{"id":1439,"date":"2017-01-01T17:47:00","date_gmt":"2017-01-01T17:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/?page_id=1439"},"modified":"2018-03-30T09:16:37","modified_gmt":"2018-03-30T09:16:37","slug":"shape-future-education","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/shape-future-education\/","title":{"rendered":"Shape Future Education!"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte \u00fcber Reformen der k\u00fcnstlerisch-gestalterischen Ausbildung im Rahmen einer staatlichen Institution wie etwa einer Kunsthochschule, l\u00e4uft unter der dem Einfluss der Megatrends Globalisierung und Digitalisierung hitziger denn je. Nicht nur unser Lifestyle und der Markt, sondern auch die Ausbildung ist technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Trends unterworfen, die immensen Druck auf Ausbildungsziele, Formate und Methoden aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Betrachten wir den Zeitgeist so l\u00e4sst sich festhalten, dass wir uns in einer beschleunigungsgetriebenen Optimierungsgesellschaft bewegen. Effizienz, Automatisierung, Standardisierung, Transparenz sind dominante Triebfedern unserer Zeit. In unserer heutigen westlichen Gesellschaft sind Informationen zu einer st\u00e4ndig verf\u00fcgbaren Ressource geworden, die durch die fortschreitende Digitalisierung mehr und mehr demokratisiert wird. Open-Source-Wissen und Knowledge-Sharing bestimmen unser t\u00e4gliches Leben. Zudem erlauben uns verschiedene Technologien unabh\u00e4ngig von unserem mobilen nomadischen oder lokalen Lebensstil, dass wir jederzeit und allerorts individualisiertes Wissen konsumieren wie anbieten k\u00f6nnen. Parallel treten Spannungsfelder zwischen \u201eHigh Tech\u201c und \u201eHigh Touch\u201c in Erscheinung. Durch Technologisierung und Fragmentierung entsteht eine Entkopplung und eine Entfremdung von Herstellungswissen, was wiederum eine Sehnsucht nach Material und das Verlangen nach Greifbarkeit, Handwerk und Tradition initiiert. So entwickelt sich eine neue Kraft der DIY-\u00d6konomie und Makers Culture.<\/p>\n<p>\u201eMaking\u201c und \u201eDoing\u201c r\u00fccken bei den Studierenden der ZHdK aktuell wieder ins Zentrum. Sie fordern neben Kenntnissen \u00fcber VR-Technologien Retro-Wissen \u00fcber Analogfotografie ein. Gleichzeitig entwickeln wir uns weg von einer \u201eattention economy\u201c hin zur \u201eintention economy\u201c und die \u201eechte\u201c pers\u00f6nliche Erfahrung r\u00fcckt in den Fokus. Nicht nur passives Lesen und Zuh\u00f6ren, sondern das authentische Erleben und Mitmachen erscheinen zunehmend relevanter. Pers\u00f6nliche Relevanz und Erleben sowie nachhaltiger Nutzen werden zu wichtigen Filtermechanismen der Studierenden. Auch Partizipation wird nebst dem Wunsch nach Kollektivit\u00e4t und Kollaboration immer entscheidender und beeinflusst gestalterisches Handeln. Inter-, Trans,- und Multidisziplin\u00e4rit\u00e4t verkn\u00fcpfen sich mit einem massiven Streben nach Individualit\u00e4t und fordern unter dem Begriff \u201eNew Work\u201c neue Konzepte f\u00fcr flexible Arbeits- und Ausbildungsstrukturen ein. Aber der Megatrend Gesundheit ver\u00e4ndert die Anforderungen an eine Kunsthochschule. Unter den Begriffen Self-Care und Holistic Health entsteht ein ganzheitliches Verst\u00e4ndnis von K\u00f6rper und Geist, das sich im Verh\u00e4ltnis von Freizeit und Arbeit, Lernen und Leben widerspiegelt. Work-Life-Balance- wird von \u201e<em>Work<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Life<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Blending<\/em>\u201c abgel\u00f6st, das den flie\u00dfenden \u00dcbergang von Privatem und Beruflichen propagiert. Gleichzeitig stellen neue Werteorientierungen hin zur Dekommerzialisierung und Besitzverzicht, den bewussten Umgang mit Ressourcen und sozialer Verantwortung die Ausbildung im Design vor gro\u00dfe Herausforderungen.<\/p>\n<p>So ist es an der Zeit dar\u00fcber nachzudenken, welche Erneuerungsprozesse hier an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste notwendig sind, um Lehre im Design und Design als Disziplin zukunftsf\u00e4hig zu machen. Als Einstieg zur Reflexion dient das Black Mountain College, ein Ort, wo Experimentieren, kollektive Isolation, Feldarbeit und Selbstversorgung Teil der Lehre waren. Zeit, alternative Lehr- und Lernformaten wie Open School und University of the Underground Beachtung zu schenken, die neben staatlich anerkannten Ausbildungskonzepten aus dem Boden spriessen, wenn ein \u201eLack of value for majority buildings in western democracies\u201c (David Bossard) entsteht. Die Installation \u201eShape future education!\u201c bringt verschiedene Zukunftsvorstellungen und Prognosen unterschiedlicher Zukunftsdenker*innen zusammen, wobei davon ausgegangen wird, dass die Zukunft selbstverst\u00e4ndlich nicht direkt erlebt werden kann, sondern ein psychisch konstruierter Zustand ist (Philip Zimbardo). Es soll der Versuch unternommen werden, der ungeborenen Zukunft eine Stimme zu geben, der man kopfnickend oder kopfsch\u00fcttelnd gegen\u00fcberstehen kann, denn eines sollte beim Visionieren \u00fcber zuk\u00fcnftige Entwicklungen bewusst sein, dass <em>es sich nie<\/em> um exakte <em>Prognosen<\/em><em>, <\/em><em>sondern<\/em> lediglich um Perspektiven handelt, und dass Zukunft immer aus entwerfenden und unterwerfenden Vorstellungen und Ideen (von Borries) w\u00e4chst. Zukunftsvorstellungen zu entwickeln ist demnach Zukunftsgestaltung.<\/p>\n<p>Prof. Bitten Stetter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Die Debatte \u00fcber Reformen der k\u00fcnstlerisch-gestalterischen Ausbildung im Rahmen einer staatlichen Institution wie etwa einer Kunsthochschule, l\u00e4uft unter der dem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3702,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1439","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3702"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1439"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1659,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1439\/revisions\/1659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/revisit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}