{"id":3517,"date":"2026-01-16T13:49:54","date_gmt":"2026-01-16T13:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=3517"},"modified":"2026-03-05T07:07:35","modified_gmt":"2026-03-05T07:07:35","slug":"3517","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2026\/01\/16\/3517\/","title":{"rendered":"Zwischen Handwerk und Wissensvermittlung \u2013 ein Gespr\u00e4ch mit Enrico Bachmann"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Interview treffe ich Enrico Bachmann an der ZHdK \u2013 dem Ort, an dem sein heutiger Weg begonnen hat. Seit 14 Jahren lebt er in Z\u00fcrich. Davor machte er eine Ausbildung am CSIA und arbeitete rund zehn Jahre als Goldschmied und Graveur. Schon zu Beginn unseres Gespr\u00e4chs wird klar, wie sehr ihn das Handwerk und das Gestalterische schon immer begleitet haben \u2013 auch wenn sein Weg alles andere als geradlinig war.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Vom Handwerk zur Frage nach Bedeutung<\/b><\/h3>\n<p>Er erz\u00e4hlt, dass ihm die Arbeit als Goldschmied gefallen hat, vor allem wegen der handwerklichen und kreativen Dimension. Mit der Zeit f\u00fchlte er sich jedoch zunehmend unwohl mit der starken Fokussierung auf materielle Werte und der Oberfl\u00e4chlichkeit die sie mit sich bringen. Das Studium wurde so zu einer Gelegenheit, eine neue Richtung einzuschlagen und nach einer bedeutungsvolleren Dimension zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_3519\" aria-describedby=\"caption-attachment-3519\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3519\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-03.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3519\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1 Illustrationen f\u00fcr die Zeitung WOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Zeichnen fiel ihm eigentlich immer leicht. Er hatte schon immer ein starkes Interesse an Grafik und stiess passenderweise auf das Studium der wissenschaftlichen Illustration: ein Bereich, der visuelles Design und Wissensvermittlung verbindet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>\u201eSelbst das scheinbar Einfache kann wissenschaftlich relevant sein\u201c<\/i><\/p>\n<p>Genau dieser Aspekt hat ihn am meisten beeindruckt: die M\u00f6glichkeit, komplexe Inhalte zug\u00e4nglich zu machen und zu zeigen, dass auch scheinbar einfache Themen eine gro\u00dfe wissenschaftliche Tiefe haben k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Durchs Machen zur Wissensvermittlung<\/b><\/h3>\n<p>R\u00fcckblickend bereut er es nicht schon fr\u00fcher studiert zu haben und sagt, dass er vor zehn Jahren noch nicht bereit gewesen w\u00e4re. Der Weg hat sich n\u00e4mlich mit der Zeit entwickelt, indem er durchs Machen verstand was er wirklich tun wollte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3521\" aria-describedby=\"caption-attachment-3521\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3521\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-768x543.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-09-2048x1448.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3521\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2 \u00a0Animation f\u00fcr Electa, Swiss Design Award<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Projekte mit Wirkung<\/b><\/h3>\n<p>Als ich ihn auf seine Projekte anspreche, erz\u00e4hlt er mir, das ihn seine Diplomarbeit von 2024 \u00fcber l\u00e4ngere Zeit begleitet hat. Dank dem F\u00f6rderpreises Design konnte er sie nach seinem Abschluss unabh\u00e4ngig finanzieren und genau so entwickeln, wie er es sich vorgestellt hatte. Im Juni 2025 hat er seine Diplomarbeit zum zweiten Mal fertiggestellt. Obwohl er immer noch nicht zu hundert Prozent zufrieden damit war, beschloss er sie nun so zu belassen, da er sonst nie ein Ende finden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit wurde die Arbeit in verschiedenen internationalen Kontexten ausgestellt, darunter in Deutschland, Italien, Spanien und London. Im Mittelpunkt steht ein sehr aktuelles und sensibles Thema: Migration.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>\u201eEin Projekt \u00f6ffnet einem viele T\u00fcren, verschlie\u00dft einem aber ebenso viele.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt mir, wie dieses Thema oft auf ein Problem reduziert wird, wobei die Geschichten und Menschen dahinter aus den Augen verloren werden. Auch aus diesem Grund waren die Reaktionen auf das Projekt sehr unterschiedlich: von Kritik bis hin zu \u00e4u\u00dferst positiven R\u00fcckmeldungen, wie sie w\u00e4hrend einer Ausstellung in Venedig im Rahmen eines Festivals zum Thema Menschenrechte zu h\u00f6ren waren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3523\" aria-describedby=\"caption-attachment-3523\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3523\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-04-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-04-210x300.jpg 210w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-04-717x1024.jpg 717w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-04-768x1097.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/01\/PHOTO-2026-01-16-12-58-04.jpg 896w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3523\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3 Kurzfilm-Plakat &#8222;Proceed to Rescue&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Zwischen Praxis, Stil und Zukunft<\/b><\/h3>\n<p>Seit etwa einem Jahr arbeitet er als Freelancer. Viele Auftr\u00e4ge sind aus fr\u00fcheren Praktika entstanden,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>zum Beispiel im Tierspital Z\u00fcrich oder aus Projekten, die er in Rom realisiert hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Er spricht sehr offen \u00fcber die Schwierigkeiten, die mit dem Start in die Selbstst\u00e4ndigkeit verbunden sind: Am Anfang muss man sich zeigen, Beziehungen aufbauen und oft mehr Zeit und Energie investieren, als man tats\u00e4chlich bezahlt bekommt. Gleichzeitig hat ihm seine Erfahrung als Goldschmied sehr geholfen, vor allem dabei, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und mit Druck umzugehen.<\/p>\n<p>Parallel dazu arbeitet er weiterhin in Teilzeit als Goldschmied, eine Entscheidung, die ihm eine gewisse wirtschaftliche Stabilit\u00e4t garantiert und es ihm erm\u00f6glicht, eine starke Verbindung zu seiner analogen Arbeit aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Gegen Ende unseres Gespr\u00e4chs betont er, wie wichtig es ist, Kontakte zu pflegen, auch au\u00dferhalb des eigenen beruflichen Umfeldes. Interdisziplin\u00e4re Kooperationen machen oft den Unterschied. F\u00fcr sein Diplomprojekt arbeitete er beispielsweise mit einem Freund zusammen, der sich um das Sounddesign k\u00fcmmerte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als ich ihn zum Schluss um einen Rat bitte, sagt er:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>\u201eWeitermachen, sich engagieren, sich zeigen und bereit sein, Zeit und Arbeit zu investieren.\u201c<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielen Dank, lieber Enrico, f\u00fcr das offene und inspirierende Gespr\u00e4ch, deine Zeit und deine gro\u00dfe Freundlichkeit.<\/p>\n<p>Hier geht es zu Enrico`s Website: <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <a href=\"https:\/\/enricobachmann.ch\/\">https:\/\/enricobachmann.ch\/ \u00a0<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Interview treffe ich Enrico Bachmann an der ZHdK \u2013 dem Ort, an dem sein heutiger Weg begonnen hat. Seit 14 Jahren lebt er in Z\u00fcrich. Davor machte er eine Ausbildung am CSIA und arbeitete rund zehn Jahre als Goldschmied und Graveur. Schon zu Beginn unseres Gespr\u00e4chs wird klar, wie sehr ihn das Handwerk &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":6925,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3517"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3611,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3517\/revisions\/3611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}