{"id":2504,"date":"2024-01-11T23:00:04","date_gmt":"2024-01-11T23:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2504"},"modified":"2024-01-15T11:44:02","modified_gmt":"2024-01-15T11:44:02","slug":"einblick-in-die-facettenreiche-welt-der-visualisierung-ein-interview-mit-ida-kuenzle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2024\/01\/11\/einblick-in-die-facettenreiche-welt-der-visualisierung-ein-interview-mit-ida-kuenzle\/","title":{"rendered":"Einblick in die facettenreiche Welt der Visualisierung: Ein Interview mit Ida K\u00fcnzle"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Ida K\u00fcnzle, frischgebackene Absolventin des Masterstudiengangs Knowledge Visualisation an der ZHdK, hat bereits den Sprung in die Arbeitswelt geschafft. Ihre Reise f\u00fchrte sie von Thun nach Z\u00fcrich, wo sie nun als Visual Designerin beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF t\u00e4tig ist. In einem faszinierenden Interview gew\u00e4hrt sie Einblicke in ihre vielseitige Karriere, erz\u00e4hlt von inspirierenden Projekten und teilt einige Gedanken \u00fcber die Kunst des visuellen Erz\u00e4hlens.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Lieblingsprojekte und Spezialisierung<\/strong><\/p>\n<p>Ida betont die Vielseitigkeit ihres Schaffens und erkl\u00e4rt, dass die Wahl des Mediums von Projekt zu Projekt variiert. Sie schwankt zwischen traditionellen Medien wie Bleistift und Papier und modernen Tools wie dem iPad. Idas Lieblingsprojekte spiegeln ihre Vielseitigkeit wider. Die Auswahl fiel ihr schwer, denn ihre Projekte erstrecken sich von pers\u00f6nlichen k\u00fcnstlerischen Werken bis zu Visualisierungen im Bereich der Wissensvermittlung.<\/p>\n<p>Ein herausragendes Projekt ist Idas Masterarbeit <strong>\u00abVisible Vision\u00bb<\/strong>, bei der sie sich erstmals mit 3D-Visualisierung auseinandersetzte. In einer Animation mit 3D-Modellen erkl\u00e4rt sie f\u00fcr ein breites Publikum den Wirkungs-mechanismus einer Therapie gegen eine spezifische Art von genetischer Erblindung. Diese intensive Erfahrung war f\u00fcr Ida inspirierend und f\u00fchrte zu einem beeindruckenden Lernprozess.<\/p>\n<p>Ein anderes bemerkenswertes Beispiel ist eine dreiteilige Serie grossformatiger illustrativer Bleistiftzeichnungen aus dem Bachelorstudium, welche das Thema Zuhause untersuchen. Das Spiel mit Perspektiven und die Freiheit der Zeichnung haben diese Arbeit f\u00fcr Ida besonders speziell gemacht. Eines der drei Bilder h\u00e4ngt jetzt stolz an Idas Wohnzimmerwand.<br \/>\nSp\u00e4ter f\u00e4llt Ida noch ein weiteres, sehr emotionales Projekt ein, das w\u00e4hrend des ersten Lockdowns in der Schweiz w\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie entstanden ist. Dabei handelt es sich um eine gezeichnete Reportage, f\u00fcr die sie mit Menschen in verschiedenen Umgebungen wie Einkaufsl\u00e4den, Spit\u00e4lern oder auch in einer Notschlafstelle gesprochen hat. So gewann sie eindrucksvolle Einblicke in das Leben von Menschen in verschiedenen Situationen. <cite><strong>\u00abDurch das Zeichnen, sowohl in diesem Projekt als auch im Allgemeinen, habe ich viele einzigartige Erfahrungen gemacht. Es erm\u00f6glichte mir, mit Personen zu sprechen, die ich sonst nie getroffen h\u00e4tte, und Dinge zu h\u00f6ren, die mir sonst entgangen w\u00e4ren. Es ist nicht nur eine Besch\u00e4ftigung zum Geldverdienen, sondern bereichert mein Leben und ver\u00e4ndert meine Sichtweise darauf\u00bb<\/strong><\/cite><\/p>\n<p>Diese 3 Arbeiten (\u00abVisible Vision\u00bb, \u00abZuhause\u00bb und \u00abLockdown\u00bb) und viele weitere sind auf ihrer Webseite <em>www.idaillustration.ch<\/em> zu finden.<\/p>\n<p><strong>Online-Pr\u00e4senz<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Designer: Innen haben heutzutage eine Webseite f\u00fcr ihr Portfolio, einschlie\u00dflich Ida. Wenn ihre Projekte ver\u00f6ffentlicht werden, erm\u00f6glicht ihre Webseite potenziellen Kund: Innen Einblicke in ihre anderen Arbeiten. Sie betrachtet ihre Webseite aber nicht unmittelbar als ein Werkzeug zur Selbstvermarktung. Die Mehrheit ihrer Auftr\u00e4ge stammt aus pers\u00f6nlichen Empfehlungen, ihrer Ausbildung oder ihrem eigenen Netzwerk.In den sozialen Medien pr\u00e4sentiert sie ihre Arbeiten bewusst nicht. Insbesondere auf Instagram verzichtet sie auf Beitr\u00e4ge, da sie darin keinen Mehrwert sieht. Zudem stellt sie sich die Frage des Copyrights. <cite><em><strong>\u00abWas will ich mit Social Media erreichen, was ist das Ziel? [&#8230;] Ich finde, die Arbeit verliert ihren Wert, wenn man einfach immer alles postet. Ausserdem gef\u00e4llt mir nicht, die Kontrolle dar\u00fcber zu verlieren, wer meine Bilder kopiert oder weiterverwendet.\u00bb<\/strong><\/em><\/cite><\/p>\n<p><strong>Masterstudium an der ZHdK<\/strong><\/p>\n<p>Ida entschied sich f\u00fcr das Masterstudium mit dem klaren Ziel, sp\u00e4ter in der Animationsbranche zu arbeiten. Ihr Interesse an medizinischer Illustration und Animation f\u00fchrte zu einem Forschungs-Projekt, welches ihre F\u00e4higkeiten weiterentwickelte und sie gut auf den \u00dcbergang in die Arbeitswelt vorbereitete. <strong><em>\u00abFr\u00fcher dachte ich, dass ein Masterabschluss f\u00fcr meinen beruflichen Erfolg nicht unbedingt erforderlich ist und es haupts\u00e4chlich auf ein beeindruckendes Portfolio ankommt \u2013 was grunds\u00e4tzlich auch richtig ist. Das Master-Studium hat mir jedoch nicht nur ein gutes Projekt f\u00fcr mein Portfolio gegeben, sondern auch weitere technische F\u00e4higkeiten vermittelt. Letztlich qualifiziert mich der Masterabschluss zus\u00e4tzlich und kann bei Bewerbungen positiv hervorstechen. Wenngleich der Master keine zwingende Voraussetzung ist, hat er mich meinem Ziel n\u00e4her gebracht\u00bb<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Alltag und Projekte beim SRF<\/strong><\/p>\n<p>Im Verlauf ihres Masterstudiums stie\u00df Ida auf die Ausschreibung von SRF und erkannte, dass diese Position perfekt ihren Interessen entsprach. Dank ihrer Erfahrungen aus fr\u00fcheren Anstellungen, darunter auch eine T\u00e4tigkeit als Grafikerin und Werbetechnikerin im Ausstellungsmanagement der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, sowie ihrem Studium erf\u00fcllte sie die erforderlichen Qualifikationen.<\/p>\n<p>Ida ist derzeit in einer Vollzeitposition mit einem Pensum von 100% bei SRF angestellt. Das &#8222;Visual Design&#8220; Team, dem sie angeh\u00f6rt, besteht aus 25 Mitgliedern. Innerhalb des Teams herrscht eine positive Feedback-Kultur. Die Hintergr\u00fcnde der Teammitglieder sind vielf\u00e4ltig. Entscheidend ist vor allem das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr visuelle Erkl\u00e4rungen sowie das Interesse an Illustration und Grafik. Die Beherrschung technischer Fertigkeiten ist ebenso von Bedeutung, da der Umgang mit verschiedenen Programmen erforderlich ist. Ida hat die Aufgaben bei SRF in drei Hauptbereiche unterteilt:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u00abNews\u00bb<\/strong>: Aufgaben f\u00fcr Nachrichtensendungen wie \u00ab10vor10\u00bb oder \u00abTagesschau\u00bb, die meistens nicht l\u00e4nger als zwei Stunden dauern. Die Aufgaben umfassen u.a. die Erstellung von Diagrammen, Karten oder kurzen Erkl\u00e4rvideos.<\/li>\n<li><strong>\u00abContent\u00bb<\/strong>: zweiw\u00f6chigen Projekten f\u00fcr Magazine wie \u00abPuls\u00bb oder \u00abEinstein\u00bb, l\u00e4ngere 2D- oder 3D-Animationen. Beispielsweise wurde k\u00fcrzlich ein Video von ihr zum Thema Veneers auf Puls ver\u00f6ffentlicht <span style=\"color: #999999\"><em>(https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/puls\/video\/veneers-bleaching- und-co&#8212;-der-hohe-preis-perfekter zaehne urn=urn:srf:video:a22e6fd5-54c4-47a3-bf15-48773a10ad21)<\/em><\/span>, oder eine 2D-Animation zum Thema Meditation. <span style=\"color: #999999\"><em>(https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/puls\/video\/meditation&#8212; lebenshilfe-oder geldmacherei?urn=urn:srf:video:88cda97c-7455-4ec4 b666-17885710f1f4)<\/em><\/span><\/li>\n<li><strong>\u00abCorporate\u00bb<\/strong>: l\u00e4ngere Projekte f\u00fcr Erscheinungsbilder oder Intros von neuen Sendungen, wie \u00abNeumatt\u00bb, \u00abTschugger\u00bb oder \u00abKids-School\u00bb.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da SRF ein klares und konstantes Erscheinungsbild will, gibt es viele Stilvorgaben und Regeln. Die kreative Arbeit besteht in den Content-Projekten laut Ida mehr im Storytelling. <cite><em><strong>\u00abWas mir bei SRF gef\u00e4llt, ist dass ich das umsetzen kann, was mich am Design am meisten interessiert \u2013 n\u00e4mlich wie man einen Inhalt komprimieren und f\u00fcr eine spezifische Zielgruppe m\u00f6glichst verst\u00e4ndlich visuell aufbereiten kann. Ob ich dies mit einem Icon, einer Illustration oder einem 3D-Modell erreiche, erfordert logisches Denken und die F\u00e4higkeit, Inhalte schnell zu erfassen und zusammenzufassen.\u00bb<\/strong><\/em><\/cite><\/p>\n<p><strong>Gerichtszeichnen als Herzensarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Ida \u00fcbt nicht nur ihren Beruf bei SRF aus, sondern widmet sich gelegentlich auch dem Gerichtszeichnen. Ihre Werke finden oft ihren Weg in Zeitungen wie dem &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;. Die Leidenschaft f\u00fcr das Gerichtszeichnen entfaltete sich w\u00e4hrend eines Zeichenmoduls ihres Bachelor-Studiums. Das, was sie daran fasziniert, entspricht genau dem, was sie auch sonst am Zeichnen so interessant findet \u2013 die Beobachtung von Menschen und das Einfangen von Charakteren.<cite> <em><strong>\u00abAls ich erstmals die Gelegenheit hatte, f\u00fcr eine Zeitung im Gerichtssaal zu zeichnen, ging f\u00fcr mich ein langgehegter Wunsch in Erf\u00fcllung. Die Spannung im Gerichtssaal, das Aufeinandertreffen verschiedener Welten und die faszinierenden Charaktere, die ich dort beobachte, schaffen eine einzigartige Szenerie. Das Zeichnen im Gerichtssaal empfinde ich als ein Privileg, denn die Leserinnen und Leser bekommen die Verhandlung ausschliesslich durch meine Perspektive zu sehen\u00bb<\/strong><\/em><\/cite><\/p>\n<p>Ida pr\u00e4sentiert anhand mehrerer Beispiele ihre Gerichtszeichnungen und die damit verbundenen Geschichten. Besonders emotional und herausfordernd war der &#8222;H\u00f6hlenmord am Bruggerberg&#8220;, bei dem der Angeklagte den Gerichtssaal bereits nach 10 Minuten verliess. Gl\u00fccklicherweise hatte Ida zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Zeichnung begonnen und hatte ihn in groben Z\u00fcgen erfasst. In einem anderen Fall waren gleich 16 Angeklagte im Gerichtssaal, was sie anfangs v\u00f6llig \u00fcberforderte. Zu Beginn wusste sie nicht, wo sie ansetzen sollte, aber schlussendlich hat sie die Herausforderung erfolgreich gemeistert.<\/p>\n<p>Zum Abschluss gibt Ida Ratschl\u00e4ge f\u00fcr angehende Gerichtszeichner:innen. Sie hebt hervor, dass \u00dcbung, sorgf\u00e4ltige Beobachtung und ein gutes r\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen entscheidend sind. Insbesondere bei Live-Zeichnungen, im Gegensatz zu Arbeiten nach Fotos, ist die F\u00e4higkeit zur Priorisierung von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Ich m\u00f6chte mich herzlich bei Ida bedanken f\u00fcr das inspirierende Gespr\u00e4ch und die spannende Tour bei SRF. Ihre Einblicke und die M\u00f6glichkeit, den Arbeitsprozess hautnah zu erleben, waren \u00e4u\u00dferst bereichernd.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ida K\u00fcnzle, frischgebackene Absolventin des Masterstudiengangs Knowledge Visualisation an der ZHdK, hat bereits den Sprung in die Arbeitswelt geschafft. Ihre Reise f\u00fchrte sie von Thun nach Z\u00fcrich, wo sie nun als Visual Designerin beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF t\u00e4tig ist. 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