{"id":41,"date":"2011-04-04T09:50:19","date_gmt":"2011-04-04T09:50:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/?p=41"},"modified":"2011-05-06T09:13:34","modified_gmt":"2011-05-06T09:13:34","slug":"habitus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/?p=41","title":{"rendered":"Habitus &#8211; Einf\u00fchrung in einen Begriff"},"content":{"rendered":"<p><strong><a rel=\"attachment wp-att-91\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/?attachment_id=91\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-91\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/files\/2011\/04\/Pierre-Bourdieu1-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/files\/2011\/04\/Pierre-Bourdieu1-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/files\/2011\/04\/Pierre-Bourdieu1-112x150.jpg 112w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/justwho\/files\/2011\/04\/Pierre-Bourdieu1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Stichworte zum Konzept des Habitus in der Theorie von der sozialen Welt nach Bourdieu<\/strong><\/p>\n<p>Bourdieus St\u00e4rke ist das Begreifen des sozialen Handelns als kybernetisches Modell.<\/p>\n<p><strong>Soziales Handeln<\/strong> ist nicht das Befolgen von starren Regeln (Benimmkanon), sondern eine <strong>Handschrift des Handelns<\/strong>. Diese Handschrift bringt Improvisationen hervor, die Regeln folgen. Es entsteht das Bild einer gesellschaftlichen Praxis, in der jedes Mitglied der Gesellschaft \u00fcber seinen Habitus Auskunft \u00fcber seine Rangordnung gibt.<\/p>\n<p>Der Habitus ist geronnene, verinnerlichte Erfahrung, ein <strong>Modus Operandi<\/strong>. Die Haupt-Pr\u00e4gung erfolgt in der Kindheit, das Lernen dauert lebenslang.<\/p>\n<p>In Abgrenzung zum Konzept des sozialen Rollenspiels, kennt der Habitus-Begriff keinen Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft. Die Welt wird interagierend erkannt, gelernt, <strong>konstruierend gewonnen<\/strong>.<\/p>\n<p>Habitus ist <strong>klassenspezifisch<\/strong>. Der Geschmack ist K\u00f6rper gewordene Klasse und dient der Abgrenzung (Distinktion) bzw Zugeh\u00f6rigkeit. Er \u00e4u\u00dfert sich in \u00e4sthetischen Entscheidungen, Kauf-Entscheidungen, der Praxis der Lebensf\u00fchrung (z. B. hinsichtlich des Essens, der Kleidung, der\u00a0Wohnungseinrichtung, der Freizeitgestaltung oder des Kunst- und\u00a0Musikgeschmacks).<\/p>\n<p>Die <strong>verschiedenen Kapitalsorten<\/strong>: \u00f6konomisches Kapital (materieller Besitz), kulturelles Kapital (Bildung), soziales Kapital (soziale Beziehungen) und symbolisches Kapital (Ansehen) sind innerhalb der modernen Gesellschaft ungleich verteilt. Dadurch sind verschiedene soziale Klassen unterschiedlich am gesellschaftlichen Reichtum, an Entscheidungsprozessen beteiligt.<\/p>\n<p>Der Habitus ist <strong>geschlechtsspezifisch<\/strong>. Die Strukturierung von Arbeitszuteilungen, Handlungsweisen, pers\u00f6nlichen Merkmalen nach der Unterscheidung m\u00e4nnlich \/ weiblich ist in allen Gesellschaften soziale Praxis. \u201eDas Geschlecht ist eine fundamentale Dimension des Habitus, die wie in der Musik die Kreuze oder Schl\u00fcssel, alle &#8230; sozialen Eigenschaften modifiziert.\u201c<\/p>\n<p>Der Habitus formt sich aus in einem <strong>sozialen Feld<\/strong>. Dieser Begriff bezieht sich auf das in der Moderne auff\u00e4llige System von der Eigenlogik abgegrenzter sozialer Sektoren. (ein Musiker folgt anderen Spielegeln im Streben nach Vormachtstellung als ein Banker). Diese Logik funktioniert nicht nach \u00f6konomischen Funktionsregeln. Die Kr\u00e4ftefelder sind gepr\u00e4gt von der Konkurrenz unter den Akteuren, ihrem Zusammenspiel. Die Personen sind Personifizierungen der Anforderungen des Feldes an sie.<\/p>\n<p>Zur Verortung im sozialen Raum geh\u00f6rt nicht nur die jetzige Lage, sondern die <strong>Laufbahn<\/strong> einer Person oder Gruppe (z.B. Familie). Den Weg durch den sozialen Raum fasst Bourdieu mit dem Begriff der \u201etrajectoire\u201c (Laufbahn). Dieser Begriff soll die Abfolge der Positionen bezeichnen, die ein Mensch in seinem Lebenslauf einnimmt (z.B. potentieller Erbe, Student, Heiratskandidat, Berufsanf\u00e4nger, Familiengr\u00fcnder&#8230;) . Die f\u00fcr die Positionen zu erwartende Kompetenz unterliegt einem Feldzwang. (das w\u00fcrden andere Soziologen mit dem Begriff Rolle bezeichnen).<\/p>\n<p>Trotz seines Verlaufscharakters besitzt der Habitus ein Beharrungsverm\u00f6gen. Er kann an Existenzbedingungen angepasst sein, die bereits nicht mehr existieren und demnach mit den aktuellen Existenzbedingungen nicht mehr \u00fcbereinstimmen. (<strong>Hysteresis-Effekt, <\/strong>von grch. der Mangel, das Fehlen. Einfach formuliert bezeichnet Hysterese das Fortdauern eines Zustandes nach Wegfall der Anregung). (z.B. der Million\u00e4r mit dem Kleinb\u00fcrgergeschmack, der verarmte Adelige mit dem Flair von Welt&#8230;)<\/p>\n<p>Die in der sozialen Hierarchie herrschende Klasse\/Schicht ist st\u00e4ndig auf der Flucht vor den Aufsteigern, die deren Lebensr\u00e4ume (Habitus), \u00fcber die sie sich definieren (z.B. Schulabschl\u00fcsse, Konsumartikel), besetzen oder, umgekehrt, sie sind auf der Flucht vor dem Raub ihres erarbeiteten Wohlstandes, welchen sie selbst durch Raub erlangten (Ausbeutung, Kolonialismus)- <strong>Distinktionsstreben<\/strong>. (In Umfragen wird oft negativ formuliert, wie und von wem man sich absetzen m\u00f6chte)<\/p>\n<p><em>nach: Habitus, Beate Krais, Gunter Gebauer, transcript Verlag Bielefeld, 2002<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stichworte zum Konzept des Habitus in der Theorie von der sozialen Welt nach Bourdieu Bourdieus St\u00e4rke ist das Begreifen des sozialen Handelns als kybernetisches Modell. 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