
Mit dem Zug in Frauenfeld angekommen, mache ich mich auf den Weg zum Amt für Archäologie. Dort erwartet mich Jakob Näf für unser Interview.
Jakob Näf war schon früh bewusst gewesen, in Richtung Archäologie zu gehen. Schon während dem Studium an der HSLU in Luzern hat er über Praktika Erfahrungen sammeln können, später hat er zunächst auf Projektbasis gearbeitet. Denn nicht überall sei eine Festanstellung gängig. Dann hatte er Glück und die Stelle in Frauenfeld ist frei geworden.
Erst die letzten Wochen war er auf einer Ausgrabung, die Funde stehen zum Teil auf den Tischen. Wir kommen gleich ins Gespräch, er zeigt mir Bilder. Er erzählt mir, die Hauptaufgabe bestand dabei vor allem in der Ausgrabung selbst, aus Fotos werden später die Pläne mit Structure from motion modelliert. Vor einigen Jahren hätte man bei Ausgrabungen noch viel mehr von Hand gezeichnet. Durch den großen Schritt in der digitalen Entwicklung hat sich aber auch die Arbeit des wissenschaftlichen Illustrators verändert. Viele Ausgrabungsteams können die Pläne inzwischen selbst erstellen. Da dies aber oft die weniger spannenden Aufgaben sind, sei der Ersatz nicht so schlimm. Vor allem in der klassischen Fund-und Grabungsdokumentation, sei es inzwischen sehr technisch geworden.
Bei vielen Fundzeichnungen startet er dennoch mit der ersten Zeichnung analog. Für die richtige Größe und eine entzerrte Ansicht ist dies der erste Schritt. Auch bei vielen Wandbildern für Ausstellungsarbeiten ist der erste Schritt oft analog in Bleistift und Aquarell. Dies sei sein momentaner Workflow, aber „sobald wir einen 3D Scanner haben werden, wird das auch wegfallen“, meint er in Bezug auf das Erfassen von Objekten.

Bei den Museumsprojekten und Didaktik bleibt dafür die Gestaltung das Hauptelement. Neben Rekonstruktionen und den klassischen Fundzeichnungen ist ein großer Teil der Arbeit die Gestaltung der Ausstellungen im Archäologischen Museum in Frauenfeld. Dazu gehören zum Beispiel große Wandbilder und Raumgestaltung. In der Bildgestaltung sei man dabei relativ frei, solange der Inhalt stimmt. Es sei immer recht ein „ping-Pong Spiel zwischen den Wissenschaftler und dem Gestalter.“ Manchmal wisse man auch nicht zu hundert Prozent wie etwas ausgesehen hat, wie zum Beispiel bei Frisuren, die Rücksprache mit einem Faktencheck seien hier sehr wichtig.
Ich frage ihn, wie lange er im Durchschnitt an einem Projekt arbeitet.
Museumsprojekte seien oft enger getaktet, wohingegen sich Auswertungsprojekte in der Archäologie sich auch über mehrere Jahre ziehen können. Man sei dann nicht immer in gleichem Umfang daran am Arbeiten. Jakob Näf erzählt mir, dass das vor allem damit zu tun hat, dass oft viele Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen involviert sind, und gleichzeitig bei sehr großen Ausgrabungen auch sehr viel mehr Material vorhanden ist.
„Bei einer Ausgrabung hatten wir um die 4000 Keramikscherben zum Auswerten gehabt“. Das war ein Projekt über ca. 2 Jahre. Schlussendlich sind 1500 Scherben gezeichnet worden.
Schließlich spreche ich ihn noch auf ein Projekt von seiner Website an.
Sein Buchprojekt „Timeless Arctic“.
Über drei Wochen hat er in einer Gruppe aus Wissenschaftlern, aber auch Filmschaffenden und einer Autorin eine Forschungsexpedition nach Spitzbergen begleitet. In dieser Zeit sind Skizzen und Zeichnungen für sein persönliches Buchprojekt entstanden. Solche Chancen seien aber definitiv ein Glücksfall und leider nicht die Regel. Und es sei ein Zufall gewesen, dass es thematisch gerade zu seiner vergangenen Bachelorarbeit gepasst hatte.

Nach wie vor ist die bevorzugte Zeichentechnik von Jakob Näf analog. Das spiegelt sich auch in vielen seiner Arbeiten wieder.
„Wenn es geht, versuche ich noch etwas analog zu machen“.
Gerade weil man auch ohnehin schon viel am Bildschirm sei, ganz allgemein.
Den Berufseinstieg nach dem Studium empfindet Jakob Näf als nicht ganz einfach. Archäologie sei dabei noch etwas einfacher, weil es hier noch verhältnismäßig viele Stellen gibt. Viele von seinen Mitstudenten haben dennoch Weiterbildungen oder ein zweites Standbein in Editorial Design/ Werbung gesucht. Die Digitalisierung und ihre damit verbundenen Veränderungen haben dabei einen relativ großen Einfluss. Aber auch der Fokus in der Archäologie würde sich ändern. Weg von der großen Masse/Auswahl, die man zeigen möchte, in die Richtung, nur die wichtigsten Stücke, stellvertretend für ein Ganzes, zu zeigen.
Die Chancen auf eine Festanstellung seien oft mit Glück verbunden. Umso wichtiger findet Jakob Näf daher, sehr früh Kontakte zu knüpfen und sich um Praktika zu bemühen. Gerade in der Archäologie sei das von großem Vorteil. Für ihn persönlich sieht er manchmal einen Nachteil, dass er im Studium nicht so einen intensiven Einstieg in die digitalen Medien gehabt hatte. Dies heute schon im Studium intensiv zu lernen, sieht er als große Chance, auch weil man so breitere Möglichkeiten in der Gestaltung hat.
Nach unserem Gespräch gibt Jakob Näf mir noch Einblicke in die Räumlichkeiten des Amts und seine Arbeiten.
Herzlichen Dank an dich Jakob, dass du dir Zeit genommen hast, mir einen Einblick in deine Arbeit zu geben.
https://www.jakobnaef.ch