{"id":524,"date":"2010-12-14T07:43:18","date_gmt":"2010-12-14T06:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/?p=524"},"modified":"2018-03-05T17:17:37","modified_gmt":"2018-03-05T16:17:37","slug":"n2_kunstauffuehren_editorial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/2010\/12\/14\/n2_kunstauffuehren_editorial\/","title":{"rendered":"Art Education Research \u00b02"},"content":{"rendered":"<h1><strong>KUNST [auf] F\u00dcHREN<\/strong><br \/>\n<strong> Performativit\u00e4t als Modus und Kunstform in der Kunstvermittlung<\/strong><\/h1>\n<h3>Herausgeberinnen: Nora Landkammer, Anna Sch\u00fcrch, Bernadett Settele, Sandra Ortmann, Danja Erni<\/h3>\n<div><strong>_ <\/strong><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p><strong>EDITORIAL <\/strong><\/p>\n<p>Was heisst es, Kunstvermittlung als performativ zu denken? Performativit\u00e4t als Perspektive macht sichtbar, dass Wirklichkeit durch die (Wieder-)Auff\u00fchrung von gesellschaftlich hergestellten Handlungsm\u00f6glichkeiten produziert wird. \u00dcber Performativit\u00e4t in der Kunstvermittlung nachzudenken, lenkt den Blick auf diese Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion im Museum: Zun\u00e4chst stellt sich die VermittlerIn selbst durch die Wiederholung von Akten, die f\u00fcr diese (SprecherInnen-)Position historisch\/gesellschaftlich vorgesehen sind \u2013 erkl\u00e4ren, l\u00e4cheln, zeigen \u2013 her. Damit und dadurch, dass auch die TeilnehmerInnen eines Vermittlungsangebotes ihre Rolle spielen \u2013 also das wiederholen, was f\u00fcr MuseumsbesucherInnen vorgesehen ist (oder sich dem verweigern) \u2013 konstituiert sich die Vermittlungssituation und zugleich die Rahmen des Vorgesehenen (die Normen). Die Kunst wird in der Vermittlungssituation aktualisiert und in ihren Bedeutungen (wieder-)hergestellt. Schliesslich sind es diese Akte, die das Museum als Institution darstellen und produzieren. Wenn eine Institution kein fixes Gef\u00fcge ist, sondern durch das, was in ihr passiert, st\u00e4ndig hergestellt wird, dann tr\u00e4gt Vermittlung wesentlich zur (Re-)Produktion der Institution bei \u2013 sei es stabilisierend oder ver\u00e4ndernd, als Kritik oder als Festschreibung.<\/p>\n<p>Performativit\u00e4t als Analysetool, das sich aus J. L. Austins \u00dcberlegungen dazu, \u00abwie Worte etwas tun\u00bb, entwickelt hat, r\u00fcckt die konstitutiven Wirkungen des Sprechens und Handelns im Museum in den Fokus \u2013 konstitutiv mit J. Butler auch in dem Sinn, dass die Bedingungen der M\u00f6glichkeit f\u00fcr das Sprechen und Handeln, daf\u00fcr, was sagbar und zu tun m\u00f6glich ist, performativ produziert werden. <em>Im und durch das Handeln<\/em> selbst \u00fcber diese Akte der Bedeutungsproduktion nachzudenken, f\u00fchrt unter anderem ins Terrain der Performancekunst.<\/p>\n<p>Was haben sich Performance und Vermittlung zu sagen? Kann der Ansatz, das Museum und Vermittlung performativ zu denken, nicht nur zu deren Analyse beitragen, sondern m\u00f6glicherweise zu ihrer Ver\u00e4nderung, hin zu reflexiven R\u00e4umen der vielstimmigen Produktion und Aushandlung von Bedeutungen? Wie lassen sich Rollen, R\u00e4ume und ihre Normen performativ \u2013 im tun \u2013 verschieben?<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen waren Basis des Symposiums <em>KUNST [auf] F\u00dcHREN \u2013 Performativit\u00e4t als Modus und Kunstform in der Kunstvermittlung <\/em><a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftn1\">[1]<\/a>, aus dem die Beitr\u00e4ge dieser zweiten Ausgabe von <em>Art Education Research<\/em> hervorgegangen sind. Ein zentraler Bezugspunkt der Auseinandersetzung waren die Texte von Charles R. Garoian, der in <em>Performing Pedagogy. Toward an Art of Politics<\/em> 1999 eine P\u00e4dagogik entwirft, die vom performativen Charakter von Unterrichtssituationen ausgeht und Performance als politische, zu Handlungen erm\u00e4chtigende p\u00e4dagogische Praxis denkt. Eine solche P\u00e4dagogik fordere die Exklusionsmechanismen kultureller Institutionen heraus, durch ein Schaffen von \u00abperformative spaces [&#8230;] where the politics of inscription and representation can be debated and agency self-determined\u00bb <a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftn2\">[2]<\/a>. In einem weiteren Text beschreibt er das Museum als einen Ort, der durch die Performance der in ihm Agierenden hergestellt wird. Er schl\u00e4gt eine Vermittlung vor, die diesem performativen Charakter Rechnung tr\u00e4gt und TeilnehmerInnen durch ein \u00abperforming the museum\u00bb erm\u00f6glicht, sich kritisch zu den dominanten Narrativen des Museums zu positionieren und ihm ihre eigenen Erz\u00e4hlungen hinzuzuf\u00fcgen. <a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Die Texte in dieser Ausgabe widmen sich dem genaueren Befragen von Vermittlung als performativer Angelegenheit. Sie kl\u00e4ren zugrundeliegende theoretische Konzepte, sie diskutieren die komplexen Beziehungen und Spannungsverh\u00e4ltnisse in der bei Garoian recht eing\u00e4ngig dargestellten Linie zwischen Performance, P\u00e4dagogik und agency, und sie zeigen und reflektieren Beispiele und Methoden aus der Vermittlungspraxis.<\/p>\n<p>Sabine Gebhardt-Fink, Nora Landkammer und Anna Sch\u00fcrch treten in ihrem Beitrag in einen Dialog \u00fcber Performancekunst, Theorien der Performativit\u00e4t und Vermittlung. Dem Vorschlag Garoians folgend, Handlungsformen aus der Performancekunst p\u00e4dagogischen Settings zugrunde zu legen befragen sie aktuelle Performances und diskutieren m\u00f6gliche Bedeutungen f\u00fcr die Vermittlung.<\/p>\n<p>Die Frage, warum sich Vermittlung eigentlich auf Theorien der Performativit\u00e4t bezieht, rollt Andrea Hubin auf. Sie hinterfragt die Ableitung von konkreten Strategien f\u00fcr die Vermittlung aus Performativit\u00e4tskonzepten und verortet die Produktivit\u00e4t des Ansatzes im Erlangen von Handlungsf\u00e4higkeit in Strukturen, die man kritisiert und in deren Herstellung man doch eingebunden ist.<\/p>\n<p>Konkrete Methoden sind Gegenstand von Julia Draxlers Beitrag \u2013 sie berichtet \u00fcber ihre Arbeit mit Augusto Boals <em>Theater der Unterdr\u00fcckten<\/em> in der Vermittlung und diskutiert eine Vermittlung, die das Handeln zentral setzt, um in k\u00fcnstlerischen Arbeiten thematisierte gesellschaftliche und politische Problematiken sowie Machtverh\u00e4ltnisse im Museum selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung zu machen und um Handlungsweisen im Umgang damit zu erproben.<\/p>\n<p>Bernadett Settele verkn\u00fcpft in <em>Performing the Vermittler_in<\/em> die institutionelle und konzeptuelle Ebene von Vermittlungsarbeit mit einem \u00abClose-up\u00bb auf die Vermittlungssituation als Szene der Herstellung von Subjekten und stellt den <em>Secret Service <\/em>als ein schon auf dieser Basis konzipiertes Vermittlungsprojekt zur 5. berlin biennale in den Kontext dieser theoretischen \u00dcberlegungen. Die Hauptfrage ist: Wie kann die Vermittler_in Handlungsm\u00f6glichkeiten erlangen, ohne eine auktoriale Position einzunehmen?<\/p>\n<p>Die Institution als performativ produziert steht im Beitrag des K\u00fcnstlerInnen\/VermittlerInnenkollektivs microsillons im Zentrum. Sie verhandeln ihr Verh\u00e4ltnis zur Institution \u2013 konkret dem Centre d\u2019Art Contemporain in Genf \u2013 ausgehend von der Verschiebung in der Institutional Critique, die Andrea Frasers Statement \u00abWe are the institution\u00bb markiert.<\/p>\n<p>2008 fand im Kunstmuseum Lentos in Linz die Tagung <em>Performing the museum as a public sphere: Kunstvermittlung als Widerstreit<\/em> statt. Der Beitrag von Carmen M\u00f6rsch und Eva Sturm, die die Linzer Tagung konzipiert haben, diskutiert im Dialog zwischen den beiden Autorinnen Begriffe wie Performativit\u00e4t, \u00d6ffentlichkeit und Widerstreit im Hinblick auf Entw\u00fcrfe einer kritischen Kunstvermittlung.<\/p>\n<p>Wieder in die Praxis f\u00fchrt der Beitrag von Sandra Ortmann mit dem Skript f\u00fcr die <em>Performativen Interventionen<\/em> in der Kunsthalle Fridericianum, die sie gemeinsam mit Studierenden der Kunsthochschule Kassel entwickelt hat.<\/p>\n<p>Nora Landkammer setzt sich schliesslich mit Kritik aus dem Publikum beim Symposium KUNST [auf] F\u00dcHREN auseinander und stellt ausgehend von der Veranstaltung \u00dcberlegungen zur Figur der BesucherIn in der Reflexion \u00fcber Vermittlung vor.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen eine spannende Lekt\u00fcre und freuen uns \u00fcber R\u00fcckmeldungen und Anregungen zum e-Journal!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/category\/n2_texte\/\">Zu den Texten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"mailto:info.iae@zhdk.ch\">Kontakt<\/a><\/p>\n<hr size=\"1\">\n<p><a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftnref1\">[1]<\/a>Das Symposium wurde in Zusammenarbeit zwischen IAE und der Kunsthalle Fridericianum organisiert und fand im Juni 2009 in Kassel statt. http:\/\/www.fridericianum-kassel.de\/symposium2009.html, 10.11.2010.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftnref2\">[2]<\/a>Garoian, Charles (1999): Performing Pedagogy. Towards and Art of Politics. New York: State University, S. 51.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/iae-journal.zhdk.ch\/wp-admin\/post.php?post=497&amp;action=edit&amp;message=1#_ftnref3\">[3]<\/a> Garoian, Charles (2001): \u201ePerforming the Museum\u201c. Studies in Art Education. No.42, 3, S. 234 \u2013 248.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KUNST [auf] F\u00dcHREN Performativit\u00e4t als Modus und Kunstform in der Kunstvermittlung Herausgeberinnen: Nora Landkammer, Anna Sch\u00fcrch, Bernadett Settele, Sandra Ortmann, Danja Erni _ &nbsp; EDITORIAL Was heisst es, Kunstvermittlung als performativ zu denken? 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