterrichtssituation stattfinden. Die Studierenden lesen einen Text oder arbeiten etwas am Laptop, w\u00e4hrend er mit jeweils einer Studierenden den Stand ihrer Arbeit bespricht. Die Mentoratsgespr\u00e4che im Bachelor Medien und im Master Fine Arts an der ZHdK finden ohne Zuh\u00f6rerinnen statt: es ist ein Gespr\u00e4ch zwischen Dozierender oder Assistierender und einer Studierenden. Als Unterrichtssituation ist es ein Format, der ein Safe Space sein k\u00f6nnte. Ich habe diese Situationen als Studierende aber oft als sehr verwirrend und \u00fcberladen von unausgesprochener struktureller Macht erlebt. Im Rahmen des Forschungsprojekts haben wir danach gefragt, welches Vorwissen \u00fcber dieses Format die Studierenden mitbringen sollten, so dass dieses geschlossene Gespr\u00e4chsformat die Entscheidungsfindungen, die \u00fcber ihre Arbeiten darin stattfinden, f\u00fcr beide Seiten nachvollziehbar sind.<br \/>\nOder ist das Mentoratsgespr\u00e4ch eher ein Bewerbungsgespr\u00e4ch? Haben die Masterstudierenden, die an unserer Ko-Forschung mitgearbeitet haben gefragt. In ihrem Fall, findet die Mentorierung oft mit externen Dozierenden statt, die ausserhalb der Hochschule unter anderem Kuratorinnen, Jurymitglieder, Stiftungsbeir\u00e4te und Kritikerinnen sind. Protagonistinnen im Kunstfeld also, die dar\u00fcber mitentscheiden, welche k\u00fcnstlerische Arbeit gef\u00f6rdert, gezeigt, beschrieben und kursiert wird. Und warum spricht man mit den Studierenden, die nicht so gut Deutsch sprechen, automatisch Englisch, hat eine der Bachelorstudierenden gefragt, die mit uns an dieser Ko-Forschung gearbeitet haben. \u00dcberall sind sie, die Identit\u00e4tsmarker und Zuschreibungen: kommst du nicht aus dem Deutschsprachigen Raum, kommst du bestimmt aus einer privilegierten Schicht und sprichst entsprechend Englisch. Das ist die Feststellung, die sie so mit uns geteilt hat.<br \/>\nSt\u00e4rker noch als in anderen Unterrichtsformaten, kommen vorgefestigte Rollenbilder und damit verbundene Erwartungen aller am Mentoratsgespr\u00e4ch beteiligten zum tragen. Rollenbilder vom K\u00fcnstler, vom jungen K\u00fcnstler, vom werdenden K\u00fcnstler. Ja genau, es kann auch eine K\u00fcnstlerin* sein. Ein Kanon (leider weiterhin ein meist westlich m\u00e4nnlich modernistischer) wird abgerufen, implizit oder explizit auf die entstehende Arbeit angewendet. Diese und weitere Beobachtungen konnten wir anhand der Textbesprechungen, des von Art.School.Differences eigens f\u00fcr die Ko-Forschenden zusammengestellten Reader, der Vortr\u00e4ge und den gemeinsamen Austauschtreffen mit anderen Ko-Forschenden genau beschreiben, verorten und teilen.<br \/>\nZusammen mit Yvonne Wilhelm haben wir im Verlauf unserer Forschung ein Diagramm gezeichnet, in dem man sehen kann, welche r\u00e4umlichen, k\u00f6rperlichen, sprachlichen, kulturellen und performativen Faktoren beim Mentoratsgespr\u00e4ch zum Tragen kommen. Anhand dieser Faktoren haben wir die Notizen zu den gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen mit unterschiedlichen Farben markiert und konnten so sehen, was die Gewichtungen innerhalb des Gespr\u00e4chs waren und hatten ein visuelles Mittel gefunden, mit dem wir unsere Recherche auch nach aussen tragen konnten.<br \/>\nIch erz\u00e4hle im Workshop auch von meinen aktuellen Erfahrungen mit Versuchen die grunds\u00e4tzlichen r\u00e4umlichen Voraussetzungen der Mentoratsgespr\u00e4che zu \u00e4ndern.<br \/>\nUnd von einer weiterhin wachsenden Sammlung an Materialien zu feministischen und dekolonialisierenden Unterrichtsformen, die Yvonne Wilhelm und ich zusammen anlegen, auch \u00fcber das Forschungsprojekt hinaus. \u201eBald sollten wir noch einmal ein Diagramm zeichnen und Differenzen abgleichen\u201c schl\u00e4gt Yvonne als Kommentar auf diesen Workshopbericht vor. Die Ko-Forschung geht auf jeden Fall weiter.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WORKSHOP KO-FORSCHUNG \u00abMentoring and Practices of Collective Supervision\u00bb, FINAL SYMPOSIUM 2016 Romy R\u00fcegger, Yvonne Wilhelm Der Orgelsaal ist beeindruckend. Schwarze Designb\u00e4uche st\u00fclpen sich aus den W\u00e4nden, daran sollen sich jetzt die Tonwellen brechen, so dass man die H\u00f6hen und Tiefen ausgewogen h\u00f6rt. Klar h\u00f6rt. Die Orgel steht auf einer Erh\u00f6hung, neben ihr ein Konzertfl\u00fcgel. 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