{"id":57,"date":"2018-03-27T14:03:34","date_gmt":"2018-03-27T14:03:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dieweltretten\/?p=57"},"modified":"2018-04-01T18:28:23","modified_gmt":"2018-04-01T18:28:23","slug":"die-neue-aufklaerung-soll-die-tugend-der-balance-betonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/dieweltretten\/2018\/03\/27\/die-neue-aufklaerung-soll-die-tugend-der-balance-betonen\/","title":{"rendered":"Die neue Aufkl\u00e4rung soll die Tugend der Balance betonen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ich beobachte an mir selber, an unseren Kindern und Enkeln, ja an fast allen Menschen, die mir lieb sind, zunehmend eine Gehetztheit, ein per\u00admanentes Gef\u00fchl, dass man es nicht schafft. Dieses zu \u00fcberwinden durch eine Wertsch\u00e4tzung von Ruhe, Langsamkeit und Freundschaft anstelle von \u00adSchnelligkeit und Rivalit\u00e4t, ist f\u00fcr mich fast selbstverst\u00e4ndlich ein Wertegewinn, ein zivilisatorischer und kultureller Gewinn.&#8220;<\/p>\n<p>Ausschnitt aus dem <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/standardwenn-wir-so-weitermachen-bleibt-nur-der-wohlstandsverzicht\/story\/31022599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker<\/a>, Co-Pr\u00e4sident des <a href=\"https:\/\/www.clubofrome.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Club of Rome<\/a>.<br \/>\nWebseite von <a href=\"http:\/\/ernst.weizsaecker.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/standardwenn-wir-so-weitermachen-bleibt-nur-der-wohlstandsverzicht\/story\/31022599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tages Anzeiger, 17.03.2018<\/a><\/p>\n<p><b>Was bedeutet das f\u00fcr die Kernthese des Club of Rome? Steuern wir immer noch auf einen Kollaps zu, wenn wir so weiterwachsen?<\/b><br \/>\nKollaps klingt so, als ob das von heute auf morgen passiert. Das wird nicht der Fall sein. Die Systeme kollabieren langsam, \u00fcber hundert oder mehr Jahre. Was wir Menschen der Erde antun, ist mindes\u00adtens so schlimm wie der gigantische Meteoriteneinschlag, der das Erdmittelalter beendete und die Dinosaurier und fast alles andere Leben vernichtete.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Wenn wir so weitermachen wie bisher, bleibt uns nur ein massiver Wohlstandsverzicht. Wenn wir es aber politisch schaffen, dem technischen Fortschritt eine neue Richtung zu geben, dann kommen wir an einem Wohlstandsverzicht vorbei.<\/p>\n<p><b>Wie soll das gehen?<\/b><br \/>\nDie Massnahmen, die man durchsetzen m\u00fcsste, damit sich Umweltschutz auch f\u00fcr die Aktion\u00e4re auszahlt, sind so unpopul\u00e4r, dass sie bisher von keiner Regierung der Welt ausser der chinesischen durchgesetzt worden sind.<\/p>\n<p><b>China als Vorbild im Umweltschutz?<\/b><br \/>\nChina ist das Land, wo die Energiepreise in den letzten 20 Jahren am steilsten gestiegen sind. Der 13. F\u00fcnfjahresplan enth\u00e4lt explizit eine Fortsetzung dieser Strategie. In der Schweiz gab es auch mehrere Volksabstimmungen zu einer \u00f6kologischen Steuerreform. Sie wurden aber immer abgelehnt.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Ich halte die \u00d6konomisierung der ganzen Gesellschaft f\u00fcr eine tiefe philosophische Krise, aus der wir nur herauskommen werden, wenn wir so etwas wie eine neue Aufkl\u00e4rung machen. Die Krise ist nicht das \u00f6konomische Denken, sondern die Dominanz der Kapitalrendite \u00fcber die parlamentarische Legitimation.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><b>Wie viel Wachstum braucht es, um ein gutes Leben zu haben?<\/b><br \/>\nMan muss unterscheiden zwischen einem Wachstum des Naturverbrauchs und dem Wirtschaftswachstum. Beim Ressourcen- und Fl\u00e4chenverbrauch sage ich dogmatisch: Nullwachstum. In Bezug auf Umsatz und Bruttoinlandprodukt (BIP) darf es jedoch sehr wohl Wachstum geben, wobei das BIP nat\u00fcrlich ein erschreckend schlechter Massstab f\u00fcr das Wohlergehen der Menschen ist.<\/p>\n<p><b>W\u00e4chst das BIP, gibt es aber auch Arbeitspl\u00e4tze. So werden Wahlen gewonnen.<\/b><br \/>\nDas BIP geht mit der bezahlten Besch\u00e4ftigung einher. Richtig. F\u00fcr alle politischen Parteien hat das hohe Priorit\u00e4t. Als deutscher Bundestagsabgeordneter habe ich selbst erlebt, welch grosser Druck entsteht, wenn das Kapital sagt, dass es keine Lust mehr hat, in Deutschland zu investieren. Das war f\u00fcr den damaligen Kanzler Gerhard Schr\u00f6der ein Zwang, de facto einen Sozialabbau vorzuschlagen, damit wieder Arbeitspl\u00e4tze entstehen. \u00dcbrigens kann \u00f6kologisches Wirtschaften, etwa Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz, mehr Arbeitspl\u00e4tze schaffen als die Wegwerfgesellschaft.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><b>Wie l\u00f6st man sich vom Imperativ des Konsums?<\/b><br \/>\nMaterieller Konsum und Zufriedenheit sind ja nicht automatisch das Gleiche. Geigespielen kann beispielsweise etwas unglaublich Befriedigendes sein. Auch mit kleinen Kindern zu spielen, ist etwas unglaublich Sch\u00f6nes \u2013 und es verbraucht keine Natur. Dies in unserer leistungs- und Output-orientierten Gesellschaft wieder zu entdecken, ist eine zivilisatorische Umstellung anderer Gr\u00f6ssenordnung. &#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bild:<br \/>\nVon Heinrich B\u00f6ll Stiftung from Berlin, Deutschland &#8211; Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker, CC BY-SA 2.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=12068544)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich beobachte an mir selber, an unseren Kindern und Enkeln, ja an fast allen Menschen, die mir lieb sind, zunehmend eine Gehetztheit, ein per\u00admanentes Gef\u00fchl, dass man es nicht schafft. 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