{"id":638,"date":"2011-07-04T15:20:26","date_gmt":"2011-07-04T14:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/?p=638"},"modified":"2018-03-05T17:19:27","modified_gmt":"2018-03-05T16:19:27","slug":"n3_queer-und-diy-im-kunstunterricht_editorial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/2011\/07\/04\/n3_queer-und-diy-im-kunstunterricht_editorial\/","title":{"rendered":"Art Education Research \u00b03"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2011\/07\/ejournal-3-Bild-01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-989\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2011\/07\/ejournal-3-Bild-01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2011\/07\/ejournal-3-Bild-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-997\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2011\/07\/ejournal-3-Bild-03-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-995\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/files\/2011\/07\/ejournal-3-Bild-02-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/p>\n<h1><strong>Queer und DIY im Kunstunterricht<\/strong><\/h1>\n<h3>Herausgeberin: Bernadett Settele<\/h3>\n<h2>&nbsp;<strong>_ <\/strong><\/h2>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p><strong>EDITORIAL <\/strong><\/p>\n<h2>Das e-Journal <em>Art Education Research <\/em>als Schulbuch<\/h2>\n<h3>Carmen M\u00f6rsch, Herausgeberin von <em>Art Education Research<\/em><\/h3>\n<p>Die vier Kunsthochschulen der Deutschschweiz veranstalten im Rahmen der Ausbildung von Gymnasiallehrpersonen f\u00fcr das Schulfach Bildnerisches Gestalten jedes Semester ein \u201eNetzwerkmodul\u201c. In einer Blockveranstaltung kommen Studierende aller vier Standorte f\u00fcr eine Woche zusammen, um sich kennenzulernen, auszutauschen und sich auf eine bestimmte fachdidaktische Fragestellung bzw. auf die Enrprobung und Entwicklung von Lehr- und\/oder Forschungsmethoden zu konzentrieren. Das Modul wird von den beteiligten Hochschulen im Wechsel betrieben. Alle zwei Jahre im Januar liegt der Ball bei der Vertiefung \u201ebilden &amp; vermitteln\u201c des Master of Arts in Art Education der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste. Die Modulverantwortung liegt bei mir, der Leiterin des Instituts for Art Education (IAE) und Herausgeberin dieses e-journals.<\/p>\n<p>Unter anderem mit dem Netzwerkmodul erf\u00fcllt das IAE eine seiner zentralen Aufgaben, die in der Amtssprache des terti\u00e4ren Bildungssektors mit \u201eTransfer zwischen Forschung und Lehre\u201c benannt ist. Wir interpretieren diese Aufgabe weniger im Sinne einer Dienstleistung, die auf von den Studieng\u00e4ngen oder dem Berufsfeld artikulierte Bedarfe ohne Hinterfragung reagiert und diese zu bedienen sucht.<\/p>\n<p>Ein solches Vorgehen widerspr\u00e4che den von uns formulierten Arbeitsprinzipien, die uns am IAE einer Forschung, die sich herrschafts- und hegemoniekritisch versteht, verpflichten. Vielmehr ist es unser Anliegen, in engem Austausch und in kritischer Auseinandersetzung mit der Lehre und dem Berufsfeld m\u00f6glichst viele Fragestellungen und Ergebnisse unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit f\u00fcr die Bildungs- und Ausbildungsarbeit der Studieng\u00e4nge produktiv zu machen und umgekehrt Impulse aus dieser Auseinandersetzung wiederum in neue Forschungsfragen und Entwicklungsaufgaben zu \u00fcberf\u00fchren. Aus dieser Haltung heraus entstand die Idee, die zweij\u00e4hrigen Netzwerkveranstaltungen an der ZHdK unter dem Titel \u201ePers\u00f6nlichkeitsverwicklung\u201c zu konzipieren.<\/p>\n<p>Das, was Psycholog_innen und Soziolog_innen mit Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung bezeichnen, oszilliert zwischen der F\u00e4higkeit zum kritischen Denken, zum Umgang mit Differenz einerseits sowie (mehrheits-)gesellschaftlicher Normierung und Arbeitsmarktkompatibilit\u00e4t andererseits. F\u00fcr Adoleszente (und nicht nur f\u00fcr sie) ereignet sich Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung innerhalb komplexer Verwicklungen und nicht aufl\u00f6sbarer Widerspr\u00fcche, in der Spannung zwischen Anpassung und Abweichung, zwischen dem Herstellen und Aushalten sozialer Ein- und Ausschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>2007 f\u00fchrte die \u00f6sterreichische Regierung eine Studie mit dem Titel \u201eKulturmonitoring\u201c durch, die auf einer Bev\u00f6lkerungsbefragung von 2.000 Personen fu\u00dfte. Dabei gaben rund 75% der Befragten an, dass sie die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur vor allem f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung von Jugendlichen als wichtig einstufen und daher auch den Ausbau der schulischen Kunstvermittlung bef\u00fcrworteten<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>. Doch was bedeutet die Aussage, Kunst und Kultur seien f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung von Jugendlichen relevant, konkret? Welche Handlungsm\u00f6glichkeiten ergeben sich daraus f\u00fcr den Kunstunterricht? Diesen Fragen wurde und wird im Netzwerkmodul der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste anhand von Praxisbeispielen, Gruppenarbeiten, Materialentwicklungen und theoretischen Reflexionen nachgegangen. Dabei stand beim ersten Mal, im Januar 2010 unter dem Motto \u201eQueer und DIY im Kunstunterricht\u201c die Kategorie Geschlecht im Fokus der Auseinandersetzung. Die zweite Folge der \u201ePers\u00f6nlichkeitsverwicklung\u201c, im Januar 2012, wird den Fragen nach einem \u201eKunstunterricht in der Migrationsgesellschaft\u201c gewidmet sein. Die dritte, im Januar 2014, wird nach der Relevanz der Kategorie \u201eKlasse\u201c, nach dem kulturellen und sozialen Kapital als Determinanten f\u00fcr die Gestaltung des Schulfachs \u201eBildnerisches Gestalten\u201c fragen.<\/p>\n<p>Das Adaptieren jugendkultureller Praktiken und Bilderwelten geh\u00f6rt unter den Stichworten \u201elebensweltlicher Bezug\u201c und \u201eAlltagsorientierung\u201c zu den griffbereiten Strategien im Schulfach Bildnerisches Gestalten. In den drei Netzwerkveranstaltungen wurde und wird dabei jedoch eine<em> queere <\/em>Perspektive eingenommen: Es ging und geht um die unterrichtspraktischen Konsequenzen der Tatsache, dass der Umgang mit Zeichen nicht in einem herrschaftsfreien Raum stattfindet. Im Gegenteil sind die Selbstartikulationen von Subjekten (egal welchen Alters) in symbolische Ordnungen eingeschrieben \u2013 zum Beispiel in die Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit oder der Differenzlinie entlang von Ethnizit\u00e4t und sozialer Herkunft. Die Zeichen, die sie produzieren, sind strukturiert von dominanten Darstellungskonventionen. Sie f\u00fcgen sich zumeist glatt in diese Konventionen und symbolischen Ordnungen ein, oder sie scheitern daran, deren Perfektion wiederholen zu wollen. In selteneren F\u00e4llen weichen sie bewusst, lustvoll und offensiv von ihnen ab oder verschieben sie.<\/p>\n<p>Die Netzwerkmodule an der ZHdK konzentrieren sich auf die kunstp\u00e4dagogischen Potentiale von solchen lustvollen Abweichungen und Verschiebungen. Sie nehmen die M\u00f6glichkeit k\u00fcnstlerischer Verfahren und k\u00fcnstlerischer Bildung ernst, dominante Ordnungen sichtbar zu machen, zu hinterfragen, zu <em>dekonstruieren <\/em>und neue Konstellationen und Konzepte jenseits von neuen Festschreibungen zu erproben. Sie versuchen zusammen mit allen Beteiligten, einen Kunstunterricht zu entwerfen, der \u00fcber eine lustvolle und verunsichernde Pers\u00f6nlichkeitsverwicklung zu einer vielleicht etwas st\u00e4rker selbstbestimmten, gerechteren und differenzierteren Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung f\u00fchren k\u00f6nnte \u2013 f\u00fcr Lernende und Lehrende gleichermassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist geplant, zu jeder der drei Fragestellungen der Netzwerkmodule 2010, 2012 und 2014 auch eine Ausgabe von <em>Art Education Research<\/em> entstehen zu lassen. Die Ausgabe zum ersten Netzwerkmodul, zu \u201eQueer und DIY im Kunstunterricht\u201c, liegt nun hier vor.<\/p>\n<p>Sie ist als Schulbuch, als Sammlung von Materialien f\u00fcr den Unterricht, konzipiert. Mit dem Bestehen auf der M\u00f6glichkeit, didaktisches Material als Ergebnis von Forschungsarbeit zu ver\u00f6ffentlichen, wird im Ansatz auch ein Konzept von Forschung verschoben, welches das Entwickeln didaktischer Materialien als \u201eRunterbrechen\u201c komplexer Inhalte und damit als Praxis jenseits von wissenschaftlicher Arbeit verortet. Am IAE besch\u00e4ftigen wir uns mit dem hierarchischen und nicht zuletzt vergeschlechtlichten Verh\u00e4ltnis unter den verschiedenen Produktionsweisen und Verortungen von Wissen in Kunst und Wissenschaft einerseits und in der Vermittlung andererseits. Es handelt sich dabei um einen querliegenden Frage- und Handlungskomplex, der sich durch alle unsere Projekte zieht.<\/p>\n<p>Wir versuchen, diese Hierarchien durcheinanderzubringen, sie herrschaftskritisch zu \u201equeeren\u201c.<\/p>\n<p>Aus dieser Perspektive handelt es sich bei der Durcharbeitung von Theorien und k\u00fcnstlerischen Produktionen in der Perspektive der Vermittlung und bei ihrer Fortsetzung, Reflexion und Umarbeitung im Unterrricht eher um Akte des \u201eRaufbrechens\u201c, im Sinne einer Steigerung von Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die vorliegenden Ausgabe von <em>Art Education Research <\/em>m\u00f6chte zu solchen Versuchen des Raufbrechens anregen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche viel Spass beim Lesen und bei den aus der Lekt\u00fcre resultierenden Unterrichtsideen und Experimenten.<\/p>\n<p>Mein Dank gilt an dieser Stelle den studentischen Assistentinnen, die uns beim Netzwerkmodul unterst\u00fctzten, und den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen des IAE, ohne die weder das Konzept noch die Durchf\u00fchrung der Veranstaltung m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren: Danja Erni, Nora Landkammer, Anna Sch\u00fcrch und Bernadett Settele. Bernadett Settele gilt zus\u00e4tzlich mein besonderer Dank f\u00fcr ihre Arbeit an der Herausgabe dieser dritten Ausgabe von <em>Art Education Research<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/category\/n3_texte\/\">Zu den Texten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/iaejournal\/2012\/02\/03\/n3_materialien\/\">Zu den Materialien<\/a><\/p>\n<hr size=\"1\">\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> INSTITUT F\u00dcR EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG GMBH: \u201eKulturmonitoring der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung 2007. Erstellt f\u00fcr das BM f\u00fcr Unterricht, Kunst und Kultur\u201c, hier: S. 30 http:\/\/www.bmukk.gv.at\/medienpool\/15575\/23800007berichtkultur.pdf. Zuletzt aufgerufen am 22.4.2009.<\/p>\n<h3>&nbsp;<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Queer und DIY im Kunstunterricht Herausgeberin: Bernadett Settele &nbsp;_ &nbsp; EDITORIAL Das e-Journal Art Education Research als Schulbuch Carmen M\u00f6rsch, Herausgeberin von Art Education Research Die vier Kunsthochschulen der Deutschschweiz veranstalten im Rahmen der Ausbildung von Gymnasiallehrpersonen f\u00fcr das Schulfach Bildnerisches Gestalten jedes Semester ein \u201eNetzwerkmodul\u201c. 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