{"id":3561,"date":"2025-12-27T21:00:53","date_gmt":"2025-12-27T21:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=3561"},"modified":"2026-02-26T08:58:56","modified_gmt":"2026-02-26T08:58:56","slug":"von-comics-und-einzellern-ein-interview-mit-michael-gruber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2025\/12\/27\/von-comics-und-einzellern-ein-interview-mit-michael-gruber\/","title":{"rendered":"Von Comics und Einzellern \u2013 ein Interview mit Michael Gruber"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr Michael begann alles mit Comics. Sein gesamtes Taschengeld gab er als Kind daf\u00fcr aus. Er studierte unterschiedliche Stile, versuchte diese nachzuzeichnen und sah sich Tutorials dazu an. Auch heute besch\u00e4ftigt er sich viel mit diesem Zeichenstil, doch sein Weg f\u00fchrte ihn zun\u00e4chst in den naturwissenschaftlichen Bereich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Im \u00d6kologiestudium an der Universit\u00e4t Wien besuchte er einen freiwilligen Kurs \u00fcber wissenschaftliche Illustration und kam so zum ersten Mal mit diesem Fachbereich in Ber\u00fchrung. F\u00fcr ihn war der Illustrationskurs die ideale Verbindung zwei seiner Interessensbereiche: Dem Zeichnen und der Wissenschaft. Die Arbeit machte ihm Spass, ihm gefiel das Zeichnen der Pr\u00e4parate in Museen und in der Natur, er sah seine zuk\u00fcnftige Karriere jedoch noch in der Forschung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Nach seinem Diplomabschluss in Wien kehrte er nach Salzburg zur\u00fcck und arbeitet dort an der Uni als technischer Assistent im Bereich Taxonomie und Systematik von Einzellern (Artbestimmungen). Er illustrierte <span style=\"font-weight: 400\">\u00fcber hundert zum Teil neue Einzeller-Arten <\/span>und bekam von seinem Vorgesetzten die M\u00f6glichkeit, sich in einem einw\u00f6chigen Postgraduate-Kurs in Spanien zum Thema Scientific Illustration weiterzubilden. Diese Woche reichte aus, um sein Berufsbild zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3563\" aria-describedby=\"caption-attachment-3563\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3563 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Okapi-1024x743.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"697\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Okapi-1024x743.png 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Okapi-300x218.png 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Okapi-768x557.png 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Okapi.png 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3563\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Okapi Sch\u00e4del<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"font-weight: 400;text-align: center\"><strong>Vom Forscher zum Illustrator<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\">2015 gr\u00fcndete er also seine Firma; Hieronymus Illustrations. Die Arbeit erwies sich als schwieriger als zun\u00e4chst angenommen. Viele Auftraggeber untersch\u00e4tzen die Arbeit, die hinter Illustrationen steckt. Er erlebt es h\u00e4ufig, dass potenzielle Kunden f\u00fcr ein geringes Budget ein aufwendiges Ergebnis erwarten oder auch hoffen, dieses kostenlos zu erhalten, da sie Illustrationen lediglich als nette Erg\u00e4nzung betrachten, die ebenso durch einen Text ersetzt werden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Sein Biologiestudium hilft ihm bei seiner Arbeit massgeblich. Als Illustrator\/-in muss man das, was man zeichnet, auch verstehen. Das kann durch Referenzmaterial oder, wie bei Michael, durch Fachwissen geschehen. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Studium denn notwendig ist. Michael\u00a0ist der Meinung, dass es zwar nicht schaden k\u00f6nne, jedoch keinesfalls zwingend erforderlich ist, solange man\u00a0weiss, wie man an relevante Informationen gelangt und diese auch entsprechend umsetzen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3571\" aria-describedby=\"caption-attachment-3571\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3571 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/image-1024x743.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"697\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/image-1024x743.png 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/image-300x218.png 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/image-768x557.png 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/image.png 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3571\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Ciliaten. Tusche; nach Vorlage und Pr\u00e4paration von Prof. Foissner<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Sein Studium unterst\u00fctzte ihn nat\u00fcrlich auch beim Aufbau eines Netzwerks, durch das er sich bereits einen Namen machen konnte. Dazu erg\u00e4nzt er, dass er die Kommunikation f\u00fcr eine der wichtigsten F\u00e4higkeiten im Berufsleben als Illustrator\/-in h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Er selbst erh\u00e4lt seine Auftr\u00e4ge zur einen H\u00e4lfte \u00fcber seine Website, zur anderen durch aktives Zugehen auf potenzielle Kund\/innen, indem er diese direkt anschreibt und seine F\u00e4higkeiten anbietet. Durch gut gepflegte Kontakte und sorgf\u00e4ltige Arbeit ist es zudem gut m\u00f6glich, dass Kunden regelm\u00e4ssig wiederkommen, was ihm wiederum eine gewisse finanzielle Sicherheit bietet. Ausschreibungen f\u00fcr wissenschaftliche Illustrator\/innen in Forschungseinrichtungen werden zudem h\u00e4ufig informell vergeben, weshalb auch hier die Kontaktpflege von Bedeutung sein kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"font-weight: 400;text-align: center\"><strong>Netzwerke, Kommunikation und Selbstst\u00e4ndigkeit<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Hauptberuflich arbeitet er als Projektmanager im Bereich Life Sciences bei der Innovation Salzburg GmbH. Auf die Frage, ob er gerne nur freiberuflich arbeiten w\u00fcrde, meint er, dass er die Kombination beider Anstellungsformen sehr sch\u00e4tze. Die Festanstellung biete ihm finanzielle Sicherheit und Struktur, w\u00e4hrend ihm seine selbstst\u00e4ndige Arbeit erm\u00f6glicht sich freier zu bewegen und auch eigenen Projekten zu widmen. Auch wenn er es teilweise als schwierig empfindet, neben einer kreativen beruflichen T\u00e4tigkeit zus\u00e4tzlich Energie f\u00fcr eigene kreative Projekte aufzuwenden, arbeitet er derzeit an einer Graphic Novel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese kleinen Nebenprojekte dienen nicht nur der Freizeitgestaltung, sie k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch an potenzielle Kunden herangetragen oder vermarktet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: center\">\u00abEs ist ja keine schwere Arbeit, wenn es Spass macht\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr ihn ist es ausserdem wichtig, sich kontinuierlich weiterzubilden und seine F\u00e4higkeiten zu entwickeln. So eignet er sich neue Techniken an, wie etwa den Umgang mit dem 3D-Programm Blender. F\u00fcr seine Doktorarbeit entwickelte er damit ein 3D-Modell des Oralapparates eines Einzellers, seines wissenschaftlichen Fachgebiets.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Er h\u00e4lt es f\u00fcr sinnvoll, sich nicht auf eine einzige gestalterische Richtung zu fokussieren, sondern das eigene T\u00e4tigkeitsfeld offen zu halten. Es lohne sich, seine Energie in neue Bereiche investieren, um so seine Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zu erweitern. Dabei ist es wichtig, sich selbst und seiner gestalterischen Linie treu zu bleiben, gleichzeitig jedoch offen f\u00fcr neue Ausdrucksformen zu sein, um Kunden ein m\u00f6glichst breites\u00a0Spektrum\u00a0anbieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"font-weight: 400;text-align: center\"><strong>\u00dcbung macht den Meister<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Antwort auf die Frage, was er angehenden Illustrierenden mit auf den Weg geben w\u00fcrde, war simpel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: center\">\u00abEs geht nichts \u00fcber \u00dcben\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Auch wenn es nur zehn Minuten am Tag sind, es lohnt sich dabei zu bleiben. Es muss nichts Grossartiges entstehen, bereits durch einfaches Scribbeln k\u00f6nnen schon Ideen zustande kommen, die man auch weiterentwickeln k\u00f6nnte. Auf diese Weise kam ihm auch die Idee f\u00fcr sein Graphic Novel Projekt. Die stetige Entwicklung und Pflege der eigenen Leidenschaft ist das beste und einfachste Mittel, seine F\u00e4higkeiten zu verbessern und sich langfristig als Illustrator\/-in weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_3567\" aria-describedby=\"caption-attachment-3567\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3567 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"679\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-768x543.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2026\/02\/Walking-Duck-2048x1448.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3567\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Zeichenwettbewerb ComicCon 2017 \u201eThe Walking Duck\u201c<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Interview mit Michael empfand ich als \u00e4usserst aufschlussreich. Es war interessant, jemandem aus dem Berufsfeld Fragen stellen zu k\u00f6nnen, der eigentlich aus einem ganz anderen Naturwissenschaftlichen Bereich kommt und sich die illustrativen F\u00e4higkeiten zum grossen Teil selbst beibrachte. Ich danke vielmals f\u00fcr das herzliche Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Weitere Arbeiten von Michael und Kontaktdaten findet man hier auf seiner Website: <\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hieronymus-illustrations.com\/de\/\">https:\/\/hieronymus-illustrations.com\/de\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Michael begann alles mit Comics. Sein gesamtes Taschengeld gab er als Kind daf\u00fcr aus. Er studierte unterschiedliche Stile, versuchte diese nachzuzeichnen und sah sich Tutorials dazu an. Auch heute besch\u00e4ftigt er sich viel mit diesem Zeichenstil, doch sein Weg f\u00fchrte ihn zun\u00e4chst in den naturwissenschaftlichen Bereich. 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