{"id":2538,"date":"2024-01-16T08:24:12","date_gmt":"2024-01-16T08:24:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2538"},"modified":"2024-01-16T08:24:12","modified_gmt":"2024-01-16T08:24:12","slug":"interview-mit-livia-enderli-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2024\/01\/16\/interview-mit-livia-enderli-2\/","title":{"rendered":"Interview mit Livia Enderli"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00abMan muss sich immer wieder neu erfinden. Du musst dich anpassen. Du musst schauen, was kann ich mit meinen Skills noch machen \u2013 was unterscheidet mich von anderen.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Livia Enderli hat viel Erfahrung im traditionellen Berufsbild einer wissenschaftlichen Illustratorin gesammelt. Einerseits durch Praktika im Tierspital, in der Medizintechnik und in der Sch\u00f6nheitschirurgie, aber auch durch ihre langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit beim Arch\u00e4ologischen Amt Thurgau, wo sie unter anderem f\u00fcr die Datenbankverwaltung verantwortlich war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Zu jener Zeit befand sich alles im Wandel \u2013 Fotos aus Analog-Sammlungen wurden erstmals digitalisiert, es gab neue 3D-Daten, f\u00fcr deren Archivierung es noch keinen festgelegten Industriestandard gab. Dennoch ist es schwierig in einer so grossen Institution wie einem staatlichen Betrieb, schnell zu reagieren, da jeder Entscheid erst durch mehrere Instanzen abgesegnet werden musste.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Klassische Objektzeichnungen von Funden, die Teilnahme an Ausgrabungen und Profilzeichnungen im Feld geh\u00f6rten zu ihrem Alltag. Digitales Arbeiten mit Programmen wie CAD, GSI oder Photogrammetrie erlernte sie durch die Routine schnell.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das Interesse am 3D-Bereich der Visualisierung ist des Weiteren etwas, mit dem sie bereits bei ihrem Bachelorprojekt erste Erfahrungen gemacht hat. Mit ihrer Arbeit \u00abThe Boy of Teshik-Tash\u00bb hat sie es sich zum Ziel gesetzt, das falsche Bild des Neandertalers als gedankenlosen Affen zu verbessern. Durch die Kooperation mit Museen und dem Scan eines Sch\u00e4dels erstellte sie eine 3D-Visualisierung eines Neandertaler-Jungen, die ihn als intelligentes Wesen zeigt und uns auf Augenh\u00f6he begegnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotz dieser Erfahrung war der Einstieg in die Berufswelt nicht immer einfach. Praktika und Empfehlungen dienten schlussendlich als T\u00fcr\u00f6ffner in die Festanstellung. Sie arbeitete w\u00e4hrend f\u00fcnf Jahren an der Seite von Arch\u00e4olog*innen, Wissenschaftler*innen und vielen anderen, die in dieser Branche besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Und obwohl sie ihre Stelle in der Arch\u00e4ologie inhaltlich extrem interessant fand, merkte sie, dass es Zeit f\u00fcr eine Neuerung war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00abNach drei Jahren im Amt habe ich gemerkt, ich muss etwas \u00e4ndern. Inhaltlich war es extrem interessant und ich habe so viel Potenzial gesehen, um spannende Arbeiten zu machen, aber ich wollte schneller Ver\u00e4nderungen sp\u00fcren.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das f\u00fchrte zu ihrem Entschluss, noch den Master in Knowledge Visualization an der ZHdK abzuschliessen. Mit ihrer Arbeit \u00abVersunkene Landschaft\u00bb steuerte sie erstmals in die Richtung von Service-Design. Auf die Frage, ob sie es wieder in der gleichen Reihenfolge tun w\u00fcrde, antwortete sie mit einem klaren Ja, da ihr die Arbeitserfahrung die erforderliche Selbst\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Masterprojekt sehr erleichtert hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ein treibender Faktor f\u00fcr ihren Karriere-Umschwung war die Neuorientierung und die Motivation, in eine andere Rolle zu schl\u00fcpfen, die sie durch den Master erfahren hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00abIch wollte selbst Inhalte liefern und nicht nur ausf\u00fchrend sein.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mit dem Wechsel vom kantonalen Amt zu einer internationalen Firma beschreitet sie jetzt diesen neuen Pfad. Den Weg zu dieser Anstellung im Design-Research- und Service-Design-Branch in der Firma \u00abAccenture Song\u00bb \u00f6ffnete sich ihr durch ihr Masterprojekt. Da sie sich bereits davor mit Themen der Digitalisierung und Datenverwaltung besch\u00e4ftigt hat, konnte sie die erforderliche Erfahrung in diesem Bereich aufweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Accenture ist grunds\u00e4tzlich ein Tech-Consulting-Unternehmen, das aber weitl\u00e4ufige Kompetenzen aufzuweisen hat und \u00fcber grosse, eigene Designabteilungen verf\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00abUnd Accenture macht alles. Es ist die drittgr\u00f6sste Firma der Welt, wenn man die staatlichen Firmen nicht mitz\u00e4hlt.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Livia kommt nun ins Spiel, wenn sich Firmen digital umstrukturieren. An der Seite von Strategy-Consultants spricht sie mit den Kund*innen, findet heraus, was man verbessern muss, um deren Arbeitsalltag effizienter zu machen \u2013 und welche digitalen Produkte daf\u00fcr notwendig sind. Danach geh\u00f6rt es ebenfalls zu ihrer Aufgabe, Vorschl\u00e4ge zu liefern, wie man die jeweiligen Produkte aufbauen k\u00f6nnte und nach M\u00f6glichkeiten das Designen und Fertigstellen. Ihr Alltag ist also gr\u00f6sstenteils von Kundenworkshops, Interviews und Creative-Sessions mit anderen Designer*innen gepr\u00e4gt. Konzeptvisualisierungen und das Illustrieren von Forschungsstudien sind an diesem Punkt die einzigen Schnittpunkte mit dem klassischen Berufsbild.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die gr\u00f6sste Herausforderung, in der sie zugleich eine Chance sieht, ist die starke Interdisziplinarit\u00e4t ihrer aktuellen Arbeit, bei der man zum Teil mit schwierig zu vereinbarenden Arbeitskulturen in Kontakt kommt. Dazu kommt, dass die sofort sp\u00fcrbaren Schwankungen des Wirtschaftsmarktes von einem st\u00e4rkeren Risiko zeugen als ihre vorherige T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das Zitat vom Anfang kommt erneut ins Spiel, als ich sie nach k\u00fcnstlicher Intelligenz frage. Sie gibt mir auf den Weg, dass die Pers\u00f6nlichkeit einen wertvoll macht und erkl\u00e4rt, dass sie trotz der massiven Ver\u00e4nderungen f\u00fcr den Berufsstand den Entwicklungen sehr positiv gegen\u00fcbersteht und vielversprechende Chancen sieht. KI wird bei ihrem Job t\u00e4glich verwendet, beschleunigt Arbeitsprozesse und ist eine gute Grundlage, um die eigene Kreativit\u00e4t anzustossen. Wie bei den Programmen, die sie zuvor f\u00fcr die Schule oder digitale Vermessungen neu erlernt hat, ist es wichtig, auf dem neusten Stand zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr die Zukunft strebt Livia an, mehr Leadership-Erfahrungen sammeln zu k\u00f6nnen und beispielsweise zu Project-Lead aufzusteigen. Auch das Thema Zukunftsforschung interessiert sie sehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr class=\"ttfmake-hr\" style=\"border-style: solid;border-top-width: 1px\" \/>\n<p>Herzlichen Dank an Livia f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, ein so spannendes Gespr\u00e4ch f\u00fchren zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abMan muss sich immer wieder neu erfinden. Du musst dich anpassen. Du musst schauen, was kann ich mit meinen Skills noch machen \u2013 was unterscheidet mich von anderen.\u00bb Livia Enderli hat viel Erfahrung im traditionellen Berufsbild einer wissenschaftlichen Illustratorin gesammelt. 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