{"id":1889,"date":"2011-05-06T10:29:16","date_gmt":"2011-05-06T10:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/?p=1889"},"modified":"2011-05-06T10:51:55","modified_gmt":"2011-05-06T10:51:55","slug":"ausgang-planung-und-geschmack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/?p=1889","title":{"rendered":"Ausgang &#8211; Planung und Geschmack"},"content":{"rendered":"<address>Geschmack und Vorlieben sind gesellschaftlich motiviert und ganz und gar nicht zuf\u00e4llig.<\/address>\n<address> <\/address>\n<address><\/address>\n<address>In seinem Text &#8222;Die Spaltung der &#8218;Biographie&#8216; und &#8218;Gesellschaft'&#8220; nennt der Soziologe Peter Alheit Biographie janusgesichtig: &#8222;Sie verk\u00f6rpert soziale Strukturen, die uns auferlegt sind und denen wir nur begrenzt &#8218;entkommen&#8216; k\u00f6nnen, doch zugleich ist sie etwas, was wir selber gestalten,\u00a0 ver\u00e4ndern, &#8218;machen&#8216;.<\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Dementsprechend ist laut Alheit die dominierende Einstellung gegen\u00fcber unserer Biographie die des Planens. Damit sind sowohl die &#8222;gro\u00dfen Pl\u00e4ne\u00ab gemeint, die wir f\u00fcr unser Leben hegen \u2013 der Berufswunsch, die politische Karriere, der Hausbau, die \u00bbgute Partie\u00ab etc. Es geht auch um die Planung des Wochenendes, des n\u00e4chsten Vormittags oder des abendlichen Fernsehprogramms&#8220;. Ein Erfolg dieser Planung vermittelt den Akteur den Eindruck &#8222;sein Leben im Griff zu haben&#8220;, oder wie Peter Alheit sagt &#8222;Subjekt unserer Biografie&#8220; zu sein. Aber eben dieser Eindruck kann, \u00a0sehr problematisch sein, denn es zeigt sich, dass die Autonomie des Planens sehr br\u00fcchig ist. Gef\u00e4hrdet wird sie z.B. durch pl\u00f6tzliche Schicksalsschl\u00e4ge wie eine Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen, aber auch in subtileren Ma\u00dfe durch eine wie Alheit sie nennt &#8222;Hintergrundlogik&#8220;. Dazu z\u00e4hlt er den Rahmen der Biographie, wie zum Beispiel &#8218;Generation&#8216;.<\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Das Interessante an dieser Hintergrundlogik ist, dass sie Handlung, also in diesem Fall Biographische Planung, erst erm\u00f6glicht durch eine Beschneidung der Handlungsoptionen, indem sie anstelle von Entscheidungsprozessen Tradition oder Gewohnheit setzt und somit Ressourcen f\u00fcr notwendige und relevante Handlungen frei werden l\u00e4sst. Bei komplettem Verlust dieser freien Entscheidung tritt aber ein sehr bedrohlicher Mechanismus in Kraft, der zum Kontrollverlust \u00fcber das eigene Leben f\u00fchrt (z.B. unverschuldete Arbeitslosigkeit f\u00fchrt Geldmangel und Ausschluss aus dem sozialen Leben hervor).<\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Wichtig dabei ist, dass &#8222;dass unser Grundgef\u00fchl, relativ selbst\u00e4ndig \u00fcber unsere Biographie verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen, offenbar nicht notwendig mit der Tatsache in Konflikt ger\u00e4t, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil unserer biographischen Aktivit\u00e4ten entweder weitgehend festgelegt ist oder von verschiedenen Prozessoren erst angesto\u00dfen wird\u201c. \u00a0Alheit nennt dieses Grundgef\u00fchl, die &#8222;Intuition, dass es sich bei aller Widerspr\u00fcchlichkeit um &#8218;unser&#8216; Leben handelt&#8220; und h\u00e4lt fest. dass &#8222;diese einzigartige &#8218;Hintergrundidee&#8216; von uns selbst haben wir nicht trotz, sondern gerade wegen der strukturellen Begrenzungen unserer sozialen und ethnischen Herkunft, unseres Geschlechts und der Zeit, in der wir leben&#8220;.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschmack und Vorlieben sind gesellschaftlich motiviert und ganz und gar nicht zuf\u00e4llig. 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