Meine Kreise – Rahel

Meine Kreise

 

Unsere Wohnung ist zwölf Schritte lang und zehn Schritte breit. Es gibt acht Türen und vierzehn Schranktüren. Es hat zwei verschiedene Holzböden, ein Küchenboden, aus aufgeklebten Fliessen, rote Fliessen im Gang und gemusterte im Bad. Alle Wände sind weiss. Ich habe ein Bild ein meine Tür geklebt, aber es fällt ständig runter. Der Gestank von altem Zigarettenrauch klebt sich fest, dringt aus allen Ritzen.

 

 

Ab von meinen Wegen, irgendwo im grossen Sumpf zwischen Stauffacher und Niederdorf gibt es eine verwunschene Insel. Früher oder später strande ich immer am Bahnhof Selnau. Halte kurz inne, schaue den verbeidröhnenden Zügen zu. Wo sich dieser Ort wohl befindet? Gefunden habe ich ihn noch nie. Radle weiter in Richtung unbekannt.

 

Ein Guss aus braunem Beton. Kleine Risse zeichnen Muster in die Wand. Der Rost hat sich in der linken Ecke angesiedelt. Ein oranger Sonnenschutz. Unten tost die Strasse ein Zug rattert vorbei. Platziere mich sorgfältig auf dem schweinrosa farbigen Stuhl. Habe einen Kaktus auf den Sims gestellt. Der Boden ist von einer grün-gelben Lache überzogen, schwarze kleine Stücke schwimmen darin. Lasse vorsichtig die Asche runterrieseln.

 

 

Kneife die Augen zusammen. Der Vorschlaghammer muss sich direkt neben meinem Ohr befinden. Versuche mich zu konzentrieren. Kreis reiht sich an Kreis, wo der eine endet, beginnt der nächste. Wo sind die Linien, die Grenzen? Wie sehe ich den Unterschied? Woran halte ich mich fest? Aus welcher Richtung bin ich gekommen?

 

 

Ich mag meinen Schlüsselbund. Habe einen schwarzen Vogel ohne Flügel drangehängt. Mein neuer Hausschlüssel ist rund und hat viele Einkerbungen. Der Schlüssel aus der Schule hingegen ist eckig mit Linien. Der Fahrradschlüssel hat eine schwarze Kappe auf. Ich habe noch einen ganz kleinen drangemacht, er gehört zu meinem Schloss.

 

 

Blau mit weissen Punkten. Unablässiges Rumoren. Der lauteste Stummfilm aller Zeiten. Ich kann meine Gedanken kaum hören. Biege ab in einsamere Strassen, die immer gleichen Häuser, Stille Balkone. Ein offenes Gartentor beim Haus Nummer neun. Personen in Kreisen, denen sie nur folgen, gehören weiterhin zu ihren erweiterten Kreisen. Gehörst du also zu meinen Kreisen? Weiss mit blauem Streifen.

 

 

Der Bass pulsiert mit einer Kraft, als müsste er um sein Leben fürchten. Ein Gestank kriecht in meine Nase, klammert sich fest. Dringe weiter vor in den Hamsterkäfig. Befinde mich mitten im Loch voller Menschen und Tiere. Aneinandergedrängt, übereinandergestapelt, verschlungen, verknotet zu einem Brei.

 

 

Die Strassen sind von einer braun-grauen Schicht überzogen. Laut Schmatzend kriechen die Autos vorwärts. Schwer liegt der Schnee auf den Hecken, drückt sie zu Boden. Vorsichtig im Sumpf wandelnd versuche ich den kleinen Seen auszuweichen. Unter mir das einmalige Geräusch irgendwo zwischen Knirschen und Platschen. Die Häuser sind hier nicht mehr so dicht gestreut. Ob ich schon bald da bin. Weiss wird durch die vielen Fussabdrücke durchsichtig, dann zu Wasser und verschwindet bald ganz.

 

 

Der Strassenlärm wird zu einem dichten Rauschen. Eine Bank sitzt verlassen in der Ecke, der Schnee hat sie nutzlos gemacht.  Die Treppenstufen streben in die Unendlichkeit.  Ein Dickicht, aus Leitungen, Pfählen und Kränen bildet sich über mir. Darunter das unablässige Gewusel der orangen Männchen. Ein Tunnel verbindet die eine, mit der anderen Schwestern. Im Inneren ist es ruhiger, die Autos gedämpft. Farbige Zähne ragen aus der Dunkelheit. Die Neonröhren ziehen im Takt des durchrasselnden Zuges an mir vorbei.

 

 

Scheitere an der Quadratur meines Kreises. Wäre gerne eckig, bleibe rund, geschmeidig und flach. Sie graben Löcher in die Stadt, spalten sie auf und lösen die Innereien heraus. Darüber wachen die Kräne mächtig und unbeirrt. Lasse meine Finger durch den Zaun gleiten. Gnadenlos frisst sich die Kälte in mein Gesicht. Schwarze Linien spannen ein Netz über die Stadt, werden dichter, bilden Knoten.

 

 

Im Treppenhaus, aus den verschlossenen Türen meiner unbekannten Nachbaren riecht es penetrant nach Kurkuma. Möchte was essen, habe keinen Hunger. Habe fünf Mal versucht dich anzurufen. Warte bis jemand kommt.

 

Die Eiszapfen unter dem Vordach schmelzen langsam. Die stetigen Tropfen ätzen ein Loch in den Beton, graben tief, dem Erdkern entgegen.

 

 

Ohrenbetäubendes Schnaufen. Der Mann neben mir ist von Kopf bis Fuss in neon-gelb-grün gekleidet. Es riecht nach letzter Nacht. Diese Farbe krieg ich nie mehr weg von meiner Netzhaut.

 

 

Die Brücke spannt einen grossen Bogen über den Fluss. Darüber wachend, in Reih und Glied, kreischende Möwen. Undichte Stellen im Boden. Quietschend und ratternd wird die Erde ausgehöhlt. Rot und weiss soweit das Auge reicht. Schaue meinem Atem zu. Der blaue Riese ragt über der Stadt. Linien gliedern den Himmel in graue Dreiecke. Zwischen Freakout und Werkhof befindet sich die nächste Goldgrube. Gehe nach links, oder nach rechts? Ölpfützen bilden einen Regenbogen.

 

 

Finde mich wieder in dieser Halle, gefüllt mit mehr oder weniger im Takt, hüpfenden Menschen. Die Musik ist unglaublich laut, die Trainier höchst motiviert. Auf und ab das Gehüpfe von links nach rechts, im Kreis. Habe die Orientierung verloren. Hasple nach, springe mit.

 

Meine Mitbewohnerin ist nicht da. Denke an ihren Lockenkopf, an das blaue Shirt mit den kleinen weissen Zebras drauf, ihre Mutter hat ihr das geschenkt. Meine Mutter hat versucht mich anzurufen. Weiss nicht was ich ihr sagen soll. Habe heute nichts zu erzählen. Das blaue Shirt kombiniert sie meistens mit den rostroten Hosen und den braunen Cowboystiefeln. Die Stiefel hat sie von Kalifornien mitgebracht. Denke an die Sonne, starre in den Nebel.

 

Habe den Briefkastenschlüssel und einen Memoriestick an meinen Bund gefügt. Leider ist das Briefkastentor kaputt, die Zeitung nass und die Briefe bleiben bei der Post. Räume einige Kleider auf den Dachboden, tappe im Dunkeln, stolpere über Kisten. Es riecht nach Holz und Staub, gebe auf.

 

 

Seine Gerede bildet Blasen in meinen Kopf, die in unregelmässigen Abständen laut platzen. Schaue ihm gerne zu, wie er seine Ringe nervös zwischen den Fingern dreht. Einer ist mit einem grossen Totenkopf geschmückt, ein anderer mit einem blauen Stein. Ob er sich selbst schon mal zugehört hat?

 

 

Kenne die Namen auf der Anzeigetafel nicht. Viele Stimmen, Kindergeschrei. Lehne meinen Kopf gegen die kühle Scheibe. Spüre die Vibration. Im Spiegelbild kann man die Mitfahrenden beobachten. Die Gruben sind nun stillgelegt. Verfolge mit kurzem Zucken meiner Augäpfel die vorbeifliegenden Lichter. Endhaltestelle.

 

 

Warte auf die Tram, während Busse regelmässig an mir vorbei zischen. Die Bäume suchen sich ihren Weg durch das Dach, finden Löcher und ragen nun raus. Denke an das Windrad, den Drachenkopf und den fressenden Schuh.  Ich denke es kommt keine mehr.

13 Gedanken zu „Meine Kreise – Rahel

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