Ein Gespräch mit Evelyne Pfeffer
An einem sonnigen Nachmittag im Dezember führt mich mein Weg durch die Berner Altstadt zum Atelier Studio Geil. Hier treffe ich Evelyne Pfeffer. Schon nach wenigen Minuten wird klar: So wenig wie sich ihr beruflicher Werdegang in eine lineare Erzählung pressen lässt, so wenig lässt sich ihre aktuelle Tätigkeit mit einem einzigen Begriff beschreiben. Gestaltung, Nähen, Illustration, Prüfungsexpertin, Assistenz… vieles greift ineinander, löst sich wieder, verbindet sich neu.

Ein Lebenslauf in Bewegung
Evelynes Werdegang begann mit dem Vorkurs, darauf folgend die Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin. Das eigene Modelabel PAMB entwickelte sich aus dem ersten eigenen Atelier mit drei Freundinnen. Phasen hoher Belastung und die Neugierde auf Neues führten Evelyne einige Jahre später an die ZHdK, um Knowledge Visualization zu studieren. Nach dem Bachelorabschluss nahm sie auch gleich eine Assistenzstelle im Studiengang an. Momentan absolviert sie einen Master in Design in Bern und hat sich in der neuen Ateliergemeinschaft mit einer Freundin ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Was diesen Lebenslauf zusammenhält, ist nicht ein klar definiertes Ziel, sondern eine kontinuierliche Bereitschaft zur Veränderung.
„Die Lust, Neues zu beginnen, aber auch die Lust, wieder aufzuhören“,
wie Evelyne es beschreibt. Entscheidungen entstehen nicht rein aus strategischer Karriereplanung, sondern aus Neugier, aus dem Wunsch heraus, Dinge zu verstehen, auszuprobieren und gegebenenfalls loszulassen.
Warum Knowledge Visualization?
Über eine Freundin erfuhr sie vom Studiengang Knowledge Visualization.
“Eigentlich interessierte ich mich zuerst für Kriminologie, doch beim Reinschnuppern merkte ich sofort: Das ist mir zu wenig kreativ.”
So begab sie sich also doch ins Aufnahmeverfahren für KVis und wurde aufgenommen. Besonders wertvoll empfindet sie die Breite des Studiums: unterschiedliche Programme, Methoden und Perspektiven kennenzulernen, gibt einem mehr Freiheit und Selbstständigkeit. Ausserdem lernt man bewusst zu gestalten und die eigene Gestaltung auch immer wieder zu hinterfragen, um auch wirklich das zu vermitteln, was man will.

Öffentlichkeit, Kommunikation und professionelle Distanz
Ein für mich lehrreicher Punkt im Gespräch ist die Frage nach dem Auftritt nach aussen: persönlich oder professionell? Evelyne entscheidet sich klar für Letzteres. Sie trennt ihre Person bewusst von ihrer Arbeit. Nicht aus Distanz, sondern aus Klarheit. So würde sie beispielsweise die Erstellung einer Website outsourcen und diese bewusst nicht selbst gestalten. Ein konkretes Beispiel sind auch die Fotoshootings, die sie damals für PAMB gemacht haben. Verhältnismässig waren sie teuer, aber rückblickend jede Investition wert. Der professionelle Rahmen schafft Vertrauen und kommuniziert eine Haltung nach aussen. Wer selbstständig arbeitet, so Evelyne, muss eine Bereitschaft zur Kommunikation mitbringen. Vieles im gestalterischen Arbeiten läuft über Beziehungen, Gespräche, Vertrauen, Netzwerke und den Austausch mit Auftraggeber:innen. Das bedeutet nicht, dass man von Natur aus extrovertiert sein muss, aber man muss bereit sein, sich diese Fähigkeiten anzueignen. Kundengespräche, Auftragsverhandlungen, Networking: All das ist kein Nebenschauplatz, sondern ein wesentlicher Teil der Arbeit. Gestaltung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern im Dialog. Wer diesen Dialog aktiv mitgestaltet, schafft nicht nur bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch nachhaltigere Zusammenarbeit.
Umgang mit Kritik?
Ein wichtiger praktischer Hinweis betrifft den Umgang mit Kritik an kreativer Arbeit. Evelyne sagt, es mache einen grossen Unterschied ob sie Autorin einer Arbeit ist oder an einem Auftrag arbeitet. Diese Unterscheidung hilft, Feedback richtig einzuordnen. Kritik an einer Auftragsarbeit ist kein Angriff auf die eigene Identität, sondern Teil eines gemeinsamen Prozesses. Diese Haltung ermöglicht Professionalität, ohne die eigene künstlerische Freiheit zu verlieren.

Erfahrung lohnt sich
Kürzlich hatte Evelyne den Auftrag, ein Gestaltungskonzept für eine Ausstellung zu planen. Da Evelyne noch keine Expertise in diesem Gebiet hatte, setzte sie den Stundenlohn bewusst eher tief an. Jedoch im Wissen, dass der Erfahrungswert hoch sein würde. Am Ende entstand nicht nur eine faire Bezahlung, sondern eine sehr gute Zusammenarbeit. Der Lohn zeigte sich doppelt: finanziell und in Erfahrung.
Der rote Faden
Auf die Frage nach Beständigkeit in einem so diversen Lebenslauf antwortet Evelyne:
“Neugierde und Freude. Sie sind der treibende Faktor.”
Nicht die Form, nicht das Medium, nicht der Status, sondern das innere Interesse, Dinge zu erforschen, Verbindungen herzustellen und sich selbst immer wieder neu zu positionieren.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Konstante: die Erlaubnis, sich zu verändern. Und die Erkenntnis, dass Beständigkeit nicht Stillstand bedeutet, sondern Bewegung mit Haltung.
Vielen Dank, Evelyne, für den Einblick!
Instagram: evelyne.pfeffer