Vermittlung im Stapferhaus – Ein Interview mit Celia Bachmann

„Ich habe eine Stelle im Haus, bei der ich alle kenne – es ist wirklich eine Schlüsselstelle, an der viele Fäden zusammenkommen.“

Celia Bachmann kennt alle im Stapferhaus, ein Ausstellungsraum, der relevante, aktuelle Fragen anspricht. Dazu bietet der Raum Platz für Referate, Workshops und vieles mehr.

Celia arbeitet dort als Leiterin des Vermittlungsteams. Ihr Job ist es, didaktische Materialien zu Ausstellungen auszuarbeiten, die Rundgänge durch die Ausstellungen zu konzipieren und das Vermittlungsteam zu coachen. Dazu braucht sie Kontakt zu allen Stellen des Stapferhauses – sie arbeitet sowohl mit dem Inhaltsteam, dem Betrieb und der Kommunikation. Sogar mit dem Bistro und Kasse hat sie Kontakt: da diese Stellen nah am Publikum sind, können sie ihr gutes Feedback geben.

 

Die Arbeit in Zyklen

Sie ist seit 4 Jahren in ihrer aktuellen Stelle im Stapferhaus, und trotzdem ist jeder Arbeitsalltag unterschiedlich.

„Ich glaube, was mir an meinem Job gefällt, ist, dass er so vielfältig ist. Keine Woche ist die gleiche.

Sie beschreibt ihren Arbeitsalltag als einen Zyklus bestehend aus mehreren Phasen. Im Moment läuft die aktuelle Ausstellung zu Natur, und somit verbringt sie viel Zeit damit, das Vermittlungsteam zu coachen. Das Vermittlungsteam sind bis zu 7 Praktikant:innen, die in der Ausstellung sind und Führungen machen. Celia ist es wichtig, sie eng zu begleiten, damit sie von ihrem Praktikum viel lernen.

Parallel dazu läuft schon die Vorbereitung für die nächste Ausstellung. Das Thema der Ausstellung, die im November 2024 eröffnet, steht: Es wird sich um Gesundheit handeln. Das Inhaltsteam ist schon an der Umsetzung, und dort muss sie mitdenken. In dem Zusammenhang macht sie eigene Recherchen: sie schaut im Lehrplan, wo sich das Thema verankert, nimmt mit Lehrpersonen Kontakt auf, um zu verstehen, was für sie am Thema spannend ist, und schaut nach, was für Angebote es zum Thema schon gibt. Sie macht sich Gedanken darum, was das Thema für verschiedene Interessensgruppen bedeutet: Was versteht zum Beispiel ein Kind unter Gesundheit? Was Erwachsene? Diese Erkenntnisse bringt sie dann direkt in das Inhaltsteam mit ein.  Die Vermittlung ist ab Start der Ausstellungskonzeption dabei.

In der nächsten Phase, kurz vor der Eröffnung der Ausstellung, wird der Raum drei Monate lang umgebaut. Während der Umbauphase ist kein Vermittlungsteam vor Ort, was Celia enorm entlastet und ihr Zeit lässt, didaktische Konzepte zu schreiben und die Rundgänge zu planen. Gleichzeitig schreibt sie die Stellen für das nächste Vermittlungsteam aus.

„Wenn die Ausstellung aufgeht, ist es für mich das stressigste Moment, da ich dann merke, ob was ich auf dem Papier gedacht habe auch funktioniert.“

Nach der Vernissage wird als erstes geschaut, wie das Publikum mit der Ausstellung interagiert – mit dem neuen Vermittlungsteam werden möglicherweise die Rundgänge angepasst. Erst wenn die Ausstellung eröffnet ist, werden die didaktischen Materialien sowie die Workshops richtig ausgearbeitet – die Konzepte dazu gibt es schon, aber damit beides so nah wie möglich an der aktuellen Ausstellung ist, werden sie erst nach der Eröffnung der Ausstellung ausgearbeitet.

Wenn diese stressigste Phase vorbei ist und die Ausstellung sich eingependelt hat, coacht sie das Vermittlungsteam und recherchiert zum nächsten Thema: Der Zyklus startet erneut.

 

Keine Zeit fürs Zeichnen

Hat sie mit dem Ganzen überhaupt noch Zeit für eigene gestalterische Arbeiten? Leider nicht, meint Celia, ausser bei kleinen persönlichen Projekten kommt sie momentan fast nicht zum Zeichnen. Das fehlt ihr schon, aber es ist gleichzeitig eine bewusste Energieeinteilung. Sie macht nach der Arbeit lieber Sport oder Musik, wenn sie nicht gerade mit ihren Kindern ist.

„Ich weiss ja, es kommen Zeiten, wo es wieder mehr möglich wird, von dem her ist es auch nicht mega schlimm. Man muss auch akzeptieren, dass man nicht alles machen kann. Man muss akzeptieren, dass man vielleicht in einer Lebensphase ist, wo das einen weniger hohen Stellenwert bekommt.

Im Studium hat sie aber nicht nur Zeichnen gelernt, betont sie. Ein Ausstellungsaufbau ist auch kreative Arbeit.

„Ich glaube, dass, was man beim kreativen Arbeiten lernt, ist im Denken beweglich zu bleiben. Über Grenzen zu denken. Ich glaube das Gestalten, das Zeichnen, das etwas auf das Papier bringen, und das kreative Denken hilft auch bei einem Ausstellungsaufbau: Wie gehe ich eine Ausstellung an, wie soll sie aussehen? Da hilft mir das kreative Denken, das man durch das Zeichnen und Gestalten lernt. Das kann ich im Team einbringen, auch wenn es kein Zeichnen auf Papier ist.“

 

Von Kleinpensen nach Paris und zurück nach Zürich

So ausgewogen, wie Celias Arbeitsalltag heute scheint, war er aber nicht immer. Als sie 2010 ihren Master in Art Education an der ZHDK absolvierte, hat sie viele verschiedene Stellen gehabt: Sie hat an verschiedenen Kantis Vertretungen gemacht und ein Praktikum am Stapferhaus bekommen, das ihr danach ermöglichte, kleine Aufträge vom Stapferhaus zu bekommen. Ein bisschen später hat sie angefangen, Zeichnen an der ZHDK zu unterrichten und unterstützte zusätzlich Peter Radelfinger in der Publikation von seinem Buch So Wohl als Ob.

„Parallel dazu habe ich Akryl-Malkurse gegeben. Das ist lustigerweise mein einziges festes Standbein gewesen. Immer am Dienstagabend bei uns in der Gemeinde, wo ich aufgewachsen bin, in Oberhasli. Das ist meine einzige konstante Einnahmequelle gewesen, und sonst hat sich alles immer bewegt.“

Die Phase beschreibt Celia als besonders anstrengend. Viele verschiedene Stellen nebenbei zu haben bedingt ein ständiges Umdenken, erklärt sie, und auch wenn sie auf Papier mehr oder weniger 100% arbeitete, war die psychische Belastung viel höher. Trotzdem meint sie, nie gezweifelt zu haben, dass sie Einkommensquellen findet.

„Ich habe immer nicht gewusst, wie es weiter geht, aber trotzdem das Vertrauen gehabt, dass es irgendwie schon weiter geht, wenn man offen und neugierig bleibt.“

Mit dieser Einstellung ist sie mit ihrem Partner nach Paris. Am Anfang war es für sie schwer, Fuss zu fassen, da das Schweizer System im Ausland kaum bekannt ist. In Paris konnte sich niemand etwas unter dem Stapferhaus oder der ZHDK vorstellen. Somit machte sie erst Führungen für Touristen, bis sie eine Stelle an der renommierten Hochschule Sciences Po als Zeichenlehrerin bekam. Diese Universität im Lebenslauf stehen zu haben öffnete ihr viele Türen, und sie fing an, in der Vermittlung im Palais de Tokyo zu arbeiten. Dies hat ihr enorm viel Spass gemacht hat, und hat ihr zusätzlich ermöglicht, französisch zu lernen.

Die Entscheidung, nach drei Jahren zurück nach Zürich zu ziehen, trafen ihr Partner und sie, als sie ihr erstes Kind bekamen. Die Schweiz hat viele Vorteile für Kinder und Familie, meint sie. Das sie direkt eine Stelle am Stapferhaus bekam, war Zufall.

Sie meint, dass viele Leute denken, 80% zu arbeiten und Kinder zu haben sei viel, aber für sie fühlt es sich jetzt endlich «aufgeräumt» an. Im Vergleich zu allem, was sie zuvor machte, hat sie jetzt eine Balance gefunden, die sich für sie nach vier Jahren immer noch neu anfühlt.