{"id":4134,"date":"2014-12-02T11:27:37","date_gmt":"2014-12-02T09:27:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=4134"},"modified":"2014-12-02T11:27:37","modified_gmt":"2014-12-02T09:27:37","slug":"die-weniger-sichtbaren-kuenste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2014\/12\/02\/die-weniger-sichtbaren-kuenste\/","title":{"rendered":"Die weniger sichtbaren K\u00fcnste"},"content":{"rendered":"<p>Es funktioniert nicht, dass du einen in der bildenden Kunst verankerten kreativen Prozess visuell vermittelst. Das klappt einfach nicht. Also dieser Entstehungsprozess, die Kreativit\u00e4t, die irgendwie da am Werk ist, das ist immer nur illustrativ, wenn du das schaffst, irgendwie darzustellen. Und es f\u00fchrt immer zu Missverst\u00e4ndnissen. Und alles, was die Leute bei diesen ganzen Tagen der Offenen T\u00fcr\u00a0hier sehen und was sie beeindruckt, ist Tanz und klassische Musik. Das sind genau die Sachen, wo du von einem K\u00f6nnen eins zu eins sofort beeindruckt bist, wo du\u00a0sofort die Attribute erkennst, und irgendwas erkennst, was du nicht kannst.<\/p>\n<p><em>Ja, wobei die halt schon einfach sichtbarer sind. Beim Ballett oben haben sie dieses Riesenfenster \u2013 okay, in den letzten Wochen war da immer der Vorhang zu, aber im Prinzip ist es da \u2013 und ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass zum Beispiel das, was die Leute in der Scientific Visualization machen, denselben Effekt h\u00e4tte, wenn man es sehen k\u00f6nnte. Aber die sind so versteckt, das findet irgendwo tief im Bauch des Geb\u00e4udes statt &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Das hat ja auch mit den klassischen Auff\u00fchrungsformaten zu tun, die mit diesen Studieng\u00e4ngen einhergehen. Mit der Darbietung, in einem klassischen Konzertsaal, auf einer Tanzb\u00fchne. Dass die Auff\u00fchrungsformate auch hier die R\u00e4ume sehr stark beeinflusst haben. Dass es allein drei, vier Riesenkonzertr\u00e4ume sind.<\/p>\n<p><em>Wobei <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2014\/10\/24\/keine-fitnesstrainer-im-konzertsaal\/\">die Musiker sagen, es sind zu wenige und sie sind zu klein<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Das mag sein, aber sie funktionieren auf dieser Aussenwirkungsebene. Ich stand neulich selber am Abend mal draussen vor dem Konzertsaal. Da haben f\u00fcnf Leute hintereinander musiziert, man hat keinen Ton geh\u00f6rt, weil die R\u00e4ume so gut schallisoliert sind, aber das sieht nat\u00fcrlich super aus. Ich w\u00fcrd nicht zu so einem Konzert gehen, aber das hat so eine hypnotisierende Wirkung, den Leuten alleine zuzuschauen.<\/p>\n<p><em>Ich nehme an, es hat auch mit der Gr\u00f6sse des Werks zu tun. Ich war zum Beispiel bei so einer F\u00fchrung im Prop\u00e4deutikum in so einem Atelier, wo sie alle irgendwelche kleinen Gegenst\u00e4nde\u00a0abmalen mussten. Da musst du halt wirklich ganz nah rangehen, um das zu bewundern, was die da machen. Bei so einem Musiker h\u00f6rst du es vom anderen Ende des Gangs, und bei den Ballett\u00e4nzern kannst du auch ziemlich weit weg sein und siehst es immer noch.<\/em><\/p>\n<p>Und du unterbrichst den Typen, der zeichnet, weil du ihm im Licht stehst.<\/p>\n<p><em>Genau. Das ist auch unh\u00f6flich, so nah ranzugehen.<\/em><\/p>\n<p>Und der bildende K\u00fcnstler malt ja im Zweifelsfall nicht mal mehr. Der macht nichts, wo du auf Anhieb erkennen k\u00f6nntest, woran der \u00fcberhaupt arbeitet.<\/p>\n<p><em>Scientific Visualization, da ja schon. Das ist in der Regel gut zu erkennen, was die machen.<\/em><\/p>\n<p>Ja, okay. Aber die arbeiten auch viel am Computer.<\/p>\n<p><em>War das vorher anders mit der Sichtbarkeit? Hat das jetzt mit dem Umzug zu tun?<\/em><\/p>\n<p>Vorher hattest du eh nicht dieses zentrale Gef\u00fchl, du kriegst jetzt irgendwas geboten, auch als Besucher, oder w\u00fcrdest jetzt hier irgendwas erleben oder erfahren k\u00f6nnen. Es waren alles so einzelne Standorte, die allein vom Geb\u00e4ude und von der Atmosph\u00e4re, wie die auch genutzt wurden, total unterschiedlich waren. Du hattest die Gessnerallee, die gibt&#8217;s jetzt immer noch, die ist\u00a0theatergepr\u00e4gt. Und dann gab&#8217;s ein Atelierhaus f\u00fcr die K\u00fcnstler. Das war auch ein bisschen Klischee, aber es hat funktioniert. Von oben bis unten vollgemalt, die Leute konnten \u00fcberall alles machen, mit allen Materialien arbeiten. Und wenn dann mal ein Symposium oder so war, haben halt auch Studenten dort vor Ort gekocht. Alles, was man braucht, um dort auch Tage zu verbringen, hast du direkt so in der Hand. Du musst keine weiten Wege machen, da gibt&#8217;s Duschen &#8230; Man muss sich keine Gedanken \u00fcber das Geb\u00e4ude oder irgendwas machen. Den Ort gibt&#8217;s hier ganz klar nicht.<\/p>\n<p><em>Und du hast das Gef\u00fchl, jetzt gehen die weniger sichtbaren K\u00fcnste unter zugunsten von Tanz und Musik?<\/em><\/p>\n<p>Ja. Oder die, die halt R\u00e4ume anders und mehr beanspruchen, als man das in normalen B\u00fcror\u00e4umlichkeiten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Es funktioniert nicht, dass du einen in der bildenden Kunst verankerten kreativen Prozess visuell vermittelst. Das klappt einfach nicht. Also&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2603,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[103619,255615],"tags":[],"class_list":["post-4134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-beobachtungen","category-observer-in-residence"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2603"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4134"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4142,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4134\/revisions\/4142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}