{"id":447,"date":"2018-01-21T09:44:28","date_gmt":"2018-01-21T09:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/?p=447"},"modified":"2018-01-28T17:25:54","modified_gmt":"2018-01-28T17:25:54","slug":"interview-mit-marina-braem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/2018\/01\/21\/interview-mit-marina-braem\/","title":{"rendered":"Interview mit Marina Br\u00e4m"},"content":{"rendered":"<p><b>Marina Br\u00e4m, geboren 1980,<\/b><strong>\u00a0Ressortleiterin Infografik bei der Mediengruppe Tamedia und arbeitet f\u00fcr Titel, wie der Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung, Der Bund, BernerZeitung, u.s.w.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-463\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_DunkleMaterie_Wissen_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_DunkleMaterie_Wissen_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_DunkleMaterie_Wissen_Tages-Anzeiger-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_DunkleMaterie_Wissen_Tages-Anzeiger-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_DunkleMaterie_Wissen_Tages-Anzeiger.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/b><\/p>\n<p><b>Wie kamst du zur Infografik?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>\u00dcber viele Umwege. Fr\u00fcher wollte ich klassisch die Kunstgewerbeschule besuchen, doch zu dieser Zeit befand sich die Ausbildung im Umbruch und so absolvierte ich als Erstes den gestalterischen Vorkurs. Danach vier Jahre lang die Grafikfachklasse in Biel, wo ich eine vielseitige gestalterische Ausbildung mit auf den Weg bekam. Wir arbeiteten grafisch, fotografisch, konzeptionell, illustrierten sowohl fiktiv wie auch wissenschaftlich und erwarben uns sogar gewisse Kompetenzen in Infografik. Damals war mir aber noch nicht klar, dass es die Infografik als eigene Profession gab, zumal sich auch diese in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. W\u00e4hrend der 4-j\u00e4hrigen Grafikfachklasse wurde mir bewusst, dass ich m\u00f6glichst schnell in die Berufswelt einsteigen m\u00f6chte. Nach meiner Ausbildung zur Grafikerin arbeitete ich zuerst Vollzeit zwei Jahre lang f\u00fcr eine Werbeagentur. Dort lag der Schwerpunkt vorallem beim Corporate Design (Unternehmens-Erscheinungsbild), was mein vernetztes Denken gef\u00f6rdert hat. Doch das faktische Arbeiten fehlte mir in dieser Werbewelt. So reifte die Idee in mir das Grafikdesign mit dem Faktischen zu kombinieren und ich entschied mich f\u00fcr meine Zweitausbildung im Bachelorstudiengang \u201eScientific Visualization\u201c der ZHdK. Mein Ziel war es, Grafik und Visualiasierung zu verkn\u00fcpfen. Trotzdem arbeitete ich nach der Zweitausbildung weiter in Werbeagenturen, weil ich noch nicht genau sah, in welche Richtung mein Weg gehen sollte. Nach einem weiteren Jahr ging ich wieder zur\u00fcck an die ZHdK und absolvierte das Masterstudium in Erkenntnis\u2009-Visualisierung. W\u00e4hrend dieser Zeit machte mich jemand darauf aufmerksam, dass meine Arbeitsweise in der Medienwelt gesucht sei. So wechselte ich zum \u201eBeobachter\u201c und \u201eBeobacher Natur\u201c und von der Arbeit war ich dort von Beginn an gefesselt und begeistert und konnte viele grosse Arbeiten realisieren. Zwei Jahre sp\u00e4ter erhielt ich die Anfrage der \u201eNZZ am Sonntag\u201c, um die Disziplin grosser Inforgrafiken in der Redaktion aufzubauen und zu etablieren. Durch meine Publikationen bekam ich zudem immer mehr Anfragen f\u00fcr private Auftr\u00e4ge und die ZHdK bot mir zeitgleich auch noch eine Unterrichtsassistenz an. Im Nu war ich fasziniert von allen Seiten auf drei Schienen unterwegs. Nach drei Jahren musste ich dann die Unterrichtsassistenz einstellen, da die privaten Auftr\u00e4ge stetig zunahmen. Drei Jahre sp\u00e4ter erhielt ich dann das Angebot von Tamedia und ich musste die Kundenauftr\u00e4ge daf\u00fcr einstellen. Meine bisherige Laufbahn war nicht geplant oder voraussehbar. Richtungsweisend war nur mein grosses Interesse an der faktischen und kreativen Arbeit und der Verbindung zwischen Reduktion und Ausf\u00fchrlichem, hin zu einer eigenst\u00e4ndigen Vermittlungssprache.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<p><b>Was z\u00e4hlt zu deinen Aufgaben als Leiterin eines Infografikteams\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Vernetztes Denken und die \u00dcberlegung, wie man etwas erz\u00e4hlen k\u00f6nnte in unterschiedlichen Kan\u00e4len und in unterschiedlichen Komplexit\u00e4tsstufen und mit spezifischen Qualit\u00e4ten. Enthusiasmus und Beweglichkeit sind meine Basis, um die richtigen Leute an Bord holen um an befruchtende Schnittstellen zu gelangen und Ideen voranzutreiben. Meine Aufgabe ist es, stets im Austausch zu sein, Positionen zu wechseln, die F\u00fchler auszustrecken und herauszufinden, wie wir spezifische Themen aufgleisen k\u00f6nnen und gleichzeitig das Ziel visionieren: inhaltlich, planerisch, strategisch, visuell. Die Gestaltungssprache sollte sich von der Konkurrenz abheben und eine eigene Linie pr\u00e4gen. Zum Beispiel wurden unsere Infografiken w\u00e4hrend meiner Anstellung grafischer und popul\u00e4rer. Aber auch die Position unserer Arbeit innerhalb der Redaktion und innerhalb der Schweizer Medienwelt gilt es immer wieder zu verorten und zu positionieren. Neben den einzelnen Arbeiten und den vielen Sitzungen ist es wichtig, mit meinem Team in einer guten Verdindung zu stehen, die eigenen Leute gut zu sp\u00fcren, sie am richtigen Ort abzuholen, die St\u00e4rken der einzelnen Personen miteinander zu verbinden und zu f\u00f6rdern. Auch das Planen von grossen Projekten neben dem Tagesgesch\u00e4ft erfordert Ausdauer und Beharrlichkeit und trotzdem ist man stets im Fluss und muss offen sein f\u00fcr die vielen Zuf\u00e4lle der redaktionellen Arbeit und deren Kompromisse. Es ist ein Wechselspiel zwischen Marathon und Tanz. Es braucht Variation, aber auch eine gute Kondition und eine klare Linie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Arbeitest du alleine an einer Infografik oder entsteht die Gestaltung eher im Team ?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Das ist unterschiedlich. Es gibt Arbeiten, die jeder im Team alleine von A bis Z durchf\u00fchrt und es gibt Arbeiten, die alleine zeitlich nicht umsetzbar w\u00e4ren, aufgrund der Teilzeitarbeiten oder der Gr\u00f6sse und Komplexit\u00e4t eines Projekts. Bei mir kommt es vor, dass ich ein Projekt aufgleise, vorskizziere und dann eine andere Person oder mehrere Personen realisieren f\u00fcr den Print und das Online. Dies geschieht vor allem bei grossen Themen, wie z.B. \u201eParadise Papers\u201c, wo man eine gewisse Linie im Kopf hat, wie die Print- mit der Onlineversion verbunden werden kann bez\u00fcglich dem Zusammenspiel der Farbigkeit, Abstraktionsgrad und visueller Sprache. Dadurch entsteht eine Art Duktus, den das Team aufnimmt und gemeinsam vorantreibt. Eine anf\u00e4ngliche Idee entwickelt sich, wird vertieft und ausgestaltet und man begleitet sie auf verschiedenen Ebenen. Dieser Prozess ist extrem faszinierend. Man sieht, wie die Arbeit ihre Gestalt annimmt, sich verflechtet, pers\u00f6nliche St\u00e4rken eines tollen Teams sich vereinen und \u00fcber jeden einzelnen von uns herausw\u00e4chst. Das ist ein grosser Motor des Teamworks, welchen ich bis vor dieser Leitungs-T\u00e4tigkeit nie so erleben durfte. Dies l\u00e4sst mich immer wieder staunen dar\u00fcber, wie wichtig der Austausch ist, das Loslassen und das gegenseitige Vertrauen. Aber auch die Zur\u00fcckbesinnung und das Fokussieren der anf\u00e4nglichen Ziele ist sehr wichtig und die konstruktive Leitung im gesamten Zusammenspiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Was sch\u00e4tzst du am meisten an deiner Arbeit und was machst du weniger gerne ?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Hmmm, eigentlich mache ich alles gerne. Mit dem Team zusammenarbeiten, sich weiterentwickeln und nat\u00fcrlich die Arbeit an sich. Auch die Redaktionsschaffenden sind unglaublich bereichernd und bescheren mir ein vielseitiges und lebhaftes Umfeld. Ich f\u00fchle mich in diesem Umfeld sehr wohl, weil es sehr locker und doch auch sehr ambitioniert ist. Durch die Gr\u00f6sse der Redaktion, gibt es sehr viele Schnittstellen und Abl\u00e4ufe. Man muss immer viele Facetten der Arbeit im Fokus haben und informiert sein. Das Orchestrieren funktioniert nicht immer reibungslos, was oftmals auch sehr anstrengend ist. Aber in dieser Hinsicht hat sich schon sehr viel verbessert, verglichen zu meinen Anf\u00e4ngen hier und baut auf. Man muss resistent sein, vorallem stressresistent im hektischen Alltag und Freude haben an diesem spontanen, zum Teil improvisiertem Arbeiten haben. Auch den Drang versp\u00fcren, konstruktiv den Sachen nachzugehen, die Geduld zu bewahren und trotzdem sehr hartn\u00e4ckig zu sein, ist wichtig. Ich habe innert kurzer Zeit extrem viel dazu gelernt und viel Wertsch\u00e4tzung erfahren. Das bedeutet mir sehr viel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Skizzierst du analog oder digital ? Mit welchem Programm arbeitest du\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Ich mache das meiste im Programm Illustrator, was aber v\u00f6llig freigestellt ist. W\u00e4hrend den Besprechungen entstehen zum Teil schnelle Skizzen oder\u00a0 Dummies, die in der Gruppe diskutiert werden und helfen, sehr konkret zu arbeiten. Wichtig ist stets, eine pragmatische und flinke Vorgehensweise zu finden \u2013 egal wie. Bez\u00fcglich Programmen habe ich letzten Sommer im Rahmen meiner Anstellung eine Weiterbildung an der Columbia University in NYC absolviert, wo ich Basis-Skills in der Programmierung erlernte und mich stark mit Datenjournalismus besch\u00e4ftigen durfte. Das beinhaltete die Datenanalyse und damit auch die Entwicklung neuer Ans\u00e4tze f\u00fcr das Visuelle Storytelling. Spannend waren die Einblicke bei den Graphic Designern der New York Times, welche auf unglaublich hohem Niveau die Arbeiten sehr konvergent entwickeln \u2013 analog wie digital. Diese dosieren ihr K\u00f6nnen sehr virtuos und subtil. Das hat Stil und Eleganz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Welche F\u00e4higkeiten, die du heute brauchst, konntest du aus dem Studium mitnehmen\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Das, was jetzt an n\u00f6tigen F\u00e4higkeiten zusammen kommt, sind Bausteine aus verschiedenen Gebieten. Im Studium \u201eScientific Visualization\u201c hat mich die Zusammenarbeit mit den Spezialisten sehr bereichert, vor allem das Befragen und sich dabei Klarheit \u00fcber ein Thema verschaffen. Das ist auch in der Infografik elementar: Nachhaken, bis man den Inhalt erfasst hat und der Sache auf den Grund gehen kann. Ich habe im Studium gelernt, Ber\u00fchrungs\u00e4ngste vor komplexen Sachverhalten zu verlieren.<\/p>\n<p>Es gibt wenige Grafiker, welche diese inhaltliche und handwerkliche Form der Knochenarbeit kontinuierlich und hartn\u00e4ckig leisten und widerum wenige wissenschaftliche Illustratoren, die das grosse Ganze der visuellen Kommunikation erfassen. Vom Faktischen her muss ich mir stets im Klaren sein, wo die Kernbotschaft der Aussage liegt, nur so kann ich zu einer pr\u00e4zisen Form gelangen. Das ist f\u00fcr mich heute nach wie vor der springende Punkt \u2013 sowohl im Berufsalltag, wie auch in der Wissenschaftlichen Visualisierung. Im Studium habe ich aber auch stark von der F\u00f6rderung meiner eigenen Vermittlungssprache profitiert. Meine Gestaltungs-Ans\u00e4tze fanden Anklang, was mir Mut machte auf meinem Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>K\u00f6nnt ihr die Themen der Infografiken selber w\u00e4hlen\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Die Themen sind stark von der latenten Berichterstattung abh\u00e4ngig. Im Moment dominiert beispielsweise das Thema \u201eNo Billag\u201c. Wir \u00fcberlegen, wie man die Thematik angehen kann und unterschiedliche Blickwinkel vereint, so dass der Leser einen neuen Erkenntnisgewinn generieren kann. Dieser Aspekt ist sehr wichtig. Die Themen sollten stets einen aktuellen Bezug haben und trotzdem hintergr\u00fcndige Qualit\u00e4ten hervorbringen. Es ist wichtig, Freude und Interesse an einem grossen Spektrum von Themen zu haben, und diese erfrischend zu verkn\u00fcpfen. Wir arbeiten f\u00fcr alle Ressorts \u2013 ob Sport, Ausland, Inland, Wissen oder Wirtschaft \u2013 \u00fcberall sind Themen verborgen, die durch Kontrast und Kreativit\u00e4t in ihrer verschlossenen Grundstruktur aufgebrochen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Du hast ja auch selbstst\u00e4ndig gearbeitet. Wie hast du diese Zeit erlebt\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Das war eine tolle Zeit und ich k\u00f6nnte mir sie je nach Situation auch wieder als Option vorstellen. Die Selbstst\u00e4ndigkeit aufzugeben war auch mit Wehmut verbunden, da ich sich gute Kundenkontakte entwickelt hatten und meine Handschrift etabliert war. Es war nicht einfach, diese Vertrauensbasis aufzul\u00f6sen und spannende Jobs im Netzwerk weiter zu vergeben. Dennoch war es f\u00fcr mich die richtige Entscheidung, zugunsten der neuen Herausforderung. In die Selbstst\u00e4ndigkeit zur\u00fcckzukehren \u2013 mit einem gr\u00f6sseren Netzwerk und mit einer viel breiteren Erfahrung \u2013 bleibt mir als Option erhalten. Als ich 50% selbstst\u00e4ndig arbeitete, konnte ich die ganz grossen Auftr\u00e4ge nicht annehmen aufgrund des begrenzten Zeithorizonts und gleichzeitig hatte ich durch die 50%-Anstellung auch viel Koordinationsaufwand mit meinen selbstst\u00e4ndigen Terminen und deren Planung. Somit stand \u00fcber kurz oder lang ein Entscheid an, um mich f\u00fcr die eine oder andere Richtung zu entscheiden. Durch die Anfrage von Tamedia stellte sich f\u00fcr mich dann somit eine erwartete Weiche. In der heutigen Leitungsposition stehe ich am Puls der Aktualit\u00e4t und mit beiden F\u00fcssen in einem grossen Umbruch des Journalismus. Ich darf Verantwortung \u00fcbernehmen und das ist ein Privileg. Die Selbstvermarktung steht nicht mehr an erster Stelle, man k\u00e4mpft f\u00fcr einen kollektiven Grundgedanken und den Anspruch einer gehaltvollen Informationsaufbereitung. Man stellt sich bewusst in den Dienst der Werterhaltung. Durch die T\u00e4tigkeit in einem grossen Konzern ist man eher nach innen gekehrt, optimiert die internen Vorg\u00e4nge, anstelle der pers\u00f6nlichen Repr\u00e4sentation. Doch beide Seiten sind enorm wichtig und da unsere Branche in einem grossen Wandel ist, gilt es beide Facetten im Bewusstsein zu verankern und wachsam zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Wie bist du an Auftr\u00e4ge gekommen, als du selbstst\u00e4ndig warst\u2009?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Eine stets aktualisierte Webseite war damals meine Basis und die pers\u00f6nliche konstante Handschrift. Nur wer laufend gute Referenzen zeigt, signalisiert Best\u00e4ndigkeit und Professionalit\u00e4t. Durch die Publikationen im Beobachter, sp\u00e4ter bei der NZZ am Sonntag, wurden Personen auf mich aufmerksam. In den Anfangszeiten war es ern\u00fcchternd zu realisieren, wie wenig Ahnung gewisse Kunden vom enormen zeitlichen Aufwand einer Infografik hatten. Doch f\u00fcr meine Glaubw\u00fcrdigkeit und dem Aufbau einer eigenen Lobby war es essentiell, sich seiner Sache im Klaren zu sein und Haltung zu bewahren. Es war wichtig Auftr\u00e4ge abzuweisen oder hin und wieder zu akzeptieren, dass sich Kunden aufgrund der Offerte abwendeten.\u00a0 Das formt im Endeffekt die Eigenst\u00e4ndigkeit und ist langfristig effektiver.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Du hast auch noch als Unterrichtsassistentin an der ZHdK gearbeitet. Wie hast du diese Zeit erlebt\u2009?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Die ZHdK suchte gezielt Studienabg\u00e4nger, welche den Bachelor- und das Masterstudium absolviert hatten. Ich arbeitete nach meinem Abschluss in einer 20%-Anstellung als Unterrichtsassistentin im Masterstudiengang \u201eErkenntnis-Visualisierung\u201c. In dieser T\u00e4tigkeit war ich f\u00fcr die Koordination verantwortlich zwischen Studierenden und Dozierenden und direkte Ansprechperson f\u00fcr die Studierenden und deren Fragen zu den Masterprojekten. Es war auch wichtig vernetzende und prasixbezogene Inputs einzubringen, mitzuhelfen den jungen Studiengang zu etablieren. Sp\u00e4ter kamen auch Projektmentorate hinzu. Der Austausch mit den anderen Masterassistenzen zu anderen Studienvertiefungen war sehr bereichernd. R\u00fcckblickend war auch dies eine wichtige Schulung f\u00fcr meine Zukunft. Nach der Beendigung meiner Assistenz, unterrichtete ich in einem spezifischen Modul zum Thema Infografik. An den Schulen f\u00fcr Gestaltung in St. Gallen und Bern habe ich noch heute einen kleinen Lehrauftrag im Fach \u201eVisual Storytelling\u201c und musste umf\u00e4nglichere Anfragen aufgrund der starken beruflichen Auslastung abweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Hattest du schon w\u00e4hrend dem Studium Auftr\u00e4ge ?\u00a0 Findest du das wichtig ?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Dadurch, dass ich zuvor in der Grafik arbeitete, hatte ich dazu die M\u00f6glichkeit. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, wo die Auftr\u00e4ge zu belastend wurden und die Auftragsarbeit zuviel Zeit beanspruchte. Aus diesem Grund suchte ich mir einen gew\u00f6hnlichen Studenten-Nebenjob. Hier verdiente ich zwar wenig, konnte mich jedoch zugunsten des Studiums klarer abgrenzen. Ich empfehle den Studierenden sich w\u00e4hrend des Studiums ernsthaft mit der Zukunftsvision auseinanderzusetzen, sich jedoch nicht voreilig in Auftr\u00e4ge zu verrennen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich noch zuwenig fokussiert und gewissermassen auch noch zu unreif war, um gezielte Kundenauftr\u00e4ge zu betreuen und ihnen standzuhalten. Es ist wertvoller, die Zeit w\u00e4hrend und direkt nach dem Studium f\u00fcr Praktikas zu nutzen, oder an Teilprojekten von Dozierenden mitzuwirken und von ihrem Support zu profitieren. Es ist wichtig, Optionen auf sich wirken zu lassen, bevor man sich entschlossen mit einer Handschrift positioniert. Manche Chancen kommen nur einmal und es ist schade, wenn man sie halbherzig verfolgt. Fehler und unprofessionelles Auftreten k\u00f6nnen kontraproduktiv sein. Das Studium ist eine einmalige Gelegenheit um zu experimentieren, zu variieren, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der eigenen Arbeit auszuloten und die Flugh\u00f6he zu finden, bevor man sich sp\u00e4ter in der Arbeitswelt mit Systematik, Kontinuit\u00e4t und Disziplin unter Beweis stellt. Im Studium geh\u00f6ren Fehler bewusst zum Lernprozess und haben ihren Platz \u2013 beim bezahlenden Kunden leider oftmals nicht. Diese Realit\u00e4t erfordert ein klares Commitment und Ernsthaftigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Was w\u00fcrdest du uns Studierenden als Tipp oder Ratschlag f\u00fcr den Einstieg in den Beruf geben\u2009?<\/b><\/p>\n<p>Wichtig finde ich es, sehr gute (digitale) Skills aufzubauen, offen zu denken, sich gut zu vernetzen, gute Referenzen und ein starkes Portfolio aufzubauen. Die Konkurrenz ist gross. Was z\u00e4hlt in meinen Augen, ist es zu verstehen, wie man seine grosse Leidenschaft mit einer unternehmerischen Idee, Originalit\u00e4t und Freude in Szene setzt. Wo gibt es Bedarf ? Mit welcher Spezialisierung hebe ich mich von der Masse ab? Wo liegen meine einschl\u00e4gigen St\u00e4rken? In welchen Gebieten kann ich mich auf Augenh\u00f6he zu einem wertvollen Gesch\u00e4ftspartner entwickeln? Eine hohe Professionialit\u00e4t und gute Kommunikationsf\u00e4higkeit finde ich pers\u00f6nlich die edelsten Kernst\u00fccke. Kombiniert mit einem guten Gesp\u00fcr f\u00fcr Kontakte, um ein vielseitiges Netzwerk aufzubauen, das einem tr\u00e4gt und wo sich T\u00fcren immer wieder \u00f6ffnen und spannende Personen auftauchen, welche als Schl\u00fcsselstellen agieren, ein gesunder Messgrad f\u00fcr die pers\u00f6nliche Laufbahnf\u00e4higkeit. Das meine ich nicht berechnend, sondernd als f\u00f6rdernde Strategie in einer komplexen Berufswelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Ich danke Marina Br\u00e4m ganz herzlich f\u00fcr dieses Interview und w\u00fcnsche Ihr weiterhin viel Erfolg.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.marinabraem.com\">http:\/\/www.marinabraem.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesanzeiger.ch\">https:\/\/interaktiv.tagesanzeiger.ch<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesanzeiger.ch\/2017\/genug-vom-mutterland\/?openincontroller\">https:\/\/interaktiv.tagesanzeiger.ch\/2017\/genug-vom-mutterland\/?openincontroller<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-475\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SkiWM_Sport_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SkiWM_Sport_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SkiWM_Sport_Tages-Anzeiger-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SkiWM_Sport_Tages-Anzeiger-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SkiWM_Sport_Tages-Anzeiger.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-471\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SezessionenEuropa_Ausland_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SezessionenEuropa_Ausland_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SezessionenEuropa_Ausland_Tages-Anzeiger-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SezessionenEuropa_Ausland_Tages-Anzeiger-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_SezessionenEuropa_Ausland_Tages-Anzeiger.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-467\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_Modemarken_NZZaS-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_Modemarken_NZZaS-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_Modemarken_NZZaS-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_Modemarken_NZZaS-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_Modemarken_NZZaS-1.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-465\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_L\u00e4uferFlieger_Sport_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_L\u00e4uferFlieger_Sport_Tages-Anzeiger-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_L\u00e4uferFlieger_Sport_Tages-Anzeiger-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_L\u00e4uferFlieger_Sport_Tages-Anzeiger-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/praxisjournal\/files\/2018\/01\/MBraem_L\u00e4uferFlieger_Sport_Tages-Anzeiger.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>\u00a0<\/b><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marina Br\u00e4m, geboren 1980,\u00a0Ressortleiterin Infografik bei der Mediengruppe Tamedia und arbeitet f\u00fcr Titel, wie der Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung, Der Bund, BernerZeitung, u.s.w. &nbsp; Wie kamst du zur Infografik?\u00a0 \u00dcber viele Umwege. 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