
{"id":332,"date":"2016-05-31T13:33:34","date_gmt":"2016-05-31T13:33:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/?p=332"},"modified":"2016-06-03T09:57:42","modified_gmt":"2016-06-03T09:57:42","slug":"eigendefinitionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/2016\/05\/31\/eigendefinitionen\/","title":{"rendered":"Eigendefinitionen"},"content":{"rendered":"<p>Das Projekt \u00abDada \u2013 Spektakulationen\u00bb versucht durch den R\u00fcckgriff auf unterschiedliche Materialien diverse Blickwinkel zu er\u00f6ffnen. Da Dada als Bewegung damals wie heute ungreifbar scheint, sind die unz\u00e4hligen Versuche, Dada dennoch zu definieren, sehr vielversprechend. Um ein Gef\u00fchl f\u00fcr das vielgestaltige Eigenverst\u00e4ndnis der urspr\u00fcnglichen Dadaist_innen zu bekommen, haben wir auf historische Eigendefinitionen zur\u00fcckgegriffen.<\/p>\n<p>Die Suche nach einer (Selbst-)Definition von Dada zu Zeiten grosser Wirren und unglaublichem Leid interpretieren wir als Suche nach Identit\u00e4t in der Abwendung zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, ihren Normen, Werten und Konventionen. Die Hybridit\u00e4t der Bewegung mag der Macht- und Hilflosigkeit in Paarung mit grosser Sch\u00f6pfungskraft und Gegenhaltung zum Bisherigen entsprungen sein.<\/p>\n<p>Mit diesen Gedanken versuchen wir, den Anfang der Dada-Mythenbildung aufzunehmen, ohne dabei den Mythos selbst zu affirmieren. Durch die Zusammenstellung unterschiedlicher Definitionen zielen wir auf die Schaffung einer mannigfaltigen Perspektivierung von Dada, die sich im individuellen Bild der Besucher_innen spiegelt, verfremdet oder \u00fcberlagert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 _<\/p>\n<p>Dada hei\u00dft im Rum\u00e4nischen Ja Ja, im Franz\u00f6sischen Hotto- und Steckenpferd. F\u00fcr Deutsche ist es ein Signum alberner Naivit\u00e4t und zeugungsfroher Verbundenheit mit dem Kinderwagen.<\/p>\n<p>Ball, Hugo. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 22.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2 _<\/p>\n<p>Der Dadaist k\u00e4mpft gegen die Agonie und den Todestaumel der Zeit. Abgeneigt jeder klugen Zur\u00fcckhaltung, pflegt er die Neugier dessen, der eine belustigende Freude noch an der fraglichsten Formel der Fronde empfindet. Er wei\u00df, dass die Welt der Systeme in Tr\u00fcmmer ging, und dass die auf Barzahlung dr\u00e4ngende Zeit einen Ramschausverkauf der entg\u00f6tterten Philosophien er\u00f6ffnet hat. Wo f\u00fcr die Budenbesitzer der Schreck und das schlechte Gewissen beginnt, da beginnt f\u00fcr den Dadaisten ein helles Gel\u00e4chter und eine milde Beg\u00fctigung.<\/p>\n<p>Ball, Hugo. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 24.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3 _<\/p>\n<p>Man verzichte mit dieser Art Klaggedichte in Bausch und Bogen auf die durch den Journalismus verdorbene und unm\u00f6glich gewordene Sprache. Man ziehe sich in die innerste Alchimie des Wortes zur\u00fcck, man gebe auch das Wort noch preis, und bewahre so der Dichtung ihren letzten heiligsten Bezirk. Man verzichte darauf, aus zweiter Hand zu dichten: n\u00e4mlich Worte zu \u00fcbernehmen (von S\u00e4tzen ganz zu schweigen), die man nicht funkelnagelneu f\u00fcr den eigenen Gebrauch erfunden habe. Man wolle den poetischen Effekt nicht l\u00e4nger durch Ma\u00dfnahmen erzielen, die schlie\u00dflich nichts weiter seien als reflektierte Eingebungen oder Arrangements verstohlen angebotener Geist-, nein Bildreichigkeiten.<\/p>\n<p>Ball, Hugo. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 29.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4 _<\/p>\n<p>Dada \u2013 dies ist ein Wort, das die Ideen hetzt; jeder B\u00fcrger ist ein kleiner Dramaturg, erfindet verschiedene Auffassungen, anstatt die der Qualit\u00e4t seiner Intelligenz entsprechenden Personen zu platzieren, Schmetterlingspuppen auf St\u00fchlen, sucht er [&#8230;] Ursachen und Ziele, um seine Intrige zu zementieren: Geschichte, die von selbst spricht und sich definiert. Jeder Zuschauer ist ein Intrigant, wenn er ein Wort zu erkl\u00e4ren sucht [&#8230;].<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 36.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5 _<\/p>\n<p>Dada bedeutet nichts<\/p>\n<p>Wenn man es f\u00fcr nichtig h\u00e4lt und seine Zeit mit einem Wort verlieren will, das nichts bedeutet \u2026 Der erste Gedanke, der sich in diesen K\u00f6pfen w\u00e4lzt, ist bakteriologischer Art: seinen etymologischen, historischen, wenigstens aber seinen psychologischen Ursprung finden. Aus den Zeitungen erf\u00e4hrt man, dass die Kruneger den Schwanz einer heiligen Kuh: Dada nennen. Der W\u00fcrfel und die Mutter in einer gewissen Gegend Italiens: Dada. Ein Holzpferd, die Amme, doppelte Bejahung im Russischen und Rum\u00e4nischen: Dada. Weise Journalisten sehen in ihm eine Kunst f\u00fcr die S\u00e4uglinge, andere Heilige-t\u00e4gliche-Jesus-l\u00e4sst-die Kindlein-zu-sich-kommen, die R\u00fcckkehr zu einem trockenen und l\u00e4rmenden, l\u00e4rmenden und eint\u00f6nigen Primitivismus. Man konstruiert nicht auf ein Wort die Empfindsamkeit; jede Konstruktion l\u00e4uft auf langweilige Vollendung hinaus, stagnierende Idee eines vergoldeten Sumpfes, relatives menschliches Produkt. Das Kunstwerk soll nicht das Sch\u00f6ne an sich sein, denn es ist tot; weder heiter noch traurig, weder hell noch dunkel, soll es die Individualit\u00e4ten erfreuen oder misshandeln, indem es ihnen die Kuchen heiliger Aureolen oder die Schweisse eines quer durch die Atmosph\u00e4ren gesteilten Laufes aufwartet. Ein Kunstwerk ist niemals sch\u00f6n, auf Beschluss sch\u00f6n, objektiv f\u00fcr alle. Folglich ist Kritik unn\u00fctz, sie existiert lediglich subjektiv f\u00fcr den einzelnen ohne den geringsten Charakter von Allgemeing\u00fcltigkeit. Glaubt man die der ganzen Menschheit gemeinsame psychische Basis gefunden zu haben?<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 36-37.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>6 _<\/p>\n<p>Ordnung-Unordnung, Ich-Nicht-Ich, Bejahung-Verneinung: h\u00f6chste Ausstrahlungen absoluter Kunst. Absolut in Reinheit geordnetes Chaos ewig in Sekundenkugel ohne Dauer, ohne Atem, ohne Licht, ohne Kontrolle. \/\/<\/p>\n<p>Ich liebe ein altes Werk um seiner Neuheit willen. Es ist nur der Kontrast, der uns an die Vergangenheit bindet.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 39.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>7 _<\/p>\n<p>Dada ist das Wahrzeichen der Abstraktion; die Reklame und die Gesch\u00e4fte sind auch poetische Elemente.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 40.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>8 _<\/p>\n<p>dadaistischer Ekel<\/p>\n<p>jedes erzeugnis des ekels, das negation der familie zu werden vermag, ist dada; protest mit den f\u00e4usten, seines ganzen wesens in zerst\u00f6rungshandlung: dada; kenntnis alles mittel, die bisher das schamhafte geschlecht des bequemen kompromisses und der h\u00f6flichkeit verwarf: dada; vernichtung der logik, tanz der ohnm\u00e4chtigkeit der sch\u00f6pfung: dada; jeder hierarchie und sozialen formel von unseren dienern eingesetzt: dada; jeder gegenstand, alle gegenst\u00e4nde, die gef\u00fchle und dunkelheiten; die erscheinungen und der genaue stoss paralleler linien sind kampfesmittel: dada, vernichtung des ged\u00e4chtnisses: dada; vernichtung der arch\u00e4ologie: dada; vernichtung der propheten: dada; vernichtung der zukunft: dada; absoluter indiskutabler glauben an jeden gott, den spontane unmittelbarkeit erzeugt.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 45.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>9 _<\/p>\n<p>Dada ist eine neue Kunstrichtung. Das kann man daran erkennen, dass bisher niemand etwas davon wusste und morgen ganz Z\u00fcrich davon reden wird. Dada stammt aus dem Lexikon. Es ist furchtbar einfach. Im Franz\u00f6sischen bedeutet es Steckenpferd. Im Deutschen: Addio, steigt mir bitte den R\u00fccken runter, auf Wiedersehen ein ander Mal! Im Rum\u00e4nischen: \u00abJa wahrhaftig, Sie haben Recht, so ist es. Jawohl, wirklich. Machen wir.\u00bb Und so weiter. Ein internationales Wort. Nur ein Wort und das Wort als Bewegung. Es ist einfach furchtbar. Wenn man eine Kunstrichtung daraus macht, muss das bedeuten, man will Komplikationen wegnehmen. Dada Psychologie, Dada Literatur, Dada Bourgeoisie und ihr, verehrteste Dichter, die ihr immer mit Worten, nie aber das Wort selber gedichtet habt. Dada Weltkrieg und kein Ende, Dada Revolution und kein Anfang. Dada ihr Freunde und Auchdichter, allerwerteste Evangelisten. Dada Tzara, Dada Huelsenbeck, Dada m\u2019dada, Dada mhm\u2019 dada, Dada Hue, Dada Tza.<\/p>\n<p>Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man ber\u00fchmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewusstlosigkeit. Wie kann man alles Aalige und Journalige, alles Nette und Adrette, alles Vermoralisierte, Vertierte, Gezierte abtun? Indem man Dada sagt. Dada ist die Weltseele, Dada ist der Clou, Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt.<\/p>\n<p>Ball, Hugo. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 125.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>10 _<\/p>\n<p>Wer ist Dadaist?<\/p>\n<p>Ein Dadaist ist ein Mensch, der das Leben in allen seinen un\u00fcbersehbaren Gestalten liebt und der wei\u00df und sagt: Nicht allein hier, sondern auch da, da, da ist das Leben! Also beherrscht auch der wahrhafte Dadaist das ganze Register der menschlichen Lebens\u00e4u\u00dferungen, angefangen von der grotesken Selbstpersiflage bis zum heiligsten Wort des Gottesdienstes auf der reif gewordenen, allen Menschen geh\u00f6renden Kugel Erde.<\/p>\n<p>Bader, Johannes. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 131.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>11 _<\/p>\n<p>Dada ist ein Wort, das in allen Sprachen existiert &#8211; es dr\u00fcckt nichts weiter aus als die Internationalit\u00e4t der Bewegung, mit dem kindlichen Stammeln, auf das man es zur\u00fcckf\u00fchren wollte, hat es nichts zu tun. Was ist nun der Dadaismus, f\u00fcr den ich heute Abend hier eintreten will?<\/p>\n<p>Huelsenbeck, Richard. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 130.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>12 _<\/p>\n<p>DADA ist wie Euere Hoffnungen: nichts<\/p>\n<p>wie Euer Paradies: nichts<\/p>\n<p>wie Euere Idole: nichts<\/p>\n<p>wie Euere politischen F\u00fchrer: nichts<\/p>\n<p>wie Euere Helden: nichts<\/p>\n<p>wie Euere K\u00fcnstler: nichts<\/p>\n<p>wie Euere Religionen: nichts<\/p>\n<p>Picabia, Francis. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 140.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>13 _<\/p>\n<p>Alles in unserer Zeit ist Dada, nur die Dadaisten nicht. Wenn die Dadaisten Dadaisten w\u00e4ren, dann w\u00e4ren die Dadaisten keine Dadaisten.<\/p>\n<p>van Doesburg, Theo. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 143.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>14 _<\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re, dass Tristan Tzara das Wort DADA am 8. Februar 1916 um 6 Uhr abends eingefallen ist; ich war mit meinen 12 Kindern dabei, als Tzara zum ersten Mal dieses Wort aussprach, das in uns eine berechtigte Begeisterung ausl\u00f6ste. Dies ereignete sich im Caf\u00e9 Terrasse zu Z\u00fcrich, und ich trug gerade eine Brioche im linken Nasenloch. Ich bin \u00fcberzeugt, dass dieses Wort g\u00e4nzlich unbedeutend ist und dass sich nur Schwachsinnige und spanische Professoren f\u00fcr n\u00e4here Angaben interessieren. Was uns interessiert, ist die dadaistische Geisteshaltung, und wir waren alle schon dada, bevor es dada gab.<\/p>\n<p>Arp, Hans. In: Puff-Trojan\/Compagnon (Hrsg.) (2016): Dada-Almanach. Vom Aberwitz \u00e4sthetischer Contradiction. Z\u00fcrich: Manesse Verlag, S. 144.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>15 _<\/p>\n<p>Ich bin der grosse Derdiedas<\/p>\n<p>Das rigorose Regiment<\/p>\n<p>Der Ozonstengel prima Qua<\/p>\n<p>Der anonyme Einprozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das P.P. Tit. und auch die Po<\/p>\n<p>Posaune ohne Mund und Loch<\/p>\n<p>Das grosse Herkulesgeschirr<\/p>\n<p>Der linke Fuss vom rechten Koch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin der lange Lebenslang<\/p>\n<p>Der zw\u00f6lfte Sinn im Eierstock<\/p>\n<p>Der insgesamt Augustin<\/p>\n<p>Im lichten Cellulosenrock.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der aufgeklappte Ohnegleich<\/p>\n<p>Der garantierte Herr Herrje<\/p>\n<p>Die edelweisse Wohlgeburt<\/p>\n<p>Der vielgenannte Domine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Arp, Hans. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 59.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>16 _<\/p>\n<p>Ich schreibe ein Manifest und will nichts, trotzdem sage ich gewisse Dinge und bin aus Prinzip gegen Manifeste, wie ich auch gegen die Prinzipien bin &#8211; [&#8230;]. Ich schreibe dieses Manifest, um zu zeigen, da\u00df man mit einem einzigen frischen Sprung entgegengesetzte Handlungen gleichzeitig begehen kann; ich bin gegen die Handlung; f\u00fcr den fortgesetzten Widerspruch, f\u00fcr die Bejahung und bin weder f\u00fcr noch gegen und erkl\u00e4re nicht, denn ich hasse den gesunden Menschenverstand.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 35-36.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>17 _<\/p>\n<p>So entstand Dada aus einem Bed\u00fcrfnis von Unabh\u00e4ngigkeit, des Misstrauens gegen die Gemeinsamkeit. Die zu uns geh\u00f6ren, behalten ihre Freiheit. Wir anerkennen keine Theorie. Wir haben genug von den kubistischen und \u00a0futuristischen Akademien: Laboratorien f\u00fcr normale Gedanken. Macht man Kunst, um Geld zu verdienen und die netten B\u00fcrger zu streicheln? Die Reime klingen von der Assonanz der M\u00fcnzen, und die Inflexion gleitet die Linie des Bauchprofils entlang. Alle K\u00fcnstlergruppen haben, auf verschiedenen Kometen reitend, auf dieser Bank geendet.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 37-38.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>18 _<\/p>\n<p>Aber so das Leben ein schlechter Spa\u00df, ohne Ziel und Anfangsspur ist, und weil wir glauben uns sauber, als gewachsene Chrysanthemen aus der Aff\u00e4re ziehen zu m\u00fcssen, haben wir als einzige Verst\u00e4ndigungsbasis: die Kunst proklamiert. Sie hat nicht die Bedeutung, die wir, Raufbolde des Geistes, ihr seit Jahrhunderten ansingen. Die Kunst betr\u00fcbt niemanden und die sich um sie bem\u00fchen wissen, erhalten Liebkosungen und die sch\u00f6ne Gelegenheit, das Land ihrer Konversation zu bev\u00f6lkern. Kunst ist Privatsache, der K\u00fcnstler macht sie f\u00fcr sich; ein verst\u00e4ndliches Werk ist Journalistenprodukt und weil es mir in diesem Augenblick gef\u00e4llt, das Monstrum mit \u00d6lfarbe zu mischen: Papiertube, Metallersatz, die man dr\u00fcckt und automatisch Hass, Feigheit, Gemeinheit ausspritzt.<\/p>\n<p>Tzara, Tristan. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 42.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>19 _<\/p>\n<p>da-da war da-da be-vor da-da da-da war.<\/p>\n<p>Eigenkreation<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20 _<\/p>\n<p>Edle und respektierte B\u00fcrger Z\u00fcrichs, Studenten, Handwerker, Arbeiter, Vagabunden, Ziellose aller L\u00e4nder, vereinigt euch. Im Namen des Cabaret Voltaire und meines Freundes Hugo Ball, dem Gr\u00fcnder und Leiter dieses hochgelehrten Institutes, habe ich heute Abend eine Erkl\u00e4rung abzugeben, die Sie ersch\u00fcttern wird. Ich hoffe, da\u00df Ihnen kein k\u00f6rperliches Unheil widerfahren wird, aber was wir Ihnen jetzt zu sagen haben, wird Sie wie eine Kugel treffen. Wir haben beschlossen, unsere mannigfaltigen Aktivit\u00e4ten unter dem Namen Dada zusammenzufassen.<\/p>\n<p>Wir fanden Dada, wir sind Dada, und wir haben Dada. Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts. Dies ist das bedeutende Nichts, an dem nichts etwas bedeutet. Wir wollen die Welt mit Nichts \u00e4ndern, wir wollen die Dichtung und die Malerei mit Nichts \u00e4ndern und wir wollen den Krieg mit Nichts zu Ende bringen. Wir stehen hier ohne Absicht, wir haben nicht mal die Absicht, Sie zu unterhalten oder zu am\u00fcsieren. Obwohl dies alles so ist, wie es ist, indem es n\u00e4mlich nichts ist, brauchen wir dennoch nicht als Feinde zu enden. Im Augenblick, wo Sie unter \u00dcberwindung Ihrer b\u00fcrgerlichen Widerst\u00e4nde mit uns Dada auf ihre Fahne schreiben, sind wir wieder einig und die besten Freunde. Nehmen Sie bitte Dada von uns als Geschenk an, denn wer es nicht annimmt, ist verloren. Dada ist die beste Medizin und verhilft zu einer gl\u00fccklichen Ehe. Ihre Kindeskinder werden es Ihnen danken. Ich verabschiede mich nun mit einem Dadagru\u00df und einer Dadaverbeugung. Es lebe Dada. Dada, Dada, Dada.<\/p>\n<p>Huelsenbeck, Richard. In: Merte, Angela (1994): Dada total: Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder. Stuttgart: Reclam, S. 33.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt \u00abDada \u2013 Spektakulationen\u00bb versucht durch den R\u00fcckgriff auf unterschiedliche Materialien diverse Blickwinkel zu er\u00f6ffnen. Da Dada als Bewegung damals wie heute ungreifbar scheint, sind die unz\u00e4hligen Versuche, Dada dennoch zu definieren, sehr vielversprechend. Um ein Gef\u00fchl f\u00fcr das vielgestaltige Eigenverst\u00e4ndnis der urspr\u00fcnglichen Dadaist_innen zu bekommen, haben wir auf historische Eigendefinitionen zur\u00fcckgegriffen. Die Suche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1071,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[450289,207],"tags":[],"class_list":["post-332","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eigendefinitionen","category-material","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1071"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=332"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/332\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":440,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/332\/revisions\/440"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dadaspektakulationen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}