{"id":5546,"date":"2015-03-04T10:56:49","date_gmt":"2015-03-04T08:56:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=5546"},"modified":"2015-03-09T20:01:36","modified_gmt":"2015-03-09T18:01:36","slug":"in-der-bibliothek-3-aerger-mit-architekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/03\/04\/in-der-bibliothek-3-aerger-mit-architekten\/","title":{"rendered":"In der Bibliothek 3: \u00c4rger mit Architekten"},"content":{"rendered":"<p><em>Noch einmal die Bibliothekarin, die mich\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/03\/03\/in-der-bibliothek-2-thesen-ueber-tresen\/\">\u00fcber Tresen fortgebildet hat<\/a>. Hier frage ich sie, warum Bibliotheksneubauten anderswo \u2013 also jetzt nicht im Toni-Areal \u2013\u00a0oft\u00a0leicht daran zu erkennen sind, dass sie der gr\u00f6\u00dfte und bunkerartigste Betonklotz der Stadt sind:<\/em><\/p>\n<p>A: Erst mal haben Architekten ein fest gemei\u00dfeltes Bild davon, wie eine Bibliothek auszusehen hat. Also eine Art Wissensschatz, Wissensbunker, Ort der geheimen Wissenssch\u00e4tze, auf jeden Fall was, was bewahrt werden muss. Auf jeden Fall gro\u00df und bewacht und schwer, in vielen F\u00e4llen.<\/p>\n<p><em>Ach so, und du meinst, da kommt diese Bunkerarchitektur her?<\/em><\/p>\n<p>A: Ich wei\u00df es auch nicht. Aber Architekten\u00a0neigen zu so Sachen wie &#8222;Wissenst\u00fcrmen&#8220; oder all solchen Merkw\u00fcrdigkeiten. Sie haben jedenfalls ein ziemlich festgefahrenes Bild von Bibliothek, oft nicht dadurch gespeist, dass sie selbst Bibliotheksnutzer w\u00e4ren. Und dem unterwirft sich dann das, was da halt rauskommt.<\/p>\n<p><em>In der Bibliothek im Toni-Areal gibt es einen ganz fensterlosen Raum, der hinter dem R\u00fcckgabeautomaten liegt, und irgendwelche armen Bibliothekare m\u00fcssen da den ganzen Tag drin arbeiten. Ich glaube, urspr\u00fcnglich waren mal Fenster geplant, aber am Ende gab es halt keine.<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p><em>(Die attraktiven, japanisch wirkenden Lampen sind Neonr\u00f6hrenk\u00e4sten mit angeklebten A4-Bl\u00e4ttern. Das sieht nicht nur gut aus, die Lampen\u00a0blenden dann auch weniger.)<\/em><\/p>\n<p>A: Die Architekten schaffen Kunstwerke und Denkm\u00e4ler f\u00fcrs Leben, wenn sie Bibliotheken bauen. Das ist nicht ein Haus, sondern das ist ein Lebensdenkmal, das sie da bauen. Und da sie von Bibliotheken und Bibliotheksarbeit nicht den geringsten Schimmer haben, ist es hinterher oft kein Vergn\u00fcgen, darin zu arbeiten. Ich glaube, es war die\u00a0TU Delft, die nach f\u00fcnf Jahren bei einem Neubau durchgek\u00e4mpft hat, das Ding komplett innen neu bauen zu d\u00fcrfen, weil es vollkommen unbrauchbar war f\u00fcr die Arbeit. Und auch f\u00fcr das Konzept Bibliothek. Architekten gehen von ihrem Bild aus, das sie da haben, von der &#8222;Wissens-Schatzkammer&#8220;, haben aber von der Funktion einer Bibliothek einfach in der Regel zu wenig verstanden, um einen Bau zu fabrizieren, der hinterher praktikabel ist.<\/p>\n<p>Und als Architekten bestehen sie auch drauf, dass man nie wieder etwas daran \u00e4ndern darf. Wir durften in unserer neu gebauten Bibliothek nicht mal eine Pflanze an eine Stelle stellen. Und das ist f\u00fcr einen lebendigen Raum wie eine Bibliothek &#8230; das ist so, als w\u00fcrdest du ein Jugendzentrum so bauen und sagen: Keiner darf eine Gardine verr\u00fccken. Das ist absolut ungl\u00fccklich. An ganz vielen Stellen wirst du solche ungl\u00fccklichen Bibliothekare finden in Neubauten.<\/p>\n<p>Und sie finden merkw\u00fcrdigerweise immer wieder Architekten, die noch nie eine Bibliothek gebaut haben. Also zum Beispiel eine\u00a0Bibliothek, mit der ich mal beruflich zu tun hatte, \u00a0da gab es\u00a0einen Eingangsbereich, der v\u00f6llig kahl und leer war, mit einer zehn Meter langen schwarzen, brusthohen Theke und sonst nichts, au\u00dfer Beton. Und dann gab es einen ersten Stock, da standen die B\u00fccher. In schwarzen Regalen. Und es gab bis zu diesem Stockwerk einen Fahrstuhl. Ein Gro\u00dfteil der B\u00fcros zur Bearbeitung der B\u00fccher war aber oberhalb. Der Lastenaufzug f\u00fchrte da aber nicht hin, nur der Personenaufzug. Wenn du gro\u00dfe B\u00fccherwagen hast, die du brauchst, um diese ganzen Massen zu bewegen, dann wiegen die einiges. Und sie brauchen Platz. Und es war zum Beispiel schon beim Umzug so, dass der\u00a0gesamte Umzug f\u00fcr alle B\u00fcros in den oberen Etagen \u00fcber den Personenaufzug gemacht werden\u00a0musste, woraufhin der alle f\u00fcnf Minuten ausfiel und irgendwann der Fahrstuhlmonteur entnervt sagte, der sei ja auch nicht daf\u00fcr da, den ganzen Tag rauf und runter zu fahren! Woraufhin ich ihn anguckte und fragte: Ja, aber wof\u00fcr dann? Er war halt f\u00fcr die Lasten nicht ausgelegt. Aber die Architekten\u00a0haben den Lastenaufzug eben nicht bis in die oberen Etagen gebaut, weil sie nur bis zu den B\u00fccherregalen denken konnten, aber nicht verstanden haben, was in dem Haus passiert. Das ist klassisch. Und deshalb kommt es zu fensterlosen R\u00e4umen f\u00fcr Mitarbeiter und lauter solchen Sachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit diesem neuen Wissen ausger\u00fcstet,\u00a0befrage ich einen MIZ-Mitarbeiter, warum es den Empfangstresen\u00a0gibt, obwohl\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/03\/03\/in-der-bibliothek-2-thesen-ueber-tresen\/\">Tresen in Bibliotheken offenbar \u00fcberholt sind<\/a>:<\/em><\/p>\n<p>B: Wir haben auch lange diskutiert: Braucht&#8217;s noch eine Theke? Was sagt die Theke aus? Aber die Architekten wollten nat\u00fcrlich einen dezidierten Empfangspunkt setzen, und wir konnten die Dimensionen besprechen, aber das Design nicht. Also, wir haben einige Anforderungen genannt, dass wir gewisse F\u00e4cher brauchen, auch die H\u00f6he definiert, dass wir eine Taschenablage haben wollen und so weiter. Das war uns wichtig. Wir wussten nat\u00fcrlich aus den Erfahrungen aus den anderen Standorten auch noch nicht, wie viele Kundenkontakte sind da? Wir wollten die Doppelbildschirme, und wenn man diesen Kabelsalat sieht, dann sieht man, dass das dann nicht weitergedacht wurde. Wobei man nat\u00fcrlich trotzdem auch m\u00f6glichst schlicht bleiben wollte.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p><em>Warum war das den Architekten wichtig, diesen Empfangspunkt zu haben?<\/em><\/p>\n<p>B: Es geh\u00f6rt doch zu einer Bibliothek. Also, Architekten denken eben an Theke, B\u00fccherregale und einen Lesesaal. Das sind die architektonischen Statements. Sehr, sehr konventionell. R\u00fcckgabeautomaten und so, das hat sie nicht interessiert. Die ganzen Neuerungen waren nicht wichtig.<\/p>\n<p><em>Und wie ist das mit den Kundenkontakten an der Theke? Ich seh hier selten jemand stehen.<\/em><\/p>\n<p>B: Wir erheben das statistisch, und es sind doch ziemlich viele. Am Tag sind es \u00fcber hundert. Wir erheben statistisch auch nach Inhalten. Doch, es sind viele Fragen einfach der Verkehrsregelung: Wo ist was? Wir m\u00fcssen Konti freischalten, erkl\u00e4ren, wie das funktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bei der n\u00e4chsten sich bietenden Gelegenheit verd\u00e4chtige\u00a0ich einen Architekten, an allem schuld zu sein. Der Architekt wehrt\u00a0sich:<\/em><\/p>\n<p>C: Das ist eigentlich total normal, dass Architekten irgendwas zum ersten Mal bauen. Dann versucht man sich das Wissen der Vorg\u00e4ngergeneration anzueignen und der Benutzer. Darum schaut man halt Bibliotheken an und fragt dann die Bibliothekare: Wie macht man das denn heute? Und dann sagen sie dir: Wir machen heute so Terminals, und dann machst du ihnen halt so ein Terminal.<\/p>\n<p><em>Und wenn diese Bibliothekare schon so lange im Beruf sind, dass sie vielleicht selber gar nicht wissen, wie man irgendwas inzwischen macht? Oder es zwar wissen, aber bl\u00f6d finden?<\/em><\/p>\n<p>C: Das ist aber dann nicht der Fehler des Architekten, der die Bestellung ausf\u00fchrt.<\/p>\n<p><em>Das stimmt, andererseits m\u00fcsste man aber doch in einem Bereich, der im Moment starken \u00c4nderungen unterworfen ist, vielleicht doch auch drauf achten, jemanden zu finden, der halt nicht seine Ausbildung vor drei\u00dfig Jahren abgeschlossen hat.<\/em><\/p>\n<p>C: Ja, aber die Vorgesetzten von denen \u2013 beziehungsweise die Baukommission, die zust\u00e4ndig ist f\u00fcr das, was beim Architekten bestellt wird \u2013, die sagen dir ja: Wir brauchen das und das. Oder halt die Normen, wenn es welche gibt, wie beim Kindergarten. Aber ich kenn das nicht anders als so: Du hast eine Aufgabe. Du hast eine vage Vorstellung, wie das abl\u00e4uft. Dann sprichst du mit den Nutzern. Dann hast du eine Baukommission, die deine Vorgesetzten sind und die Bestellung definieren, die sagen dir dann, was sie wollen. Dann gibt es meistens auch Normen: Soundso viele Quadratmeter hast du, so viele Nischen brauchst du. Mit dem Projekt gehst du dann noch dreimal zu den Kinderg\u00e4rtnerinnen, und zum Schluss kommt irgendwas raus.<\/p>\n<p><em>Ich erz\u00e4hle C.\u00a0die Lastenaufzugsgeschichte von Bibliothekarin A.<\/em><\/p>\n<p>C: Ja, Bibliotheken sind da vielleicht schwierig, weil es sehr selten welche gibt, die neu gebaut werden. Da gibt es vielleicht keine Normen und keine spezialisierten Planer. Zum Beispiel bei Spitalbauten, wo so was wie das mit dem Lastenaufzug relevant ist, da gibt es spezialisierte Planer. Die bewerten schon im Wettbewerb dein Projekt, und danach planen sie das mit dir.\u00a0Bei Mehrzweckturnhallen gibt es spezialisierte B\u00fchnenplaner. Die sagen dir: Die L\u00fcftung muss so breit sein, die H\u00f6he kann maximal 1,10 und mindestens 90 &#8230; Da gibt es dann das gesammelte Wissen \u00fcber ein Spezialgebiet in einem Fachplaner. Aber Bibliotheken k\u00f6nnten da zwischen Stuhl und Bank fallen. Da gibt&#8217;s vielleicht zu wenig Normen und zu wenig allt\u00e4gliche Erfahrung und zu wenig Spezialwissen, das k\u00f6nnte sein.<\/p>\n<p><em>Ja, und dann hat sich da eben in den letzten Jahren auch viel ge\u00e4ndert. M\u00f6glich, dass da die Normen nicht schnell genug nachziehen, falls es welche gibt.<\/em><\/p>\n<p>C: Stimmt, ja. H\u00e4tten wir das abgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Noch einmal die Bibliothekarin, die mich\u00a0\u00fcber Tresen fortgebildet hat. 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