{"id":747,"date":"2014-05-26T13:31:02","date_gmt":"2014-05-26T11:31:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/?page_id=747"},"modified":"2015-03-04T11:39:58","modified_gmt":"2015-03-04T09:39:58","slug":"minenopfer-in-angola-kulturelle-techniken-im-umgang-mit-beschaedigter-identitaet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/minenopfer-in-angola-kulturelle-techniken-im-umgang-mit-beschaedigter-identitaet\/","title":{"rendered":"Minenopfer in Angola. Kulturelle Techniken im Umgang mit besch\u00e4digter Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"p1\"><span style=\"color: #0000ff\"><b>Minenopfer in Angola. Kulturelle Techniken im Umgang mit besch\u00e4digter Identit\u00e4t<\/b><\/span><\/h1>\n<h3 class=\"p1\"><span class=\"s1\" style=\"color: #0000ff\">Wenn \u00fcber Behinderte in Afrika geschrieben oder geredet werde, dann werde fast ausschliesslich \u00fcber, selten aber mit ihnen geredet, sagt der Ethnologe Ulf Vierke vom Afrikazentrum der Universit\u00e4t Bayreuth. Die Untersuchung \u201eMinenopfer in Angola. Kulturelle Techniken im Umgang mit besch\u00e4digter Identit\u00e4t\u201c, die im Kontext von \u201eGlocal\u201c der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste durchgef\u00fchrt wurde, erschliesst diese L\u00fccke. Die Modedesignerin Bitten Stetter, der Kultursoziologe Francis M\u00fcller und die Fotografin Flurina Rothenberger haben einen Monat in Angola verbracht und \u00fcber dreissig k\u00f6rperlich Behinderte in Luanda und Malanj\u00e9 in ihren Lebenswelten besucht, interviewt und fotografiert. Sie sind mit einem Vertreter des regierungsnahen NGO ANDA (Associacao National dos Deficientes de Angola) ins Feld gegangen und haben mit Studierenden der Rehabilitationsausbildung an der Universidade Metodista in Luanda partizipative Methoden angewandt. Die Situation in Angola ist prek\u00e4r: Der fast dreissig Jahre dauernde und 2002 beendete B\u00fcrgerkrieg hat das Land nachhaltig ersch\u00fcttert. Die eigene Produktion von G\u00fctern ist zum Erliegen gekommen; als Folge wird fast alles importiert, was Luanda \u2013 auch im Zuge des \u00d6l-Booms, von dem eine kleine Elite profitiert \u2013 zur teuersten Stadt der Welt macht. Nur 30% der Bev\u00f6lkerung haben Zugang zu medizinischer Versorgung und 40% zu Trinkwasser. Aufgrund der zahlreichen Tretminen und weit verbreiteter Krankheiten wie Polio und Malaria haben ungef\u00e4hr 10% der Bev\u00f6lkerung eine k\u00f6rperliche Behinderung. Die Behinderten sind von den prek\u00e4ren Umst\u00e4nden in h\u00f6chstem Masse betroffen. Sie sind oftmals vollkommen von ihrer Familie abh\u00e4ngig und haben einen extrem eingeschr\u00e4nkten Bewegungsradius. Im Feld wurde spezifisch nach ihren Alltagspraktiken und Alltagsroutinen, aber auch nach W\u00fcnschen und Tr\u00e4umen gefragt. Es zeigt sich, dass viele Behinderten in der Millionenmetropole Luanda einen intrinsischen Drang nach kreativer T\u00e4tigkeit haben \u2013\u00a0etwa nach Poesie, Gitarrenspielen, Kunst, Tanz oder Malerei. In der eher l\u00e4ndlichen Kleinstadt Malanj\u00e9 hingegen wurde eher der Wunsch nach einem eigenen Haus ge\u00e4ussert. Die Motivation der Befragten in Luanda nach kreativer T\u00e4tigkeit relativiert die Maslow\u2019sche Bed\u00fcrfnis-Pyramide, der nach Selbstverwirklichung erst erstrebt wird, wenn materielle und rudiment\u00e4re Bed\u00fcrfnisse befriedigt sind. Fast alle der befragten Probanden und Probandinnen leben in extremer Armut und meist ohne Zugang zu medizinischen Hilfeleistungen. In einem soziologischen Sinne k\u00f6nnte man sagen, dass sie ein hohes Kontingenzbewusstsein entwickeln: Sie reflektieren ihre Identit\u00e4t, sie beziehen sich dabei einerseits auf ein inneres, kreatives Potential, zugleich dienen ihnen soziale Identit\u00e4ten als Referenzen \u2013 zum Beispiel der K\u00fcnstler, Musiker oder T\u00e4nzer. Einige der Behinderten haben Online-Zug\u00e4nge, wobei sie etwa Facebook intensiv nutzen und rege damit kommunizieren (auch mit dem Forschungsteam). Auch dies beg\u00fcnstigt die Reflexion. So tauchen Kreativit\u00e4t und Selbstverwirklichung in urbanen und suburbanen Feldern deutlich h\u00e4ufiger auf als in ruralen. Weiter zeigt die Untersuchung, dass die starke Sichtbarkeit von Behinderung in Kulturpraktiken thematisiert wird; zum Beispiel im Kuduro. Dieser harte Musik- und expressive Tanzstil wird teils von Behinderten praktiziert \u2013 zum Beispiel vom interviewten Polio-Erkrankten Rebenta (24). Zugleich imitieren unversehrte T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen Behinderte und tanzen mit Kr\u00fccken. Die Kr\u00fccke wird somit dem normalen Kontext (Gehhilfe) entnommen und in einen neuen versetzt (Tanz). Diese Rahmenverschiebung kann als subversive Taktik gelesen werden. So werden soziale und politische Missst\u00e4nde in einer Kulturpraxis thematisiert. Dies ist \u2013 trotz der tragischen Lebensumst\u00e4nde \u2013 Ausdruck von einem kreativen Umgang mit Identit\u00e4t.<\/span><\/h3>\n<pre><span style=\"color: #0000ff\">Projekt: Forschungsprojekt<\/span><\/pre>\n<pre><span style=\"color: #0000ff\">Initianten:\u00a0Francis M\u00fcller, Bitten Stetter<\/span><\/pre>\n<pre><span style=\"color: #0000ff\">Zusammenarbeit: Universidade Methodista Luanda (Angola), ANDA (Associacao National dos Deficientes de Angola)<\/span><\/pre>\n<pre><span style=\"color: #0000ff\">\r\n\r\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-763\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/PaulaAmbertoKimuanga30Malanje-1024x703.jpg\" alt=\"Forschungsbericht\" width=\"554\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/PaulaAmbertoKimuanga30Malanje-1024x703.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/PaulaAmbertoKimuanga30Malanje-300x206.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/PaulaAmbertoKimuanga30Malanje.jpg 1899w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/>\r\n<a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/Wailala28Luanda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-769\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/Wailala28Luanda-1024x701.jpg\" alt=\"Forschungsbericht\" width=\"554\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/Wailala28Luanda-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/Wailala28Luanda-300x205.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/files\/2014\/05\/Wailala28Luanda.jpg 1902w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><\/a>\r\n<a title=\"Projektbeispiele\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designsocialimpact\/projektbeispiele\/\"><span style=\"text-decoration: underline;color: #0000ff\">zur\u00fcck\r\n\r\n\r\n<\/span><\/a><\/span><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Minenopfer in Angola. 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