{"id":3339,"date":"2014-10-31T20:00:33","date_gmt":"2014-10-31T18:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=3339"},"modified":"2014-11-05T16:16:19","modified_gmt":"2014-11-05T14:16:19","slug":"3339","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2014\/10\/31\/3339\/","title":{"rendered":"Pers\u00f6nliche, unpers\u00f6nliche und unpers\u00f6nliche pers\u00f6nliche Arbeitspl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"ngg_shortcode_0_placeholder\n<p style=\"text-align: center\"><em>&#8222;Touch-Down Arbeitspl\u00e4tze&#8220;. Leider habe ich kein Foto von der\u00a0Slide,<br \/>\ndie ich im Vorbeigehen durch ein Seminarraumfenster sah,<\/em><br \/>\n<em> auf der von &#8222;Pers\u00f6nlichen Arbeitspl\u00e4tzen&#8220; und &#8222;Unpers\u00f6nlichen Arbeitspl\u00e4tzen&#8220; die Rede war.<\/em><\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/weserland.net\/\">Weserland<\/a>, meinem Coworkingspace in Berlin, kostete ein flexibler Arbeitsplatz (&#8222;Floating Space&#8220;) bei meinem Einzug 2011 50 Euro im Monat, inzwischen sind es 75. Einen eigenen\u00a0Tisch (&#8222;Fixed Desk&#8220;) bekommt man f\u00fcr 200 Euro. Das macht es ziemlich\u00a0attraktiv, so einen unfesten Arbeitsplatz zumindest mal auszuprobieren.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte das Experiment nicht gemacht, wenn dieser finanzielle Anreiz nicht gewesen w\u00e4re, denn um den\u00a0Schreibtisch, den ich bis dahin \u2013 als Hauptmieterin eines Gemeinschaftsb\u00fcros \u2013 bewohnte, stapelten sich ungef\u00e4hr vier Kubikmeter B\u00fccher, Papier, CDs, Ger\u00e4tschaften und Zeug, festsedimentiert in mehreren Schichten, in denen man\u00a0<a href=\"http:\/\/techniktagebuch.tumblr.com\/post\/78848662370\/15-6-2010\">interessante Fossilien finden konnte<\/a>. &#8222;Ich brauche das alles ganz dringend f\u00fcr meine Arbeit&#8220;,\u00a0verteidigte ich mich, wenn B\u00fcromitbewohner oder Besucher nachfragten.<\/p>\n<p>Aber wenn man f\u00fcr\u00a0ein etwas papierloseres Dasein 1500 Euro im Jahr\u00a0geschenkt bekommt, bef\u00f6rdert das das Nachdenken \u00fcber neue Arbeitsplatzgestaltung ungemein; um genau zu sein,\u00a0war der Nachdenkprozess nach vier Sekunden abgeschlossen. Anfangs war ich skeptisch, ob es nicht sehr kompliziert werden w\u00fcrde, immer das gerade ben\u00f6tigte Material von zu Hause mitzubringen. Anderthalb Jahre vergingen, dann kam ein Journalist ins Weserland, um uns alle zum papierlosen B\u00fcro zu interviewen, und erst im\u00a0Interview wurde mir\u00a0klar, dass ich meine vier Kubikmeter Zeug nicht nur nicht vermisste, sondern in diesen anderthalb Jahren nie auch nur\u00a0an sie\u00a0gedacht hatte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war mir dabei die Digitalisierung entgegengekommen. Ich brauche viel weniger Papierb\u00fccher als fr\u00fcher f\u00fcr meine Arbeit, weil die Texte, die ich verwenden will, entweder sowieso im Netz stehen oder als E-Book verf\u00fcgbar sind. Ich habe\u00a0<a href=\"http:\/\/techniktagebuch.tumblr.com\/post\/81495154654\/ende-2013\">kaum noch Gr\u00fcnde, etwas auszudrucken<\/a>. Es gibt auch schon seit Jahren nichts mehr, was ich nur an einem station\u00e4ren Rechner oder mit einem station\u00e4ren gr\u00f6sseren Display erledigen k\u00f6nnte; mein sehr kleines Macbook Air kann alles, was ich brauche.<\/p>\n<p>Die flexiblen\u00a0Arbeitspl\u00e4tze im Weserland sind ziemlich unbequem, das WLAN funktioniert trotz dreifacher Redundanz nicht immer, und im Winter dr\u00e4ngt sich wegen der hohen Decken und der historischen Fenster alles um\u00a0die heizungsnahen Pl\u00e4tze. Aber vom Preisunterschied zwischen festem und flexiblem Arbeitsplatz kann man in Berlin ein paar Monate lang leben, und selbst in der Schweiz bek\u00e4me\u00a0man noch\u00a0ein bis zwei warme Mahlzeiten\u00a0daf\u00fcr.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Im Toni-Areal gibt es f\u00fcr die Umstellung auf flexible Arbeitspl\u00e4tze keinen \u00fcberzeugenden geldf\u00f6rmigen Grund \u2013 oder doch jedenfalls nur f\u00fcr die Verwaltung, nicht f\u00fcr die Nutzer.\u00a0Wenn man mir meine Papierstapelsammlung vor drei Jahren einfach so weggenommen h\u00e4tte,\u00a0w\u00e4re ich zwar heute vermutlich genauso zufrieden mit dem Ergebnis, aber gegen die Umstellung h\u00e4tte ich mich heftig gestr\u00e4ubt.<\/p>\n<p>Was mir im Toni-Areal noch besser gef\u00e4llt als im Weserland, ist die gr\u00f6\u00dfere Auswahl an unterschiedlichen Arbeitspl\u00e4tzen: lautere und leisere, Pl\u00e4tze\u00a0mit Aussicht auf die Eingangshalle,\u00a0Pl\u00e4tze\u00a0mit Aussicht\u00a0auf Berge und Z\u00fcge, Pl\u00e4tze mit und ohne Musik, einsame und gesellige Pl\u00e4tze, harte und weiche Sitzgelegenheiten, Pl\u00e4tze, an denen man Kaffee bekommt und Pl\u00e4tze, an denen man Steckdosen bekommt (leider selten\u00a0beides).<\/p>\n<p>Man h\u00e4tte es sich nat\u00fcrlich denken k\u00f6nnen, aber mir wurde erst\u00a0durch einen\u00a0<a href=\"http:\/\/blog.psy-q.ch\/2014\/10\/tagliche-tortur-toni-areal\/\">Blogbeitrag von PSY-Q<\/a> klar, dass sich die Situation nicht f\u00fcr alle so luxuri\u00f6s darstellt:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Urspr\u00fcnglich f\u00fcr 20 Personen geplant, hocken hier jetzt bald 40, auf der gleichen Fl\u00e4che. Einige hat es noch schlimmer erwischt, die teilen sich 14 Quadratmeter unter 8 Personen mit Tischen, die gerade so breit sind wie mein Arm lang, und ohne Trennw\u00e4nde &#8230;&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Den Fotos und Topfpflanzen nach zu urteilen, geht es um die R\u00e4ume des <a href=\"http:\/\/www.zhdk.ch\/?itz\">Informationstechnologie-Zentrums ITZ<\/a>. Ich bin sowohl in Berlin als auch hier im Toni-Areal umgeben von Menschen, die nie telefonieren.\u00a0Nicht so PSY-Q:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;In dieser Branche telefoniert nunmal die H\u00e4lfte der Leute, und das macht Ger\u00e4usche, da kann niemand was daf\u00fcr.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und es k\u00f6nnen auch nicht alle arbeitenden Menschen alles am Laptop erledigen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Als relativ grosser Mann muss ich sagen: Das ist scheisse, auf dem Laptop zu arbeiten. Ergonomie ist gar nicht m\u00f6glich, man muss sich in den Bildschirm ducken wie ein Orangutan. Kommt dazu: WLAN. Das WLAN geht zwar mittlerweile fast \u00fcberall im Geb\u00e4ude, aber WLAN ist an sich schon nicht so zuverl\u00e4ssig. Hat man ein Dutzend SSH-Sessions auf, da will man nicht rumlaufen oder Access Points wechseln m\u00fcssen, sonst geht gleich nochmal Produktivit\u00e4t zur Sau, Sessions m\u00fcssen neu aufgebaut, Mounts neu gemountet werden, und so weiter. Und leiser als im lauten B\u00fcro ist es, ausser vielleicht in der Bibliothek, im Restgeb\u00e4ude auch nicht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>PSY-Q ist offenbar nicht verpflichtet, im B\u00fcro anwesend zu sein. Es gibt aber im Toni-Areal sicher\u00a0auch Bereiche, in die ich bisher mangels Anlass noch \u00fcberhaupt nicht vorgedrungen bin, wo\u00a0man sich nicht einmal aussuchen kann, ob man am zugeteilten Arbeitsplatz anwesend sein m\u00f6chte oder nicht.<\/p>\n<p>Ein unkomfortabler\u00a0Arbeitsplatz macht\u00a0nicht unter allen Umst\u00e4nden ungl\u00fccklich. Ich schreibe diesen Beitrag am Stammtisch in der Eingangshalle. Obwohl kaum jemand hier ist, herrscht ein bemerkenswerter\u00a0L\u00e4rm, und die Bank ist so unbequem, dass meine Beine einschlafen und ich alle paar Minuten erfolglos nach einer besseren\u00a0Sitzposition suche. Aber ich bin freiwillig hier. Ich k\u00f6nnte jederzeit anderswo im Haus\u00a0weiterarbeiten. Das ist ein\u00a0entscheidender Unterschied.<\/p>\n<p>Auswahl beim Arbeitsplatz\u00a0kann\u00a0dar\u00fcber hinwegtr\u00f6sten, dass einzelne Orte\u00a0suboptimal sind. Allerdings\u00a0funktioniert sie nicht f\u00fcr alle und wird es auch nie tun; wer im Kafi Z Kaffee ausschenkt, kann das nur dort tun. Umso wichtiger w\u00e4re es, gerade der Gestaltung dieser\u00a0Arbeitspl\u00e4tze mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Realit\u00e4t sieht oft anders aus.<\/p>\n<p>Ironie I: Die Ver\u00e4nderungen in Sachen sch\u00f6nere Arbeitspl\u00e4tze\u00a0in den letzten Jahren wurden ganz wesentlich von Softwareentwicklern mitbestimmt, und\u00a0gerade den\u00a0Softwareentwicklern geht es im Toni-Areal nicht gut. Ironie II: In den Arbeitsr\u00e4umen des Departements f\u00fcr Kulturanalysen und Vermittlung wurde\u00a0die Umstellung auf\u00a0flexible Arbeitspl\u00e4tze so konsequent vollzogen wie (meines Wissens) nirgendwo sonst im Haus, aber gerade in den\u00a0DKV-R\u00e4umen gibt es so viel Platz pro Person und so sch\u00f6ne und unterschiedliche\u00a0Arbeitspl\u00e4tze, dass man\u00a0eigentlich keinen Grund hat, das B\u00fcro jemals zu verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">&#8222;Touch-Down Arbeitspl\u00e4tze&#8220;. 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