{"id":1054,"date":"2011-11-14T14:15:09","date_gmt":"2011-11-14T14:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/?p=1054"},"modified":"2011-11-14T14:25:53","modified_gmt":"2011-11-14T14:25:53","slug":"mehrstimmig-singen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/2011\/11\/14\/mehrstimmig-singen\/","title":{"rendered":"Mehrstimmig singen"},"content":{"rendered":"<p>Im Unterricht hat eine Studentin gefragt, wie im schriftlichen Leistungsnachweis mit Zitaten umzugehen ist. Da wir diesen Punkt nicht weiter diskutiert haben, hier ein paar Anmerkungen dazu.<\/p>\n<p>Zuerst stellt sich die Frage, <strong>warum<\/strong> wir in wissenschaftlichen Arbeiten \u00fcberhaupt zitieren. Wozu dienen Zitate? Welchen Zweck erf\u00fcllen sie? Wann sind sie notwendig, wann \u00fcberfl\u00fcssig?<\/p>\n<p>Erst wenn wir Antworten darauf haben, stellt sich die Frage nach dem <strong>wie,<\/strong> d.h. die formale Frage. Mit dem Schreiben ist es wie mit dem Design: &#8222;Form follows function.&#8220;<\/p>\n<p>Umberto Eco (2005 [1977]:196) sagt zum Thema folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt zwei Arten von Zitaten: a) Man zitiert einen Text, mit dem man sich dann auseinandersetzt und den man interpretiert, und b) man zitiert einen Text zur Unterst\u00fctzung der eigenen Auslegung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu unterscheiden ist zwischen <strong>direkten<\/strong>, also w\u00f6rtlichen Zitaten, <strong>indirekten<\/strong> Zitaten und <strong>Paraphrasen<\/strong>. Ein indirektes Zitat bleibt nahe am Originaltext, bindet diesen aber in die eigene Stimme ein. Also zum Beispiel so:<\/p>\n<blockquote><p>Umberto Eco (2005 [1977]:196) unterscheidet zwischen Zitaten, die man interpretiert, und solchen, die die eigene Argumentation unterst\u00fctzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Paraphrase hingegen entfernt sich vom Wortlaut des Originaltextes und nennt auch den Autor nicht unbedingt direkt; sie \u00fcberf\u00fchrt das, was ein anderer gesagt hat in eigene Worte, nennt aber im Sinne der Transparenz die Quelle. Etwa so:<\/p>\n<blockquote><p>Gerade zu Beginn eines Hochschulstudiums verstehen viele Studierende Sinn und Zweck des Zitates nicht (siehe bspw. Kruse 2007:9ff). Dazu tr\u00e4gt auch eine weit verbreitete Art der Vermittlung bei: Anstatt nach der Funktion von Zitaten zu fragen, verteilen die Lehrkr\u00e4fte zumeist kommentarlos umfangreiche Merkbl\u00e4tter und Leitf\u00e4den mit formalen Vorgaben zum wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei w\u00e4re es ganz einfach, denn sobald wir das Warum verstehen, ergibt sich das Wie von selbst: Wir verweisen in akademischen Texten auf andere Autor\/innen, weil wir nicht im leeren Raum schreiben, weil unsere Stimme sich in einen bereits singenden Chor einf\u00fcgt, weil wir auf das, was andere vor uns gesagt respektive geschrieben haben, aufbauen, weil wir es diskutieren und weiterdenken (zur Funktion von Zitaten siehe bspw. auch Eco 2005 [1977]:196ff).<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Quellennachweis<\/span><\/p>\n<p>Eco, Umberto (2005 [1977]).\u00a0Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. C.F. M\u00fcller: Heidelberg.<\/p>\n<p>Kruse, Otto (2007 [1993]).\u00a0Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Campus: Frankfurt a.M.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unterricht hat eine Studentin gefragt, wie im schriftlichen Leistungsnachweis mit Zitaten umzugehen ist. Da wir diesen Punkt nicht weiter diskutiert haben, hier ein paar Anmerkungen dazu. Zuerst stellt sich die Frage, warum wir in wissenschaftlichen Arbeiten \u00fcberhaupt zitieren. Wozu dienen Zitate? Welchen Zweck erf\u00fcllen sie? Wann sind sie notwendig, wann \u00fcberfl\u00fcssig? Erst wenn wir &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/2011\/11\/14\/mehrstimmig-singen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eMehrstimmig singen\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[76],"tags":[],"class_list":["post-1054","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1054"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1078,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054\/revisions\/1078"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/designstrategien\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}