{"id":957,"date":"2014-06-08T10:44:59","date_gmt":"2014-06-08T08:44:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/?p=957"},"modified":"2014-06-23T19:00:39","modified_gmt":"2014-06-23T17:00:39","slug":"diplomausstellung-bachelor-medien-kunst-vertiefung-mediale-kuenste-vmk-sihlquai-131-arbeit-das-kollektiv-von-janka-stemmle-und-studierenden-der-vkm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/2014\/06\/08\/diplomausstellung-bachelor-medien-kunst-vertiefung-mediale-kuenste-vmk-sihlquai-131-arbeit-das-kollektiv-von-janka-stemmle-und-studierenden-der-vkm\/","title":{"rendered":"Diplomausstellung Bachelor Medien &amp; Kunst, Vertiefung Mediale K\u00fcnste (VMK), Sihlquai 131, Arbeit: \u00abDas Kollektiv\u00bb von Janka Stemmle und Studierenden der VKM"},"content":{"rendered":"\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-957 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1208.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1208-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1219.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1219-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1223.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1223-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1243.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1243-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1249.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1249-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1181.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/9W0A1181-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Die Rush Hour der Diplomvernissage wollte ich vermeiden. Tags darauf \u2013 Ende Mai, kurz nach der Mittagszeit \u2013 teile ich mir die Diplomausstellung einzig mit den studentischen Aufsichtspersonen. Gleich mehrere Abschlussarbeiten der Vertiefung Mediale K\u00fcnste senden akustische Signale \u2013 einige direkt in den Raum, andere \u00fcber Kopfh\u00f6rer. Die Ruhe kommt deshalb gelegen. Dennoch verirre ich mich, stehe im zweiten Stock vor den zwei Arbeiten von Janka Stemmle und r\u00e4tsle \u00fcber den Titel \u00abDas Kollektiv\u00bb. Ist das wirklich die Arbeit, die Gegenstand unseres Werkstattgespr\u00e4chs sein wird? Man findet, was man sucht, und ich notiere hastig zwei Seiten zum Thema, w\u00e4hrend ich zuh\u00f6re. Aber auch in der Bildenden Kunst, wo man sich nicht gerne festlegt, kann man in diesem Fall klar sagen: Ich liege falsch. \u00abDas Kollektiv\u00bb befindet sich ein Stockwerk tiefer. Keine Schildchen verweisen auf die Arbeiten. Wir sind in Z\u00fcrich, Reich des Minimalen, home of supertrocken.<\/p>\n<p>Ah, ein Plan. Und eine weitere Aufsichtsperson. Im ersten Stock, gleich nach dem Eingang, h\u00e4ngen 12 Kopfh\u00f6rer. Das ist die Arbeit, um die es geht: \u00abDas Kollektiv\u00bb, wie soll man sagen: kuratiert von Janka Stemmle? Denn eigentlich sind es 12 verschiedene Statements, genauer: Artist Statements, oder auch Artist\u2019s Statements, wie die Selbstbeschreibungen heissen, die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in ihren Portfolios, auf ihren Websites oder an Galeriew\u00e4nden ver\u00f6ffentlichen. \u00abDas Kollektiv\u00bb spielt mit diesem Format, weil es mit mehreren Konventionen dieser Textsorte bricht (wie bewusst oder unbewusst, werde ich erst sp\u00e4ter erfahren). Zuerst: Hier herrscht die m\u00fcndliche Rede, nicht die Schrift. Dass diese Rede direkt in die Ohrmuschel schleicht, betont die Intimit\u00e4t noch weiter, im starken Gegensatz zur distanzierten, jargonhaften Sprache der in der Regel schriftlichen Statements. Dann: Niemand beschreibt konkret, wie er oder sie k\u00fcnstlerisch arbeitet, wie das Kunstwerk aussieht, warum man mit welchen Themen, Stoffen, Materialien arbeitet. Ist das Absicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Manifeste, aber keine Namen<\/strong><\/p>\n<p>Die Statements klingen enorm unterschiedlich, aber sie tendieren alle zum Manifest. Ein paar Textbeispiele aus der Erinnerung und aufgrund meiner Notizen: Kunst ist Ekstase; ich arbeite mit aktuellen Beobachtungen, fast dokumentarisch; Kunst ist ein Zustand, nicht ein Produkt; mich interessieren die Perversionen einer Gattung; meine Arbeit nimmt einen Anfangspunkt und f\u00fchrt irgendwo hin. Sp\u00e4testens Letzteres l\u00e4sst auch die M\u00f6glichkeit der Parodie zu, die zweimal in den Vordergrund r\u00fcckt, wenn wir statt eines Statements nur Vogelgezwitscher h\u00f6ren, einen analogen Tweet sozusagen, und wenn eine Studierende auf Amerikanisch eine Website vorstellt, die automatisierte Artist Statements verfasst, die vor Jargon und heisser Luft schier platzen. Das ist sehr lustig. Eine zentrale Verschiebung ist sicher, dass die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ihre Namen nicht nennen, ausser in einem Fall, wenn ich mich richtig erinnere (aber da hatte ich den Namen eh nicht verstanden). Eine Zuordnung zu den auf zwei Stockwerken ausgestellten studentischen Arbeiten ist nicht m\u00f6glich. W\u00e4re sportlich gewesen, oder? Ein Abgleich mit den mitunter wolkigen, mal witzigen, mal geerdeten, mal einsam drehenden Gedanken zur Kunst im Allgemeinen?<\/p>\n<p>Dies und mehr frage ich die Runde tags darauf, als wir mitten im Kopfh\u00f6rer-Wald sitzen. Es sind Studierende da, zwei Unterrichtsassistentinnen, zwei Besucherinnen, keine Dozierenden. Um nach den einleitenden Beobachtungen das Eis zu brechen, versuche ich, eine einfache Vermutung zu verifizieren: Haben alle selbst gesprochen, oder gibt es auch Fremdstimmen, Schauspielerinnen? Nebst dem Vogelgezwitscher nat\u00fcrlich, und abgesehen von einer stark verfremdeten Stimme (ausgerechnet jene, die \u00fcber das Dokumentarische spricht \u2013 klassische Ironie). Im Gespr\u00e4ch zeigt sich: Zwei haben nicht selbst gesprochen. Eine Studierende erkl\u00e4rt, sie habe mit ihrem Statement an die gesamte Studienzeit der letzten drei Jahre erinnern wollen, nicht an ihre Arbeit im Speziellen. Deshalb habe sie es angemessener gefunden, wenn jemand anders spricht als sie. Von einem andern Sprechertausch wird indirekt berichtet: Eine Frau, die in ihrem Statement das Thema Gender streift, hat ergo einen Mann sprechen lassen. Ergibt alles sehr viel Sinn. Nur merkt es keiner, der die Klasse nicht kennt und somit diese \u00abUmbesetzungen\u00bb auch nicht mitkriegen kann<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<strong>Geronnene Studienzeit<\/strong><\/p>\n<p>Doch das wiederkehrende Argument liegt damit ausgebreitet vor uns. Es steht ja bereits im Titel: \u00abDas Kollektiv\u00bb. Bewusst habe man vermieden, auf die einzelnen Arbeiten zu verweisen. Das sei gerade kein Portfolio, keine Arbeitsmappe, die hier von der Decke h\u00e4ngt. Sondern \u2013 ich schreibe jetzt wieder in der Paraphrase, so hat das niemand gesagt, glaube ich \u2013 eher so etwas wie geronnene Studienzeit. Man redet deutlich mehr als man zum Schreiben aufgefordert wird in diesem Studiengang, h\u00f6re ich mehrmals. Auch dies f\u00fchrt zur M\u00fcndlichkeit der Statements in den Kopfh\u00f6rern. Hier halte ich etwas entgegen: Es gibt viele Markierungen im 19-min\u00fctigen Audioloop, die gerade den Unterschied betonen. Manche sprechen sogar Schweizerdeutsch, andere Englisch, auch Hochdeutsch. Einer spricht sehr lang, andere sehr kurz. Der Dialekt wird in Schutz genommen \u2013 als etwas Pers\u00f6nliches, Unmittelbares Janka Stemmle hat letztes Jahr ein Austauschsemester in Barcelona verbracht und gemerkt nach all den Jahren in Z\u00fcrich, wie zentral die eigene Sprache in der Auseinandersetzung mit der (eigenen) k\u00fcnstlerischen Arbeit sei. Und sie habe bewusst die Sprache und auch die L\u00e4nge der Statements offen gelassen.<\/p>\n<p>Ein paar Meter weiter liegen die Portfolios des Abschlussjahrgangs auf einem Tisch. Am Tag nach unserm Gespr\u00e4ch haben einige noch Pr\u00fcfungen. In den letzten Monaten hatten sie wenig anderes zu tun, als ein Bild, eine Idee von ihrer Kunst zu entwerfen, wer weiss: ein Bild von sich. Ich glaube, die Audioarbeit von Stemmle und Co. ist vor diesem Hintergrund zu sehen: als Gegenbewegung. Nicht als Betonung von Autorschaft, die an einer Pr\u00fcfung z\u00e4hlt, sondern als Spur eines gemeinsam gegangenen Wegs. Hier muss wenig vermittelt werden, sondern darf auch mal in der Luft h\u00e4ngenbleiben. Es sind Postkarten, die man sich selbst geschrieben, gesprochen hat. Nun h\u00e4ngen sie, die Kopfh\u00f6rer, wie V\u00f6gel in der Luft: Brieftauben, Eulen, Papageien?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Janka Stemmle und Nadine Geissb\u00fchler\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/97510872?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u00abDas Kollektiv\u00bb<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-957-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/Das-Kollektiv-CD.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/Das-Kollektiv-CD.mp3\">https:\/\/blog.zhdk.ch\/observer\/files\/2014\/06\/Das-Kollektiv-CD.mp3<\/a><\/audio>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rush Hour der Diplomvernissage wollte ich vermeiden. 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