{"id":2967,"date":"2025-01-16T14:31:55","date_gmt":"2025-01-16T14:31:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=2967"},"modified":"2025-01-18T12:15:15","modified_gmt":"2025-01-18T12:15:15","slug":"interview-mit-eva-klaeui-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2025\/01\/16\/interview-mit-eva-klaeui-2\/","title":{"rendered":"Interview mit Eva Kl\u00e4ui"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\"><em>Am 29. November machte ich mich am Nachmittag auf den Weg ins Atelier von Eva Kl\u00e4ui. Es ist ein gem\u00fctlicher Raum, versteckt hinter den Kulissen eines Ladens, welcher Handwerkskunst verkauft. Ich wurde herzlich willkommen geheissen und durfte einen Einblick in ihre Welt nehmen.<\/em><\/p>\n<h4><\/h4>\n<figure id=\"attachment_2969\" aria-describedby=\"caption-attachment-2969\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2969\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-1024x461.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"432\" data-wp-editing=\"1\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-1024x461.png 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-300x135.png 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-768x345.png 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-1536x691.png 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/atelier-bild-2048x921.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2969\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitsplatz von Eva Kl\u00e4ui<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Du bekommst haupts\u00e4chlich arch\u00e4ologische Auftr\u00e4ge, wie sieht so ein Auftrag in der Regel aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin angestellt als arch\u00e4ologische Zeichnerin beim Amt f\u00fcr Denkmalpflege und Arch\u00e4ologie Zug. Dort geh\u00f6rt das Zeichnen von arch\u00e4ologischen Funden f\u00fcr Publikationen zu meinem Auftrag. Was ich auch sehr oft mache, sind Lebensbilder und Rekonstruktionen, wie zum Beispiel meine Illustration zur Burg H\u00fcnenberg. Fundzeichnungen und Lebensbilder sind sicher die Hauptthemen, manchmal mache ich auch Kartierungen, zum Beispiel eine \u00dcbersichtskarte zu einer Fundstelle mit Markierungen, wo etwas gefunden wurde und andere gestalterische Arbeiten.<\/p>\n<p>Lebensbilder mache ich \u00f6fter als Auftrag in meinem Atelier. Diese sind\u00a0sehr sch\u00f6n zum Machen, aber auch wahnsinnig aufwendig, denn inhaltlich sollte m\u00f6glichst alles stimmen. Man muss auch dazu bereit sein, st\u00e4ndig alles zu \u00e4ndern. Es kann passieren, dass man etwas gezeichnet hat, und dann kommt ein neues Forschungsresultat und es \u00e4ndert sich wieder alles. Oder zum Beispiel der Rebberg im Hintergrund bei der Rekonstruktion der Burg\u00a0<em>(Abb 1)<\/em>. Zuerst war der ganze H\u00fcgel voll mit Reben, ich habe jede Rebe einzeln gezeichnet.\u00a0Das ist nat\u00fcrlich mein Problem, ich m\u00fcsste das nicht so aufwendig machen. Danach war dann klar, dass so viele Reben unrealistisch sind. Nachdem ich also viele Stunden an den Reben gearbeitet habe, musste ich die meisten wieder l\u00f6schen. Das war schon fast ein bisschen lustig. Manchmal\u00a0passiert das, wenn die Arch\u00e4olog*innen das Bild sehen und dann merken, dass etwas nicht stimmen kann oder etwas pr\u00e4ziser dargestellt werden muss.\u00a0Das ist aber auch das Sch\u00f6ne an unserem Beruf, die Visualisierung ist Teil des Forschungsprozesses. Bei arch\u00e4ologischen Auftr\u00e4gen arbeitet man darum ganz nahe mit den Forscher*innen zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2971\" aria-describedby=\"caption-attachment-2971\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2971\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-1024x725.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-1024x725.png 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-300x213.png 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-768x544.png 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-1536x1088.png 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/bauphase_i-2048x1451.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2971\" class=\"wp-caption-text\">Abb 1) Lebensbild der Burg H\u00fcnenberg<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was zeichnest du am liebsten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich mache sehr viel Arch\u00e4ologie, und eine weitere Leidenschaft gilt der Botanik.<i>\u00a0<\/i>Diese konnte ich zum Beispiel bei einem Projekt\u00a0<em>(Abb 2)<\/em>\u00a0f\u00fcr ein Magazin namens Noma ausleben. Ich war da total frei, ich hatte nur einen Titel: Die Intelligenz der Pflanzen, und ich konnte diesen umsetzen wie auch immer ich wollte. Das war sehr toll. Wenn man so viel Vertrauen bekommt von den Auftraggeber*innen, das ist ein Traum.<\/p>\n<p>Leider konnte ich diesen Auftrag nur zweimal machen, danach wurde das Magazin eingestellt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2973\" aria-describedby=\"caption-attachment-2973\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2973\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/eva_klaeui_noma_magazin_nr7_2-1024x711.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/eva_klaeui_noma_magazin_nr7_2-1024x711.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/eva_klaeui_noma_magazin_nr7_2-300x208.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/eva_klaeui_noma_magazin_nr7_2-768x533.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2025\/01\/eva_klaeui_noma_magazin_nr7_2.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2973\" class=\"wp-caption-text\">Abb 2) Kolumne f\u00fcr das<br \/>noma Magazin zum Thema \u00abDie Intelligenz der Pflanzen\u00bb<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wenn ich diesen Auftrag bekommen w\u00fcrde, bei dem man so viel Freiheit bekommt, ich w\u00fcrde mir Sorgen machen, zu viele Stunden zu investieren und den Kund*innen gef\u00e4llt es am Ende vielleicht gar nicht. Wie gehst du damit um, was ist deine Herangehensweise?<\/strong><\/p>\n<p>Ich schicke die Kund*innen immer zuerst auf meine Webseite, dort k\u00f6nnen sie sich die Art der Umsetzung heraussuchen, die ihnen gef\u00e4llt.\u00a0Das hilft schon einmal sehr dabei, herauszufinden, in welche Richtung es gehen soll.\u00a0Die Kund*innen kommen ja auch zu mir, weil ihnen mein Stil gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich mache ich immer Skizzen, bevor ich mich an die finale Umsetzung wage. Die Skizzen versuche ich m\u00f6glichst effizient zu realisieren. Zur Absicherung hilft das auf jeden Fall.<\/p>\n<p><strong>Was sind die m\u00fchsamsten\/anstrengendsten Auftr\u00e4ge, die du je hattest?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, die Auftr\u00e4ge, die man f\u00fcr wenig Geld macht und st\u00e4ndig noch irgendwelche \u00c4nderungen kommen, k\u00f6nnen schon eher m\u00fchsam sein.\u00a0Anstrengend sind auch Auftr\u00e4ge, bei denen Zeichnen mehr als Hobby betrachtet wird und bei denen verlangt wird, noch \u00abschnell\u00bb ein Logo oder eine Illustration zu machen.\u00a0Ich habe mir eigentlich schon vor langer Zeit vorgenommen, solche Auftr\u00e4ge nicht mehr anzunehmen, aber ich mache es dann nat\u00fcrlich trotzdem immer wieder.<\/p>\n<p><strong>Du arbeitest ja als Dozentin an der HSLU im arch\u00e4ologischen Zeichnen. Wie ist dein Erlebnis als Dozierende?<\/strong><\/p>\n<p>Ich mache schon sehr lange arch\u00e4ologische Illustrationen, um genau zu sein seit 25 Jahren und bringe daher einen grossen Erfahrungswert mit. Was mir pers\u00f6nlich sehr wichtig ist, ist der enge Bezug zur Arbeitswelt. Ich kann gut Kontakte herstellen zwischen Arch\u00e4olog*innen und Studierenden. Auch gef\u00e4llt mir total gut zu beobachten, da ich schon so lange berufst\u00e4tig bin, wie das Leben f\u00fcr die\u00a0Studierenden\u00a0aussieht, die gerade erst beginnen. Es ist spannend, mitzubekommen, was j\u00fcngeren Leuten wichtig ist.<\/p>\n<p>Ich bin angestellt als Gastdozentin.<\/p>\n<p><strong>Wie oft unterrichtest du?<\/strong><\/p>\n<p>Ich unterrichte ein Modul, das 1.5 Monate lang ist, es ist recht intensiv. Wenn man es auf Anstellungsprozente ausrechnen w\u00fcrde, k\u00e4me man wahrscheinlich etwa auf 12\u00a0%.<\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss noch eine Frage: Was f\u00fcr einen Tipp w\u00fcrdest du angehenden Illustrator*innen wie mir mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, es hilft sehr, wenn man dran bleibt und sich wirklich M\u00fche gibt, einen guten Job zu machen.\u00a0Das h\u00f6rt sich jetzt sehr altbacken an. Aber ich glaube wirklich, dass es extrem viel wert ist, wenn man etwas Selbstsicherheit und Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten hat und f\u00fcr den Auftrag dann alles gibt.<\/p>\n<p>Was ich auch als Tipp geben kann, verkauft eure Arbeit nicht zu unter ihrem Wert. Ich verstehe das total, man ist jung und will an Auftr\u00e4ge herankommen, aber das kann sich in der Zukunft nachteilig auswirken. Weil sich die Lebensumst\u00e4nde \u00e4ndern k\u00f6nnen und es bei wiederkehrenden Auftr\u00e4gen schwierig wird, den Preis an die ge\u00e4nderten Umst\u00e4nde anzupassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Vielen Dank f\u00fcr die Einblicke in dein Berufsleben und das tolle Gespr\u00e4ch!<br \/>\nDie Arbeiten von Eva Kl\u00e4ui findet man unter:<br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.evaklaeui.ch\">https:\/\/www.evaklaeui.ch<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. November machte ich mich am Nachmittag auf den Weg ins Atelier von Eva Kl\u00e4ui. Es ist ein gem\u00fctlicher Raum, versteckt hinter den Kulissen eines Ladens, welcher Handwerkskunst verkauft. Ich wurde herzlich willkommen geheissen und durfte einen Einblick in ihre Welt nehmen. 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