{"id":7368,"date":"2015-08-11T08:45:14","date_gmt":"2015-08-11T06:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=7368"},"modified":"2015-08-03T22:40:15","modified_gmt":"2015-08-03T20:40:15","slug":"ein-durchdachter-schlitz-hat-seinen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/08\/11\/ein-durchdachter-schlitz-hat-seinen-preis\/","title":{"rendered":"Ein durchdachter Schlitz hat seinen Preis (I)"},"content":{"rendered":"<p><em>Lange vor dem Einzug ins Toni-Areal hat sich Hansuli Matter Gedanken zum Zusammenleben am neuen Ort gemacht und das Projekt \u00abOrte des Informellen (ODI)\u00bb lanciert. Matter, der die Leitung des Departements Design zun\u00e4chst interimistisch wahrgenommen hatte, ist zeitgleich mit dem Einzug ins Toni-Areal zum neuen Departementsleiter gew\u00e4hlt worden. Bei einem Besuch in seinem B\u00fcro auf der Ebene 4 sticht die Ordnungsstruktur seiner Unterlagen auf dem Schreibtisch ins Auge: \u00abKeine Ordnung \u2013 eine \u00dcberlebensstrategie!\u00bb. Teil I des Interviews mit Hansuli Matter.<\/em><\/p>\n<p><strong><br \/>\nWas hat Dich damals \u2013 als Leiter des Studiengangs Bachelor of Arts in Design \u2013 motiviert, Fragen des k\u00fcnftigen Lehrens, Lernens und Arbeitens am neuen Standort zu thematisieren?<br \/>\n<\/strong>Ausgangslage war das Projekt \u00abTerritorien der K\u00fcnste\u00bb mit Design-Studierenden. In diesem Projekt haben wir Zukunftsmodelle f\u00fcr einen Campus der K\u00fcnste entwickelt: Wie k\u00f6nnte eine Kunstschule gestaltet sein? Wie funktioniert Territorialverhalten? Welche Strategien f\u00fcr die Kunst gibt es? Gemeinsam mit der Hochschulleitung wuchs dann der Gedanke, die studentische Gedanken\u00fcbung auf Fragen hinsichtlich des Toni-Areals anzuwenden: Was bedeutet das Informelle? Wie gestalten wir allgemeine Bereiche und wie grenzen sich gedachte Territorien davon ab? Wie soll das Zusammenleben funktionieren?<\/p>\n<p><strong>Durch die Vorgaben der Architektur kann man sich auf dem neuen Campus \u00fcber die Disziplingrenzen hinweg begegnen \u2013 auch ausserhalb von Seminar- und \u00dcbungsr\u00e4umen sowie Werkst\u00e4tten. Warum sollte dieses \u00abinformelle Lernen\u00bb noch zus\u00e4tzlich gef\u00f6rdert werden?<br \/>\n<\/strong>Es gilt, das Expertentum zu relativieren. Wer ist heute Experte und erkl\u00e4rt wem die Welt? Dass ausschliesslich Dozierende qua Status Experten sind, entspricht nicht mehr der Realit\u00e4t. Bei einem meiner Seminare, Einf\u00fchrung in Netzwerktechnologien, unterrichtete ich Studierende, die seit Jahren mit Sicherheitssystemen arbeiteten. Denen musste ich nichts von einer Firewall erz\u00e4hlen \u2013 und schon gar nichts Falsches. Vielmehr sollte das Know-how untereinander ausgetauscht werden. Diese Lernprozesse sind wertvoll und geschehen bei den Studierenden im Alltag untereinander \u2013 ohne Frontalunterricht.<\/p>\n<p><strong>Unterst\u00fctzt das Toni-Areal informelle Arbeitspl\u00e4tze?<br \/>\n<\/strong>Genau daf\u00fcr haben wir uns mit ODI stark gemacht. Viele Projekte waren infrastrukturell angelegt. Jetzt ist es an der Zeit, eine Analyse zu machen: Wie funktioniert das Haus, wie es jetzt ist? Wo haben sich informelle Orte etabliert? Wo br\u00e4uchte es weitere Unterst\u00fctzung? Der Sinn liegt nicht darin, alles mit M\u00f6beln vollzustellen. Unser Grundsatz war, stellenweise eben nichts zu machen \u2013 und zu beobachten, wo sich was organisch entwickelt: auf der Rampe oder in Aufenthaltsr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Wie lautet Deine Zwischenbilanz?<br \/>\n<\/strong>Es gibt ausgezeichnete Orte, die sehr gut funktionieren wie der Stammtisch. Er hat eine holzige, sinnliche Qualit\u00e4t und bedient funktionelle Anspr\u00fcche an Chill-out, Arbeitsplatz, Meetings, essen, entspannen. Diese Idee in die Riesenhalle zu \u00fcbersetzen, hat vorbildlich geklappt. Man muss hinzuf\u00fcgen, dass bei jenen ODI-Projekten, die gut funktionieren, auch gen\u00fcgend Ressourcen zur Verf\u00fcgung standen. Eine gute Idee ist das eine, deren Umsetzung das andere. Dahinter steckt eine Menge Entwicklungsarbeit und Aufwand.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4uft Euer Projektauftrag denn noch?<br \/>\n<\/strong>Die HSL ist dabei, das Projekt zu evaluieren und weitere Schritte zu initiieren. Damit dies geschehen kann, ben\u00f6tigt es neben dem Willen auch angemessene Ressourcen: ohne Budget kann man lange an Papieren schreiben. Die Gelder f\u00fcr die erste ODI-Phase wurden gr\u00f6sstenteils aus dem Projektbudget f\u00fcr das Toni-Areal generiert.<\/p>\n<p><strong>Greenboxes, Vorh\u00e4nge \u2026 Ihr hattet eine hohe Umsetzungsquote \u2013 fast 2\/3 der 24 geplanten ODI-Projekte wurden realisiert.<br \/>\n<\/strong>Ja, und viele fallen kaum auf, f\u00fcgen sich organisch ins Ganze ein. Die Betonb\u00e4nke, die Y-B\u00e4nke, die Kabelvorh\u00e4nge \u2026 Die Kabel sind aufger\u00e4umt und das System wirkt ganz nat\u00fcrlich. Keiner k\u00e4me auf die Idee, dass das eines unserer Projekte war, dass irgendjemand jemals \u00fcber diese Schlitze nachdenken musste. Andererseits gab es Projekte, die bewusst nach dem Bottom-up-Prinzip funktionieren sollten. Das<a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/04\/30\/lasset-uns-beeten\/\" target=\"_blank\"> Urban Gardening auf der Dachterrasse<\/a> ist ein solches Projekt: Die Initiatoren kamen zu mir \u2013 und ich konnte ihnen weiterhelfen und sie mit den richtigen Ansprechpartnern verkn\u00fcpfen. Man kann in einem so grossen Haus nicht alles selbst bespielen, sondern ist auf eben solche Leute angewiesen, die selbst denken, machen und umsetzen, die von sich aus Ideen generieren.<\/p>\n<p><strong>Was ist mit den Projekten, die nicht umgesetzt wurden?<br \/>\n<\/strong>Manche Projekte, wie die Ruhekapseln, sind bewusst noch nicht realisiert worden, weil wir zun\u00e4chst beobachten wollen, wo wir sie hinstellen k\u00f6nnten und welche Funktion sie haben sollen. Es gibt ja eine grosse Freiheit im Haus. Doch die Menschen im Toni-Areal gehen zur\u00fcckhaltend mit ihr um, weil sie das Haus nicht lesen k\u00f6nnen bzw. die Freiheiten nicht sichtbar sind. So stellen sie Fluchtwege voll, obwohl nebenan die Freizonen und R\u00e4ume w\u00e4ren, die unkompliziert bespielt werden k\u00f6nnen. Es braucht ein \u2039enablement\u203a. Die Mitarbeitenden und Studierenden an unserem Departement sind damit vertrauter, weil ich sie ermuntere: \u2039Ihr m\u00fcsst raus, da sind allgemein nutzbare \u00f6ffentliche Zonen, die m\u00fcsst Ihr bespielen!\u203a Dadurch hat das Design derzeit eine hohe Pr\u00e4senz innerhalb der ZHdK. Dabei k\u00f6nnten alle diese R\u00e4ume nutzen! Es sind keine unzug\u00e4nglichen Territorien.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend der Diplomausstellung hat die Kaskade mit den Durchg\u00e4ngen und Schaltr\u00e4umen so funktioniert, wie sie von den Architekten angelegt war.<br \/>\n<\/strong>Der HSL-Konferenzraum war w\u00e4hrend der Diplomausstellung als Ausstellungsraum in Gebrauch. Somit hat die Hochschulleitung ihre Sitzung in einem Nebenraum abgehalten. Es ist toll, ad hoc zus\u00e4tzliche Ausstellungsr\u00e4ume generieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich der neue Ort auf die Konferenz ausgewirkt?<br \/>\n<\/strong>Wir waren irritiert und das Zeitmanagement hat f\u00fcr einmal nicht wirklich funktioniert. Ob das der Effekt des ungewohnten Raumes war, weiss ich allerdings nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Lange vor dem Einzug ins Toni-Areal hat sich Hansuli Matter Gedanken zum Zusammenleben am neuen Ort gemacht und das Projekt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":889,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[256885,292],"tags":[],"class_list":["post-7368","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebrauchsspuren","category-interviews"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/889"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7368"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7368\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7372,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7368\/revisions\/7372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}