Yasin Isanc – Maler und Lehrer

Im Rahmen des Abendkurses „Grundlagen Malen“ an der Schule für Kunst und Design Zürich (SKDZ) lernte ich Yasin als engagierte und äussert kompetente Lehrperson kennen. Ich freue mich, dass ich ihn nun auch als Maler und Person in seinem Atelier in Basel kennenlernen durfte.

Lehrtätigkeit
Im letzten Jahr seines Bachelors zum wissenschaftlichen Illustrator entscheidet sich Yasin, dass er nach dem Studium eine lehrende Tätigkeit ausführen möchte. Er schreibt sich deshalb für das Ergänzungsstudium Bachelor of Arts in Vermittlung von Kunst und Design in Basel ein und absolviert anschliessend den Master of Arts in Vermittlung von Kunst und Design in Basel. Dieses weiterführende Studium befähigt ihn zur Lehrtätigkeit auf gymnasialer Stufe.

Seit sieben Jahren lehrt Yasin nun im Fachbereich „Illustration Nonfiction“ in Luzern, leitet das Malereimodul, begleitet die Studierenden in den Malwochen und unterrichtet teilweise analytisches Zeichnen. An der SKDZ ist Yasin als Klassenleitung Gestalterischer Vorkurs tätig und unterrichtet in den Kursen „Studium Malerei“ und „Studium Kunst“. Innerhalb seiner Lehrtätigkeit unterrichtet er Personen zwischen 16 und 60 Jahren und schätzt dabei besonders, wenn er durch die Studierenden selbst handwerklich herausgefordert wird und seine Erfahrung einbringen kann.

Yasin als Künstler – vom Zeichner zum Maler
Während der Ausbildung zum wissenschaftlichen Illustrator an der ZHdK sieht sich Yasin anfangs noch als Zeichner. Dies ändert sich, als Yasin erstmals einen, wie er es nennt, „malerischen Fleck“ setzt – einen lockeren, befreiten Fleck. Das Umdenken vom Zeichnerischen zu abstrakten Flächen fasziniert ihn seither. „Mich interessiert die gegenständliche Malerei und innerhalb dieser die Grenze zwischen Entfremdung und Wiedererkennung.“

Yasin probiert ständig neue Untergründe, Farbmischungen und ist immer auf der Suche nach spannenden Objekten oder Inspirationen. Bei seiner Malerei stellt er den Prozess über das Produkt. „Ich hänge nicht gross an meinen Bildern. Mir macht vor allem der Akt des Malens Spass; das Tüfteln, Entdecken, die Lust und Freude am Malen.“

Auch Yasin räumt ein, dass natürlich auch er am Ende des Tages ein gutes Bild malen möchte. Läuft dies jedoch einmal nicht, sieht er es locker und meint: „Klappt es nicht, dann habe ich doch immerhin eine schöne, aufwändige Grundierung gemacht.“ Sein entdeckender Ansatz in der Malerei ist ein Grund, weshalb er nicht auf Auftragsbasis arbeiten will, da diese Herangehensweise keinen kontinuierlichen Output ermöglicht.

Als Basis für seine Bilder dient die beobachtete Realität, wobei er jedoch meist nicht das exakte Abbild wiedergibt, sondern wiederum mit den Möglichkeiten der Abstraktion spielt. Er arbeitet aus dem Fleck heraus, modelliert und entwickelt seine Bildsprache fortlaufend aus dem Malprozess heraus weiter. Ein Bild startet immer mit einem Impuls – beispielsweise eine Beobachtung, die das Interesse weckt oder eine Erinnerung, die ein Gefühl hervorruft. Yasins Inspirationsquellen liegen oft in seinem unmittelbaren Umfeld, in der realen Welt. Inspiriert ihn etwas, resultiert daraus meist eine Serie von Bildern und er verschreibt sich dieser Idee für mehrere Monate bis Jahre. Von der Dachterrasse seines Ateliers in einem ehemaligen Industriequartier von Basel beobachtet er die Rhythmen und wiederholenden Formen, die er zuerst direkt vor Ort skizzenhaft festhält oder bereits mit einem Ölgemälde beginnt, bevor er das Bild im Atelier vollendet.

Weitblick / Öl auf Leinwand / 2024

Wie geht es weiter?
Yasin möchte weiterhin als Lehrperson arbeiten und ist überzeugt, dass er durch Vorbereitung des Unterrichts und den Austausch mit den Studierenden immer wieder von neuem stimuliert wird und so auch als Künstler davon profitieren kann. Eine Ausstellung ist aktuell nicht in Planung, aber Yasin kann sich durchaus vorstellen dies in naher Zukunft zu tun. Yasin schätzt bei Ausstellungen vor allem den Austausch mit den Besuchenden. Momentan steht sein Atelierumzug im Fokus, wobei er diesen Zeitpunkt gleich nutzen möchte, um sich auch als Künstler neu zu sortieren.

Atelier in Basel – der Umzug naht

Tipps fürs Studium
„Im Nachhinein würde ich mit meiner Studienzeit anders umgehen. Ich würde früher damit beginnen, meinen eigenen gestalterischen Charakter zu entwickeln. Ich weiss jedoch, dass es die Erfahrungen des Studiums brauchte, um dies heute so zu sehen. Es wäre mir somit zum Zeitpunkt des Studiums noch nicht möglich gewesen.

Feige / Öl auf Leinwand

Aktuellen Studierenden rät Yasin offen zu bleiben und sich auf die Aufgabenstellungen wirklich einzulassen und sich dabei zu fragen, was der Kern der Aufgabe ist. Es sei jedoch auch wichtig Eigenes einzubringen und eigene Interessen weiterzuverfolgen.

Ich danke Yasin herzlich für das spannende Gespräch, wünsche ihm viel Inspiration im neuen Atelier und freue mich bereits jetzt auf eine allfällige Ausstellung.

https://www.yasinisanc.ch

 

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