{"id":21,"date":"2016-10-17T13:40:55","date_gmt":"2016-10-17T11:40:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/?p=21"},"modified":"2016-10-17T13:47:34","modified_gmt":"2016-10-17T11:47:34","slug":"designer-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/2016\/10\/17\/designer-baby\/","title":{"rendered":"Designer-Baby?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-23\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/files\/2016\/10\/genmanipulation-embryonen-300x169.jpg\" alt=\"genmanipulation-embryonen\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/files\/2016\/10\/genmanipulation-embryonen-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/files\/2016\/10\/genmanipulation-embryonen-768x432.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/posthumanismus\/files\/2016\/10\/genmanipulation-embryonen.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><span class=\"date\">01. Februar 2016<\/span><\/p>\n<p>Ein Team um Kathy Niakan vom Francis-Crick-Institut in London will das Erbgut menschlicher\u00a0Embryonen\u00a0ver\u00e4ndern. Daf\u00fcr haben die Forscher bei der zust\u00e4ndigen britischen Regulierungsbeh\u00f6rde HFEA (Human Fertilisation and Embryology Authority) einen Antrag gestellt. Dieser wurde nun genehmigt.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler wollen mit Embryonen forschen, die bei k\u00fcnstlichen Befruchtungen \u00fcbrig geblieben sind und von den Paaren gespendet wurden. Sieben Tage nach der Befruchtung sollen die Versuche gestoppt, die manipulierten Embryonen entsorgt werden. Den Wissenschaftlern ist es verboten, einen Embryo mit ver\u00e4ndertem Erbgut in die Geb\u00e4rmutter einzupflanzen. Es geht um Grundlagenforschung, nicht um Therapie.<\/p>\n<p>Kathy Niakan zufolge k\u00f6nnten die Forscher in den n\u00e4chsten Monaten loslegen. Allerdings steht noch die Zustimmung einer Ethikkommission aus.<\/p>\n<h2><strong>Wie greifen die Forscher ins embryonale Erbgut ein?<\/strong><\/h2>\n<p>Sie verwenden daf\u00fcr ein relativ neues Verfahren<em><strong>:<\/strong><\/em><strong> CRISPR\/Cas9. Mithilfe dieser auch als Genchirurgie bezeichneten Methode, lassen sich Gene aus dem Erbgut relativ einfach und pr\u00e4zise herausschneiden oder einf\u00fcgen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Methode wird weltweit in vielen Laboren genutzt, ihre Erfinder &#8211; darunter die Forscherin<strong>\u00a0Emmanuelle Charpentier<\/strong><em>,\u00a0<\/em>Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut f\u00fcr Infektionsbiologie<em>\u00a0&#8211;\u00a0<\/em>gelten als hei\u00dfe Kandidaten f\u00fcr den Nobelpreis. Das Verfahren kommt in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz: So versuchen Forscher etwa, menschliche Abwehrzellen so zu ver\u00e4ndern, dass sie dem HI-Virus kein Einfalltor mehr bieten. Auch Pflanzen, die immun gegen Sch\u00e4dlinge sind, lassen sich so z\u00fcchten.<\/p>\n<p>Die Technik macht es allerdings auch m\u00f6glich, menschliche Keimzellen und Embryonen zu manipulieren,<em>\u00a0<\/em>was ethisch heftig umstritten ist. Kathy Niakan und ihr Team wollen in einem ersten Versuch ein Gen namens OCT4 blockieren. Dieses spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von pluripotenten Zellen: Es entscheidet vermutlich, welche Zellen den Embryo und welche die Plazenta bilden.<\/p>\n<h2><strong>Warum greifen die Forscher ins Erbgut von Embryonen ein?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Londoner Forscher wollen besser verstehen, wie der Beginn des Lebens abl\u00e4uft und welche Gene es braucht, damit sich ein Embryo gesund entwickelt. Denn der Prozess ist extrem st\u00f6ranf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Nach den sieben Tagen, die Kathy Niakan und ihr Team die befruchteten Eizellen beobachten wollen, haben diese das sogenannte Blastozysten-Stadium erreicht. Sie bestehen dann aus bis zu 256 Zellen. Doch selbst dieses fr\u00fche Stadium der Entwicklung schaffen l\u00e4ngst nicht alle befruchteten Eizellen: von etwa hundert entwickelt sich weniger als die H\u00e4lfte so weit.<\/p>\n<p>Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit seien relativ h\u00e4ufig, doch die Gr\u00fcnde daf\u00fcr seien bis jetzt noch nicht ausreichend verstanden, sagte Niakan der BBC. Mit ihrer Forschung will sie das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ursachen verbessern.<\/p>\n<h2><strong>Warum ist der Eingriff am Erbgut von Embryonen umstritten?<\/strong><\/h2>\n<p>Kritiker warnen, dass die Technik den Weg zu Designerbabys ebnet. Auch Krankheiten k\u00f6nnten theoretisch beseitigt werden, bevor sie entstehen. Doch davon ist die Realit\u00e4t noch weit entfernt. Zwar sorgten chinesische Wissenschaftler f\u00fcr einen Eklat und hitzige Diskussionen, als sie im vergangenen Jahr bekannt gaben, dass sie zum ersten Mal das Erbgut von Embryonen ver\u00e4ndert hatten. Eine Grenze sei damit \u00fcberschritten, urteilten viele Forscher. Sie forderten eine Debatte dar\u00fcber, wie weit die Wissenschaft gehen will und darf.<\/p>\n<p>Doch es zeigte sich auch: Die Technik ist noch lange nicht ausgereift. F\u00fcr ihren Versuch verwendeten\u00a0die Chinesen 86 nicht entwicklungsf\u00e4hige Embryos. Bei diesen versuchten sie, ein Gen zu reparieren, das zu der schweren Blutkrankheit Thalass\u00e4mie f\u00fchrt. Doch das klappte nur in vier F\u00e4llen. Zudem fanden sich &#8211; h\u00e4ufiger als aus Versuchen mit erwachsenen menschlichen Zellen bekannt &#8211; unbeabsichtigte Ver\u00e4nderungen des Erbguts. An menschlichen Embryonen funktioniert \u00a0CRISPR\/Cas9 offenbar nicht so pr\u00e4zise.<\/p>\n<p>Neben den ethischen Bedenken wirft das allerdings die Frage auf, wie sicher die Technik ist: Forscher bef\u00fcrchten, dass der Mensch am Erbgut herumschnippelt und Dinge ver\u00e4ndert, die er gar nicht ver\u00e4ndern will. Manipulationen an Keimzellen betreffen zudem nicht nur den jeweiligen Embryo, sie werden auch an die Nachkommen weitergegeben. Die Technik an Keimzellen anzuwenden, \u00a0sei daher &#8222;gef\u00e4hrlich und ethisch inakzeptabel&#8220;, schreiben Forscher\u00a0in einem Kommentar in &#8222;Nature News&#8220;.<\/p>\n<p>In einem Statement, das die f\u00fchrenden Experten im Dezember herausgegeben haben, hei\u00dft es allerdings: Grundlagenforschung sei auch in diesem Bereich notwendig und solle stattfinden. Allerdings d\u00fcrften die manipulierten Embryonen nicht dazu verwendet werden, eine Schwangerschaft herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der deutsche Experte Prof. Hans Sch\u00f6ler bewertet die Entwicklung mit Skepsis: &#8222;Diese Forschung hat eine neue Qualit\u00e4t. Sie \u00f6ffnet eine T\u00fcr, gezielt in die Keimbahn eines menschlichen Embryos einzugreifen&#8220;, sagte der Leiter des Max-Planck-Instituts f\u00fcr molekulare Biomedizin in M\u00fcnster der Deutschen Presse-Agentur. &#8222;Dass solche Eingriffe nicht durchgef\u00fchrt werden, war bislang internationaler Konsens. Die Briten wollen offenbar eine Vorreiterrolle einnehmen.&#8220;<\/p>\n<h2><strong>W\u00e4re so etwas auch in Deutschland m\u00f6glich?<\/strong><\/h2>\n<p>Nein. Das Embryonenschutzgesetz verbietet hierzulande Experimente wie das der Londoner Forscher. Doch\u00a0weltweit ist die Gesetzeslage alles andere als einheitlich:\u00a0In L\u00e4ndern wie China, Japan, Indien oder auch Irland gibt es keine verbindlichen Vorschriften f\u00fcr die Genmanipulation an Embryonen,\u00a0schreibt &#8222;Nature News&#8220;. Viele Wissenschaftler w\u00fcrden sich daher\u00a0zumindest international g\u00fcltige Richtlinien w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend noch \u00fcber Grunds\u00e4tzliches diskutiert wird, preschen Forscher wie Kathy Niakan vom Francis-Crick-Institut in\u00a0London\u00a0vor. Sie k\u00f6nnten ihrem Fachgebiet dadurch auch enormen Schaden zuf\u00fcgen: Ger\u00e4t die Genchirurgie durch Berichte \u00fcber die Manipulation an Embryonen als Frankenstein-Technik in Verruf, k\u00f6nnte auch die Akzeptanz f\u00fcr ihren Einsatz an menschlichen Zellen sinken, bef\u00fcrchten Forscher. Das w\u00fcrde die Suche nach neuen Therapien gegen HIV oder Krebs behindern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/panorama\/wissen\/mensch\/ist-das-der-schritt-zum-designer-baby--genmanipulation-an-embryonen-erstmals-erlaubt-6677560.html\">Stern &#8211; Ist das der Schritt zum Designer-Baby?<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01. 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