{"id":2562,"date":"2024-01-18T15:45:12","date_gmt":"2024-01-18T15:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2562"},"modified":"2024-01-18T15:46:08","modified_gmt":"2024-01-18T15:46:08","slug":"vermittlung-im-stapferhaus-ein-interview-mit-celia-bachmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2024\/01\/18\/vermittlung-im-stapferhaus-ein-interview-mit-celia-bachmann\/","title":{"rendered":"Vermittlung im Stapferhaus &#8211; Ein Interview mit Celia Bachmann"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201eIch habe eine Stelle im Haus, bei der ich alle kenne \u2013 es ist wirklich eine Schl\u00fcsselstelle, an der viele F\u00e4den zusammenkommen.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Celia Bachmann kennt alle im Stapferhaus, ein Ausstellungsraum, der relevante, aktuelle Fragen anspricht. Dazu bietet der Raum Platz f\u00fcr Referate, Workshops und vieles mehr.<\/p>\n<p>Celia arbeitet dort als Leiterin des Vermittlungsteams. Ihr Job ist es, didaktische Materialien zu Ausstellungen auszuarbeiten, die Rundg\u00e4nge durch die Ausstellungen zu konzipieren und das Vermittlungsteam zu coachen. Dazu braucht sie Kontakt zu allen Stellen des Stapferhauses \u2013 sie arbeitet sowohl mit dem Inhaltsteam, dem Betrieb und der Kommunikation. Sogar mit dem Bistro und Kasse hat sie Kontakt: da diese Stellen nah am Publikum sind, k\u00f6nnen sie ihr gutes Feedback geben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Arbeit in Zyklen<\/strong><\/p>\n<p>Sie ist seit 4 Jahren in ihrer aktuellen Stelle im Stapferhaus, und trotzdem ist jeder Arbeitsalltag unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch glaube, was mir an meinem Job gef\u00e4llt, ist, dass er so vielf\u00e4ltig ist. Keine Woche ist die gleiche<\/em><\/strong>.<strong>\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Sie beschreibt ihren Arbeitsalltag als einen Zyklus bestehend aus mehreren Phasen. Im Moment l\u00e4uft die aktuelle Ausstellung zu Natur, und somit verbringt sie viel Zeit damit, das Vermittlungsteam zu coachen. Das Vermittlungsteam sind bis zu 7 Praktikant:innen, die in der Ausstellung sind und F\u00fchrungen machen. Celia ist es wichtig, sie eng zu begleiten, damit sie von ihrem Praktikum viel lernen.<\/p>\n<p>Parallel dazu l\u00e4uft schon die Vorbereitung f\u00fcr die n\u00e4chste Ausstellung. Das Thema der Ausstellung, die im November 2024 er\u00f6ffnet, steht: Es wird sich um Gesundheit handeln. Das Inhaltsteam ist schon an der Umsetzung, und dort muss sie mitdenken. In dem Zusammenhang macht sie eigene Recherchen: sie schaut im Lehrplan, wo sich das Thema verankert, nimmt mit Lehrpersonen Kontakt auf, um zu verstehen, was f\u00fcr sie am Thema spannend ist, und schaut nach, was f\u00fcr Angebote es zum Thema schon gibt. Sie macht sich Gedanken darum, was das Thema f\u00fcr verschiedene Interessensgruppen bedeutet: Was versteht zum Beispiel ein Kind unter Gesundheit? Was Erwachsene? Diese Erkenntnisse bringt sie dann direkt in das Inhaltsteam mit ein. \u00a0Die Vermittlung ist ab Start der Ausstellungskonzeption dabei.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Phase, kurz vor der Er\u00f6ffnung der Ausstellung, wird der Raum drei Monate lang umgebaut. W\u00e4hrend der Umbauphase ist kein Vermittlungsteam vor Ort, was Celia enorm entlastet und ihr Zeit l\u00e4sst, didaktische Konzepte zu schreiben und die Rundg\u00e4nge zu planen. Gleichzeitig schreibt sie die Stellen f\u00fcr das n\u00e4chste Vermittlungsteam aus.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eWenn die Ausstellung aufgeht, ist es f\u00fcr mich das stressigste Moment, da ich dann merke, ob was ich auf dem Papier gedacht habe auch funktioniert.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nach der Vernissage wird als erstes geschaut, wie das Publikum mit der Ausstellung interagiert \u2013 mit dem neuen Vermittlungsteam werden m\u00f6glicherweise die Rundg\u00e4nge angepasst. Erst wenn die Ausstellung er\u00f6ffnet ist, werden die didaktischen Materialien sowie die Workshops richtig ausgearbeitet \u2013 die Konzepte dazu gibt es schon, aber damit beides so nah wie m\u00f6glich an der aktuellen Ausstellung ist, werden sie erst nach der Er\u00f6ffnung der Ausstellung ausgearbeitet.<\/p>\n<p>Wenn diese stressigste Phase vorbei ist und die Ausstellung sich eingependelt hat, coacht sie das Vermittlungsteam und recherchiert zum n\u00e4chsten Thema: Der Zyklus startet erneut.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Keine Zeit f\u00fcrs Zeichnen<\/strong><\/p>\n<p>Hat sie mit dem Ganzen \u00fcberhaupt noch Zeit f\u00fcr eigene gestalterische Arbeiten? Leider nicht, meint Celia, ausser bei kleinen pers\u00f6nlichen Projekten kommt sie momentan fast nicht zum Zeichnen. Das fehlt ihr schon, aber es ist gleichzeitig eine bewusste Energieeinteilung. Sie macht nach der Arbeit lieber Sport oder Musik, wenn sie nicht gerade mit ihren Kindern ist.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch weiss ja, es kommen Zeiten, wo es wieder mehr m\u00f6glich wird, von dem her ist es auch nicht mega schlimm. Man muss auch akzeptieren, dass man nicht alles machen kann. Man muss akzeptieren, dass man vielleicht in einer Lebensphase ist, wo das einen weniger hohen Stellenwert bekommt<\/em><\/strong><em>.<strong>\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Im Studium hat sie aber nicht nur Zeichnen gelernt, betont sie. Ein Ausstellungsaufbau ist auch kreative Arbeit.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch glaube, dass, was man beim kreativen Arbeiten lernt, ist im Denken beweglich zu bleiben. \u00dcber Grenzen zu denken. Ich glaube das Gestalten, das Zeichnen, das etwas auf das Papier bringen, und das kreative Denken hilft auch bei einem Ausstellungsaufbau: Wie gehe ich eine Ausstellung an, wie soll sie aussehen? Da hilft mir das kreative Denken, das man durch das Zeichnen und Gestalten lernt. Das kann ich im Team einbringen, auch wenn es kein Zeichnen auf Papier ist.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Kleinpensen nach Paris und zur\u00fcck nach Z\u00fcrich<\/strong><\/p>\n<p>So ausgewogen, wie Celias Arbeitsalltag heute scheint, war er aber nicht immer. Als sie 2010 ihren Master in Art Education an der ZHDK absolvierte, hat sie viele verschiedene Stellen gehabt: Sie hat an verschiedenen Kantis Vertretungen gemacht und ein Praktikum am Stapferhaus bekommen, das ihr danach erm\u00f6glichte, kleine Auftr\u00e4ge vom Stapferhaus zu bekommen. Ein bisschen sp\u00e4ter hat sie angefangen, Zeichnen an der ZHDK zu unterrichten und unterst\u00fctzte zus\u00e4tzlich Peter Radelfinger in der Publikation von seinem Buch <em>So Wohl als Ob.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u201eParallel dazu habe ich Akryl-Malkurse gegeben. Das ist lustigerweise mein einziges festes Standbein gewesen. Immer am Dienstagabend bei uns in der Gemeinde, wo ich aufgewachsen bin, in Oberhasli. Das ist meine einzige konstante Einnahmequelle gewesen, und sonst hat sich alles immer bewegt.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Phase beschreibt Celia als besonders anstrengend. Viele verschiedene Stellen nebenbei zu haben bedingt ein st\u00e4ndiges Umdenken, erkl\u00e4rt sie, und auch wenn sie auf Papier mehr oder weniger 100% arbeitete, war die psychische Belastung viel h\u00f6her. Trotzdem meint sie, nie gezweifelt zu haben, dass sie Einkommensquellen findet.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch habe immer nicht gewusst, wie es weiter geht, aber trotzdem das Vertrauen gehabt, dass es irgendwie schon weiter geht, wenn man offen und neugierig bleibt.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Einstellung ist sie mit ihrem Partner nach Paris. Am Anfang war es f\u00fcr sie schwer, Fuss zu fassen, da das Schweizer System im Ausland kaum bekannt ist. In Paris konnte sich niemand etwas unter dem Stapferhaus oder der ZHDK vorstellen. Somit machte sie erst F\u00fchrungen f\u00fcr Touristen, bis sie eine Stelle an der renommierten Hochschule Sciences Po als Zeichenlehrerin bekam. Diese Universit\u00e4t im Lebenslauf stehen zu haben \u00f6ffnete ihr viele T\u00fcren, und sie fing an, in der Vermittlung im Palais de Tokyo zu arbeiten. Dies hat ihr enorm viel Spass gemacht hat, und hat ihr zus\u00e4tzlich erm\u00f6glicht, franz\u00f6sisch zu lernen.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, nach drei Jahren zur\u00fcck nach Z\u00fcrich zu ziehen, trafen ihr Partner und sie, als sie ihr erstes Kind bekamen. Die Schweiz hat viele Vorteile f\u00fcr Kinder und Familie, meint sie. Das sie direkt eine Stelle am Stapferhaus bekam, war Zufall.<\/p>\n<p>Sie meint, dass viele Leute denken, 80% zu arbeiten und Kinder zu haben sei viel, aber f\u00fcr sie f\u00fchlt es sich jetzt endlich \u00abaufger\u00e4umt\u00bb an. Im Vergleich zu allem, was sie zuvor machte, hat sie jetzt eine Balance gefunden, die sich f\u00fcr sie nach vier Jahren immer noch neu anf\u00fchlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch habe eine Stelle im Haus, bei der ich alle kenne \u2013 es ist wirklich eine Schl\u00fcsselstelle, an der viele F\u00e4den zusammenkommen.\u201c Celia Bachmann kennt alle im Stapferhaus, ein Ausstellungsraum, der relevante, aktuelle Fragen anspricht. Dazu bietet der Raum Platz f\u00fcr Referate, Workshops und vieles mehr. Celia arbeitet dort als Leiterin des Vermittlungsteams. 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