{"id":2602,"date":"2024-01-18T17:34:18","date_gmt":"2024-01-18T17:34:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2602"},"modified":"2024-01-29T16:33:57","modified_gmt":"2024-01-29T16:33:57","slug":"geschichtenerzaehler-durch-wort-und-bild-wie-versteht-torben-kuhlmann-illustration-und-autorenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2024\/01\/18\/geschichtenerzaehler-durch-wort-und-bild-wie-versteht-torben-kuhlmann-illustration-und-autorenschaft\/","title":{"rendered":"Geschichtenerz\u00e4hler durch Wort und Bild: Wie versteht Torben Kuhlmann Illustration und Autorenschaft"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">\u201cIch bin tats\u00e4chlich geneigt, mich nicht prim\u00e4r als Illustrator und Autor zu bezeichnen, <\/span><span style=\"font-weight: 400\">sondern eher als Geschichtenerz\u00e4hler. Die Medien Wort und Bild sind die Mittel, die ich daf\u00fcr nutze.\u201d.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2604 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Kuhlmann_Torben_Selbstportrait_Einstein_Rahmen_2020_sRGB-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"508\" height=\"221\" \/><\/p>\n<p><b>Vom Studium an der HAW bis zum Erfolg als Geschichtenerz\u00e4hler und Illustrator.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Reise von der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften HAW zu einem etablierten Geschichtenerz\u00e4hler und Illustrator war f\u00fcr Torben Kuhlmann eine faszinierende Entwicklung. Das Studium \u201eIllustration und Kommunikationsdesign\u201c an der HAW Hamburg, das viele verschiedene kreative Bereiche beinhaltet, legte den Grundstein seiner Karriere.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Entscheidung f\u00fcr die HAW und damit auch f\u00fcr Hamburg fiel aufgrund der vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten innerhalb des Bereichs Illustration \u2013 von Fiction bis Non-Fiction. Die N\u00e4he zur Elbe und der Nordsee beg\u00fcnstigte die Entscheidung f\u00fcr die Hansestadt sicherlich ebenfalls. Der gute Ruf der HAW im Bereich Illustration, sichtbar durch Buchmessen und international pr\u00e4sente Studierende, verfestigte die Wahl zus\u00e4tzlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Urspr\u00fcnglich tendierte er mehr zu Non-Fiction und weniger zu Bilderb\u00fcchern. Historische Zeichnungen und Geschichten faszinierten ihn, doch die Wege an der HAW standen f\u00fcr beide Optionen offen und er konnte praktische Erfahrung in beiden Bereichen sammeln. Obwohl Torben Kuhlmanns Schwerpunkt im Bereich Illustration lag, wagte er sich w\u00e4hrend des Studiums auch in die Bereiche des \u201eKommunikationsdesigns\u201c vor, hier vor allem in den Bereich Film. Dies waren keine Pflichtkurse, allerdings ergab sich hier die M\u00f6glichkeit, Storytelling und Zeichnung auf ganz andere Weise zu kombinieren. Filmwissen und Storyboard \u00f6ffneten ihm nach dem Studium schliesslich auch die T\u00fcr zu einer Position in der Werbeagentur Jung von Matt, wo er seine F\u00e4higkeiten als Storyboard-K\u00fcnstler weiter ausbauen und Erfahrungen sammeln konnte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Schon fr\u00fch in seiner Studienzeit begann er mit berufsorientierten Auftr\u00e4gen, darunter die <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Zusammenarbeit mit dem \u201eStern\u201c. Diese praxisorientierten Projekte mit knappen Timings und unter realen Berufsbedingungen zu bearbeiten, verhalfen ihm zu ersten Ver\u00f6ffentlichungen. Ein erster Schritt in die Berufswelt der Illustration war damit erfolgt. Diese Projekte dienten nicht nur als <\/span><span style=\"font-weight: 400\">wichtige Erfahrung, sondern bereicherten auch das stetig wachsende Portfolio.<\/span><\/p>\n<p><b>Interesse an Mechanik und Geschichte: Eine Kombination f\u00fcr die Zukunft<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Torben Kuhlmanns Interesse an Technik liess sich ebenfalls in das Illustrations-Studium integrieren. Wenn es mit der Zulassung an der HAW Hamburg nicht geklappt h\u00e4tte, w\u00e4re f\u00fcr ihn vielleicht ein klassischer, eher technischer Beruf ebenfalls eine Option gewesen. Wie er verr\u00e4t, hat es aber zum Gl\u00fcck auf Anhieb mit dem Illustrationsstudium geklappt. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Technik und Geschichte wurde zu einem zentralen Thema in seinen B\u00fcchern, insbesondere in den <\/span><span style=\"font-weight: 400\">&#8222;M\u00e4useabenteuern&#8220;, so wie in seinen informativen Illustrationen. Durch die Verbindung von Technikgeschichte und historischen Kulissen entstand sein erstes Bilderbuch, das auch seine Abschlussarbeit an der HAW Hamburg darstellte. \u201eLindbergh\u201c \u2013 heute eine seiner bekanntesten Arbeiten \u2013 spielt im fr\u00fchen 20. Jahrhunderts und erz\u00e4hlt eine alternative Luftfahrtgeschichte in der M\u00e4usewelt. Allerdings hat auch der reale menschliche Flugpionier Charles Lindbergh in der Geschichte einen Gastauftritt, wodurch die Geschichte zu ihrem Namen kam.<\/span><\/p>\n<p><b>Der Weg durch die Werbeagentur: Lehrjahre sind keine Herrenjahre<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Seine Zeit in der Werbeagentur Jung von Matt, wo er nach dem aktiven Studium mehrere Jahre als angestellter Illustrator arbeitete, verdeutlichte Torben Kuhlmann die Bedeutung des Sprichworts: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Obwohl das Studium ihn handwerklich gut auf das Berufsleben vorbereitet hatte, musste er sich erst an das straffe Arbeitspensum innerhalb einer Werbeagentur einarbeiten. Das selbstbestimmte und recht unverf\u00e4ngliche Bearbeiten an eigenen Illustrationsprojekten im Studium wich einem engen Korsett aus Briefings, Zwischenbesprechungen und knappen Abgabefristen \u2013 mit vielen Korrekturschleifen. Wie er heute sagt: Im Studium lernte er das Handwerk, in der Agentur das Arbeiten gegen die Uhr. Selbst die Zusammenarbeit mit Zeitschriften wie dem \u201eStern\u201c oder der \u201eNational Geographic\u201c hatten dagegen einen fast betulichen Rhythmus. Die Arbeit an Storyboards und Werbelayouts lehrte ihn, sich zu strukturieren, seinen Arbeitsrhythmus richtig einzusch\u00e4tzen und im Endeffekt Timings immer einzuhalten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Mit der Festanstellung folgte er seinem \u201eMasterplan\u201c, der nach dem Studium im Idealfall eine Festanstellung im kreativen Bereich vorsah, um dort Erfahrungen zu sammeln, Kunden zu <\/span><span style=\"font-weight: 400\">finden und schliesslich den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit zu wagen. Sein Portfolio, welches nicht nur Illustration und Infografik, sondern auch Film- und Designarbeiten beinhaltet, erwies sich als T\u00fcr\u00f6ffner.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Eigene Projekte und die Kunst der Sommerpause<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Er erz\u00e4hlt, dass er f\u00fcr freie Malerei oder projektunabh\u00e4ngige Arbeiten oft zu wenig Zeit findet. Insbesondere jetzt liegen umfangreiche Buchprojekte und Auftragsarbeiten auf dem Schreibtisch, darunter Umschlagillustrationen und Vignetten f\u00fcr ein Jugendbuch von Frida Nilsson, f\u00fcr welche er sich immer ein wenig Zeit freih\u00e4lt. Gefragt nach seinen Lieblingsillustrationen nennt Torben Kuhlmann ebenfalls ein paar bisherige Zusammenarbeiten mit Frida Nilsson. Die Titelbilder zu \u201eSasja und das Reich jenseits des Meeres\u201c und \u201eSiri und die Eismeerpiraten\u201c. Auch sch\u00e4tzt er seine schon recht alten Illustrationen \u201eRezitation bei Regenwetter\u201c nach einem Gedicht von Erich K\u00e4stner. Ein Anzeichen daf\u00fcr, dass er f\u00fcr eine Arbeit stolz empfindet, ist, dass er dann gerne einen Druck oder sogar ein Original an die Wand h\u00e4ngt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">\u201eLindbergh\u201c feiert diesen Sommer sein 10-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um, f\u00fcr das ein paar spezielle Illustrationen anstehen, so wie auch ein zeitlich knapp geplantes weiteres M\u00e4useabenteuer. Torben Kuhlmann erz\u00e4hlt, dass er noch nie so viele Arbeiten gleichzeitig auf seinem Tisch liegen hatte, weshalb er sich ab diesem Sommer eine Pause nehmen m\u00f6chte, um so f\u00fcr die freien Arbeiten Zeit zu haben. Daf\u00fcr hat er schon eine Weile Leinw\u00e4nde sowie \u00d6lfarben bereitstehen.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2606 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Bild-Lindbergh-Hafen-300x212.jpeg\" alt=\"\" width=\"886\" height=\"627\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Bild-Lindbergh-Hafen-300x212.jpeg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2024\/01\/Bild-Lindbergh-Hafen-768x542.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 886px) 100vw, 886px\" \/><\/p>\n<p><b>Ratschlag f\u00fcr angehende Illustrator*innen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Sein Ratschlag an angehende Illustratorinnen und Illustratoren ist klar: Glaubt an euren eigenen Stil und habt Mut ihn voranzutreiben. Auf Trends aufzuspringen ist nicht zwingend notwendig; Vertrauen in die eigene Bildsprache und Intuition sind entscheidend. Trotzdem sollte man flexibel genug sein, verschiedene Bereiche zu erkunden und sich nicht nur krampfhaft dem Portfolio zu widmen. Der eigene Stil sollte erkennbar bleiben, w\u00e4hrend man verschiedene Bereiche erschliesst. Eine Balance zwischen dem, was Spass macht und dem, was machbar ist, sei entscheidend, um nicht \u00fcberfordert zu werden. Der Mut, an den eigenen Stil zu glauben, ist auch eine wirksame Abwehr gegen die Herausforderungen der im wahrsten Sinne des Wortes generischen KI.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In der Vielfalt und Kreativit\u00e4t von gutem Storytelling in Filmen und B\u00fcchern findet Torben Kuhlmann Inspiration f\u00fcr seine Arbeit, ebenso bei ausgiebigen Museumsbesuchen. Zu seinen Vorbildern in der Kunst geh\u00f6ren Caspar David Friedrich, Claude Monet und Edouard Manet. In Sachen Lichtstimmungen verehrt er William Turner oder den amerikanischen Realisten John Singer Sargent.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die pers\u00f6nliche Freiheit, sich mit verschiedenen Themen zu besch\u00e4ftigen, hilft ihm dabei, neue Ideen zu generieren. Auch das bewusste Abschalten durch andere Bet\u00e4tigungen, wie beispielsweise das Erkunden der Industriegebiete Hamburgs mit vielen Kr\u00e4nen und brutalistischen Geb\u00e4uden, tr\u00e4gt dazu bei, neue Perspektiven zu gewinnen und Ideen zu entwickeln. So ist die Inspiration f\u00fcr das neueste Buch \u201eDie graue Stadt\u201c entstanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Zukunft birgt f\u00fcr ihn weiterhin viele Projekte, darunter die Fortsetzung der M\u00e4useabenteuer, neue Buchprojekte und die Pflege von langj\u00e4hrigen Beziehungen zu Verlagen und Kunden. Trotz der Unsicherheiten im kreativen Bereich und dem Aufkommen von KI ist er zuversichtlich, dass die Einzigartigkeit des individuellen Stils unersetzlich bleibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Sein Ratschlag f\u00fcr angehende K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ist also klar: Behaltet euren eigenen Stil bei, glaubt an euch selbst und seid mutig, neue Wege zu gehen. Der Weg mag unvorhersehbar sein, aber die Liebe zur eigenen Arbeit und die Freude am Geschichtenerz\u00e4hlen sind die treibenden Kr\u00e4fte, die auch in der Zukunft erfolgreich machen werden.<\/span><\/p>\n<p>Webseite: <a href=\"https:\/\/www.torben-kuhlmann.com\/\">https:\/\/www.torben-kuhlmann.com\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Abb. 1: Selbstportrait &#8211; Torben Kuhlmann<\/p>\n<p>Abb. 2: Illustration aus <span style=\"font-weight: 400\">Lindbergh: Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cIch bin tats\u00e4chlich geneigt, mich nicht prim\u00e4r als Illustrator und Autor zu bezeichnen, sondern eher als Geschichtenerz\u00e4hler. Die Medien Wort und Bild sind die Mittel, die ich daf\u00fcr nutze.\u201d. Vom Studium an der HAW bis zum Erfolg als Geschichtenerz\u00e4hler und Illustrator. 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