{"id":533,"date":"2014-09-15T13:53:07","date_gmt":"2014-09-15T11:53:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=533"},"modified":"2014-09-18T15:55:57","modified_gmt":"2014-09-18T13:55:57","slug":"wozu-ein-observer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2014\/09\/15\/wozu-ein-observer\/","title":{"rendered":"Wozu ein Observer?"},"content":{"rendered":"ngg_shortcode_0_placeholder\n<p><em>Aleks: um die frage von vorhin nochmal zu stellen: abgesehen vom zusehen, WAS machst du da.<\/em><br \/>\n<em>Kathrin: als ob Zusehen nicht schon anstrengend genug w\u00e4re.<\/em><br \/>\n<em>Kathrin: Zusehen, Nachdenken, Aufschreiben.<\/em><br \/>\n<em>Kathrin: ich erwerbe Wissen \u00fcber das Geb\u00e4ude, das alle anderen auch haben, aber a) verteilt und b) implizit.<\/em><br \/>\n<em>Kathrin: ich versuche, es in mir drin zu versammeln\u00a0und explizit zu machen.<\/em><br \/>\n<em>Aleks: wo schreibst du denn auf?<\/em><br \/>\n<em>Kathrin: im Blog, der erste Beitrag kommt gleich.<\/em><\/p>\n<p>Wenn ich auf die Frage, was ich in Z\u00fcrich mache, antworte, ich sei &#8222;Observer in Residence&#8220;, muss ich fast immer\u00a0erkl\u00e4ren, warum die Schweizer Steuerzahler f\u00fcr so etwas Geld ausgeben. Ich bin grunds\u00e4tzlich ohne weiteres in der Lage, bei Bedarf &#8222;mein Auftraggeber hat zu viel Geld und\u00a0musste es schnell f\u00fcr irgendwas hinauswerfen&#8220; zu sagen. Hier verh\u00e4lt sich die Sache aber anders. In den letzten Jahren bin ich \u00f6fter mit\u00a0Observert\u00e4tigkeiten beauftragt worden, und das Beobachten\u00a0erscheint mir inzwischen\u00a0wie einer der sinnvolleren Berufe, die man so aus\u00fcben kann.<\/p>\n<p>Ein Observer ist jemand, der am Ufer eines Flusses, sagen wir: der Limmat, steht und andere vorbeischwimmen sieht. Vieles an dieser T\u00e4tigkeit\u00a0wird sich ihm dabei nicht erschliessen, aber auch den Schwimmern\u00a0entgeht vieles, denn sie sind besch\u00e4ftigt, und der Fluss fliesst schnell. Wer am Ufer steht, hat mehr Zeit, \u00fcber das Geschehen nachzudenken. Wo ein einzelner Schwimmer auf die Str\u00f6mung reagiert, sieht\u00a0der Beobachter immer wieder dieselben Bewegungen im Wasser. Wechselnde\u00a0Fischreiher setzen sich auf dieselben Aussichtspunkte.<\/p>\n<p>Nur selten verhalten\u00a0sich\u00a0Beobachter zu\u00a0Beobachteten so wie Zuschauer und Schwimmer im ersten Beispiel, wo die beiden ja leicht die Rollen tauschen k\u00f6nnten, um auch zu den Erkenntnissen der anderen Seite zu gelangen. Meist ist das Beobachtete eher ein Reiher, in den man nicht hineinschl\u00fcpfen kann. Ich kann keine Schweizerin werden, ich kann nicht an der ZHdK studieren und auch nur nebenbei und aushilfsweise dort lehren. Und Reiher bloggen nie, man kann froh sein, wenn sie sich hin und wieder <a href=\"http:\/\/cams.allaboutbirds.org\/channel\/8\/Great_Blue_Herons\/\">an einem Webcam-Projekt beteiligen<\/a>. Selbst dann muss man das Beobachten immer noch selbst erledigen.<\/p>\n<p>Wir sind alle f\u00fcr die Gegenwart gleichermassen blind und werden \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 erst mit einigem zeitlichen Abstand herausfinden k\u00f6nnen, was eigentlich die wesentlichen\u00a0Aspekte des Umzugs ins Toni-Areal waren, was sich f\u00fcr die Mitarbeiter und Studierenden dadurch ge\u00e4ndert hat, welche Innovationen Verbesserungen und welche Fehler\u00a0waren. Aber eigentlich w\u00fcsste man ja doch gern schon jetzt etwas dar\u00fcber und nicht erst in zwanzig\u00a0Jahren. Weil ich von allen T\u00e4tigkeiten und Departementen\u00a0im Geb\u00e4ude gleich wenig verstehe, weil ich niemandem besonders verpflichtet bin, weil ich die Schweiz und das Toni-Areal quasi vom Ufer aus\u00a0betrachten kann, habe ich statt zeitlichem wenigstens geistigen Abstand zum Geschehen. Und ausserdem etwas mehr Zeit, weil ich weniger feste Termine habe als die meisten anderen Menschen im Geb\u00e4ude. Es gibt so viel zu sehen, <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/walden-oder-leben-in-den-w-5865\/7\">wenn man nur einen Bruchteil davon gr\u00fcndlich beobachten wollte, k\u00e4me man zu nichts anderem<\/a>.<\/p>\n<p>Auf dem Foto beobachte ich die\u00a0Wand. Es ist eine sehr interessante Wand. Aber davon sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Aleks: um die frage von vorhin nochmal zu stellen: abgesehen vom zusehen, WAS machst du da. 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