Für Michael begann alles mit Comics. Sein gesamtes Taschengeld gab er als Kind dafür aus. Er studierte unterschiedliche Stile, versuchte diese nachzuzeichnen und sah sich Tutorials dazu an. Auch heute beschäftigt er sich viel mit diesem Zeichenstil, doch sein Weg führte ihn zunächst in den naturwissenschaftlichen Bereich.
Im Ökologiestudium an der Universität Wien besuchte er einen freiwilligen Kurs über wissenschaftliche Illustration und kam so zum ersten Mal mit diesem Fachbereich in Berührung. Für ihn war der Illustrationskurs die ideale Verbindung zwei seiner Interessensbereiche: Dem Zeichnen und der Wissenschaft. Die Arbeit machte ihm Spass, ihm gefiel das Zeichnen der Präparate in Museen und in der Natur, er sah seine zukünftige Karriere jedoch noch in der Forschung.
Nach seinem Diplomabschluss in Wien kehrte er nach Salzburg zurück und arbeitet dort an der Uni als technischer Assistent im Bereich Taxonomie und Systematik von Einzellern (Artbestimmungen). Er illustrierte über hundert zum Teil neue Einzeller-Arten und bekam von seinem Vorgesetzten die Möglichkeit, sich in einem einwöchigen Postgraduate-Kurs in Spanien zum Thema Scientific Illustration weiterzubilden. Diese Woche reichte aus, um sein Berufsbild zu verändern.

Vom Forscher zum Illustrator
2015 gründete er also seine Firma; Hieronymus Illustrations. Die Arbeit erwies sich als schwieriger als zunächst angenommen. Viele Auftraggeber unterschätzen die Arbeit, die hinter Illustrationen steckt. Er erlebt es häufig, dass potenzielle Kunden für ein geringes Budget ein aufwendiges Ergebnis erwarten oder auch hoffen, dieses kostenlos zu erhalten, da sie Illustrationen lediglich als nette Ergänzung betrachten, die ebenso durch einen Text ersetzt werden kann.
Sein Biologiestudium hilft ihm bei seiner Arbeit massgeblich. Als Illustrator/-in muss man das, was man zeichnet, auch verstehen. Das kann durch Referenzmaterial oder, wie bei Michael, durch Fachwissen geschehen. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Studium denn notwendig ist. Michael ist der Meinung, dass es zwar nicht schaden könne, jedoch keinesfalls zwingend erforderlich ist, solange man weiss, wie man an relevante Informationen gelangt und diese auch entsprechend umsetzen kann.

Sein Studium unterstützte ihn natürlich auch beim Aufbau eines Netzwerks, durch das er sich bereits einen Namen machen konnte. Dazu ergänzt er, dass er die Kommunikation für eine der wichtigsten Fähigkeiten im Berufsleben als Illustrator/-in hält.
Er selbst erhält seine Aufträge zur einen Hälfte über seine Website, zur anderen durch aktives Zugehen auf potenzielle Kund/innen, indem er diese direkt anschreibt und seine Fähigkeiten anbietet. Durch gut gepflegte Kontakte und sorgfältige Arbeit ist es zudem gut möglich, dass Kunden regelmässig wiederkommen, was ihm wiederum eine gewisse finanzielle Sicherheit bietet. Ausschreibungen für wissenschaftliche Illustrator/innen in Forschungseinrichtungen werden zudem häufig informell vergeben, weshalb auch hier die Kontaktpflege von Bedeutung sein kann.
Netzwerke, Kommunikation und Selbstständigkeit
Hauptberuflich arbeitet er als Projektmanager im Bereich Life Sciences bei der Innovation Salzburg GmbH. Auf die Frage, ob er gerne nur freiberuflich arbeiten würde, meint er, dass er die Kombination beider Anstellungsformen sehr schätze. Die Festanstellung biete ihm finanzielle Sicherheit und Struktur, während ihm seine selbstständige Arbeit ermöglicht sich freier zu bewegen und auch eigenen Projekten zu widmen. Auch wenn er es teilweise als schwierig empfindet, neben einer kreativen beruflichen Tätigkeit zusätzlich Energie für eigene kreative Projekte aufzuwenden, arbeitet er derzeit an einer Graphic Novel.
Diese kleinen Nebenprojekte dienen nicht nur der Freizeitgestaltung, sie können natürlich auch an potenzielle Kunden herangetragen oder vermarktet werden.
«Es ist ja keine schwere Arbeit, wenn es Spass macht»
Für ihn ist es ausserdem wichtig, sich kontinuierlich weiterzubilden und seine Fähigkeiten zu entwickeln. So eignet er sich neue Techniken an, wie etwa den Umgang mit dem 3D-Programm Blender. Für seine Doktorarbeit entwickelte er damit ein 3D-Modell des Oralapparates eines Einzellers, seines wissenschaftlichen Fachgebiets.
Er hält es für sinnvoll, sich nicht auf eine einzige gestalterische Richtung zu fokussieren, sondern das eigene Tätigkeitsfeld offen zu halten. Es lohne sich, seine Energie in neue Bereiche investieren, um so seine Gestaltungsmöglichkeiten zu erweitern. Dabei ist es wichtig, sich selbst und seiner gestalterischen Linie treu zu bleiben, gleichzeitig jedoch offen für neue Ausdrucksformen zu sein, um Kunden ein möglichst breites Spektrum anbieten zu können.
Übung macht den Meister
Die Antwort auf die Frage, was er angehenden Illustrierenden mit auf den Weg geben würde, war simpel.
«Es geht nichts über Üben»
Auch wenn es nur zehn Minuten am Tag sind, es lohnt sich dabei zu bleiben. Es muss nichts Grossartiges entstehen, bereits durch einfaches Scribbeln können schon Ideen zustande kommen, die man auch weiterentwickeln könnte. Auf diese Weise kam ihm auch die Idee für sein Graphic Novel Projekt. Die stetige Entwicklung und Pflege der eigenen Leidenschaft ist das beste und einfachste Mittel, seine Fähigkeiten zu verbessern und sich langfristig als Illustrator/-in weiterzuentwickeln.

Das Interview mit Michael empfand ich als äusserst aufschlussreich. Es war interessant, jemandem aus dem Berufsfeld Fragen stellen zu können, der eigentlich aus einem ganz anderen Naturwissenschaftlichen Bereich kommt und sich die illustrativen Fähigkeiten zum grossen Teil selbst beibrachte. Ich danke vielmals für das herzliche Gespräch!
Weitere Arbeiten von Michael und Kontaktdaten findet man hier auf seiner Website: