Abstracts (dt.)

ABSTRACTS

Doris Arztmann und Eva Egermann

Cyborg Exits im Klassenzimmer

Körper-Vielsprachigkeit und Crip-Materialien für schmutziges Wissen im Kunstunterricht.

In einem Gesprächsformat gehen Doris Arztmann und Eva Egermann Fragestellungen und Umsetzungen ihres Workshops Body-Heteroglossia – Widerständige Einschreibungen im Kunstunterricht nach. Theoretische Bezüge zu Disability Studies und Crip Theory sowie eine Problematisierung von Bildungskontexten als normativ werden darin ebenso diskutiert, wie Bezüge zu Verhandlungen über Wissen und Macht nach Donna Haraway hergestellt. Der Beitrag bietet ein Reservoir an Materialien, Texten und Anwendungsformen: Wie kann – im Kontext von Schule bzw. Kunstunterricht – ein Perspektivenwechsel im Hinblick auf ‚Behinderung‘ vollzogen werden? Mittels einer crip-kritischen Perspektive wird gezeigt, warum es notwendig ist, sich schmutzig zu machen.

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Sabian Baumann und Simon Harder

«Wenn du einen Apfel isst, so isst du die Landschaft.»

In einem Interview zeigt Sabian Baumann, wie sie_er in Zusammenarbeit mit zwei Performer_innen das Aktzeichnen und das damit verbundene patriarchal geprägte, auf unreflektierten Dualismen aufbauende Kunstverständnis konzeptionell und performativ zu queeren versuchte. Geschlechterfragen standen explizit im Zentrum des Moduls Körper – Geist – Landschaft. Ein Körper, der ein Körper nicht ist. Queer-Feministisches Aktzeichnen, doch entstanden Bilder, die ihrerseits nicht explizit sondern vielmehr fantasievoll und in ihrer Materialität sehr überzeugend sind.

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Danja Erni

Geschmacks(um)bildungen im (Schul)Alltag

Wie fliesst mein Geschmack in meinen Unterricht ein? Weshalb bin ich als Lehrer_in fast ein wenig beleidigt, wenn die Definitionshoheit meines guten, da geschulten Geschmacks durch ästhetische Präferenzen meiner Schüler_innen oder Kolleg_innen herausgefordert wird? Der Text beschreibt Einübungsmechanismen in bestimmte Formen des Geschmacks und sucht nach Spielräumen, die es Lehrpersonen ermöglichen, sich als Lernende und Verlernende in Vermittlungsprozessen zu begreifen.

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Simon Harder

In welche Blicke soll Schule investieren?

UnSichtbarkeiten und gesellschaftspolitische Verantwortung im Kunstunterricht

Dieser Beitrag zeigt aus queer-feministischer Perspektive, weshalb es problematisch ist, Sichtbarkeit als natürlich und unmittelbar zu verstehen bzw. warum dies gar als gewaltsam zu bezeichnen ist. Er legt einen Zugang zu Kunstvermittlung dar und konkretisiert anhand des Unterrichtsprojekts Zwischenwelt: I am – What am I? exemplarisch, wie formal und inhaltlich die Verhandelbarkeit von UnSichtbarkeiten anvisiert werden könnte. Abschliessend skizziert er Voraussetzungen für eine produktive Zusammenarbeit von Akademie und Berufsfeld.

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Carmen Mörsch

Geschmacksbildung als doing nation: Beobachtungen aus der Arbeitspause

Der Text zeichnet Gedanken über Geschmacksbildung als hegemoniale Praxis des nation buildings, über Geschmack und Distinktion und nicht zuletzt über die habituelle Verfasstheit der Autorin auf, die beim wiederholten Besuch des Sihlfelder Friedhofs in Zürich entstanden sind. Er endet mit Überlegungen zu einer Geschmacksbildung zweiter Ordnung in der Gegenwart.

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Rahel Puffert

Geschmack als Differenz, die den Unterschied macht?

Urteilsbildung und soziale Ungleichheit in der Kunstvermittlung

Entgegen der verbreiteten individualistischen Auslegung des Geschmacksurteils sind unsere Wahrnehmungen zu großen Teilen sozial bedingt. Diese von der Soziologie verbürgte Erkenntnis ist aber nicht einfach zu vermitteln. Im Umgang mit Werken der Kunstgeschichte lässt sich dennoch einiges über die komplexe Beziehung zwischen Subjektivität und sozialer Zugehörigkeit des Geschmacks lernen.

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Philippe Saner

Wie Kunsthochschulen ausgrenzen und normieren – Überlegungen anhand eines partizipativen Forschungsprozesses

Dieser Beitrag geht, auf Basis von Erfahrungen im Rahmen des partizipativen Ko-Forschungsprozesses im Forschungs- und Hochschulentwicklungsprojekt Art.School.Differences, der Frage nach, ob und inwiefern es gelingen kann, ausgrenzende und normierende Strukturen von Inklusion und Exklusion im Feld der Kunsthochschule zu fokussieren und zu bearbeiten. Die Skizzierung von Aushandlungen und das Nachzeichnen von Interventionen in den Ko-Forschungsprozess durch unterschiedliche Akteur_innen erlauben es, Einblicke in die Konfliktfelder und Machtverhältnisse zu geben, die in das Projekt eingeschrieben sind.

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Elke Smodics und Nora Sternfeld (Büro trafo.K)

Der Geschmack einer anderen Möglichkeit

Mit diesem Text möchten wir aus einer Perspektive der Praxis die schillernde Logik des Geschmacks verfolgen. Wie lässt sich diese zwischen der normierenden Herstellung von Sicherheit einerseits und der Möglichkeit, gerade Sicherheiten zu stören andererseits verstehen? Uns interessieren diese ambivalenten Momente besonders dort, wo die Selbstverständlichkeiten von Geschmacksurteilen in der Vermittlungspraxis selbst dekonstruiert werden sollen.

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Imke Volkers

Die «Abteilung der Geschmacksverirrungen» von Gustav E. Pazaurek

Dieser Beitrag zeichnet anlässlich der Sonderausstellung Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks, konzipiert vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Gustav Pazaureks Abteilung der Geschmacksverirrungen nach. 1909 in Stuttgart eröffnet, versammelte sie zahlreiche von ihm als abschreckend gelabelte kunsthandwerkliche Erzeugnisse und Industrieprodukte. Ferner wird anhand des historischen Fehlerkatalogs die aktuelle Produktkultur auf Geschmacks- und Gestaltungstendenzen hin untersucht.
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Wanda Wieczorek

Der Kunst die Welt erklären

Viele Kulturinstitutionen befinden sich heute in einem Dilemma: Einerseits sollen und wollen sie möglichst viele Personen mit ihrem Angebot erreichen – besonders junge Menschen und ganz besonders solche, die der legitimierten Kulturwelt als ‚kunstfern’ gelten. Andererseits haben sie wenig Kenntnis von diesem anvisierten Publikum, verstehen nicht, warum es so beharrlich fern bleibt und wie man das ändern könnte. Hier setzt das Modellprojekt Die Kunstnäher_innen (Arbeitstitel) an, das derzeit am Institute for Art Education umgesetzt wird und das sich den Spielregeln widmet, nach denen die Kunstwelt spielt – um sie systematisch zu identifizieren, eine Haltung dazu zu entwickeln und sie letztlich verändern zu können. Im Text wird die Problematik eines wohlmeinenden Zugang-Schaffens diskutiert und Einblick in das laufende Projekt und seine Ansätze zu einer inklusiven Kunstvermittlung gegeben.

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Ulf Wuggenig

Schönheit im ästhetischen Kapitalismus

Physische Erscheinung bzw. Aussehen nehmen an Bedeutung zu, auf Arbeits- wie Beziehungsmärkten. Davon zeugt die Proliferation von Begriffen wie Schönheitsarbeit und -kapital, ästhetisches Kapital oder Lookismus, die Diskriminierung auf dieser Grundlage. Zudem wachsen Felder der ästhetischen Ökonomie. Diese Entwicklungen erlauben es, von einem ästhetischen Kapitalismus zu sprechen.

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