{"id":4459,"date":"2016-04-19T10:12:17","date_gmt":"2016-04-19T08:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/?p=4459"},"modified":"2016-07-26T14:48:37","modified_gmt":"2016-07-26T12:48:37","slug":"queer-art-education","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/2016\/04\/19\/queer-art-education\/","title":{"rendered":"Queer Art Education"},"content":{"rendered":"<p>Beitrag von Bernadett Settele, Lehrbeauftragte im Departement Kulturanalysen und Vermittlung.<\/p>\n<p><b>Queer Art Education<\/b><\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, in dem sich zeitgen\u00f6ssische Kunst aus dem Atelier heraus in Richtung \u00e4sthetischer Situationen, zur Wissensproduktion und zur Inszenierung von R\u00e4umen und Begegnungen bewegt hat, oder sich, wie Claire Doherty formulierte, \u201efrom studio to situation\u201c entwickelte, sind Fragen der Subjektivierung auch in Kunstsituationen wichtig geworden. Mechanismen des Sichtbar-Machens und Zu-Sehen-Gebens nehmen eine zentrale Rolle ein in Kooperationen, Aktionen und performancebasierter Arbeit. Was hei\u00dft es, angeblickt zu werden? Was sind die <i>next subjects<\/i> der Kunst in Kulturen der Sichtbarkeit und Kooperation? Wie gehen wir damit um, dass wir immer schon in sozialen Situationen sind, die uns angehen, ansehen?<!--more--><br \/>\nMeine Next Art Education ist auf der Suche nach einem Ort f\u00fcr die Auseinandersetzung mit jener nicht ganz geruchlosen Materie um Subjekt, Geschlechter, K\u00f6rper und Affekt<i>, <\/i>die jeder \u00e4sthetischen Erfahrung mit zugrundeliegt. Es ist die Suche nach einer Praxis, die normativen und bin\u00e4ren Denkweisen und Repr\u00e4sentationen kritisch begegnet und die bereit ist, der Macht von Alltag und Heteronormativit\u00e4t entgegenzutreten. Ich navigiere dazu entlang von Theorien aus den kulturwissenschaftlichen Visual Culture Studies und der queer theory, die das visuelle Primat anzweifeln und eine Kritik an der vereindeutigenden Funktion des Leitsinnes \u00fcben; und die andere M\u00f6glichkeiten von Relationalit\u00e4t suchen. Wie k\u00f6nnen die K\u00f6rper verlernen, sich visuell zu denken?<br \/>\nFilmtheoretikerinnen aus der zweiten Welle des Feminismus wie Silverman und Mulvey formulierten eine Kritik des Visuellen, die sich am Blick\/Regime und an der vereindeutigenden, von Machtverh\u00e4ltnissen durchzogenen Schaulust (visual pleasure) abarbeitete. Einer queer-feministischen <i>third wave<\/i> geht es um das Umarbeiten der phantasmatischen unsichtbaren Bilder vom K\u00f6rper und um die Frage, wie sich Normen im K\u00f6rper und im Affekt materialisieren.<br \/>\nIndividuen bringen ihr Gewordensein mit, und damit kommen jene interdependenten, sich kreuzenden Kategorien wie soziale und kulturelle Herkunft, Alter, Sexualit\u00e4t, Aussehen, etc. ins Spiel, die bin\u00e4r und hierarchisch organisiert sind. Und die sich meistens an der Norm, am Ideal orientieren.\u00a0Es besteht eine bemerkenswerte Blindheit gegen\u00fcber der Tatsache, dass auch kunstp\u00e4dagogische Lehr- und Versuchsanordnungen Subjekte unter gegebenen Regeln vor- und auff\u00fchren \u2013 dass sie \u201eNormalit\u00e4t\u201c reproduzieren, wenn sie nicht eine eigene Position im Feld von Repr\u00e4sentation und Performativit\u00e4t formulieren.<br \/>\nArt Education<i> <\/i>von der Devianz her zu denken, vom Rand und von der Uneindeutigkeit her, folgt einem Begehren, die Individuierung bzw. Subjektwerdung von Kindern, Jugendlichen oder (jungen) Erwachsenen kritisch zu begleiten, mit Blick darauf, wie dabei abweichende Positionalit\u00e4ten und Relationalit\u00e4ten verworfen oder anerkannt werden. Mit Judith Butler k\u00f6nnten wir sagen, das hie\u00dfe das Urteil aufzuschieben.\u00a0In der Kunst gibt es eine Tradition der nicht-schlie\u00dfenden Arbeit der Interpretation, die Situationen offenh\u00e4lt, einfache Binarit\u00e4ten und Urteile aussetzt, auf die L\u00fccken schaut und uns dazu auffordert, nicht dem ersten Anblick zu trauen: Das ist ein exzellenter Ausgangspunkt f\u00fcr eine Queer Art Education.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-4461\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4461 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1-300x211.jpeg\" alt=\"Unknown-1\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1-300x211.jpeg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1-768x540.jpeg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4471 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-300x169.jpeg\" alt=\"Unknown\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-300x169.jpeg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-768x432.jpeg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/genderverhandeln\/files\/2016\/04\/Unknown.jpeg 1366w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\n<em>-Bilder: Videostills, James Cameron, Avatar, 2009<\/em><\/p>\n<p><b>Vgl. a. Bernadett Settele: Queer Art Education, in: Meyer, Torsten und Gila Kolb (Hg.): What\u2019s Next? Bd. 2, Art Education. M\u00fcnchen: Kopaed, 2015.\u00a0<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Beitrag von Bernadett Settele, Lehrbeauftragte im Departement Kulturanalysen und Vermittlung. 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