{"id":213,"date":"2021-01-02T16:50:08","date_gmt":"2021-01-02T15:50:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/?page_id=213"},"modified":"2021-01-27T15:46:31","modified_gmt":"2021-01-27T14:46:31","slug":"pastille","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/pastille\/","title":{"rendered":"Pastille"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:12px\">Sessel\u00a0<em>Pastille<\/em>, Eero Aarnio, 1967; Ausf\u00fchrung: Asko, Helsinki, 1968; Polyester glasfaserverst\u00e4rkt; KGM Berlin, Inv. Nr.: W-1979. 122 \/ Geschenk des Herstellers<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hannah Spillmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Pastille<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<em>Pastille<\/em>, auch als \u2018Gyro\u2019 bekannt, wurde 1967 f\u00fcr den finnischen Hersteller Asko entworfen. 1968 erhielt Eero Aarnio den American Industrial Award f\u00fcr die einzigartige \u00c4sthetik und die komfortable Form seiner Neuinterpretation eines Schaukelstuhls. Aarnio gelang es, ein M\u00f6belst\u00fcck zu entwerfen, welches dank der Verwendung von Glasfasern sowohl f\u00fcr die Nutzung in Innenr\u00e4umen als auch f\u00fcr drau\u00dfen geeignet ist. Das Design pendelt dabei zwischen Funktion und Spa\u00df. So erlaubt es der Sessel, aufgrund der hohlen Glasfaserkonstruktion im Wasser zu schwimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eero Aarnio wandte sich bereits zu Beginn seiner Karriere Werkstoffen wie Plastik, Fiberglas und Acryl zu. Sie erlaubten ihm alle Freiheiten in der Form- und Farbgebung. Den ersten Prototypen der&nbsp;<em>Pastille<\/em> fertigte er aus Polystyrol, was ihm verhalf, die Masse, die Ergonomie und das Schaukelverhalten zu pr\u00fcfen und zu studieren. Hergestellt wurde der&nbsp;<em>Pastil Chair<\/em> schlie\u00dflich aus glasfaserverst\u00e4rktem Polyester. Der Sessel, an eine kleine S\u00fc\u00dfigkeit erinnernd, war dabei in diversen Farben erh\u00e4ltlich, von sonnigem Gelb \u00fcber knalliges Orange bis hin zu Froschgr\u00fcn. Mit den futuristischen Formen spiegelten Aarnios Sitzm\u00f6bel den optimistischen Zeitgeist der Pop-\u00c4ra in den 1960er Jahren wider. Jahrzehntelang feierten seine Entw\u00fcrfe zudem Erfolge in Spielfilmen und Reklamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der \u00d6lkrise von 1973 nahm die Produktion ein j\u00e4hes Ende. In den 1990er Jahren wurden die fr\u00fchen Entw\u00fcrfe der 1960er Jahre von der Firma Adelta wieder aufgenommen und neu produziert. Seit 2016 werden die Kunststoffikonen \u00fcber die Firma Eero Aarnio Originals verkauft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fantastic Plastic<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Geschichte der Kunststoffe spielt der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle. Durch die kriegsbedingte Intensivierung der Forschung im Bereich synthetischer Materialien kam es in k\u00fcrzester Zeit zu zahlreichen Entdeckungen, Neuentwicklungen und Innovationen. Diese beeinflussten stark das Design der Nachkriegszeit und erm\u00f6glichten Form- und Farbexperimente, welche zuvor unm\u00f6glich erschienen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in der Nachkriegszeit noch Grau vorherrschend war, brachten die Kunststoffe in den 1960er Jahren Farbe in den Alltag. Anregungen und Impulse kamen zum einen aus dem Bereich der Popkultur, die sich gegen traditionelle Verhaltensweisen und \u00e4sthetische Normen auflehnte. Zum anderen holte man mit dem Sprung ins All den Weltraum ins Wohnzimmer. Dabei durchdrangen die spielerisch-organischen Formen des vision\u00e4ren Space-Age-Designs der 1960er Jahre nahezu alle Lebensbereiche vom Kino \u00fcber die Mode bis hin zur Inneneinrichtung. Nicht zuletzt eroberten die Kunststoffe auch den Haushaltsmarkt und wurden zum Symbol f\u00fcr preisg\u00fcnstigen Wohlstand und einen neuen Lebensstil. Mit der \u00d6lkrise von 1973 erhielt die Kunststoffeuphorie jedoch einen erheblichen D\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die enorm gestiegenen Rohstoffpreise verursachten in vielen Bereichen der kunststoffverarbeitenden Industrie erhebliche Produktionsr\u00fcckg\u00e4nge. Damit einher ging ein allgemeiner Geschmackswandel. Die K\u00e4ufer*innen bevorzugten nun ein Design, das zu traditionellen Materialien und weniger \u00fcppigen Formen zur\u00fcckkehrte. W\u00e4hrend in den 1960er Jahren Plastik noch als schick, sauber und modern galt, kamen die Kunststoffe in den 1970er Jahren in den Ruch des Billigen, Geschmacklosen und galten mit wachsendem Umweltbewusstsein als \u00f6kologisch problematisch \u2013 \u201eThe Future was Plastic!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Plastifiziert<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Plastik ist allgegenw\u00e4rtig, und ein Alltag ohne Kunststoffe ist kaum noch vorstellbar. Laut dem Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland wurden zwischen 1950 und 2015 bereits 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Haupts\u00e4chlich hergestellt und konsumiert werden die Kunststoffe in China, Nordamerika und Westeuropa.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Drittel des weltweit produzierten Plastiks wird f\u00fcr Verpackungen verarbeitet. F\u00fcr die Verwendung von Kunststoffen sprechen dabei Qualit\u00e4ten wie verminderte Bruchgefahr, Konservierung, Transparenz sowie das geringe Gewicht der Kunststoffverpackungen. Speziell \u00fcber l\u00e4ngere Distanzen bewirken diese Kriterien eine Einsparung bei der CO2-Bilanz und den Transportkosten. Die Eigenschaften des Materials sind dabei Segen und Fluch zugleich: So besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der Kurzlebigkeit des Produkts und der Langlebigkeit der Produktverpackung. Laut einer Studie der University of California wurden seit 1950 weltweit nur neun Prozent des Plastiks verwertet und recycelt. Zw\u00f6lf Prozent wurden verbrannt. Die verbleibenden 79 Prozent befinden sich auf Deponien oder zirkulieren weiter in der Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00e4hrlich gelangen bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle in die Ozeane. Unter den zehn h\u00e4ufigsten Schwemmgutobjekten sind unter anderem Plastikflaschen, Plastikt\u00fcten und Lebensmittelverpackungen anzutreffen. Durch Windbewegungen gelenkt, bilden sich oberfl\u00e4chliche Meeresstr\u00f6mungen zu gro\u00dfen, kreisf\u00f6rmig rotierenden Wasserwirbeln, welche in f\u00fcnf Bereichen der Weltmeere anzutreffen sind. In den sogenannten stillen Zonen dieser Wirbel, auch als \u201eGarbage Patches\u201c bekannt, dreht das Schwemmgut oft \u00fcber Jahrzehnte seine Runden. Durch Reibung und Lichteinwirkung zersetzt sich der Plastikm\u00fcll in immer kleinere St\u00fccke, sogenanntes Mikroplastik. Nicht mehr vom Plankton unterscheidbar, gelangt das Mikroplastik schlie\u00dflich in die Nahrungskette.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Plastikikonen des Alltags<\/strong><strong><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Plastikt\u00fcte<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die aus Polyethylen oder Polypropylen bestehende Plastikt\u00fcte steht seit den 1960er Jahren als das Symbol f\u00fcr unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Nach Angaben des Europaparlaments werden j\u00e4hrlich etwa 100 Milliarden Plastikt\u00fcten verwendet, wovon rund acht Milliarden in die Weltmeere gelangen, was verheerende Folgen mit sich bringt. In L\u00e4ndern wie Frankreich, Indien, China oder Kenia sind Plastikt\u00fcten inzwischen verboten. Oder es wurden zumindest Teilverbote erlassen,welche Anforderungen an die Dicke oder Zusammensetzung der T\u00fcten beinhalten. So gilt auch in Deutschland seit 2020 ein Teilverbot. Zudem werden zur Reduktion des Verbrauchs von Plastikt\u00fcten Strategien \u00fcber Steuern, Geb\u00fchren, Recycling oder Bioplastik erprobt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PET-Flasche<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1978 f\u00fchrte Coca-Cola die Einweg-PET-Flasche als Ersatz f\u00fcr die Kultflasche aus Glas ein. F\u00fcr die Verbraucher*innen sind PET-Flaschen komfortabel in der Handhabung, da sie ein geringes Gewicht aufweisen und nicht bruchanf\u00e4llig sind. Seit Einf\u00fchrung der Pfandpflicht im Jahr 2003 werden in Deutschland pfandpflichtige PET-Verpackungen beim Handel gesammelt. Dank des Pfandsystems werden 98% der PET-Flaschen zur\u00fcckgebracht, und das wertvolle Material kann wiederverwertet werden. Zum einen werden sie zu neuen Getr\u00e4nkeflaschen verarbeitet, zum anderen werden sie als Verpackungsmaterialien oder in der Textilindustrie wiederverwendet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tupperware<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unzerbrechlich, leicht, beliebig einzuf\u00e4rben, sowie weitgehend geschmacks- und geruchsneutral \u2013 perfekt f\u00fcr den Einsatz in der K\u00fcche. Polyethylen erf\u00fcllt alle Kriterien f\u00fcr die Aufbewahrungsbeh\u00e4lter des 1938 gegr\u00fcndeten Unternehmens Earl S. Tupper Company. An hygienische Verpackungen und M\u00f6glichkeiten zur Aufbewahrung haben wir uns gew\u00f6hnt, dennoch steht Kunststoff hier sowohl unter dem Gesundheits- als auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekt stark in der Kritik. Es werden Kunststoffe ben\u00f6tigt, welche nicht mit den verschiedenen Lebensmitteln reagieren und keine Schadstoffe an das Essen und die Umwelt abgeben. Insbesondere der Weichmacher Bisphenol A (kurz: BPA) steht schon seit l\u00e4ngerer Zeit im Verdacht, durch Eingriff in den menschlichen Hormonhaushalt sch\u00e4dlich f\u00fcr die Gesundheit zu sein. So sind in Deutschland seit dem Jahr 2013 alle von Tupperware verkauften Produkte BPA-frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sessel\u00a0Pastille, Eero Aarnio, 1967; Ausf\u00fchrung: Asko, Helsinki, 1968; Polyester glasfaserverst\u00e4rkt; KGM Berlin, Inv. Nr.: W-1979. 122 \/ Geschenk des Herstellers Hannah Spillmann Die Pastille Die&nbsp;Pastille, auch als \u2018Gyro\u2019 bekannt, wurde 1967 f\u00fcr den finnischen Hersteller Asko entworfen. 1968 erhielt Eero Aarnio den American Industrial Award f\u00fcr die einzigartige \u00c4sthetik und die komfortable Form seiner Neuinterpretation [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6268,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-213","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6268"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=213"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":589,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/213\/revisions\/589"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designlab7\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}