Abstracts (dt.)

ABSTRACTS

JAMIKA AJALON

Das Multi_Versum der Anti-Vorlesung

(ungeprobt)

Ich möchte untersuchen, auf welche Weisen künstlerische Praxis, akademische Forschung und die Vermischung mehrschichtiger Erzählungen die traditionelle hegemoniale Weisheit und starre Wissensfundamente destabilisiert. Eine Anti-Vorlesung verschiebt die Position des_der „Dozent_in“ als dem_der „Besitzer_in“ des Wissens und arbeitet an einer Befreiung von den Einschränkungen der Gelehrsamkeit. Sie gibt einem Wissen den Vorzug, das man mehr „intuitiv“ als „rational“ nennen könnte.

download Demonstration

_

FOUAD ASFOUR

Den Körper entschreiben

Basierend auf meinem Vortrag im Rahmen der Plattform Un_Universität im April 2016 versammelt dieser Text Fragmente, die in einer stetigen Praxis des Entschreiben des Körpers als dekoloniale Option anfallen, gestützt auf Walter Mignolos Überlegungen zum epistemischen Ungehorsam, Trinh T. Minh-has Begriff der L’Innécriture: Un-writing/Inmost Writing und Gloria Anzaldúas Essay Writing as a Sensous Act: „Picking out images from my soul’s eye, fishing for the right words to recreate the images.“ (1987: 71).

download Text (engl.)

_

SABINE BITTER & HELMUT WEBER

Asynchrone Räume des Wissens

Mit dem Blick auf Universitätsbauten und Campusanlagen der Nachkriegszeit, die beispielhaft für Architekturen einer „Bildungsmoderne“ stehen, übersetzen Bitter & Weber historische Ungleichzeitigkeiten in den sozialen und politischen Zusammenhängen von Universität und Gesellschaft in künstlerische Bild- und Raumproduktionen. Gleichzeitig findet ihre pädagogische und projektorientierte Praxis in einer Gegenwart statt, die von multiplen Zeitlichkeiten und neoliberalen Logiken geprägt ist.

download Text

_

EVA EGERMANN

Crip-Materialien als Formen un_universitären Denkens

„Invisibility itself teaches something. Students who never hear of a woman philosopher have trouble believing in such a creature“, schreibt Elizabeth Minnich 1990 zur Frauenforschung. Diese Feststellung gilt heute für die Absenz von behinderten Körpern in Kunstdiskursen und an Universitäten. Eine un_universitäre Denkbewegung müsste demnach bedeuten, normative Narrative zu verlernen. Meine Recherche beschäftigt sich mit Devianz, Abnorm oder Krankheit und nimmt Bezug auf Crip-Popkultur und -Theorie.

download Demonstration

_

SIMON HARDER

Stimmlos 2 – Probe

Die Stimmlose, eine Hörstück-Serie-in-Progress, nehmen künstlerische Arbeiten als Dreh- und Angelpunkt. So entstehen aktivistisch-motivierte, verdichtete Sprach- und Raumbilder, die Stimmlosigkeit als Resultat eines andauernden, gewaltsamen Prozesses verstehen. Die Stimmlose schaffen Raum für das kulturell als minderwertig und bedrohlich Verdrängte. Stimmlos 2: Zu Horizontales Paradies , von dem hier eine Probe gegeben wird, umkreist sein titelgebendes Motiv anhand von Sabian Baumanns Zeichnungen und Tonobjekten.

download Demonstration

_

ELKE KRASNY

Counter/Acting: Performative Porosität

Ausgehend von Counter/Acting, einem Symposium des Fachbereichs Kunst und Bildung am Institut für das künstlerische Lehramt der Akademie der bildenden Künste Wien mit der Kunsthalle Wien, eröffnet dieser Text Verbindungen von Handlungsmöglichkeit, Widerständigkeit und Porosität. Institutionen müssen porös werden, um gegen Diskriminierung und epistemische Gewalt zu arbeiten. Die Übung der Artikulationen des Nicht-Gemeinsamen im Innersten des Gemeinsamen (Athanasiou) ist Bedingung für diese Porosität. 

download Text

_

ANNETTE KRAUSS

Zuordnungen entüben_verlernen

Wie können wir Prozesse des Entübens physisch, intellektuell und gemeinsam angehen? Dies ist die Kernfrage meiner theoretischen wie praktischen Auseinandersetzung mit Verlernen in unterschiedlichen Gruppen an den Schnittstellen von Kunst, Alltag und (institutionalisierten) Normalisierungsprozessen. Ziel ist eine Politik der Zuordnung zu überdenken. Ich richte den Blick speziell auf das „Entüben institutioneller Gewohnheiten“, ein gemeinsames Langzeitprojekt mit dem Team des Kunstraums Casco in Utrecht.

download Demonstration

_

BRANDON LABELLE

The Living School

The Living School wurde in London in Zusammenarbeit mit der South London Gallery an mehreren Orten in der Stadt in der Zeit von Februar bis Juni 2016 abgehalten. Fokussiert auf die Schwerpunkte sozialer Wohnbau, gemeinschaftliches Eigentum und das prekäre Subjekt, hat die Schule eine experimentelle pädagogische Plattform entwickelt, die den Dialog und kollektives „Machen“ (Making) unterstützen sollten. Die unter Anwendung der Methode der selbstorganisierten Kritikalität in der Schule temporär entstandenen Situationen können Ausgangspunkte für den Entwurf einer Politik des Möglichen sein.

download Text

_

Marlene Lahmer

Unterrichtssprache – Working Language

Die Wahl einer Unterrichtssprache beeinflusst den Inhalt und die Art der Diskussion, bildet In- und Out-Groups. Spricht man auf einer Kunstuniversität im deutschsprachigen Raum Englisch, weil es ein grosses internationales Publikum gibt oder spricht man Deutsch, weil es unnatürlich wirkt, wenn sich eine Mehrzahl von Deutschsprechenden auf Englisch verständigt? Sprache exkludiert die, die ihrer nicht mächtig sind und ist deshalb kein neutraler Informationsträger.

download Call

_

Yen Noh

Acting Together: rethinking existing approaches to collective action

In diesem Text wird kollektives Handeln als künstlerische Praxis untersucht. Eine solche Praxis geht oft kooperativ und kuratorisch vor, indem sowohl in Künstler_innengruppen als auch mit dem Publikum und anderen Künstler_innen im Austausch gearbeitet wird. Es ist ausserdem eine Praxis, die sich in der zeitgenössischen bildenden Kunst seit den frühen 1990er-Jahren besonders ausgeprägt hat. Wird kollektives Handeln als Möglichkeit in Betracht gezogen, sich das Tun und das Gemeinschaftliche bewusst zu machen, so kann ein „archivarisches Denken“ als künstlerische Praxis gegen ein „kuratorisches Denken“ vorgeschlagen werden, um Partizipation in der zeitgenössischen bildenden Kunst zu diskutieren.

download Call

_

Jianan Qu

A Gentle Rawness

Vor jedem Austausch denke ich über das Sein, Sehen und Fühlen nach. In diesem Sinne ist es realer, etwas zu fühlen als etwas zu studieren. Eine angenehme Art des Nebeneinanderseins, ohne Intentionen oder Wünsche, dürfte mehr bieten, als ein beabsichtigtes Empfangen/Teilen. Die Dinge bleiben an ihrem eigenen Ort/Standpunkt, mit der Absicht einer ehrlichen Herangehensweise. Du + andere + die Kombination von dir und anderen = dein Austausch-Setting, welches dein Setting ist.

download Call

_

ROEE ROSEN

Titelblätter für virtuelle Essays und inexistente Bücher, 2004-2016

Die hier präsentierte Tafel wurde für die Ausstellung Art School, kuratiert von Avi Lubin im Tel Aviv Museum of Art 2016, zusammengestellt. Sie ist jenen Tafeln nachempfunden, die in Schulbüchereien zu finden sind. Die Ausstellung zur Feier des 70. Gründungsjubiläums des HaMidrasha art college sollte kein historischer Rückblick, sondern eine tatsächlich funktionierende Kunstschule werden. Die Tafel versammelt ausgewählte Beispiele aus einer Vielzahl von Projekten, angefangen mit einer Serie über Kultwaffen als unwahrscheinliche Kinderbuch-Helden, gefolgt von einer Überarbeitung der Standardausgabe von Sigmund Freud bis zu Titelbildern, die ich für eine Reihe von Essays zum Thema Opposition entworfen habe und die auf einer Online-Plattform (herausgegeben von dem Philosophen Nitzan Lebovic) veröffentlicht wurden. Mein anderer Beitrag bestand aus Handzetteln zur freien Entnahme, die „didaktische Spiele zum Zeitvertreib“ enthalten, darunter ein Kreuzwortspiel zur Sexualität und ein Ausmalbild (hier abgebildet), geschmuggelt in die Gefängniszelle eines Soldaten, der den Militärdienst in den besetzten Territorien verweigert hatte.

download Text

_

RÚBIA SALGADO

Pädagogische Reflexivität, UE (Übung).

Einführung in das pädagogische Lexikon der Gegenwart

[…] Universität, Unlearning, Un_Universität, Utopie, Veränderungspraxis, Verlernen lernen, Weiterbildung, Weiterbildungsbeteiligung, Weiterbildungskosten, Weiterbildungszwang, Werte, Wettbewerb, Wettbewerbsfähigkeit, Widerspruch, Widerstand, Wissen, Wissensgesellschaft, Zertifizierung, Ziel, Zielerreichung, Zielerreichungsgrad, Zielgruppe, Zielgruppenabschätzung, Zielgruppenberechnungen, Zielgruppenerreichung, Zielgruppengrösse, Zugang, Zugangskriterien, Zugangsmöglichkeiten?

Beginnen wir mit dem letzten Eintrag im Gedicht.

download Text

_

NORA STERNFELD

Museum of Burning Questions

Verhandeln mit der Realität auf der Bergen Assembly 2016

Sind Ausstellungskontexte Zufluchtsorte für kritisches Lehren und Lernen, Vorreiter*innen von deren totaler Ökonomisierung, oder beides? Und was bedeutet das für eine kritische Vermittlungspraxis? Als „Verhandeln mit der Realität“ schildert der Beitrag Einsätze und Ansätze des Museum of Burning Questions, einem Projekt im Rahmen von freethought für die Bergen Assembly 2016.

download Text

_

STUDIO WITHOUT MASTER

Wie spricht man mit vollem Mund?

Wenn jede Kunsthochschulklasse als ein kollektiver Körper gesehen werden kann, so sitzt diesem Körper üblicherweise der Kopf eines Meisters auf. Wir möchten diese anatomische Metapher weiterführen und den Körper symbolisch enthaupten. Der Kopf wird generell als das Erkennungszeichen der Subjektivität, der Identität und der Vernunft einer Person wahrgenommen. Wir würden diese Attribute gerne versuchsweise in einen (symbolisch) tiefer stehenden Körperbereich transferieren, um mögliche Ansätze für demokratischere Formen künstlerischer Ausbildung zu testen.

download Text
download Manifest

_

Die „Universität der Ignorant_innen“

Fragen von innen und aussen – aufgehoben in der Utopie einer gemeinsamen[1] gegenhegemonialen Wissensproduktion

Alle sind „ignorant“, solange marginalisiertes Wissen ignoriert wird, solange Wissen hergestellt wird, ohne dessen Machtdimension kritisch zu reflektieren. Mit der Produktion von Wissen sind gewaltvolle Prozesse der Legitimierung und Delegitimierung verbunden. Ein Wissen wird als Norm gesetzt während das andere nicht anerkannt oder entwertet wird. Wir müssen also die hegemoniale Basis ignoranter Wissensproduktionen untersuchen und angreifen. Es geht um emanzipatorische Raumnahme und Widerstand. Um gemeinsame gegenhegemoniale Praxis. Das Wort „Wissen“ soll gekaut und wiedergekaut werden.

[1]  Der Text ist das Ergebnis einer Übung gemeinsamer Textproduktion. Er ist aus der Collage alter Produktionen und neuer Entfaltungen entstanden. An dem Prozess haben teilgenommen: Cristina Ursu, Gerhilde Merz, Jo Schmeiser, Luzenir Caixeta, Rocío del Río Lorenzo, Rúbia Salgado, Safiyeh Sayyed und Tania Araujo.

download Text

_

HONG-KAI WANG

Was in der Stille von … entsteht

An Universitäten gibt es zahlreiche Referenten des Wissens. Sie sind meist in soziale Formen von Herrschaft eingebettet, indem sie anderes Wissen ausschliessen anstatt es uns zugänglich zu machen. What Emerges in the Silence of… verwendet ein Reenactment zweier Transkripte als Verfahren der sozialen Organisation. Die performative Hörsitzung versucht jene vorgefertigten Referenzen zu stören, die so oft stillschweigend unsere Reaktionen prägen, und so möglicherweise entstehendes Wissen zu gestalten. 

download Demonstration

_