{"id":35,"date":"2012-06-25T21:54:02","date_gmt":"2012-06-25T20:54:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/opernspiegel\/?p=35"},"modified":"2012-11-13T21:55:33","modified_gmt":"2012-11-13T20:55:33","slug":"hector-berlioz-la-damnation-de-faust-st-galler-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/opernspiegel\/2012\/06\/25\/hector-berlioz-la-damnation-de-faust-st-galler-festspiele\/","title":{"rendered":"H\u00e9ctor Berlioz &#8211; La Damnation de Faust (St.Galler Festspiele)"},"content":{"rendered":"<p>Erfolg unter freiem Himmel<\/p>\n<p>Skeptiker \u2013 und ich gestehe, dass ich mich zu ihnen z\u00e4hle \u2013 fragten sich, wie H\u00e9ctor Berlioz\u2019 <strong>La Damnation de Faust<\/strong> auf der St.Galler Freilicht-Festspielb\u00fchne zu Erfolg kommen k\u00f6nnte. Aber genau die als Argumente angef\u00fchrten Spezifika, etwa die unopernhafte Anlage und die vorwiegend subtile Orchestration, wandelten sich zu den \u00dcberzeugungspunkten. Ein ausgefeiltes Soundkonzept erh\u00f6hte die orchestrale Pr\u00e4senz, der die Singstimmen mit mephistophelisch anmutender Perfektion beigemischt wurden, ohne dass der Eindruck der B\u00fchnenverortung der Darsteller verloren gegangen w\u00e4re. Trotz des \u00fcppigen Luxusklanges wurde die Raffinesse der Instrumentation zur Geltung gebracht. Verantwortlich daf\u00fcr zeichnete Dirigent SEBASTIAN ROULAND, der mit dem unter der B\u00fchne spielenden Sinfonieorchester St.Gallen die Partitur mit eloquenter Eleganz und ganz ohne plakative Knalleffekte in grossz\u00fcgigem Fluss durchmass. Die Herausforderungen des tableauhaften Werkes und der betr\u00e4chtlichen Distanzen auf und zu der B\u00fchne meisterte Regisseur CARLOS WAGNER im Verbund mit dem B\u00fchnenbildner RIFAIL AJDARPASIC souver\u00e4n und mit ausgepr\u00e4gtem Gesp\u00fcr f\u00fcr das Timing. Die Dimensionen der mit etlichem technischem Wunderwerk ausgestatteten B\u00fchnenkonstruktion boten die M\u00f6glichkeit, die Bilder und Schaupl\u00e4tze fliessend ineinander \u00fcbergehen zu lassen. F\u00fcr die Fantastik, die Poetik und die Magie fand Wagner besonders im ersten Teil bezaubernde Mittel, woran auch die zusammen mit der Tanzkompanie durch ANA GARCIA erarbeiteten choreografischen Interventionen bedeutenden Anteil hatten. Besonders sch\u00f6n auch, wie aus dem Kontext des Werkes heraus die Natur sich mittels des Windes, der Fahnen und B\u00e4nder immer wieder unerwartet in Bewegung setzte, an der Regie beteiligte. In den Liebes-, Geister- und Traumszenen des dritten und vierten Teils liess sich Wagner jedoch mehr zu Effekten und Kitsch verf\u00fchren und erreichte damit nicht mehr die gleiche Sinnf\u00e4lligkeit. Nur bedingt was so das zeitweilige Abfallen der Konzentration der k\u00fchlen Ausstrahlung und Stimme von ELENA MAXIMOVA als Marguerite anzulasten. MIRCO PALAZZI hingegen gab einen \u00fcberaus eleganten Mephisto, der seine Gef\u00e4hrlichkeit perfid aus der verf\u00fchrerischen Weichheit seines Timbres und seiner attraktiven Erscheinung n\u00e4hrte. TIJL FAVEYTS verf\u00fcgte als Brander \u00fcber genau den Bass, der die Verruchtheit seiner Kellerschenke und den Spott des Rattenliedes vorz\u00fcglich abbildete. Sowohl der stimmlichen wie auch der k\u00f6rperlichen Kondition und Pr\u00e4senz von GILLES RAGON in der Titelpartie wurde Enormes abverlangt. Mit wunderbar idiomatischen Timbre und souver\u00e4ner Beherrschung der Mittel wurde er den Anforderungen der Partie und der Inszenierung in beeindruckender Weise gerecht. Opernchor sowie die Theaterch\u00f6re St.Gallen und Winterthur mit potenter Unterst\u00fctzung des Prager Philharmonischen Chores, die Tanzkompanie, Tanzschule und Statisterie trugen engagiert Wesentliches zu diesem erlebnisreichen Abend unter freiem Himmel bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfolg unter freiem Himmel Skeptiker \u2013 und ich gestehe, dass ich mich zu ihnen z\u00e4hle \u2013 fragten sich, wie H\u00e9ctor Berlioz\u2019 La Damnation de Faust auf der St.Galler Freilicht-Festspielb\u00fchne zu Erfolg kommen k\u00f6nnte. Aber genau die als Argumente angef\u00fchrten Spezifika, etwa die unopernhafte Anlage und die vorwiegend subtile Orchestration, wandelten sich zu den \u00dcberzeugungspunkten. 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