{"id":387,"date":"2013-02-13T20:19:17","date_gmt":"2013-02-13T20:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/ckennel\/?p=387"},"modified":"2021-05-03T06:26:58","modified_gmt":"2021-05-03T06:26:58","slug":"brigita-rohfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/ckennel\/2013\/02\/13\/brigita-rohfassung\/","title":{"rendered":"Brigita &#8211; Rohfassung"},"content":{"rendered":"<p>Erwartungen an die Kunst<\/p>\n<p>Meine erste Intention war das Thema \u00abKunst und Wissenschaft\u00bb. Ich habe versucht mich vom Meta-Thema etwas zu l\u00f6sen und es sozusagen \u00abherunter zu brechen\u00bb Bei den vielen Fragen die ich an die Kunst habe, m\u00f6chte ich das Wesen der Kunst, die Essenz der Kunst erforschen und bleibe bei den \u00abErwartungen\u00bb an sie stehen. Mich interessieren die Erwartungen die Menschen an Kunst haben. Oder vielleicht gibt es Betrachter_innen die keinerlei Erwartungen haben. Dabei geht es mir nicht um eine spezielle Kunstgattung. Sondern die K\u00fcnste in all ihren Formen und Sparten. So interessiert mich beispielsweise warum Menschen ins Theater gehen und was sie dabei erwarten. Mit was f\u00fcr einer Erwartungshaltung gehen Kunstinteressierte in eine Ausstellungen? Oder in ein Konzert oder ins Kino. Erwartet man von einem Fernsehfilm genau so viel wie von einem Kinofilm? Hier gibt es noch viele Fragen die ich mir stelle. Vielleicht werden die Erwartungen erf\u00fcllt oder aber entt\u00e4uscht. Darf man \u00fcberhaupt was von der Kunst erwarten? Es gibt Rezipient_innen von Kunst die den Anspruch erheben, dass Kunst ihnen Wissen vermittelt das wiederum zum Erkenntnisgewinn f\u00fchrt. Andere bestehen regelrecht darauf, dass beispielsweise ein Museumsbesuch auch Wissensvermittlung sein sollte. Gibt es ein Bewusstsein, dass Kunst eine wichtige Grundlage zur F\u00f6rderung einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft ist? Wird von der Kunst erwartet, dass sie im gewissen Sinne auch politisch ist? Es werden Erwartungen an die Kunst gestellt. Und ich m\u00f6chte diesen gerne auf die Spur gehen.<\/p>\n<p>In meinen sieben Jahren Erfahrung am Theater konnte ich mir ein grosses Netzwerk in der Kultur- und Kunstszene aufbauen. Zahlreiche Kontakte nationale sowie internationale K\u00fcnstler haben mein Leben bereichert &#8211; die Arbeit mit K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen und die N\u00e4he zu ihnen erm\u00f6glichten es mir, mich intensiv auszutauschen und mich neuen Perspektiven zu \u00f6ffnen. Denn ich glaube, dass durch Kunst und mit der Kunst die M\u00f6glichkeit besteht Perspektiven zu er\u00f6ffnen, den Blick f\u00fcr Alternativen zu sch\u00e4rfen. Mit so einem Projekt wie diesem, das sich vielleicht zuk\u00fcnftig in einer Arbeit weiterf\u00fchren l\u00e4sst, m\u00f6chte ich diesen Fragen auf den Grund gehen und mein Kunstverst\u00e4ndnis erweitern. In diesem kleinen Projekt keimt sozusagen mein zuk\u00fcnftiges Forschungsfeld. Denn ich m\u00f6chte das vorhandene Feld zwischen Kunst-Theorie und den unterschiedlichen Kunst-Praktiken und dem Kunstverst\u00e4ndnis der Menschen besser erfassen k\u00f6nnen, Kunst und Kultur im gesellschaftlichen Kontext verstehen lernen.<\/p>\n<p>Mein Projekt befasst sich mit der Frage, inwieweit Erwartungen an die Kunst gehegt werden. Ich habe mich f\u00fcr die Methode der qualitativen Befragung entschieden und f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit einem Schauspieler, einem Theaterbesucher und einer bildenden K\u00fcnstlerin die auch Schauspielerin ist, durch. F\u00fcr die Befragungen habe ich einen Fragekatalog erarbeitet. Der Schwerpunkt liegt hier bei der darstellenden Kunst, da ich meine Interviewpartner aus diesem Umfeld ausw\u00e4hlt habe. In einer weiteren Phase m\u00f6chte ich die Schwerpunkte miteinander vergleichen und so einem Fazit n\u00e4her kommen, um so einen Erkenntnisgewinn zu erlangen.<\/p>\n<p>Adrian, Rezipient<\/p>\n<p><i>1. Hast du Erwartungen an die Kunst? Wenn ja, welche?<\/i><\/p>\n<p>Ja. Mich sollte das Theater unterhalten. Dass es mich in vielerlei Hinsicht inspiriert. Es sollte in mir eine Begeisterung wecken, f\u00fcr das gesprochene Wort. Genauso aber f\u00fcr die Bewegung oder die Musik.<\/p>\n<p><i>2. Hast du Erwartungen an den K\u00fcnstler_in? Wie sehen diese aus?<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es ein grundlegender Unterschied zwischen einem darstellenden K\u00fcnstler, der etwas umsetzt und einem \u201eerschaffenden\u201c K\u00fcnstler, der selbst Inhalte erschafft. Der Schauspieler,mit einer klaren, gegeben Vorlage arbeitet als Medium, fungiert als Vermittler. Er sollte mich irgendwohin mitnehmen, entf\u00fchren. Er sollte authentisch sein in seiner Rolle. Er kann mich verwirren, irgendetwas sollte passieren. Der Autor, der Regisseur tragen jedoch auch einen Teil dazu bei. Fungieren also auch als K\u00fcnstler. In der darstellenden Kunst habe ich deshalb mehr eine Erwartung an das K\u00fcnstlerkollektiv. Der \u201eerschaffende\u201c K\u00fcnstler, sollte mich zum denken anregen. Er sollte mir neue Denkweisen aufzeigen.<\/p>\n<p><i>3. Werden diese Erwartungen erf\u00fcllt\/ent\u00e4uscht?<\/i><\/p>\n<p>Wenn es nach meiner Wahrnehmung gut war haben sich die Erwartungen erf\u00fcllt, wenn nicht, dann bin ich entt\u00e4uscht. Das ist mein Bewertungskriterium. Ob es mir gef\u00e4llt oder nicht.<\/p>\n<p><i>5. Besteht f\u00fcr dich die M\u00f6glichkeit durch Kunst Wissen\/Erkenntnis zu generieren?<\/i><\/p>\n<p>Es verschafft mir einen Blickwinkel auf etwas. Einen Anstoss. Weniger das Wissen an sich. Beim Schauspiel ist es mehr die Unterhaltung.<\/p>\n<p><i>6. Kannst du mir ein Beispiel nennen, in welcher Form das bei dir zutrifft?<\/i><\/p>\n<p>Das ist schwierig. Jedes Kunstwerk das ich betrachte, gibt mir neue Blickwinkel auf etwas. Die Ausstellung von Pippilotti Rist beispielsweise. Es war ein Kunstwerk in den Boden eingelassen, das ganz winzig war. Das hat mir gezeigt, dass vieles nicht sichtbar ist, obwohl es wichtig ist. Man lernt auf die kleinen Dinge zu achten.<\/p>\n<p><i>7. Siehst du die Kunst als Notwendigkeit in unserer Gesellschaft?<\/i><\/p>\n<p>Ja. Weil sie die M\u00f6glichkeit hat mit wenig Zw\u00e4ngen Themen unbeschwert zu betrachten. Durch das h\u00e4lt sie der Gesellschaft einen Spiegel vor. Eine andere Art Dinge zu sehen und dieses \u00e4sthetisch, bildhaft widerzugeben. Durch das die Menschen zu erreichen sind die wiederum ihrerseits dar\u00fcber nachdenken. Das ist die Aufgabe der Kunst. Im Theater besteht die M\u00f6glichkeit Situationen sehr emotional darzustellen. Es herrscht eine Unabh\u00e4ngigkeit von wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen die es erlaubt die Dinge anders zu betrachten und diese dem Publikum vorzutragen. Diese Unabh\u00e4ngigkeit ist das wichtigste, das essentielle an der Kunst. Das macht die Kunst aus.<\/p>\n<p><i>8. Hast du das Gef\u00fchl durch die Kunst einen Mehrwert zu erhalten? Wie sieht dieser aus?<\/i><\/p>\n<p>Ja. Kunst hilft mir die Welt besser zu verstehen. Es zeigt mir wie man etwas mit anderen Augen betrachten kann. Es gibt mir einen Ausgleich zum ernsten Alltag<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Matthias, Schauspieler<\/p>\n<p><i>1. Hast du Erwartungen an die Kunst? Wenn ja, welche?<\/i><\/p>\n<p>Im Allgemeinen habe die Erwartung an Kunst, dass sie das Denken anregt und Freude f\u00f6rdert. Im Sinne von, dass ich mir nicht nur stupend irgendwie etwas reinziehe, konsumiere und sofort vergesse, sondern das es eine Nachhaltige Wirkung zu bestimmten Fragen meines Lebens aufwirft.<\/p>\n<p><i>2. Hast du Erwartungen an den K\u00fcnstler_in? Wie sehen diese aus?<\/i><\/p>\n<p>Im Sinne zu der ersten Frage, sprich \u201eAllgemein\u201c, ist der K\u00fcnstler nat\u00fcrlich sozusagen wie das Medium zwischen den Fragen die ich habe und die er in mir ausl\u00f6sen kann. Ich sehe den K\u00fcnstler als Ausl\u00f6ser von etwas. Ob jetzt bei mir oder in der Umwelt, wie auch immer, aufjedenfall dieses Fragen aufwerfen, dieses zum Denken anregen, dieses geistig angeregt sein, das erwarte ich von einem K\u00fcnstler das zu evozieren. Es spielt keine Rolle ob ich mir ein Bild anschaue, oder ins Theater gehe. Es ist egal ob ich in eine Freiluft-Performance gehe, oder mir etwas in einem geschlossenem Raum ansehe, ob ich mir das ganze im Fernseher anschaue oder sonst wie. Wobei Fernsehen meistens nicht so wirkungsvoll ist, weil es durch ein zweites Medium gefiltert ist.<\/p>\n<p><i>3. Werden diese Erwartungen erf\u00fcllt\/ent\u00e4uscht?<\/i><\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich wie das ganze Leben. Sie werden erf\u00fcllt aber auch entt\u00e4uscht. Manchmal freut man sich wahnsinnig auf eine Theater-Auff\u00fchrung, oder auf ein Kunsterlebnis. Man f\u00e4hrt extra in eine andere Stadt, um sich eine bestimmt Ausstellung anzuschauen und wird dann eben nicht angeregt und dann geht man manchmal irgendwo vorbei und f\u00e4llt per Zufall zur T\u00fcr rein und es ist gut. Das passiert. Ich habe keine Bewertungskriterien. Bin da v\u00f6llig Wertfrei.<\/p>\n<p><i>4. Welche Erwartungen hegst du als K\u00fcnstler_in speziell an die darstellende Kunst, dem \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Theater?<\/i><\/p>\n<p>Jetzt \u00fcberhole ich mich in Bezug auf die letzte Frage. Ich habe schon eine Wertung. Es gibt tats\u00e4chlich sinnlose Kunst. Neulich ist ein ber\u00fchmter deutscher Schauspieler verstorben. Der sagte irgendwie \u00fcber den Artikel der in der S\u00fcddeutschen Zeitung stand \u201ees gibt nur gut oder schlecht\u201c. Es gibt kein falsch oder richtig. Es gibt einfach nur gut oder schlecht. Was das Theater betrifft, da bin ich jetzt schon mal bei der Auswahl in Bezug\u00a0 auf die Frage davor. Ich bin nicht wertfrei. Es gibt jede Menge schlechtes Theater, vor allem neuere aufkommende Str\u00f6mungen wie das Musical \u2013 das sind in den meisten F\u00e4llen schlechte Auff\u00fchrungen. Das ist einfach hohl, sinnlos, beschr\u00e4nkt sich auf Plattit\u00fcden und Klischees. Diese Klischees werden auch unkommentiert platziert. Das ist der Unterschied zum Schauspiel. Das Schauspiel arbeitet ja auch mit Klischees. Aber das Schauspiel hinterfragt diese Klischees dann meistens. Das macht das Musical nicht, sondern kolportiert sie als echt weiter und gibt dem Zuschauer so die Illusion und den Eindruck, dass das tats\u00e4chlich wahr ist. Das macht das Musical dumm &#8211; in den meisten F\u00e4llen. Nicht alle. Aber viele. Wenn ich als K\u00fcnstler in die Theaterarbeit, in die gestalterische Arbeit hineingehe, in den meisten F\u00e4llen, erhoffe ich mir von dem Regisseur der mich dann begleiten wird, dass er es schafft mich zu diesem Medium f\u00fcr mein Publikum zu machen. Das ist die Erwartung die ich an die Arbeit , an die k\u00fcnstlerische Arbeit habe. Und nat\u00fcrlich bestenfalls, dass mir St\u00fccke begegnen die mich tats\u00e4chlich auch interessieren. Als Darstellungsbeamter ist es ja nun mal so, dass man es manchmal auch mit einem St\u00fcck zu tun bekommt das einen nicht interessiert. Aber ich freue mich immer besonders, wenn es St\u00fccke gibt, wie gerade jetzt \u201eGr\u00fcninger\u201c, was mich interessiert. Wenn Theater tats\u00e4chlich noch einen historisch kulturellen Mehrwert besitzt, interessiert mich das meistens.<\/p>\n<p><i>5. Besteht f\u00fcr dich die M\u00f6glichkeit durch Kunst Wissen\/Erkenntnis zu generieren?<\/i><\/p>\n<p>Ja! Absolut.<\/p>\n<p><i>6. Kannst du mir ein Beispiel nennen, in welcher Form das bei dir zutrifft?<\/i><\/p>\n<p>Wenn ich jetzt aus dem \u201eDesign\u201c, was f\u00fcr mich auch Kunst ist, ein Beispiel nenne und mir einen bestimmten Sessel von Corbusier anschaue. Dann interessiert mich dieser erst einmal in seiner Form. Dann h\u00f6re ich dar\u00fcber hinaus, dieser stammt von Corbusier. Dann gehe ich vielleicht einmal in einem Buch oder im Internet nachschauen was es zu dieser Zeit f\u00fcr andere Formgebungen gibt. Wie sich das ganze insgesamt in der Kunst manifestierte. Es regt mich an und f\u00fcllt meinen Wissensstand auf.<\/p>\n<p><i>7. Siehst du die Kunst als Notwendigkeit in unserer Gesellschaft?<\/i><\/p>\n<p>Absolut. Es gibt \u00fcberhaupt keinen Weg daran vorbei \u2013 an der Kunst. Eine Kulturgemeinschaft, eine soziale Gemeinschaft ohne Kunst und ohne Kulturschaffende ist zur Barberei verdammt. Wir kommen definitiv aus der Traditionsgebung der Aufkl\u00e4rung und da ist es gerade in meinem Bereich, dem Sprechtheater pr\u00e4destiniert dazu, im Gegensatz zur Oper, die mehr noch das Unterhalten oder st\u00e4rker emotionale Anspr\u00fcche hat \u2013 in den meisten F\u00e4llen, aber das sind jetzt ein wenig Pauschals\u00e4tze \u2013 als Transporteur von aufkl\u00e4rerischem Gedankengut. Humanismus etc.<\/p>\n<p><i>8. Hast du das Gef\u00fchl durch die Kunst einen Mehrwert zu erhalten? Wie sieht dieser aus?<\/i><\/p>\n<p>\u00dcber den Lohn wollen wir jetzt mal nicht reden. Das ist die Grundbasis der Existens. Ich als K\u00fcnstler ern\u00e4hre damit meine Familie. Und im besten Fall, nehmen wir einmal so ein Beispiel wie \u201eJelinek \u2013 die Kontrakte des Kaufmanns, da ist es einfach die Lebensfreude die man durch die Arbeit hat.\u00a0Da ist die Arbeit nicht mehr Arbeit, da kann Theaterspielen Erf\u00fcllung sein. Auch das letzte St\u00fcck, die Kom\u00f6die die ich gespielt habe, der \u201eMesias\u201c \u2013 die Rolle die ich da gespielt habe. Da macht es einfach ungeheuren Spass drin zu schwelgen. \u00a0Das gibt unglaublich viel Kraft und Lebensfreude wieder zur\u00fcck. Auch wenn es anstrengend ist diese Ziele zu erreichen. Aber das ist schon der grosse Vorteil der Kunst. Es ist ein Mehrwert an die Lebensqualit\u00e4t. Wenn ich mir vorstellen m\u00fcsste, ich w\u00fcrde den ganzen Tag Bl\u00e4tter umdrehen und Formulare ausf\u00fcllen, korrigieren oder so, dann w\u00fcrde ich glaube ich wahnsinnig werden. Es entspricht meinem Wesen Kunst zu machen.<\/p>\n<p>Nanna, bildende K\u00fcnstlerin, Schauspielerin<\/p>\n<p><i>1. Hast du Erwartungen an die Kunst? Wenn ja, welche?<\/i><\/p>\n<p>Die Kunst soll die Welt versch\u00f6nern und unsere Herzen ber\u00fchren. Wenn ich an das Theater denke, ist das da nur eine andere Ebene. Das Theater ist der Raum wo sich ganz verschiedene Ebenen der Kunst vereinen k\u00f6nnen. Da ist Musik, Tanz, Schauspiel, Gesang. Und gleichzeitig das B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme, einfach alles. Da soll es auch das Herz ber\u00fchren und dass es nicht um Kommerz geht. Es sollte etwas erz\u00e4hlt werden. Eine Geschichte. Man sollte auf etwas aufmerksam machen oder einfach nur verzaubern.<\/p>\n<p><i>2. Hast du Erwartungen an den K\u00fcnstler_in? Wie sehen diese aus?<\/i><\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler muss eine gewisse Neugierde in sich tragen. Sollte keine Angst davor haben sich selbst zu zeigen. Ich habe oft festgestellt, dass es bei der konzeptuellen Kunst, eine \u201egedachte\u201c Kunst ist. Das kommt alles nicht aus dem Bauch heraus. Das meine ich nicht urteilend. Aber sobald man merkt, es ist alles so \u201egedacht\u201c dann wirkt alles so fremd. Ich m\u00f6chte die Person hinter der Kunst sehen. Ich m\u00f6chte den Gedanken dahinter verstehen. Verstehen was der K\u00fcnstler damit aussagen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><i>3. Werden diese Erwartungen erf\u00fcllt\/entt\u00e4uscht?<\/i><\/p>\n<p>In letzter Zeit werden diese eher oft entt\u00e4uscht. Ich merke es geht immer mehr um Kommerz. Die Menschen haben Angst davor. Ich glaube es gehen manche Dinge dabei verloren. Das Handwerk. Das klingt jetzt vielleicht etwas altmodisch. Man sollte \u201eeinen\u201c Weg gehen. Man sollte nicht alles mit dem Kopf denken. Es gibt wenige die das noch so haben. Das jemand noch ein Handwerk besitzt, der \u201ebei sich\u201c ist. Mir fehlt das \u201eSpezielle\u201c. Das sind hohe Erwartungen, ich weiss.<\/p>\n<p><i>4. Welche Erwartungen hegst du als K\u00fcnstler_in an die Kunst, an deine Arbeit?<\/i><\/p>\n<p>Ich komme immer wieder auf den einen Nenner. Wenn ich als K\u00fcnstlerin auch selber arbeite \u2013 muss ich bei mir selbst sein. Witzigerweise darf ich aber da nicht zu hohe Anspr\u00fcche an mich selbst haben. Ich muss es auch akzeptieren, dass es auch Grenzen gibt und das ich Entscheidungen treffen muss. Es geht immer um Entscheidungen. Wenn ich mich entscheide, dass ich jetzt diese Technik aus\u00fcbe, dann \u00fcbe ich diese Technik aus. Ehrlich bleiben mit sich selbst. Auch da abw\u00e4gen. Es gibt Dinge die kann ich und Dinge die ich nicht kann. Ich produziere nicht f\u00fcr den Kunstmarkt. Die k\u00fcnstlerische Arbeit ist mein Dialog mit meinem Unterbewusstsein. Es hat etwas Meditatives. Dar\u00fcber finde ich zu mir zur\u00fcck. Das erdet mich. So w\u00fcrde ich das beschreiben.<\/p>\n<p><i>5. Besteht f\u00fcr dich die M\u00f6glichkeit durch Kunst Wissen\/Erkenntnis zu generieren?<\/i><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p><i>6. Kannst du mir ein Beispiel nennen, in welcher Form das bei dir zutrifft?<\/i><\/p>\n<p>Wenn du dich einmal Bewusst mit der Kunst auseinandersetzt, dann gehen Welten auf. Da kommt Wissen dazu und Neugierde. Durch das erleben von Kunst, er\u00f6ffnet sich ein komplett neuer Horizont. Wieso wird der Kunstunterricht in den Schulen beispielsweise immer mehr gestrichen? Es ist auch Wissen. Ein intuitives Wissen.<\/p>\n<p><i>7. Siehst du die Kunst als Notwendigkeit in unserer Gesellschaft?<\/i><\/p>\n<p>Dringend. Ohne Kunst g\u00e4be es keine Farben auf der Welt. Es macht die Welt auf allen Ebenen bunter. Ich meine damit nicht plakative Farben sondern eine Vielschichtigkeit. Es betrifft alle Ebenen. Das Wissen, das Haptische, das man Wege geht, dass man sich mit Dingen auseinandersetzt, es geht um die Philosophie. Es betrifft einfach alles. Es deckt alle Ebenen ab. Und es macht Gesund.<\/p>\n<p><i>8. Hast du das Gef\u00fchl durch die Kunst einen Mehrwert zu erhalten? Wie sieht dieser aus?<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr die Gesellschaft oder f\u00fcr mich selbst? F\u00fcr mich gibt es einen Mehrwert, dass ich\u00a0weiss, dass es da einen Teil gibt den mir niemand wegnehmen kann. Dieser Teil ist durch nichts wegzumachen. Also auch mein k\u00fcnstlerischer Anteil in mir. Und die Gesellschaft profitiert davon, dass der Geist immer sch\u00f6n wach bleibt. Und ich glaube wirklich, dass der Mensch dadurch gesund bleibt. Damit kann man auch \u201eheilen\u201c. Weil es gl\u00fccklich macht. Kunst inspiriert und gibt Hoffnung. Man kann es teilen und es verbindet Menschen miteinander. Deshalb tut es der Gesellschaft gut. Es w\u00e4re schlimm, wenn es keine Kunst mehr g\u00e4be.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erwartungen an die Kunst Meine erste Intention war das Thema \u00abKunst und Wissenschaft\u00bb. 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