{"id":2570,"date":"2024-01-18T16:04:36","date_gmt":"2024-01-18T16:04:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2570"},"modified":"2024-01-18T16:24:34","modified_gmt":"2024-01-18T16:24:34","slug":"interview-mit-stephan-liechti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2024\/01\/18\/interview-mit-stephan-liechti\/","title":{"rendered":"Interview mit Stephan Liechti"},"content":{"rendered":"<ol start=\"7\">\n<li style=\"font-weight: 400\"><em> Dezember 2023 <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Als ich das Atelier betrete sind Stephan Liechti und seine Atelierkollegen gerade in der Kaffeepause. Stephan teilt schon seit 2017 ein Atelier mit dem Grafikb\u00fcro Neeser, M\u00fcller, G\u00f6rner.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das Gespr\u00e4ch beginnt, indem er mir ein wenig von seinem Studium erz\u00e4hlt. Er zeichnete schon immer sehr gerne und viel und war deswegen bereits mit 16 Jahren an der Schule f\u00fcr Gestaltung in Basel. Zu dieser Zeit war es noch so: Wer gezeichnet hat, hat Grafik gemacht. Aus diesem Grund schloss er auch 1988 die Grafikfachklasse in Basel ab. <em>\u00abEs war noch eine ganz andere Zeit\u00bb<\/em>, sagte er. <em>\u00abWir hatten gerade die ersten Computer. Die Schule war r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt. Es waren eigentlich die Techniken der 70er Jahre, die ich gelernt habe, vom Handwerk und all dem.\u00bb <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Obwohl er w\u00e4hrend der Fachklasse viel zeichnete, bemerkte er auch seine Begeisterung f\u00fcr Typografie und arbeitete danach erstmal als Grafiker. Seine erste Anstellung bekam er bei der Administration der Schule f\u00fcr Gestaltung Z\u00fcrich. Sp\u00e4ter arbeitete er teils selbstst\u00e4ndig, teils als Angestellter in der Schweiz und in S\u00fcdspanien als Grafiker. Seit etwa 20 Jahren arbeitet er nur noch als Illustrator. Das grafische Wissen und die Erfahrung als Grafiker seien f\u00fcr ihn beim Zeichnen sehr n\u00fctzlich; die Vermittlung von Information als Hauptaufgabe zu sehen und in Strukturen zu denken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Eine erste Anstellung zu finden war f\u00fcr ihn nicht sehr schwer. Zu seiner Zeit gab es noch viel mehr Gestalter und noch viel mehr Berufe, in welchen Kreativit\u00e4t gefordert war. Er f\u00fcgt aber noch hinzu, dass es wichtig sei von Anderen zu lernen, nicht nur wie man gestaltet, sondern auch wie man gesch\u00e4ftet. Das habe er nicht gehabt, dadurch dass er sich schnell selbstst\u00e4ndig gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2572 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"316\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-scaled.jpg 1833w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-215x300.jpg 215w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-733x1024.jpg 733w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-768x1073.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-1100x1536.jpg 1100w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Zeichnungen-korr-1466x2048.jpg 1466w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Seine Zeichnungen beginnt er analog mit Bleistift, dann nimmt er sie auf den Computer. Dort kann er sie ausschneiden und die Proportionen anpassen. Oft druckt er die Zeichnung hellblau aus, um eine Vorlage zu haben, auf der er weiterzeichnen kann. \u00abWenn man auf dem Tablet zeichnet, verliert man sich schnell in den Details\u00bb, das habe er gemerkt als er einmal ein Theaterpublikum zeichnen musste. Abschliessend koloriert er die Zeichnung auf Photoshop.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Er findet es spannend, wie anders die digitalen Prozesse sind. Es sei eine Weile gegangen, bis er ein Tablet hatte: <em>\u00abIch habe gemerkt, dass ich beim Putzen der Zeichnung mit der Maus, mehr Zeit mit Putzen als mit Zeichnen verbraucht habe.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Er erz\u00e4hlt mir, dass er einige sch\u00f6ne Auftr\u00e4ge hatte aber, dass es bei Auftr\u00e4gen immer sehr stark auf die Form der Zusammenarbeit ankommt. Ihm sei es wichtig, dass der Prozess zusammen gemacht wird. Er k\u00f6nne dann als Gestalter visuelle Ideen einbringen und mit den Kunden zusammen daran weiterbasteln, bis es stimmt. Das sei f\u00fcr ihn auch das Spannende an der Arbeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Bei einem Auftrag besteht die Gefahr, dass der Kunde Ideen hat, die nicht visuell sind. Dann w\u00fcrde es ihm schwer fallen daraus etwas Interessantes zu erfinden. <em>\u00abDeswegen\u00bb, <\/em>sagt er. <em>\u00abkann es gut sein, dass Jobs die toll herauskommen k\u00f6nnten, schlecht herauskommen. Und langweilige Jobs, dann trotzdem toll enden, weil sich etwas entwickelt hat\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Stephan ist auf der Webseite des Vereins \u00abIllustratoren Schweiz\u00bb vertreten, wo ich ihn auch entdeckt habe. Dazu hat er eine Website, die viele seiner Arbeiten pr\u00e4sentiert. Die meisten Auftr\u00e4ge bekommt er dadurch oder \u00fcber Leute, die seine Arbeiten kennen. Instagram habe er mal ausprobiert, aber das sei nicht so seine Welt. Instagram sei viel Zeitaufwand und er denkt nicht, dass es direkt etwas zur\u00fcckgibt. <em>\u00abIch denke es ist fast wichtiger an die richtigen Feste zu gehen und \u00fcber die richtigen Witze zu lachen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mich interessiert der Auftrag f\u00fcr das Bau- und Verkehrsdepartement Kanton Basel-Stadt. Bei den Dialogtagen 2023 diskutierten viele verschiedene Menschen \u00fcber die st\u00e4dtebauliche Zukunft des Kantons. Stephan hatte den Auftrag die Podiumsdiskussionen vor Ort zeichnerisch zu protokollieren. Dabei wurde sein Zeichnen direkt f\u00fcr alle sichtbar auf eine Wand projiziert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Am Anfang war es f\u00fcr ihn unangenehm: <em>\u00abHier im Atelier wenn etwas schief geht, zeigt man es nicht und kann es nochmal neu versuchen. Ich bin mir sehr kindlich vorgekommen, so Telefonkritzeleien zu machen. Aber jetzt habe ich ein bisschen mehr Selbstvertrauen.\u00bb<\/em> Er f\u00e4nde es aber sinnvoll, weil so der ganze Ablauf der Diskussion in Erinnerung bleibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2578 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2448\" height=\"1467\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1.jpg 2448w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1-300x180.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1-768x460.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1-1536x920.jpg 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Dialogtage-1-2048x1227.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2448px) 100vw, 2448px\" \/><\/p>\n<p>Er zeigt mir eine andere Arbeit, bei der es um Architektur ging: <em>\u00abMich besch\u00e4ftigt die Frage, f\u00fcr was das Zeichnen heutzutage noch sinnvoll ist. In der Architektur erf\u00fcllt sie einen Zweck, weil die Zeichnung in sich die Mitteilung hat, dass es eine Idee ist, die sich am Entwickeln ist. Bei einem realistischen Rendering beginnt sofort eine Diskussion um Details, w\u00e4hrend eine Zeichnung klarer definieren kann, worin die grunds\u00e4tzliche Idee besteht.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2574 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-300x172.jpeg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-1024x588.jpeg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-768x441.jpeg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-1536x882.jpeg 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Arbeitsplatz-2048x1176.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ich m\u00f6chte mich sehr herzlich bei Stephan Liechti bedanken f\u00fcr den Einblick in sein Atelier, seine Arbeitsweise und Erfahrungen. Ich empfehle jedem einen Besuch auf seine sehr sorgf\u00e4ltig und sch\u00f6n gestaltete Webseite, welche eine grosse Bandbreite an Illustrationen zeigt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.s-liechti.ch\">https:\/\/www.s-liechti.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Zitate wurden vom Schweizerdeutschen \u00fcbersetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dezember 2023 Als ich das Atelier betrete sind Stephan Liechti und seine Atelierkollegen gerade in der Kaffeepause. Stephan teilt schon seit 2017 ein Atelier mit dem Grafikb\u00fcro Neeser, M\u00fcller, G\u00f6rner. Das Gespr\u00e4ch beginnt, indem er mir ein wenig von seinem Studium erz\u00e4hlt. 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