{"id":1180,"date":"2020-01-23T09:20:16","date_gmt":"2020-01-23T09:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=1180"},"modified":"2020-01-24T15:10:16","modified_gmt":"2020-01-24T15:10:16","slug":"interview-mit-nadja-baltensweiler-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2020\/01\/23\/interview-mit-nadja-baltensweiler-2\/","title":{"rendered":"Interview mit Nadja Baltensweiler"},"content":{"rendered":"<p>Nadja Baltensweiler arbeitet heute als selbstst\u00e4ndige Illustratorin und Grafikerin mit besonderem Interesse f\u00fcr medizinische Illustration.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Interview begebe ich mich nach Emmenbr\u00fccke Luzern in ihr Atelier, welches sie mit anderen Grafiker_innen und Illustrator_innen teilt. Nach einer kurzen Tour durchs Atelier setzen wir uns auf die Couch und beginnen auch sogleich mit dem Interview.<\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlt mir, dass sie den Beruf schon seit klein auf kenne, da beide Elternteile Wissenschaftliche Illustratoren sind und sie dementsprechend gef\u00f6rdert wurde. Nach dem Gymnasium war sie sich noch im Unklaren, in welche Richtung sie gehen wollte, doch wusste sie, dass Gestalten ihre St\u00e4rke war und machte deshalb den Vorkurs. Darauffolgend fing sie das Studium zur wissenschaftlichen Illustratorin in Luzern an.<\/p>\n<p>2010 schloss sie den Bachelor ab und arbeitete zuerst selbst\u00e4ndig, jedoch hatte sie M\u00fche sich als selbst\u00e4ndige Illustratorin zurecht zu finden. Sie arbeitete auch tempor\u00e4r angestellt an verschiedenen Orten und bewarb sich f\u00fcr ein Atelierstipendium in Paris, welches sie prompt bekam.<\/p>\n<p>Nach der spannenden Zeit in Paris als sie zur\u00fcckkam, entschloss sie sich einen Master in Graphic Design anzuh\u00e4ngen und machte w\u00e4hrenddessen zus\u00e4tzlich noch einen Austausch in Maastricht, um sich dort auf das medizinische Zeichnen zu spezialisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Nadja war der Fokus fr\u00fcher eher auf Tiere und Pflanzen gerichtet, was vielleicht noch von einem kindlichen Interesse daf\u00fcr stammte, erz\u00e4hlt sie mir. Heute interessiere sie sich jedoch am meisten f\u00fcr die medizinische Illustration, weil es die gr\u00f6ssten Herausforderungen sind und sie sich mit viel Zeit und Hingabe der Spezialisierung in diese Richtung gewidmet hat und endlich regelm\u00e4ssig Auftr\u00e4ge aus dieser Branche reinkommen. Deshalb freue sie sich auch sehr \u00fcber diese Themen, da es sich endlich f\u00fcr sie auszahlt. In der medizinischen Illustration kommt es vor, dass es sich um sehr schwierige komplexe Sachverhalte handelt, bei denen man viel \u00fcberlegen und recherchieren muss, wie man sie richtig Umsetzen will. Es ist ein besonders gro\u00dfartiges Erfolgserlebnis, wenn man nicht einfach etwas abzeichnet, sondern wenn man mit seiner Expertise als Wissenschaftliche Illustratorin auch helfen kann etwas zu vermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Master in Graphic Design hat ihr in vielerlei Hinsichten weitergeholfen. Wenn sie mit einem Grafiker oder einer Grafikerin zusammenarbeitet, kennt sie seine_ihre Situation und hat eine Ahnung, was seine_ihre Aufgaben und Herausforderungen sind. Zudem ist es praktisch, dass sie alles auch gleich selbst machen kann, was ihr mehr Freiheiten gibt. Wobei es sich wirklich gelohnt hat war ihr Selbstvertrauen. Sie habe diese Ausbildung gemacht, in ihrem CV steht sie sei Grafikerin und das gibt ihr das Selbstvertrauen, dass sie das professionell macht. Lustigerweise habe sie in dieser Ausbildung in anderen Themen fast mehr profitieren k\u00f6nnen als nur in der Grafik. Zum Beispiel Projektmanagement. Im Master musste sie eine Wissenschaftliche Arbeit schreiben, wobei sie gemerkt hat, was das alles beinhaltet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die Frage was sie bei Blockaden macht und ob es schonmal vorkam das sie den Inhalt eines Auftrages gar nicht verstanden hatte antwortet sie, dass es bei medizinischen Sachverhalten schon einige Male vorgekommen sei. Das Schwierige ist, dass es je nach Thema keine korrekten Vorlagebilder und eindeutige Beschreibungen davon gibt und der Kunde es nicht immer sehr verst\u00e4ndlich erkl\u00e4ren kann. <em>\u201eManchmal ist es als w\u00fcrde dir jemand eine Fantasieblume erkl\u00e4ren und du m\u00fcsstest sie zeichnen. Du kannst sie gar nicht genau so zeichnen.\u201c<\/em> Es gab mal einen Fall, da kriegte sie eine Zeichnung einfach nicht richtig hin, trotz mehrfacher m\u00fcndlicher Erkl\u00e4rung und einigen schlechten Referenzbildern aus B\u00fcchern. Da bot ihr der Anatome schlussendlich an den Sachverhalt an einem Pr\u00e4parat zu zeigen, dies half ihr sehr. Seither weiss sie, dass in verzweifelten Situationen das Betrachten eines Pr\u00e4parats mit dem _ der Auftragsgeber_in oder ein Foto, welches der_ die Auftraggeber_in selbst gemacht hat, sehr hilfreich ist, um einen Sachverhalt besser verstehen zu k\u00f6nnen. Es ist allerdings eine Ausnahme, dass man Zugang zu Pr\u00e4paraten erh\u00e4lt. Sie muss sich selbst immer daran erinnern, <em>&#8222;Ich bin Zeichnerin und nicht Anatomin, es ist die Aufgabe der Auftragsgeberin bei den Sachen, die nicht Standard in B\u00fcchern sind, mir diese so zu erkl\u00e4ren, dass ich sie verstehen und zeichnen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bis vor einem halben Jahr arbeitete sie neben der Selbst\u00e4ndigkeit Teilzeit an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. In dieser Periode hatte sie absolut keine Zeit, um an privaten Projekten zu arbeiten, weil es sehr anstrengend war zwei Jobs zu haben. Das habe sie so ausgelastet, dass sie sich in ihrer Freizeit nur noch ausruhen konnte. Als sie dort aufh\u00f6rte, nutzte sie die neu gewonnene Freiheit, um ein eigenes Projekt in Form von Aquarellen umzusetzen. Die Ergebnisse konnte sie auch gleich als Weihnachtskarte f\u00fcr Ihre Kunden brauchen.<\/p>\n<p>Ansonsten habe sie in ihrer Freizeit auch wieder angefangen eigene Projekte zu machen, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. \u201e<em>Ich sticke (lacht), ich weiss es klingt ungewohnt, aber es ist eine gute Kombination zur wissenschaftlichen Illustration, weil man beim Sticken nicht so viel planen kann\u201c.<\/em> Da sie eine grosse Perfektionistin ist, t\u00e4te es ihr zur Auflockerung sehr gut mal nicht planen zu m\u00fcssen. Ansonsten liest und wandert sie gerne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuletzt frage ich sie ob es noch einen bestimmten Wunschauftrag oder Idealauftrag gibt, den sie in Zukunft gerne einmal illustrieren m\u00f6chte. Sie erz\u00e4hlt mir, dass sie als Masterarbeit eine kleine Publikation \u00fcber die weiblichen Geschlechtsorgane gemacht hatte und sie schon lange davon das \u00c4quivalent f\u00fcr die m\u00e4nnlichen Geschlechtsorgane machen wolle, doch k\u00e4me sie nicht dazu, da es viel Zeitaufwand ist alle Spezialistinnen zusammen zu trommeln und viel Energie kostet. Wenn Ihr jemand nun den Auftrag geben k\u00f6nnte und sie daf\u00fcr zus\u00e4tzlich noch bezahlt wird, w\u00e4re das nat\u00fcrlich <em>\u201eMega cool, weil ich dann das, was ich schon seit Jahren machen m\u00f6chte endlich realisieren k\u00f6nnte. Und vielleicht wird das dieses Jahr so sein (lacht).\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1184\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2020\/01\/IMG_1387-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nadja Baltensweiler arbeitet heute als selbstst\u00e4ndige Illustratorin und Grafikerin mit besonderem Interesse f\u00fcr medizinische Illustration. 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