{"id":1437,"date":"2010-10-27T10:16:27","date_gmt":"2010-10-27T10:16:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/sfex\/?p=1437"},"modified":"2019-05-15T12:12:27","modified_gmt":"2019-05-15T12:12:27","slug":"chicoree","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/sfex\/2010\/10\/27\/chicoree\/","title":{"rendered":"Chicor\u00e9e"},"content":{"rendered":"<h2><strong><strong><em>Chicor\u00e9e<\/em>, <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/sfex\/?p=1953\">Fredi Murer<\/a>, CH 1966, 16mm, bw\/color, sound, 27 Min.<\/strong><\/strong><\/h2>\n<h2>Versions<\/h2>\n<p><em>King Melchior<\/em> (Titel des Films bei der Ur-Auff\u00fchrung in St.Gallen, 1966)<\/p>\n<h2>Credits<\/h2>\n<h5>Production<\/h5>\n<h5>Cast<\/h5>\n<h5>Camera<\/h5>\n<h5>Music<\/h5>\n<h5>Other<\/h5>\n<h2>Synopsis<\/h2>\n<p>[up to 10 lines]<\/p>\n<h2>Distribution<\/h2>\n<h2>Screenings<\/h2>\n<p><strong>First screening:<\/strong><\/p>\n<p>Po\u00ebtenz-Soir\u00e9e St. Gallen, 7. Mai 1966 (als &#8220;<strong>King Melchior<\/strong>&#8220;, siehe Zeitungsartikel St.Galler Tagblatt (undatiert), In: Gwerder, Urban: <em>Im Zeichen des Magischen Affen)<\/em><\/p>\n<p><strong>Other screenings<br \/>\n<\/strong>Kurzfilmtage Oberhausen 1967<strong> <\/strong><\/p>\n<h2>Awards<\/h2>\n<p>Preis der Internationalen Jury, Kurzfilmtage Oberhausen 1967<\/p>\n<h2>Materials<\/h2>\n<p>Gwerder, Urban: <em>Im Zeichen des Magischen Affen<\/em>, Z\u00fcrich 1998<strong><strong>:<br \/>\n<\/strong><\/strong>&#8220;Fredi Murer spielte schon lange mit dem Gedanken, einen Film mit der langhaarigen nonkonformistischen Gwerder-Familie zu drehen. Wir hatten auch schon dar\u00fcber gesprochen. Also ging ich zu ihm mit meinen Ideen und fand, der Zeitpunkt w\u00e4re jetzt g\u00fcnstig daf\u00fcr, weil wir dann bald damit auftreten k\u00f6nnten. Via einen jungen Fan meiner Gedichte und Lebenshaltung lag auch schon ein Angebot von einem Kellertheater [St.Gallen? \u2013 vgl. Murer-Interview von Thomas in Cin\u00e9m\u00e9moire] vor&#8230; Fredi war spontan interessiert und rasch entschlossen. Bald tauchte er auf mit einer grundlegenden Konzeptidee und ein paar Ablauf-Notizen \u2013 die Dreharbeiten konnten beginnen. Weil das Datum f\u00fcr die erste <em>Po\u00ebtenz<\/em>-Show inzwischen gegeben war, hatten wir f\u00fcr alles nur einen knappen Monat Zeit (inklusive Entwickeln und Schneiden)! Es gibt allerlei Legenden zu unserem Film CHICOR\u00c9E, und sie sind mehr oder weniger unbeabsichtigt\/ungezielt zu solchen geworden. Meine klaren\/verkl\u00e4rten Erinnerungen dazu sollen deren Wert oder Unwert weder schm\u00e4lern noch steigern. <em>Chicor\u00e9e<\/em> ist eh eine lebende Leinwand-Legende und spricht von Generation zu Generation f\u00fcr sich selber. Produktionsgeld war keines vorhanden, d.h. Fredi konnte von seiner Qualit\u00e4tspr\u00e4mie, die er f\u00fcr <em>Pazifik \u2013 oder die Zufriedenen<\/em> erhalten hatte, etwa 4000.- abzweigen f\u00fcr Filmmaterial und Entwickeln. Alles andere mussten wir improvisieren, selber machen, einteilen. Jede Einstellung filmten wir nur einmal, und die meisten Einf\u00e4lle und kleineren Gags entstanden spontan w\u00e4hrend der Dreharbeit. Ich staune heute noch, wie wenig unverwendetes Filmmaterial nach dem End-Schnitt \u00fcbrigblieb: es handelte sich lediglich um ein paar Meter \u2013 und auch diese wurden nicht weggeworfen. Ich schnitt die Streifen in einzelne Bildchen auf, befestigte je eine Stecknadel daran, um sie bei den ersten Veranstaltungen als Souvenir-Ansteckf\u00e4hnchen mit den Tickets zu verteilen&#8230; Einen Verlust hatten wir aber trotzdem zu beklagen. Bei der Szene am Schluss, wo ich vom Himmel in den Dreck herunterfalle und mich im Lehm w\u00e4lze, w\u00e4re es ungeplant weitergegangen. Ich hatte mich immer dicker eingeschmiert und wankte zuletzt als stetig steifer werdender <em>Go-Lehm<\/em> aus dem Steinbruch, um endlich am Horizont ganz zu verschwinden. Fredi hatte begeistert weitergefilmt und mich noch angefeuert \u2013 um dann feststellen zu m\u00fcssen, dass die Spule in der Kamera schon vorher ausgelaufen war.<br \/>\nEinzelne Szenen waren recht abenteuerlich und erforderten ziemlich Mut und Konzentration. So z.B. da wo die ganze Stadt vor meiner Solo-Demo &#8220;Wollt ihr den totalen Urban?&#8221; zur\u00fcckweicht, mussten wir ja notgedrungen unbewilligt einen <em>offiziellen Ostermarsch<\/em> umfunktionieren. Nat\u00fcrlich waren wir fluchtbereit, und zum Gl\u00fcck kannte Fredi zuf\u00e4llig einen begleitenden Mofa-Polizisten, dem er schmackhaft machen konnte, dass er da eine Dokumentation filmen m\u00fcsse&#8230; Oder dort wo ich durch mein explodierendes Bild springe, um nachher am Himmel zu schweben: wir hatten nur <em>eine<\/em> so grosse Leinwand, auch keine Farben mehr, und nur <em>eine<\/em> Bombe. Freund Nold hatte sie einmal beim Milit\u00e4r mitlaufen lassen, und keiner von uns hatte eine Ahnung ob \u00dcbungsgranate, Rauchbombe oder was. Also setzten wir alles auf eine Karte: auf Abz\u00e4hlkommando w\u00fcrde Fredi filmen, ich durch das Bild hindurch hechten, und Nold gleichzeitig die Bombe anreissen und unter mich werfen! Ich machte die Hechtrolle meines Lebens, hoch und weit, und raste davon. Wie ich nach einem weiten Bogen zum Schauplatz zur\u00fcckkehre, sind die Rauchschwaden, eine surrende Kamera auf dem Stativ, und kein Mensch weit und breit \u2013 alle waren sie sofort in Deckung gegangen. So h\u00e4tte der Film auch mein Nachruf werden k\u00f6nnen, und Fredi h\u00e4tte ihn gewiss mit einem Trauerrand versehen&#8230;<br \/>\nAuf das Konzept mit der Per\u00fccke kamen wir, weil ich Mitte &#8217;65 meine Haare schnitt, um sie erst nach Chicor\u00e9e wieder wachsen zu lassen. Mit den Pilzk\u00f6pfen der <em>Beatles<\/em> wurden l\u00e4ngere Haare langsam Mode, und die \u00d6ffentlichkeit begann, agressiver darauf zu reagieren.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nAlle bewegten Schwenks z.B. hat Fredi aus der Hand gemacht (mit vielleicht 1-2 mal den Ablauf simulieren als \u00dcbung); die Aufnahmen von oben bewerkstelligte er, indem er die Kamera an eine lange Stange band, die wir dann zu zweit oder dritt sorgf\u00e4ltigst \u00fcber dem gew\u00fcnschten Bildausschnitt in etwa balancierten. Oder die Inside-Jokes: taucht doch in der Altstadtspaziergang-Szene zuf\u00e4llig Theo Pinkus, bekannter Buchh\u00e4ndler und Kommunist auf, spricht mit uns, und wie er sieht, dass dies gefilmt wird, f\u00e4hrt er sich mit der Hand ins Gesicht. Das sieht jetzt aus, als h\u00e4tte er sich eine Maske aufgelegt, weil ab dieser Geste Fredi von Hand auf jedem Bild Theos Gesicht rot eingef\u00e4rbt hat. So viel Liebe zum Detail! Das Gr\u00f6sste kommt noch. <em>Chicor\u00e9e<\/em> hatte an unserer ersten Po\u00ebtenz-Soir\u00e9e in St. Gallen am 7. Mai 1966 Welt-Urauff\u00fchrung. W\u00e4hrend die <em>Onion Gook<\/em> mit mir die B\u00fchne einrichteten, liess uns Fredi erstmals den fertigen (27-min\u00fctigen 16mm-) Film laufen. Er selber war ziemlich unzufrieden damit, wir nicht sonderlich begeistert. Ein witziger Souvenirfilm. w\u00e4hrend wir alle, die Band, Freunde, Freundinnen im nahen Restaurant den Abend vorbereiteten, blieb Fredi mit seinem Filmschneideger\u00e4t allein im Theater. Was wir dann selber w\u00e4hrend unserem Auftritt erlebten (seitenverkehrt hinter der Leinwand, und improvisiert <em>live<\/em>-vertont) war ein kleines Wunder! In nur 2-3 Stunden hatte Fredi seinem Film diesen wunderbaren genialen rhythmischen Schnitt verpasst, der ihn zu dem machte, was er jetzt noch ist.<br \/>\nAm Anfang waren die Reaktionen darauf ziemlich gemischt, das heisst unser <em>Po\u00ebtenz<\/em>-Publikum liebte den Film meist auf Anhieb, hingegen die Presse war widerspr\u00fcchlich bis giftig und unter der G\u00fcrtellinie. Es brauchte schon die einhellige Begeisterung und Preise im Ausland (Amsterdam, Oberhausen, Knokke), bis hier der &#8220;Prophet im eigenen Land&#8221; die verdiente Aufmerksamkeit bekam.<br \/>\n(unpaginiert)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chicor\u00e9e, Fredi Murer, CH 1966, 16mm, bw\/color, sound, 27 Min. Versions King Melchior (Titel des Films bei der Ur-Auff\u00fchrung in St.Gallen, 1966) Credits Production Cast Camera Music Other Synopsis [up to 10 lines] Distribution Screenings First screening: Po\u00ebtenz-Soir\u00e9e St. Gallen, 7. 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