{"id":27,"date":"2012-06-20T21:48:42","date_gmt":"2012-06-20T20:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/opernspiegel\/?p=27"},"modified":"2012-11-13T21:51:25","modified_gmt":"2012-11-13T20:51:25","slug":"paul-hindemith-mathis-der-maler-opernhaus-zurich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/opernspiegel\/2012\/06\/20\/paul-hindemith-mathis-der-maler-opernhaus-zurich\/","title":{"rendered":"Paul Hindemith &#8211; Mathis der Maler (Opernhaus Z\u00fcrich)"},"content":{"rendered":"<p>Referenz zum Abschied<\/p>\n<p>Mit Hindemiths <strong>Mathis der Maler<\/strong> erwies Alexander Pereira dem Haus, von dem er nach 21 Intendanzjahren mit dieser Festspielpremiere Abschied zu nehmen hatte, eine besondere Referenz, denn das Werk wurde 1938 auf eben dieser B\u00fchne uraufgef\u00fchrt. Und einmal mehr regte der umtriebige Majordomo mit seiner Werkwahl S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger zu wichtigen und teils karrierelenkenden Rollendebuts an. Diesmal war es mit einer Ausnahme gar f\u00fcr das gesamte Ensemble eine Erstbegegnung. So hat sich THOMAS HAMPSON mit der Titelpartie eine bedeutende neue Partie souver\u00e4n angeeignet und zeichnete ein eminent ausgearbeitetes Portrait dieser reflektierenden K\u00fcnstlerfigur: beklemmend die Verinnerlichung und intensiv das Hadern, in musterg\u00fcltiger Diktion und mit profundem Ausloten der textlichen Tiefe. EMILY MAGEE arbeitete weit weniger auf Text als auf Volumen und Strahlkraft, die sie trotz ihres deutlich eingedunkelten Timbres erreichte. So verlieh sie der Ursula Selbstbewusstsein und St\u00e4rke. Die leiseren T\u00f6ne, die ihrem Sopran so gut anstehen, verhinderte leider das robuste Dirigat von DANIELE GATTI. Die Vitalit\u00e4t, der er in Hindemiths Partitur nachsp\u00fcrte, hielt die Musik zwar wohltuend in geradezu sinfonischem Fluss. Mit der Bevorzugung eines dunklen Blechklanges f\u00f6rderte er aber auch das Verdichten des Klangbildes und die Lautst\u00e4rke, was f\u00fcr die S\u00e4nger wiederum vornehmlich volumin\u00f6ses Singen diktierte. Zudem h\u00e4tte die orchestrale Pr\u00e4zision und Koordination bei einem transparenteren Klangbild wohl profitiert; das Orchester der Oper Z\u00fcrich wirkte unter Gattis H\u00e4nden eher unkonzentriert, was sich in etlichen Wacklern und Ungenauigkeiten manifestierte. Im M\u00e4nnerdominierten Besetzungszettel strahlten SANDRA TRATTNIG als lichte Regina und STEFANIA KALUZA als dramatische Gr\u00e4fin Helfenstein jedoch erfolgreich \u00fcber die Orchesterwogen. Einmal mehr \u00fcberzeugte BENJAMIN BERNHEIM (Capito) mit seinem klar zeichnenden und ungemein tragf\u00e4higen Tenorkapital und REINALDO MACIAS vermochte als Albrecht von Brandenburg durch Potenz und pr\u00e4zise Gestaltung ebenso zu gefallen, wie als charaktervoller Interpret im deutschen Fach zu \u00fcberraschen. Der musikalischen Opulenz setzte MATTHIAS HARTMANN eine wohltuend zur\u00fcckhaltende und doch sehr genaue Inszenierung entgegen, die Raum bot f\u00fcr sorgf\u00e4ltig gesch\u00e4rfte Personenportraits. Grossartig wurde diese Sichtweise unterst\u00fctzt durch das geometrisch-reduktive B\u00fchnenbild aus zwei quadratischen Fl\u00e4chen von JOHANNES SCH\u00dcTZ und einer \u00fcberaus suggestiven Farb- und Lichtdramaturgie. Die szenischen Steigerungen etwa im deftigen Bauernaufstand und in der bildm\u00e4chtigen Visionsszene waren treffgenau gesetzt und sch\u00e4rften die Aufmerksamkeit f\u00fcr die intim versonnenen Bilder, in denen es Hartmann ohne grosses Aufheben gelang, die Spannung zu halten oder gar zu fokussieren. So bleibt dringend zu hoffen, dass diese eindr\u00fcckliche und bewegende Produktion trotz des Abgangs ihres F\u00fcrsprechers Pereira weiter im Repertoire des Hauses bleiben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Referenz zum Abschied Mit Hindemiths Mathis der Maler erwies Alexander Pereira dem Haus, von dem er nach 21 Intendanzjahren mit dieser Festspielpremiere Abschied zu nehmen hatte, eine besondere Referenz, denn das Werk wurde 1938 auf eben dieser B\u00fchne uraufgef\u00fchrt. 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