{"id":1361,"date":"2014-12-16T10:09:08","date_gmt":"2014-12-16T09:09:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/?p=1361"},"modified":"2018-03-05T17:29:55","modified_gmt":"2018-03-05T16:29:55","slug":"aer9-2014-musikpaedagogische-forschung_editorial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/2014\/12\/16\/aer9-2014-musikpaedagogische-forschung_editorial\/","title":{"rendered":"Art Education Research \u00b09"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Musikp\u00e4dagogische Forschung: Positionen und Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum<\/strong><\/h1>\n<h3>Herausgeber_innen: Olivier Blanchard und Carmen M\u00f6rsch<\/h3>\n<div><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2014\/12\/Editorial-n\u00b09_AER_head_9.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2171\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2014\/12\/Editorial-n\u00b09_AER_head_9-300x248.gif\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"326\"><\/a><\/div>\n<p>Die vorliegenden Ausgabe des e-Journal Art Education Research gibt einen \u00dcberblick \u00fcber das wissenschaftliche Feld der Musikp\u00e4dagogik im deutschsprachigen Raum mit Fokus auf die f\u00fcr das Institute for Art Education (IAE) der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste interessanten Positionen und Arbeiten.<br \/>\nAnders als auf der bildungspolitischen Ebene, wo im Rahmen der Entstehung des f\u00fcr alle deutschsprachigen Kantone einheitlichen Lehrplans 21 zurzeit rege diskutiert wird, verzeichnet die Musikp\u00e4dagogik als wissenschaftliche Disziplin und als Forschungsfeld in der Schweiz bislang wenig Aktivit\u00e4t. Deshalb wurde am Forschungslabor f\u00fcr K\u00fcnste an Schulen (FLAKS) des IAE zwischen Sommer 2012 und Dezember 2014 das bestehende internationale wissenschaftliche Feld der Musikp\u00e4dagogik sondiert.<br \/>\nIn diesem Kontext wurde in Kooperation mit dem Master Musikp\u00e4dagogik der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste die Vortragsreihe \u00abMusikp\u00e4dagogische Forschung zu Gast an der ZHdK\u00bb ins Leben gerufen, bei welcher Forschende aus dem deutschsprachigen Raum ihre Ans\u00e4tze vorstellen und diskutieren.<br \/>\nEbenfalls im Zusammenhang mit dieser Stelle wurde von Olivier Blanchard und J\u00fcrg Huber in Zusammenarbeit mit Andreas B\u00fcrgisser eine explorative Studie zum schulmusikalischen Praxisfeld in der Deutschschweiz durchgef\u00fchrt. Ziel dieser Studie war es, sich dem von den Lehrpersonen intendierten Musikunterricht an Deutschschweizer Sekundarschulen und Gymnasien anzun\u00e4hern und damit den Diskurs um eine Position zu erg\u00e4nzen, die bislang unber\u00fccksichtigt blieb. Die Arbeit wird in der vorliegenden Ausgabe im Beitrag \u00abZwischen Kanon und Soziokultur\u00bb vorgestellt. Dieser gibt Einblicke in pers\u00f6nlichen Haltungen, Zielsetzungen, Fachbegr\u00fcndungen, Fachstrukturen, Methoden, Rahmenbedingungen des Unterrichts und Kulturkonzepte der Lehrpersonen. Auch zeigt sich, dass einige Lehrpersonen eine hohe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Diversit\u00e4t und die fachliche Heterogenit\u00e4t der Sch\u00fcler_innen haben und ihren Unterricht teilweise fast ausschliesslich gem\u00e4ss diesen Faktoren konzipieren.<\/p>\n<p>Die weiteren Texte dieser Ausgabe zeigen eine Auswahl aus den Positionen, die im Rahmen der Vortragsreihe \u00abMusikp\u00e4dagogische Forschung zu Gast an der ZHdK\u00bb vorgestellt wurden. Sie sollen einen Einblick in die musikp\u00e4dagogische Forschung im deutschsprachigen Raum geben. Bei der Auswahl war es uns wichtig Arbeiten zu ber\u00fccksichtigen, die mit Fragestellungen, die am IAE in anderen Bereichen bearbeitet werden, korrespondieren. Dies betrifft \u00dcberlegungen, die Musikp\u00e4dagogik an Fragen und Paradigmen der Kulturwissenschaften anzubinden (Vogt); \u00dcberlegungen, konstruktivistische Ans\u00e4tze f\u00fcr den Musikunterricht fruchtbar zu machen, was eine Kritik am Bildungsverst\u00e4ndnis im Sinne von Wissensanh\u00e4ufung, die in sequentiell organisierten Lernschritten organisiert werden kann, impliziert (Rolle, Krause-Benz); \u00dcberlegungen zum Umgang mit der (musik-)<br \/>\nkulturellen Vielfalt im Unterricht, die damit verbundene Identit\u00e4tskonstruktion der Sch\u00fcler_innen und damit eine Kritik am normativen und holistischen Verst\u00e4ndnis von \u00abKultur\u00bb (Barth) und schliesslich \u00dcberlegungen, die Diversit\u00e4t der Musiklehrer_innen, anstatt durch normative Setzungen in Fachdidaktiken minimieren zu wollen, f\u00fcr den Unterricht produktiv zu nutzen (Niessen).<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Vogt steuert in seinem Text metatheoretische \u00dcberlegungen \u00fcber den Status der Musikp\u00e4dagogischen Forschung bei. Er fragt, was f\u00fcr eine Art von Wissenschaft Musikp\u00e4dagogik sei und stellt fest, dass sie sich \u2013 zumindest in Deutschland \u2013 vermehrt auf empirische Bildungsforschung konzentriert und dabei auf das Methodenrepertoire der empirischen Sozialwissenschaften zugreift. Demgegen\u00fcber stellt J\u00fcrgen Vogt \u00dcberlegungen zur M\u00f6glichkeit an, Musikp\u00e4dagogik als kritische Kulturwissenschaft zu sehen. Diese \u00dcberlegungen erl\u00e4utert er anhand des kulturwissenschaftlichen \u00abUmbrella Terms\u00bb der \u00abPerformanz\u00bb und zeigt dabei auf, wie gerade die Kunsthochschule, die Performanzexpert_innen aller Art versammelt, ein pr\u00e4destinierter Ort zur interdisziplin\u00e4ren Erforschung der Schulmusik als Performativit\u00e4t eigener Art sein kann.<\/p>\n<p>Der Text von Christian Rolle entfaltet das Bildungspotential des \u00e4sthetischen Streits im Unterricht. Die Beschreibung der Charakteristika des \u00e4sthetischen Streits wird daf\u00fcr verkn\u00fcpft mit \u00dcberlegungen zu (angemessenen) Arten des Sprechens \u00fcber Musik. Die Er\u00f6rterung der grunds\u00e4tzlichen Frage, inwiefern musikalische Erfahrungen etwas zur Bildung \u2013 verstanden als Transformationsprozess \u2013 beitragen k\u00f6nnen, bietet in den \u00dcberlegungen des Autors die Grundlage, um die Voraussetzungen fassen zu k\u00f6nnen, unter denen \u00e4sthetisches Streiten im Musikunterricht sein Bildungspotential entfaltet. Abschliessend wird danach gefragt, wie \u00e4sthetischer Streit im Unterricht initiiert werden kann.<\/p>\n<p>Der Beitrag von Martina Krause-Benz befasst sich mit dem Bildungspotential eines Musikunterrichts, in dem musikbezogene Bedeutung konstruiert wird. Der Begriff \u00abBedeutung\u00bb wird dabei konstruktivistisch fundiert. Der \u00abgem\u00e4ssigte Konstruktivismus\u00bb nach Siegfried J. Schmidt (1994) ber\u00fccksichtigt bei der Bedeutungskonstruktion den sozialen Rahmen, in den das Individuum eingebunden ist. In diesem Zusammenhang muss eine Begr\u00fcndung einer Bedeutungszuweisung immer intersubjektiv nachvollziehbar sein. Damit wird der schulische Musikunterricht gem\u00e4ss der Autorin zu einem pr\u00e4destinierten Ort f\u00fcr die Konstruktion von Bedeutung, da Individuen mit unterschiedlichen, bereits erzeugten Bedeutungen von Musik aufeinandertreffen, welche die Bedeutungen der anderen jeweils perturbieren. So k\u00f6nnen ihr zufolge bestehende Konstrukte erweitert oder ver\u00e4ndert und somit Bildungsprozesse angebahnt werden.<\/p>\n<p>Dorothee Barth fragt in ihrem Text, welchen Beitrag die \u00abInterkulturelle Musikp\u00e4dagogik\u00bb zu dem leisten kann, was sie als Ausbildung einer \u00abstabilen, ausbalancierten kulturellen Identit\u00e4t\u00bb bezeichnet. Barth bezieht sich f\u00fcr den Begriff der Identit\u00e4t auf einen (post-)modernen Ansatz, bei dem diese als relationales Konstrukt gesehen wird, welches Momente der Reflexion und der Situierung im sozialen Raum beinhaltet. Kultur versteht Barth im Sinne von geteilten Sinndeutungen gem\u00e4ss eines bedeutungsorientierten Kulturbegriffes nach Reckwitz (2000). Dieses Verst\u00e4ndnis zwingt weder Migrant_innen, sich an traditioneller Musik ihres Herkunftslandes orientieren zu m\u00fcssen, noch fordert es von Kindern und Jugendlichen der Mehrheitsgesellschaft, ihre eigene musikkulturellen Wurzeln in der \u00ababendl\u00e4ndischen Kunstmusik\u00bb zu suchen. Schliesslich f\u00fchrt die Autorin aus, wie die referierten Theorien im Unterricht ihrer Meinung nach ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssten, um die Sch\u00fcler_innen zu einer offenen Identit\u00e4tsbildung mit mehreren musikalisch-kulturellen Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchlen heranzuf\u00fchren und dabei zudem zu einem respektvollen Umgang mit anderen Identit\u00e4ten beizutragen.<\/p>\n<p>Anne Niessen hat sich als eine der ersten im deutschsprachigen Raum mit dem Nachdenken von Musiklehrpersonen \u00fcber deren Unterricht bzw. deren Unterrichtsplanung befasst. Ihr Text gibt einen Einblick in eine qualitativ-empirische Studie zu Individualkonzepten von Musiklehrpersonen. Interviews zur Planung von Musikunterricht wurden mit den biographischen Hintergr\u00fcnden der befragten Personen in Beziehung gesetzt. Es zeigt sich, dass einerseits die Individualkonzepte nur im Kontext der jeweiligen Biographie zu verstehen sind und andererseits die Individualkonzepte f\u00fcr die Konstruktion der eigenen Biographie die Funktionen des Strukturierens und Fruchtbarmachens der eigenen Erfahrungen erf\u00fcllen. Angesichts der Ergebnisse ihrer Studie formuliert die Autorin die Anliegen, dass in der Ausbildung zur Musiklehrperson biographische Einflussfaktoren st\u00e4rker und sp\u00e4tere Arbeitsbedingungen fr\u00fcher thematisiert werden sollen, und Probleme, auf die Lehrer_innen beim Unterrichten stossen, in Lerndiskrepanzen umgedeutet werden sollten.<\/p>\n<p>Olivier Blanchard und J\u00fcrg Huber stellen in ihrem Beitrag eine explorative Studie \u00fcber den Musikunterricht an Sekundarschulen und Gymnasien der Deutschschweiz vor. Es ging bei dieser Arbeit darum, einen Einblick in das Denken von Lehrpersonen bez\u00fcglich ihres Unterrichts zu erhalten und Fragen f\u00fcr weiterf\u00fchrende Forschungsprojekte zu entwickeln. Dabei wurden Lehrpersonen, mit ihren Lehrpl\u00e4nen als Befragungsgrundlage, online zu ihrem Musikunterricht befragt. Es zeigte sich, dass Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I eine hohe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Anspr\u00fcche, F\u00e4higkeiten und Interessen ihrer Sch\u00fcler_innen haben und den Unterricht entsprechend nach den Rahmenbedingungen ausrichten. Auf der Sekundarstufe II wird der Unterricht mehr auf die Ziele des Lehrplans ausgerichtet. Dennoch lassen sich auf dieser Stufe kontrastierende Typen von Lehrpersonen beschreiben, die verschiedene methodisch-didaktische Haltungen im Musikunterricht vertreten.<\/p>\n<p>Nun hoffe ich, mit dieser Ausgabe einen Anstoss f\u00fcr eine Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche Fragen und eine m\u00f6gliche wissenschaftliche Ausrichtung der musikp\u00e4dagogischen Forschung in der Schweiz geben zu k\u00f6nnen und w\u00fcnsche allen Leser_innen eine anregende Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>R\u00fcckmeldungen zu dieser Ausgabe k\u00f6nnen gerne an Olivier Blanchard (blanchardoli@edufr.ch) gerichtet werden.<br \/>\nWir w\u00fcnschen eine anregende Lekt\u00fcre!<\/p>\n<p><a title=\"Texte\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/category\/aer9_texte\/\">Zu den Texten&nbsp;<\/a><\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Reckwitz, Andreas (2000): Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms, Weilerswist: Velbr\u00fcck Wissenschaft.<\/p>\n<p>Schmidt, Siegfried J. (1994): Kognitive Autonomie und soziale Orientierung. Konstruktivistische Bemerkungen zum Zusammenhang von Kognition, Kommunikation, Medien und Kultur, Frankfurt a. M.: Suhrkamp.<\/p>\n<p><strong>Redaktion<\/strong><br \/>\nOlivier Blanchard<\/p>\n<p><strong>Bild und Layout der Texte<\/strong><br \/>\nAnne Gruber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikp\u00e4dagogische Forschung: Positionen und Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum Herausgeber_innen: Olivier Blanchard und Carmen M\u00f6rsch Die vorliegenden Ausgabe des e-Journal Art Education Research gibt einen \u00dcberblick \u00fcber das wissenschaftliche Feld der Musikp\u00e4dagogik im deutschsprachigen Raum mit Fokus auf die f\u00fcr das Institute for Art Education (IAE) der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste interessanten Positionen und Arbeiten. 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