{"id":7264,"date":"2015-07-21T22:25:11","date_gmt":"2015-07-21T20:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=7264"},"modified":"2015-07-29T21:29:16","modified_gmt":"2015-07-29T19:29:16","slug":"im-gespraech-mit-dem-museum-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/07\/21\/im-gespraech-mit-dem-museum-ii\/","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch mit dem Museum (II)"},"content":{"rendered":"<p><em>Wir wollen wissen, wie es dem \u00abMuseum f\u00fcr Gestaltung \u2013 Schaudepot\u00bb am neuen Ort geht. Nachdem im ersten Teil der Serie <a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/07\/16\/im-gespraech-mit-dem-museum-i\/\" target=\"_blank\">Chandra Brandenberger<\/a>, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespr\u00e4ch war, kommt nun Bernadette Mock, Leiterin Kommunikation, zu Wort.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie ist aus Deiner Sicht das Museum in seiner neuen Heimat angekommen?<br \/>\n<\/strong>Ich kann nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr das Museum reden, sondern nur f\u00fcr mich. Ich gebe hier meine subjektive Wahrnehmung wieder. Zun\u00e4chst ist der Umzug mit \u00fcber 500\u2018000 Designobjekten ein Kraftakt gewesen. Als wir gez\u00fcgelt waren, war es ungewohnt, in den neuen B\u00fcros zu sein. Zwischendurch ist es dort so kalt gewesen, dass wir unsere H\u00e4nde heiss absp\u00fclen mussten. Vieles stimmt auch jetzt klimatisch noch nicht. Aber dann hatten wir eine fulminante Er\u00f6ffnung \u2013 die Leute waren begeistert. Auch der neue Zugang zu den Sammlungen kommt sehr gut an. Wir bekommen sehr viel positives Feedback! Und inzwischen ist es schon normal geworden, im Toni-Areal zu sein.<\/p>\n<p><strong>Haben sich mit dem Standort auch die Besucher ver\u00e4ndert?<br \/>\n<\/strong>Es ist wirklich eine Freude: Wir merken die neue N\u00e4he zur Schule nun deutlicher. Uns kommen mehr ZHdK-Angeh\u00f6rige besuchen \u2013 Dozierende, Mitarbeitende, Studierende, auch von anderen Schulen, vor allem aus dem Bereich Grafik und Design. Doch insgesamt lassen sich die Besucherzahlen nicht mehr mit dem alten Standort vergleichen. Mit der Ausstellung \u00ab100 Jahre Schweizer Design\u00bb hatten wir noch den Bonus des Neuen. Doch heute ist es vor allem am Wochenende manchmal sehr ruhig. Ich denke, der Standort ist nicht mehr so ideal wie zuvor an der Ausstellungsstrasse, nahe am Hauptbahnhof: Die l\u00e4ngere Anreise ist f\u00fcr viele ein Hindernis \u2013 und selbst wenn der Besucher angekommen ist, findet er uns nicht gleich. Aber das geht dem Department Musik mit den Konzerts\u00e4len ja nicht anders, nehme ich an.<\/p>\n<p><strong>Wie wirkt sich die neue Wohnsituation auf Euch als Team aus?<br \/>\n<\/strong>Das Team ist nun auf drei Standorte verteilt: Hier im Toni-Areal sind die Sammlungen, die Direktion mit der Kommunikation und den Kooperationen, der Museumsbetrieb sowie die Werkstatt. Die Ausstellungsabteilung mit der Vermittlung sowie die Publikationen sind an die Hafnerstrasse gezogen. Und das Museum Bellerive im Seefeld geh\u00f6rt ja auch zu uns. Dass unser Team geteilt ist, ist nicht neu: Fr\u00fcher waren, nebst dem Museum Bellerive, die Mitarbeitenden der Sammlungen auf verschiedene Standorte verteilt. Jetzt ist die Mehrheit von uns zusammen im Toni-Areal, nah an der ZHdK, an den Ausstellungen und an den Sammlungen, aber weniger nah an der Ausstellungsabteilung. Dass die Ausstellungsmacher nicht vor Ort sind, finde ich schwierig. Sie machen Ausstellungen f\u00fcr einen Ort, den sie nicht miterleben k\u00f6nnen: Wer besucht uns hier, wie sind die Reaktionen? Ich h\u00e4tte es sch\u00f6n gefunden, den Neustart mit allen gemeinsam machen zu k\u00f6nnen. Doch aus Platzgr\u00fcnden war das leider nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Daf\u00fcr sind jetzt die Sammlungen ge\u00f6ffnet \u2026<br \/>\n<\/strong>\u2026 die es seit 140 Jahren gibt und nie \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich waren! Durch die \u00d6ffnung nach aussen etabliert sich auch intern eine neue Kultur. Man denkt pl\u00f6tzlich nach aussen, und unter den Sammlungsmitarbeitenden spalten sich die Geister: \u00abJetzt kann man den Schatz endlich einmal zeigen.\u00bb Und: \u00abIch will den Schatz aber pflegen, bewahren und sch\u00fctzen.\u00bb Mit einem Mal haben die Sammlungsmitarbeitenden andere Funktionen: sie machen mehr F\u00fchrungen, leisten mehr Vermittlungsarbeit als fr\u00fcher. Das geht von der Zeit weg, die sie f\u00fcr die Sammlungs-, Konservierungs-, Restaurierungsarbeit br\u00e4uchten. Und das ruft auch Unzufriedenheit und Kritik hervor.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p><strong>Begreifen die Besucherinnen und Besucher den Unterschied zwischen \u00abSchaudepot\u00bb und Sammlungsarchiv<\/strong>?<br \/>\n\u00abMuseum f\u00fcr Gestaltung \u2013 Schaudepot\u00bb ist der Name des neuen Standorts im Toni-Areal. \u00abSchaudepot\u00bb nennen wir immer im Zusammenhang mit \u00abMuseum f\u00fcr Gestaltung\u00bb, denn dieser Begriff ist als Marke etabliert. An diesem Ort gibt es die Ausstellungsfl\u00e4chen einerseits und die Sammlungen bzw. das Archiv andererseits. Letzteres kann man aus konservatorischen Gr\u00fcnden nur gef\u00fchrt besichtigen. Die Kommunikation nach aussen ist momentan herausfordernd, denn es gilt, viele Informationen zu vermitteln. Erstens: Wir haben einen neuen Standort. Zweitens: Dieser hat einen neuen Namen. Drittens: Dort kann man Ausstellungen und neuerdings \u2013 mit Reservation \u2013 die Sammlungen besuchen. Viertens: Der bisherige Standort ist bis 2017 geschlossen, weil dort umgebaut wird. Diese Menge an Informationen allein intern zu kommunizieren, war nicht einfach. Ganz lange wurde auch intern im Zusammenhang mit dem Toni-Areal nur von den Sammlungen gesprochen und nicht von Wechselausstellungen.<\/p>\n<p><strong>Auch ich finde die Struktur des Museums nicht leicht zu verstehen.<br \/>\n<\/strong>Wir probieren unser Bestes, die Dinge klarzumachen. Das Publikum tut sich mit der generellen Unterscheidung zwischen Ausstellungen und Sammlungen nicht leicht. Was ist wo, wann und wie zug\u00e4nglich? Wir hegen die Hoffnung, dass es einfacher wird, wenn wir den Standort an der Ausstellungsstrasse wieder er\u00f6ffnen und permanente Ausstellungen aus den Bestandteilen der Sammlungen heraus zeigen \u2013 parallel zu unseren Wechselausstellungen. Welche Arten von Ausstellungen wir ab Mitte 2017 an welchen Standorten zeigen werden, ist noch nicht festgelegt. Wir befinden uns gerade in einem l\u00e4ngeren Prozess, diese strategischen Fragen zu kl\u00e4ren, das Programm f\u00fcr die k\u00fcnftigen Standorte zu konzipieren.<\/p>\n<p><strong>Wie zufrieden seid Ihr mit den r\u00e4umlichen Begebenheiten des neuen Museums?<br \/>\n<\/strong>Das neue Geb\u00e4ude k\u00f6nnte unterschiedlicher nicht sein und wurde von Anfang an auf die Anforderungen eines modernen Museums ausgerichtet, r\u00e4umlich wie auch klimatisch. Wir h\u00e4tten theoretisch auch viel Tageslicht, m\u00fcssen die Jalousien jedoch aus konservatorischen Gr\u00fcnden meistens geschlossen lassen, \u00e4hnlich der Situation am bisherigen Standort, wo die R\u00e4ume auch mehrheitlich abgedunkelt wurden.<\/p>\n<p><strong>Was hat sich im Hinblick auf Deine t\u00e4gliche Arbeit ge\u00e4ndert?<br \/>\n<\/strong>Ich war zu Beginn sehr kritisch angesichts des grossen, un\u00fcbersichtlich wirkenden Geb\u00e4udes zwischen Strassen, Hotels und teuren Wohnungen. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mittlerweile gef\u00e4llt es mir sehr, mit so vielen und verschiedenen Leuten unter einem Dach zu sein. Ich mag den Puls, der hier herrscht. Zudem haben wir ein tolles B\u00fcro. Auch wenn ich kaum gemerkt habe, dass der Sommer gekommen ist: Ich bin kein Fan von der ausgekl\u00fcgelten Haustechnik, ich mag offene Fenster lieber, auch wenn es dann mal zu heiss, mal zu zugig ist. Zudem muss man am Toni f\u00fcr alles ein bisschen mehr Zeit einberechnen. Das Essen ist weniger gut: Fr\u00fcher habe ich oft im Museumscaf\u00e9 einen Teller Pasta gegessen. Um den Campus herum \u00abt\u00f6telet\u00bb es. Der Park von der Ausstellungsstrasse und die Limmat fehlen mir \u2013 das kann die Dachterrasse nicht wettmachen. Und ich vermisse die M\u00f6glichkeiten, einzukaufen. Es braucht vermutlich noch 5\u201310 Jahre, bis da draussen mehr Leben entsteht. Doch alles in allem: Es ist sehr ok.<\/p>\n<p><strong>Wir sind am Ende des Gespr\u00e4chs. M\u00f6chtest Du noch etwas hinzuf\u00fcgen?<br \/>\n<\/strong>Ich habe das Gef\u00fchl, dass ich nicht so gut auf den Punkt gekommen bin wie \u00fcblich. Das kenne ich gar nicht von mir. Das Thema Toni-Areal ist wohl \u00fcberkomplex. Und es hat eben all diese Facetten. Zusammenfassend finde ich: Es ist jetzt so, wir haben diese neuen Begebenheiten und machen das Beste daraus. Neues hat immer Vor- und Nachteile. Es ist spannend und pulsierend, und ich bin Teil davon. Wenn ich am Wochenende in der Stadt bin, denke ich: \u2039Ach, jetzt bin ich im richtigen Z\u00fcrich.\u203a Das Toni-Areal ist wie eine Parallelwelt. Und solange ich in dieser Parallelwelt bin, ist es ok. Aber sobald ich herauskomme, staune ich, dass ich es im Kontrast zur Innenstadt nicht als \u00abdas richtige Z\u00fcrich\u00bb empfinde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Wir wollen wissen, wie es dem \u00abMuseum f\u00fcr Gestaltung \u2013 Schaudepot\u00bb am neuen Ort geht. 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