{"id":3763,"date":"2014-11-13T18:47:29","date_gmt":"2014-11-13T16:47:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=3763"},"modified":"2014-11-13T18:47:29","modified_gmt":"2014-11-13T16:47:29","slug":"bitte-schuetteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2014\/11\/13\/bitte-schuetteln\/","title":{"rendered":"Bitte sch\u00fctteln!"},"content":{"rendered":"ngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Mitarbeiter der Verwaltung: Wir haben viele Bereiche, die sind zum Beispiel als Fluchtzonen definiert, auf irgendwelchen Feuerpolizeipl\u00e4nen rot eingezeichnet. Jetzt kommen unsere Leute und sagen: &#8222;Da w\u00fcrden wir gern was machen.&#8220; \u2013 Moment! Im Moment eh nicht, weil wir haben keine Zeit, zu \u00fcberlegen oder zu planen, was geht und was nicht. In einem halben Jahr k\u00f6nnen wir uns das gern mal anschauen, aber bitte so, dass man vorher dr\u00fcber redet: Was m\u00f6chtet ihr machen? Wie kann man&#8217;s machen? Jetzt ist es meistens so, die Leute machen einfach was, zum Beispiel beim CreativeCity-Fest, und dann kommen wir und sagen: Das geht nicht! Da m\u00fcssen wir noch eine bessere Balance finden.<\/p>\n<p><em>Ich: Ist aber eigentlich auch interessant, wenn man irgendwas K\u00fcnstlerisches sp\u00e4ter macht, das schon in der Ausbildung mitzukriegen, dass Veranstaltungen halt ihre eigenen Probleme mit sich bringen.<\/em><\/p>\n<p>Das ist noch mal ein anderes Thema: Die Kunst, die wir hier ausbilden, die deckt ja eine unglaublich breite Palette ab. Und ein klassischer Orchestermusiker tickt komplett anders als ein freischaffender K\u00fcnstler, der das noch mit einem politischen Bezug verbindet. Die unter einen Hut zu bringen in dem Haus, das ist auch nicht ganz trivial. Den einen kann man&#8217;s gut erkl\u00e4ren. Einem Orchestermusiker kann ich sagen: Es gibt Regeln.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, klar.&#8220; &#8211; &#8222;Das und das darfst du.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, klar.&#8220; &#8211; &#8222;Und das und das nicht.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, ist ja logisch. Null Problem.&#8220; Die anderen: &#8222;Regeln? Warum? St\u00f6rt! Unglaublich! Diese Anmassung! Geht doch nicht!&#8220; Die brechen ja die Regeln nur schon, um zu demonstrieren, dass sie frei denken.<\/p>\n<p>Ich hatte vom Besitzer ganz am Anfang mal einen Vorschlag f\u00fcr eine Betriebsordnung. Die haben sie abgeschrieben von einer Betriebsordnung, die sie irgendwo anders hatten, und da hiess es dann: &#8222;Fotografieren ist im ganzen Haus verboten.&#8220; Das haben wir inzwischen alles gel\u00f6st. Dort war das Lustige einerseits, sie haben sich&#8217;s einfach gemacht und das irgendwo abgeschrieben. Andererseits haben sie \u00fcberhaupt nicht \u00fcberlegt, warum sie anders unterwegs sind als wir. Wir haben dann rausgefunden: Ein Grund sind Haftungsfragen. Der Eigent\u00fcmer ist eine Aktiengesellschaft, der ist an der B\u00f6rse quotiert, der hat eine andere Verantwortung f\u00fcr gewisse Sachen, die in seinem Haus passieren k\u00f6nnen. Wir sind beim Kanton, wir haben eine andere Optik auf diese Fragen, und eine andere Rechtssituation. Wir k\u00f6nnen gewisse Sachen machen, die der Eigent\u00fcmer nur kann, wenn er vorher sicherstellt, dass \u00fcberall gefragt wurde, dass er das gepr\u00fcft hat, und, und, und.<\/p>\n<p>Die Eingangshalle beispielsweise, die ist \u00f6ffentlich. Die geh\u00f6rt nicht uns. Also, uns geh\u00f6rt ja eh nichts, aber die\u00a0ist nicht mal gemietet, sondern die Eingangshalle geh\u00f6rt der Firma Allreal. Wenn wir jetzt dort eine Performance machen, eine Er\u00f6ffnung, irgendwas, dann greift das Haftungsrecht des Eigent\u00fcmers und nicht unseres. Der Eigent\u00fcmer ist in der Verantwortung, wenn was passiert, und nicht wir. Also m\u00fcssen wir sicherstellen, wenn wir das die n\u00e4chsten zwanzig Jahre machen wollen \u2013 so lang geht der Mietvertrag \u2013 dass wir mit ihm vorher kurz checken: Ist das okay? Wie seht ihr das? Das verlangsamt nat\u00fcrlich den Prozess und bremst die Kunst.<\/p>\n<p><em>Wie sind da die Grenzen? Einfach genau die Eingangshalle bis zu den G\u00e4ngen, die da abzweigen? Oder wo endet das Gebiet?<\/em><\/p>\n<p>Da gibt&#8217;s eine rechtliche Optik, und da gibt&#8217;s Pl\u00e4ne dazu, und es ist eingezeichnet.<\/p>\n<p><em>Und warum ist das so?<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr das zahl ich keine Miete.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Eingangshalle?<\/em><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p><em>Warum?<\/em><\/p>\n<p>Das stammt noch aus dem urspr\u00fcnglichen Konzept: Es ist ein \u00f6ffentliches Haus, und wir mieten einen Teil der Fl\u00e4che. Also wenn jetzt eben im Museum nicht wir drin w\u00e4ren, sondern Migros, coop oder Aldi, dann muss der Eigent\u00fcmer abtrennen: Wer ist f\u00fcr was wie verantwortlich? Wer macht Unterhalt, wer putzt das? Faktisch sind die Grenzen fliessend. Faktisch putzen wir, faktisch h\u00e4ngen wir dann die Lampen dort hin, aber rechtlich sind es immer noch die anderen, die da verantwortlich sind. Und das m\u00fcssen wir jetzt a) grad noch ein bisschen lernen, und b) ist man dran, den Mietvertrag zu \u00fcberarbeiten und zu bereinigen, damit\u00a0mal die Realit\u00e4t mit den Papieren \u00fcbereinstimmt. Das kann man nat\u00fcrlich erst machen, wenn der ganze Rest steht. Vieles ist noch ein bisschen in Mutation.<\/p>\n<p>Es gibt ja die eine Optik: Es passiert irgendwas, und das behindert das Projekt. Und da k\u00f6nnte man sagen: Das ist alles scheisse, und jetzt k\u00f6nnen wir nicht mehr weitermachen. Oder man kann sagen, das ist super, weil das ist eine Chance, umzuplanen, neues Zeug einzubauen, und im Endergebnis wird&#8217;s besser. Weiss nicht, ob du <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nassim_Nicholas_Taleb\">Nassim Taleb<\/a> kennst, der hat ja nach &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Schwarze_Schwan\">Black Swan<\/a>&#8220; noch ein Buch geschrieben, &#8222;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Antifragile\">Antifragile<\/a>&#8222;. Und die Idee ist ganz grob vereinfacht: Normalerweise hast du irgendein Paket, und da ist was drin, das ist zerbrechlich. Du machst einen Kleber drauf, &#8222;Achtung, zerbrechlich&#8220; oder &#8222;Nicht sch\u00fctteln&#8220;, sonst geht&#8217;s kaputt. Seine \u00dcberlegung war dann: Was ist das Gegenteil von zerbrechlich? Normalerweise w\u00fcrde man sagen: nicht zerbrechlich, stabil, geht nicht kaputt. Er sagt, nein, das ist ja nur der Nullpunkt. Das Gegenteil ist: anti-fragil. Also, auf der einen Seite haben wir &#8222;zerbrechlich&#8220;, in der Mitte haben wir &#8222;geht nicht kaputt&#8220; und auf der anderen Seite ist &#8222;bitte sch\u00fctteln, und der Inhalt wird besser&#8220;. Die \u00dcberlegung hilft mir, wenn irgendwas jetzt passiert, was nicht so sein sollte, wie man sich das erhofft. Dann ist das eine Chance: Vielleicht ergibt sich aus dem wieder was anderes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Mitarbeiter der Verwaltung: Wir haben viele Bereiche, die sind zum Beispiel als Fluchtzonen definiert, auf irgendwelchen Feuerpolizeipl\u00e4nen rot eingezeichnet. 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