{"id":591,"date":"2013-11-22T13:04:32","date_gmt":"2013-11-22T11:04:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/?p=591"},"modified":"2013-11-28T18:40:28","modified_gmt":"2013-11-28T16:40:28","slug":"interview-mit-yvonne-buedenhoelzer-leiterin-theatertreffen-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/2013\/11\/22\/interview-mit-yvonne-buedenhoelzer-leiterin-theatertreffen-berlin\/","title":{"rendered":"Interview mit Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer, Leiterin Theatertreffen, Berlin"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Anschluss an das studentische Theater-Austausch-Festival <em><a href=\"http:\/\/hildeandersihl.ch\" target=\"_blank\">Hilde an der Sihl<\/a><\/em>\u00a0sprach der Observer-in-Residence mit Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer, seit 2012 Leiterin des <em><a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/aktuell\/festivals\/theatertreffen\/ueber_festival_tt\/aktuell_tt\/start.php\" target=\"_blank\">Berliner Theatertreffens<\/a><\/em>, \u00fcber das Format Theaterfestival wie auch \u00fcber Formen von Partizipation und Kritik im Theater. Ob beim studentischen Festival Hilde an der Sihl in Z\u00fcrich oder beim Berliner Hochglanzfromat: Die Fragen nach Struktur und Publikumsansprache sind \u00e4hnlich. Im Gespr\u00e4ch \u00fcberlegt sich die Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer gar, etwas von Hilde an der Sihl f\u00fcr ihre Zwecke zu adaptieren. <\/em><br \/>\n<em>B\u00fcdenh\u00f6lzer hat viel Erfahrung mit Theaterfestivals. 2005 \u00fcbernahm sie den St\u00fcckemarkt, ein Wettbewerb f\u00fcr Neue Texte innerhalb des Berliner Theatertreffens, das sie seit 2012 leitet. Gleichzeitig zum St\u00fcckemarkt hatte sie auch die Leitung der <em><a href=\"http:\/\/www.newplays.de\/index.php?page=festival\" target=\"_blank\">Theaterbiennale in Wiesbaden<\/a><\/em>\u00a0inne. Mit dem Theatertreffen ist B\u00fcdenh\u00f6lzer im Herzen des deutschsprachigen B\u00fchnenbetriebs angekommen.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_593\" style=\"width: 226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2013\/11\/Bild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-593\" class=\"size-medium wp-image-593\" alt=\"Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2013\/11\/Bild-216x300.jpg\" width=\"216\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2013\/11\/Bild-216x300.jpg 216w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2013\/11\/Bild-739x1024.jpg 739w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2013\/11\/Bild.jpg 1535w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-593\" class=\"wp-caption-text\">Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer<\/p><\/div>\n<p><em><strong>Tobi M\u00fcller<\/strong>: Welche Rolle spielt ein Festivalzentrum? Braucht man \u00fcberhaupt eines?<\/em><\/p>\n<p><strong>Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer:<\/strong> Absolut, ein Festivalzentrum ist wichtig. Ich finde es zwar nachvollziehbar, dass die Studierenden in Z\u00fcrich ihr Zentrum ausserhalb der Schule etabliert haben. F\u00fcr ein grosses Festival mit einem eigenen Theaterhaus als zentralen Spielort<br \/>\nwie bei uns w\u00e4re das allerdings kontraproduktiv. Da muss man das Zentrum ja gerade im Theater selbst behaupten.<\/p>\n<p><em>Warum ist das so wichtig?<\/em><\/p>\n<p>Ein Festivalzentrum vermittelt eine Atmosph\u00e4re, bildet Erlebnisr\u00e4ume, die viel transportieren k\u00f6nnen. Das Theatertreffen hat eine lange Geschichte mit Festivalzentren. Viele Besucher denken noch immer an das Spiegelzelt. Dieses alte <a href=\"http:\/\/www.mediapool-berlin.de\/de\/theatre\/projects\/spiegelzelt.html\" target=\"_blank\">Spiegelzelt<\/a>\u00a0stand fr\u00fcher an unterschiedlichen Orten in der Stadt, oft vor dem Schillertheater, auch vor dem Deutschen Theater und anderen. Da ist viel Nostalgie dabei, wenn sich Zuschauer das Spiegelzelt in diesem Jahr zur\u00fcck gew\u00fcnscht haben, als wir 50 Jahre Theatertreffen feierten. F\u00fcr ein zeitgen\u00f6ssisches Festival in Berlin im 21. Jahrhundert finde ich pers\u00f6nlich dieses Zelt aber zu altmodisch und zu hermetisch. Es hat nicht die offene Atmosph\u00e4re, die ich mit dem Theatertreffen vermitteln m\u00f6chte. Das Spiegelzelt gab es aber schon bei meiner Vorg\u00e4ngerin, Iris Laufenberg, die heute in Bern das Schauspiel im Stadttheater leitet, nicht mehr.<\/p>\n<p>Ein Festival braucht ein Zentrum, wo man alles zusammenziehen kann. Wo immer etwas stattfindet, am liebsten von morgens bis nachts. Wir werden das beim Theatertreffen verst\u00e4rken und k\u00fcnftig in drei zeitlichen Strukturen programmieren: Tag, Abend, Nacht. Tags\u00fcber sollen Workshops, Lectures, Open-Space-Formate etc., wie sie zum Beispiel beim Internationalen Forum des Theatertreffens (fr\u00fcher: Internationales Forum junger B\u00fchnenangeh\u00f6riger) praktiziert werden, im Festivalzentrum stattfinden, und nicht mehr weit weg im Stadtteil Wedding wie in den letzten Jahren.<\/p>\n<p><em>Am Theatertreffen inszeniert Ihr die R\u00e4ume stark, und fast jedes Jahr anders. Die Berliner Festspiele sind jeweils kaum wiederzuerkennen.<\/em><\/p>\n<p>Ja, ich arbeite seit zwei Jahren mit der K\u00fcnstlerin, Architektin und B\u00fchnenbildnerin Heike Schuppelius zusammen. Die Aufgabenstellung lautete etwa so: Schau dir das Haus an und \u00fcberlege, was man tun kann, um bestimmte Atmosph\u00e4ren herzustellen, sprich: Kommunikationsorte, Erlebnisr\u00e4ume f\u00fcr unterschiedliche Temperaturen und R\u00e4ume f\u00fcr Formate wie Diskussionen, Publikumsgespr\u00e4che, Konzerte, Premieren. Ich sehe ein Festival immer als Gesamterlebnisort. So stehen im Foyer nun diese grossen Holztreppen. Sie sind nicht zu \u00fcbersehen, da kann man verweilen. Ich \u00fcbergebe dort auch die Troph\u00e4en an die Regisseure der eingeladenen Inszenierungen, dann werden die Treppen auf denen in der Pause noch die Zuschauer sassen zu \u00abSiegertreppen\u00bb f\u00fcr die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. F\u00fcr das 50. Jubil\u00e4um haben wir vor das Festspielhaus einen riesigen Festplatz gebaut, eine Plaza mit Bar und B\u00e4nken und einem \u00f6ffentlichen B\u00fccherschrank. Den sch\u00f6nen Garten im Innenhof m\u00fcssen wir gerade wegen L\u00e4rmproblemen nach 22 Uhr schliessen. Und so \u00fcberlege ich mir, die Kassenhalle zur Raucherlounge zu erkl\u00e4ren. Gerade K\u00fcnstler rauchen ja gerne, da muss man ein Angebot schaffen, dass nicht alle st\u00e4ndig rein- und rausgehen durch L\u00e4rmschleusen, das ist schrecklich umst\u00e4ndlich. Und verunm\u00f6glicht genau das, was man versucht hat herzustellen: n\u00e4mlich einen Kommunikationsort. K\u00fcnstler nehmen stark wahr, wie ein Haus zu ihnen spricht, was es ausstrahlt. Von der Kassenhalle bis in die Garderoben. Also: Festivalzentrum, total wichtig!<\/p>\n<p><em>Hilde an der Sihl, das studentische Austausch-Festival, das hier im Blog Thema ist (s. unten), hat eine Feedbackmethode ausprobiert. Ich sehe \u00fcbrigens \u2013 welch ein Zufall \u2013 die DVD dieser Methode auf Deinem Schreibtisch liegen\u2026<\/em><\/p>\n<p>Ja, ich hatte davon geh\u00f6rt. Aber ich habe die DVD noch nicht schauen k\u00f6nnen. Alles, was ich weiss, weiss ich bislang von Dir und dem Observer-in-Residence-Blog.<\/p>\n<p><em>Kannst Du Dir vorstellen, die Methode mal auszuprobieren beim Theatertreffen?<\/em><\/p>\n<p>In einigen Bereichen ja. N\u00e4mlich da, wo wir mit jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern zusammenarbeiten wie zum Beispiel beim <a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/aktuell\/festivals\/theatertreffen\/stueckemarkt_tt\/tt13_stueckemarkt\/tt13_stueckemarkt_1.php\" target=\"_blank\">St\u00fcckemarkt <\/a>oder beim <a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/aktuell\/festivals\/theatertreffen\/internationales_forum_tt\/aktuell_forum\/int_forum_aktuell.php\" target=\"_blank\">Internationalen Forum.<\/a> F\u00fcr die klassischen Publikumsgespr\u00e4che w\u00e4re ich skeptisch. Die sind anders gedacht, das ist ein rohes, \u00fcberraschendes Format. Man weiss nie, wo das hinausl\u00e4uft. Die Zuschauer kommen aus der Inszenierung, der Kopf voll mit Eindr\u00fccken und sitzen dann vor einem Podium von 10 bis 15 Schauspielern mit ihren jeweiligen Regisseur_innen, B\u00fchnenbildner_innen etc. Das Publikum will erst einmal zuh\u00f6ren, es geht ihm dabei auch um den Blick auf die K\u00fcnstler als \u00abPrivatperson\u00bb, also wie redet der oder die \u00abin echt\u00bb. Und wie sehen die aus \u2013 gerade frisch abgeschminkt? Diese Neugier finde ich legitim. Und gegen Ende dieser Gespr\u00e4che wollen einige Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Eindr\u00fccke loswerden. An diesem Format kann man gar nicht so viel \u00e4ndern \u2013 hier geht es um das Publikum, weniger um die K\u00fcnstler. Eine tiefergreifende Analyse hat da in der Regel kaum Platz \u2013 oft finden diese Gespr\u00e4che sp\u00e4tabends statt, manchmal bis nach Mitternacht.<\/p>\n<p><em>Das Format hat auch etwas mit der Gr\u00f6sse der Gespr\u00e4che zu tun beim Theatertreffen, oder?<\/em><\/p>\n<p>Ja, da sitzen ja manchmal 250 Besucher um nach der Vorstellung gleich noch einmal zuzuh\u00f6ren, Wahnsinn! Nach acht Stunden Faust waren es sonntagnacht um ein Uhr fr\u00fch immer noch 80 Zuschauer. Und die K\u00fcnstler, die beim Theatertreffen auf dem Podium sitzen, wollen und sollen zuerst einfach mal gelobt werden. Die haben gearbeitet, oft auch gezittert.<\/p>\n<p>J<em>a, die brauchen ein paar Streicheleinheiten. Genau das leistet ja die Feedback-Methode, welche die Studierenden in Z\u00fcrich angewandt haben. W\u00e4re das m\u00f6glich am Theatertreffen: Das Publikumsgespr\u00e4ch zu er\u00f6ffnen mit der Frage \u00abWas hat f\u00fcr Sie funktioniert?\u00bb und die Antworten dann festhalten?<\/em><\/p>\n<p>So konkret formuliert, muss ich sagen: Ja. W\u00e4re eine \u00dcberlegung wert. Was glaubst Du?<\/p>\n<p><em>Ich habe schon viele Publikumsgespr\u00e4che moderiert beim Theatertreffen und ich glaube nicht, dass das Publikum selbst gleich im Zentrum stehen will. Die Zuschauenden wollen zuerst, wie Du selbst gesagt hast, die Schauspieler \u00abin echt\u00bb sehen, die sprechen h\u00f6ren, die ungeschminkten Gesichter abgleichen. Es geht um den Blick hinter die Kulissen. Vielleicht k\u00f6nnte man die Methode im zweiten Teil der Publikumsgespr\u00e4che ausprobieren. Also erst eine moderierte Runde, in der die K\u00fcnstler zu Wort kommen, und dann die Flipchart auspacken und die Eindr\u00fccke aus dem Publikum sammeln. Ob dieser didaktische, auf positives Feedback ausgerichtete Ansatz allerdings gerade f\u00fcr Berlin und das Theatertreffen der richtige ist, bezweifle ich dennoch.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;Weil bei uns so viele Profis und theateraffine Zuschauer_innen im Publikum sitzen und weil man in Berlin gerne auch mal \u00f6ffentlich Kritik \u00fcbt. Die Auseinandersetzung danach geh\u00f6rt zum Auff\u00fchrungsbesuch beim Theatertreffen dazu. Hinzu kommt, dass die Gespr\u00e4che beim Theatertreffen nicht vergleichbar sind mit den \u00fcblichen Publikumspodien, weil bereits die Vorstellungen nicht zu vergleichen sind mit jenen im Repertoire des jeweils eingeladenen Hauses. Hier herrscht mehr Druck, man spielt vor dem gesamten Theaterbetrieb und kriegt in der Regel auch noch einmal eine sch\u00e4rfere Kritik als Zuhause. Aber das gilt nur f\u00fcr den Kern des Festivals. F\u00fcr das Internationale Forum zum Beispiel w\u00e4re so eine Feedback-Methode absolut denkbar. Das sind junge internationale Theatermacher, die zwei Wochen lang in verschiedenen Workshops arbeiten und sich intensiv mit den eingeladenen Inszenierungen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Anschluss an das studentische Theater-Austausch-Festival Hilde an der Sihl\u00a0sprach der Observer-in-Residence mit Yvonne B\u00fcdenh\u00f6lzer, seit 2012 Leiterin des Berliner Theatertreffens, \u00fcber das Format Theaterfestival wie auch \u00fcber Formen von Partizipation und Kritik im Theater. 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