{"id":749,"date":"2014-03-13T12:43:53","date_gmt":"2014-03-13T10:43:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/?p=749"},"modified":"2014-04-07T14:54:59","modified_gmt":"2014-04-07T12:54:59","slug":"showroom-z-darstellungsformate-im-wandel-7-und-8-maerz-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/2014\/03\/13\/showroom-z-darstellungsformate-im-wandel-7-und-8-maerz-2014\/","title":{"rendered":"Showroom Z+: Darstellungsformate im Wandel (7. und 8. M\u00e4rz 2014)"},"content":{"rendered":"\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-749 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5725.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5725-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-763\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-763'>\n\t\t\t\tAngeli Sachs\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5735.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5735-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-767\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-767'>\n\t\t\t\tIvan Denes\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5649.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5649-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-755\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-755'>\n\t\t\t\tManuela Benz\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5727.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5727-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-765\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-765'>\n\t\t\t\tPatrick M\u00fcller, Julia Nussbaumer\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5737.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5737-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-769\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-769'>\n\t\t\t\tJulia Nussbaumer\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5756.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/03\/DSC_5756-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-773\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-773'>\n\t\t\t\tTobi M\u00fcller\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Das Dittinghaus an der Hafnerstrasse, diese leicht abgerockte Immobilie im Hochpreisgebiet Kreis5, ist Schauplatz einer Ausstellung. Auf drei Stockwerken wuselt es, blinkt und klingt. Und es riecht auch, weil eine K\u00fcche aus Abfall funkelndes Essen formt und serviert. Man m\u00f6chte es Midas-St\u00fcbli nennen, nach K\u00f6nig Midas, der aus Scheisse Gold schuf. Aber das w\u00e4re falsch, denn die weggeworfenen Waren waren ja gerade nicht verdorben. Meine Nase reagiert nur deshalb selbst im dritten Stock sensibel, weil ich mit einem Magenvirus k\u00e4mpfe, der mit der Kochkunst von Lauren Wildbolz, Studentin Master Transdisziplinarit\u00e4t, nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Viel zu tun hat die Hi-Lo-Cuisine aber mit einer Struktur, die mir in diesen zwei Tagen immer wieder begegnet: Es ist der Dialog verschiedener Fertigkeiten, Stile, Sprachen \u2013 innerhalb eines Werkes selbst. Abfall und Sushi, laienhafte und virtuose K\u00f6rper, avancierte Bilder und Teenagerlyrik, Kontrollverlust und Partitur: Diese Polarit\u00e4ten geistern durch meine zwei langen Hausbesuche. Heisst Transdisziplinarit\u00e4t (langsam lesen, dann geht es besser: Transdisziplinarit\u00e4t), heisst Transdisziplinarit\u00e4t am Ende vor allem, dass ein Kunstwerk verschiedene Standpunkte aufzeigt und zur Achtsamkeit auffordert?<\/p>\n<p>Die Ausstellung heisst \u00abShowroom Z+: Darstellungsformate im Wandel\u00bb und bespielt fast alle R\u00e4ume des Hauses, auch die B\u00fcros von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zhdk.ch\/index.php?id=zplus_home\">\u00a0Z+<\/a>, wo die Spezialististinnen der Transdisziplinarit\u00e4t arbeiten, denen ich als Observer unterstellt bin. Gez\u00e4hlt habe ich 19 Showbeitr\u00e4ge, von Studierenden aller Departemente der ZHdK, nach zwei Tagen war alles schon wieder vorbei. \u00abKrasser Aufwand\u00bb, sagen die Szenografinnen Julia Nussbaumer und Manuela Benz am Samstag nach unserm Werkstattgespr\u00e4ch. Sie m\u00fcssen nun alles schon wieder abbauen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><strong>Der blaue Teppich: Leitsystem und Intervention<\/strong><\/p>\n<p>Nussbaumer und Benz bespielen das ganze Haus mit blauem Teppich. Er f\u00fchrt zum einen durch die R\u00e4ume, als Leitsystem. Zum andern greift er unweigerlich in die ausgestellten Arbeiten ein. Zuerst dachten sie an zwei verschiedene Farben: eine f\u00fcr das Leitsystem am Boden, eine f\u00fcr die Bezugnahmen auf die Kunstwerke. \u00abDoch das wurde zu dominant, gerade in einer Umgebung, in der visuell bereits sehr viel passiert\u00bb, sagen die beiden. Blau haben sie gew\u00e4hlt, weil das eine Farbe ist, die neutralisiert. Immerhin: Es ist ein \u00fcberaus knalliges Blau, wie Angeli Sachs im Gespr\u00e4ch anmerkt, Leiterin der Studienvertiefung ausstellen &amp; vermitteln des Master in Art Education. In Erinnerung bleiben mir vom Leitsystem gerade jene Momente, in denen der Teppich pl\u00f6tzlich abbricht. Man steht dann wie vor einer Schwelle und \u00fcberlegt kurz, ob und allenfalls wo es weitergeht, und sei es mitten in einem Raum. Als h\u00e4tte der Fehler (Abbruch) das System erst kenntlich gemacht.<\/p>\n<p>Im ersten Stock trennt der Teppich einen ganzen Raum. Fenster sind ausgeschnitten, T\u00fcren. Die Auff\u00fchrung von \u00abDie Fl\u00f6tisten\u00bb von Ivan Denes spielt damit, wenn eine Solosonate von C.P.E. Bach, dem ber\u00fchmtesten Sohn des Alten, einmal auf zwei Fl\u00f6ten verteilt wird und sich die Musikerinnen dabei nicht anschauen k\u00f6nnen. Ein derart intensiver Eingriff ist abgesprochen zwischen Szenografie und Regie. Denes hat die Arbeit schon im Museum Bellerive gezeigt, doch es ging dem Team nicht um eine genau Wiederholung Der Teppich simuliert im Dittinghaus eine Raumtrennung, die fragil bleibt. Es stehen St\u00fchle herum, Kopfh\u00f6rer mit MP3-Playern liegen auf einem Tisch. Und ein paar seltsame Apparaturen kommen im Verlauf der Auff\u00fchrung zum Einsatz: Eine Fl\u00f6tistin tr\u00e4gt so etwas wie Sonden an ihren Fingern, vor ihr baumelt eine Folie, nur leise h\u00f6rt man, was sie spielt. Sp\u00e4ter dreht sich eine kleine Maschine, die aussieht wie eine Mini-Stalinorgel, mehrere kurze Rohre, aus denen, ebenfalls sehr leise, das St\u00fcck herausweht. Im Werkstattgespr\u00e4ch finde ich heraus: Sowohl die Folie wie die Rohre sind Lautsprecher. Hat es jemand bemerkt? Denes weiss um die technischen Schwierigkeiten. Und sagt lachend, ich sei einer von nur zwei Zuschauern gewesen, die auch mal die Kopfh\u00f6rer aufgesetzt haben.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Die Fl\u00f6tisten\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/89294593?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><strong>Die Partitur bleibt intakt<\/strong><\/p>\n<p>Ich schaue mir \u00abDie Fl\u00f6tisten\u00bb zwei Mal an, an zwei Tagen. Das Publikum sitzt meistens, traut sich nicht zu wandeln, was Denes m\u00f6chte, um den verschiedenen Interpretationen im Raum zu begegnen. Kurz vor Ende der Inszenierung gibt es eine klassische Auff\u00fchrungssituation, eine Fl\u00f6tistin spielt frontal das unversehrte St\u00fcck. Das Ganze ist eine Variation auf konzertante Situationen, auf Schallquellen, auf Klangm\u00f6glichkeiten. Prek\u00e4re Klangqualit\u00e4t und r\u00e4umliche Aufteilungen welchseln sich mit perfekten Settings ab. Hier tritt die eingangs erw\u00e4hnte Struktur wieder zutage: Verschiedene Qualit\u00e4ten und Virtuosit\u00e4ten im selben Kunstwerk lenken den Fokus umso st\u00e4rker auf das Format der Darstellung. Aber etwas weniger auf das Dargestellte selbst, denn die Partitur bleibt unangetastet.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch rege ich an, ob man das Publikum st\u00e4rker h\u00e4tte leiten k\u00f6nnen, zum Beispiel mit einem inszenierten Zuschauer, der oder die eingreift in das Geschehen. Oder mit Verst\u00e4rkungen, um die Maschinen als alternative Lautsprecher klarer markieren zu k\u00f6nnen. Oder mit Fehlern im Vortrag, mit Irritationen wie dem Abbruch der Partitur. Patrick M\u00fcller nickt. Er ist Studiengangleiter Master Transdisziplinarit\u00e4t und Mentor diverser Projekte, die am Showroom gezeigt wurden. Und lobt dennoch das Beharren von Denes, die Versuchsanordnung gerade ohne Dekonstruktion der Partitur durchzuziehen. Vielleicht h\u00e4tte gerade der Angriff auf das St\u00fcck selbst zu vielen Erwartungen entsprochen. Man wartet darauf, und es geschieht nicht \u2013 auch das kann Spannung erzeugen. Aber mit der Bequemlichkeit der Zuschauer muss man wohl anders umgehen, ein Stuhl ist ein Stuhl und zum Verharren da.<\/p>\n<p>Und ein Monitor ist ein Monitor. Im Erdgeschoss stehe ich sp\u00e4ter in einem Nebenraum auf einem blauen Rund \u2013 ein Podest, eine B\u00fchne, eine Spielfl\u00e4che? Auf mehreren Fernsehern l\u00e4uft zum einen die Aufnahme einer Performance, \u00abStokes\u00bb von Benjamin Egger, umrahmt von Videos der queer culture wie <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_X_YHg-ZEmo\" target=\"_blank\">Divine<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=n8V94WQjMAw\" target=\"_blank\">Antony Hegarty<\/a> von Antony &amp; the Johnsons. Am Regal h\u00e4ngen bunte Ganzk\u00f6rperanz\u00fcge, die im Video zu sehen sind, in einer andern Ecke stehen ein paar Requisiten. Muss ich was machen \u2013 spielen, mich umziehen, Divine imitieren?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><strong>Der Bildschirm als Ende der Darstellung<\/strong><\/p>\n<p>Die Grenzen der Darstellungsformate sind mit solchen Videos sofort erreicht. Eine Kamera auf Stativ filmt in der Regel eine Totale. Das tut sich niemand lange an, das geht allenfalls f\u00fcr Dokumentationszwecke in Ordnung. Auch das Setting im Ausstellungsraum wirkt zuf\u00e4llig. \u00c4hnlich geht es mir zwei Stockwerke h\u00f6her, als man einer weiteren Aufzeichnung einer Auff\u00fchrung folgen soll, daneben im Raum noch einmal dasselbe, ausser dass der Bildschirm von einem blauen Teppichrund eingez\u00e4unt wird . \u00abOben sitzt ein Affe\u00bb heisst die Installation von Sandra Knecht, und obwohl das Video sogar weit \u00fcber die Qualtit\u00e4t einer Dokumentation hinausgeht, mag ich nicht lange vor einem Computermonitor stehen bleiben. Iven Denes hat den Teppichzaun \u00fcbrigens ziemlich kreativ verstanden: Er dachte, es handle sich um einen Kindersichtschutz, da es im Video nicht immer jugendfrei zu und hergehe! (Nachtrag: Sandra Knecht weist mich \u00fcber ein soziales Netzwerk darauf hin, dass \u00abOben sitzt ein Affe\u00bb eine eigenst\u00e4ndige Videoarbeit sei, und also nicht eine Dokumentation, was ich im Text oben selbst auch vermute. Allerdings: Aufgrund des <a href=\"http:\/\/www.zhdk.ch\/fileadmin\/data_subsites\/data_zplus\/Neue_Seite_Zplus\/Agentur_Z_\/Veranstaltungen\/showrooms\/Broschuere_Showroom_3.pdf\">Programmtextes<\/a> kann man durchaus von einer N\u00e4he zwischen B\u00fchnenarbeit und Video ausgehen)<\/p>\n<p>Haben die Szenografinnen in diesen F\u00e4llen auf fertige Kunstwerke reagiert, oder wie gestaltete sich der Austausch? Tats\u00e4chlich ist man in einzelnen F\u00e4llen erst von performativen Elementen ausgegangen, sagen Manuela Benz und Julia Nussbaumer. Und pl\u00f6tzlich blieb nur das Video \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Auch eine kurze Live Performance schl\u00e4gt jedes Proben- oder hastig aufgenommene Auff\u00fchrungsvideo, wie man in \u00abSharing Duets\u00bb von Nicole Brabandere und Stefanie Mrachacz sieht. Die Ank\u00fcndigung sagt: \u00abSharing Duets stellt Alltagschoreografien wie den Gebrauch eines Geschirrst\u00fccks oder eines Zahnstochers als dynamische, kollektiv nutzbare Prozesse nach.\u00bb Mag sein. Ich sehe zwei Performerinnen mit v\u00f6llig unterschiedlichen Qualifikationen, die fast intime Duette tanzen, unter grosser Anstrengung, mit extremer Aufmerksamkeit f\u00fcreinander. Der eine K\u00f6rper ist super gespannt und trainiert, den anderen kostet es mehr Anstrengung. Das Gef\u00e4lle ist interessant, weil es leere Virtuosit\u00e4t vermeidet. Hier kommen zwei Dinge zusammen, die nicht oft zusammenkommen, und das Resultat ist eine erh\u00f6hte Konzentration auf die Sache selbst. Wie man es macht, trotzdem macht, ja: besser macht dadurch. Erst der Sand verr\u00e4t das Getriebe.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><strong>Die Tendenz zur Livesituation<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich geht es mir im Film \u00abGi\u00f9 e su\u00bb, in dem die Regisseurin Corina Z\u00fcnd ihre zehn Jahre als Nachtzugbegleiterin umsetzt. Mit einer Audiospur aus wenigen Interviews und einem Kommentar, Fotos, wenig Videos und einigen SMS aus dem Zug. Den Zug gibt es nicht mehr, die Ton- und Ger\u00e4uschaufnahmen, selbst die Gespr\u00e4che hat sie alle nach dem Ende aufgenommen. Es ist eine Nachgeschichte, keine Reportage. Auch das lenkt die Aufmerksamkeit sanft auf die Dramaturgie. Und auch hier gibt es ein interessantes Gef\u00e4lle: Die Kurzmitteilungen aus dem Zug sind etwas kitschumflort. Vielleicht textet man so nach einer durchwachten Nacht, am Morgen danach, wie Angeli Sachs sagt in der Werkstatt. Sachs fand vor allem jene Situationen gewinnbringend im Showroom, bei denen man mit den K\u00fcnstlerinnen ins Gespr\u00e4ch kommen konnte, die immer in der N\u00e4he ihrer Arbeiten waren.<\/p>\n<p>Die Darstellungsformate wandeln sich immer gleich noch einmal, wenn die Darsteller oder Urheberinnen selbst ins Bild r\u00fccken. Der Wandel tendiert, wenn man das in eine Klammer fassen will, vor allem zur Livesituation. Fast alle K\u00fcnste werden performativ, m\u00fcssen sich physisch in Umlauf halten und Pr\u00e4senz erzeugen. Dazu gibt es viele Gr\u00fcnde, es ist ein grosses Fass: Die monet\u00e4re Entwertung des \u00a0digitalen Kunstwerks wertet die fl\u00fcchtige Pr\u00e4senz auf, auch die N\u00e4he zu den Produzierenden und deren \u00abAuthentizit\u00e4t\u00bb. Oder wir haben einfach immer weniger Lust, unsere Zeit nach der Arbeit\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em\">vor einem Computer zu verbringen. Unplugged ist das neue online. Unten riecht es jetzt nach Randen, Rote Bete, Beet. You name it.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"www.zhdk.ch\/showroom\">Webseite Showroom<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Videostatement Julia Nussbaumer, Szenografin<\/strong>:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Julia Nussbaumer\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/88874897?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Videostatement Manuela Benz, Szenografin:<\/strong><\/p>\n<p>http:\/\/vimeo.com\/88874896<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Videostatement Ivan Denes, Fl\u00f6tist:<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Ivan Denes\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/88874895?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dittinghaus an der Hafnerstrasse, diese leicht abgerockte Immobilie im Hochpreisgebiet Kreis5, ist Schauplatz einer Ausstellung. Auf drei Stockwerken wuselt es, blinkt und klingt. Und es riecht auch, weil eine K\u00fcche aus Abfall funkelndes Essen formt und serviert. Man m\u00f6chte es Midas-St\u00fcbli nennen, nach K\u00f6nig Midas, der aus Scheisse Gold schuf. 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