{"id":7374,"date":"2015-08-18T08:39:10","date_gmt":"2015-08-18T06:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/?p=7374"},"modified":"2015-08-18T23:17:51","modified_gmt":"2015-08-18T21:17:51","slug":"nicht-nur-hurra-im-departement-design-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/2015\/08\/18\/nicht-nur-hurra-im-departement-design-ii\/","title":{"rendered":"Nicht nur \u00abHurra\u00bb im Departement Design (II)"},"content":{"rendered":"<p><em>Im zweiten Teil des Interviews bilanziert\u00a0Hansuli Matter den Prozess und die Ergebnisse, die mit ODI einhergingen, und sch\u00e4tzt die neue Situation und Wirkung seines Departements ein.<\/em><\/p>\n<p><strong>Inwiefern beeinflusst die Infrastruktur auf dem Campus Toni die Betriebskultur?<br \/>\n<\/strong>Ich w\u00fcrde einiges anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen k\u00f6nnte: So w\u00fcrde ich mit ODI nicht in der Mitte des Bauprozesses, sondern bereits an dessen Anfang starten. Ich w\u00fcrde zuerst grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Idee eines Campus nachdenken, \u00fcber die Kommunikation dort, die Soft Skills, die Betriebskultur \u2013 dann erst \u00fcber infrastrukturelle Bed\u00fcrfnisse. Zudem w\u00fcrde ich \u2013 neben Architekten und Designern \u2013 weitere Leute ins Boot holen: vom Theater, aus der Administration, K\u00fcnstler, Musiker.<\/p>\n<p><strong>Was haben wir uns vergeben?<br \/>\n<\/strong>Ich glaube, der Campus w\u00e4re heute viel generischer angelegt, weniger auf die spezifisch individuellen Bed\u00fcrfnisse einzelner Abteilungen ausgerichtet. Das Haus w\u00e4re neutraler gebaut und nicht so sehr nach Disziplinen getrennt. Es g\u00e4be R\u00e4ume, Ateliers, Werkst\u00e4tten und B\u00fcrozonen in mittlerer Qualit\u00e4t, die flexibler w\u00e4ren.\u00a0Der Planungsprozess des Toni-Areals hat acht Jahre gedauert, und die Organisation, die uns vor acht Jahren beauftragt hat, ist nicht mehr dieselbe wie damals \u2013 die ZHdK ver\u00e4ndert sich gerade stark. Die r\u00e4umliche Aufteilung innerhalb des Hauses entspricht der Denklogik, die aus 36 damals isoliert aufgestellten institutionellen Einheiten heraus entstanden ist. Zum Gl\u00fcck ist diese Denklogik aber nicht einbetoniert \u2013 die meisten W\u00e4nde sind aus Rigips. [<em>lacht<\/em>]<\/p>\n<p><strong>Ein Jahr vor dem Einzug wurde die r\u00e4umliche Verteilung noch einmal \u00fcberpr\u00fcft. Warst Du damals involviert?<br \/>\n<\/strong>Nein, aber die performativen Bereiche waren teilweise \u00fcber-, andere unterdotiert. Deshalb mussten tausende Quadratmeter \u2013 ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Zahl \u2013 umgeplant werden. In der Mitte des Bauprozesses war das Grundkonzept von einer rein performativen Hochschule nicht mehr zentral, und man musste eine neue Balance finden. Das Bed\u00fcrfnis der Departemente, sich zur\u00fcckzuziehen und ihre Territorien zu eigenen zu erkl\u00e4ren, ist heute recht ausgepr\u00e4gt, weil sie das Gef\u00fchl haben, ihre Heimat verloren zu haben. Die Frage ist, ob wir einen Schritt zur\u00fcckgehen oder einen Schritt nach vorne wagen, um dieses Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Produzieren die Allmende eine weitere Unsicherheit \u2013 zus\u00e4tzlich zum Umzug und Neu-Einrichten?<br \/>\n<\/strong>Ja, man muss sich die Allmende erk\u00e4mpfen, benutzen, zustellen, sich darin ausstellen. Ein Beispiel sind die grossen Schaufenster zu den G\u00e4ngen, die ich pers\u00f6nlich sehr sch\u00e4tze \u2013 aber viele andere Personen verstellen sie sofort mit einigem Aufwand. Vielleicht br\u00e4chte ODI 2.0. die M\u00f6glichkeit, die Fenster zu den G\u00e4ngen einfach zuzumachen, aber eben auch wieder aufzumachen \u2013 als ganz normale Funktionalit\u00e4t. Manchmal gen\u00fcgt das Wissen allein, etwas Bestimmtes tun zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt ein Bed\u00fcrfnis nach Brachen, halb\u00f6ffentlichen R\u00e4umen, die f\u00fcr spontane Nutzungen zur Verf\u00fcgung stehen und nicht gebucht werden k\u00f6nnen. Wie liesse sich diese Forderung umsetzen?<br \/>\n<\/strong>Diese Brachen und halb\u00f6ffentlichen Bereiche existieren bereits. Man muss diese jedoch sichtbar machen, auszeichnen. Die Menschen im Toni-Areal ben\u00f6tigen ein Hilfsmittel, denn sie trauen sich nicht, diese Brachen zu benutzen: was ist Brache, wo ist sie, wie funktioniert das? Auch muss der Zugang zu ungenutzten R\u00e4umen niederschwelliger werden \u2013 ein Buchungstool oder eine rein physische Auszeichnung w\u00e4ren denkbar.<\/p>\n<p><strong>Wie zufrieden sind Deine Mitarbeitenden mit ihren Arbeitspl\u00e4tzen?<br \/>\n<\/strong>Wir haben sehr unterschiedliche Feedbacks. Die Studierenden sind gl\u00fccklich \u00fcber die Ateliers, die sie benutzen, die Administration hingegen ist sehr unzufrieden. Die Raumh\u00f6he unserer B\u00fcro-Cluster ist niedriger als in den anderen Bereichen. Wir sind zudem nicht nur am engsten Lichthof platziert, sondern auch ziemlich weit unten, was lichtm\u00e4ssig schwierig ist, und Konfliktpotenzial schafft. An jedem Tisch sitzen zudem partiell mehrere Personen \u2013 das ist eine veritable \u00dcbernutzung. Von diesen Mitarbeitenden h\u00f6rt man verst\u00e4ndlicherweise kein \u2039Hurra\u203a.<\/p>\n<p><strong>Was kann man \u00e4ndern?<br \/>\n<\/strong>Wir haben in den vergangenen sechs Monaten alternative Szenarien entwickelt, die wir baldm\u00f6glichst umsetzen wollen. Ich verstehe die Kritik der Mitarbeitenden, begreife aber auch das FM, die Umnutzungen geordnet und transparent umsetzen wollen. Das Haus hat ja eigentlich gen\u00fcgend Platz, aber in seiner Nutzung weist es die Extreme von \u00dcber- und Unternutzung auf. Der Ausgleich muss erst hergestellt werden. Ein Kontingent an nicht im Vorfeld buchbaren Seminarr\u00e4umen, kurzfristig buchbar, 24\/7, w\u00e4re zum Beispiel sicher sinnvoll. Zudem muss man die aktuelle Auslastung \u00fcber das ganze Toni-Areal analysieren: Viele Abteilungen buchen Seminarr\u00e4ume zwei Monate im Voraus \u2013 und brauchen die so der Nutzung durch andere entzogenen R\u00e4ume schlussendlich nicht. Das FM ist gerade dabei, diese Raumnutzungsanalysen herzustellen, und ich bin sehr gespannt, ob sich unsere subjektive Wahrnehmung in den erhobenen Werten wiederspiegelt.<\/p>\n<p><strong>Trotz Eurer Raumschwierigkeiten ist das Departement Design sehr sichtbar im Haus.<br \/>\n<\/strong>Unsere Anmeldezahlen sind merklich gestiegen. Viele Menschen im Haus meinen, der Grund seien die gr\u00f6sseren und besseren R\u00e4ume, die das Departement Design habe. Zus\u00e4tzlich waren wir w\u00e4hrend der Diplomausstellung so pr\u00e4sent, dass einige Personen bemerkten, dass das Toni-Areal nicht eine Kunst-, sondern eine Designhochschule beherberge. Es stimmt, dass wir \u2013 gemeinsam mit der Musik \u2013 sehr pr\u00e4sent sind. Und das ganz bewusst! Ich w\u00fcnsche mir dies jedoch f\u00fcr alle Disziplinen. Momentan ist die Sichtbarkeit der einzelnen Disziplinen sehr unregelm\u00e4ssig. So wird beispielsweise die Hyperaura oder die grosse Wand in der Halle mit Video-Installationen, Manifesten oder Kunstinstallationen nur von wenigen Departementen bespielt. Das Design ist recht selbstbewusst unterwegs. Insgesamt muss man jetzt zusehen, dass sich ein Ausgleich herstellt: dass die anderen auch manifester werden \u2013 oder wir moderater.<\/p>\n<p><strong>Wo bietet das Toni-Areal Orte der Begegnung, wo R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Dich?<br \/>\n<\/strong>Mein B\u00fcro \u2013 eines der wenigen Einzelb\u00fcros im Toni-Areal \u2013 ist nicht mein eigentlicher R\u00fcckzugsort. Hier herrscht die Kultur, dass die T\u00fcre offensteht und immer alle hereinkommen k\u00f6nnen \u2013 was auch angenommen wird. Die T\u00fcre ist nur zu, wenn vertrauliche Besprechungen stattfinden. Ich w\u00fcrde sagen: R\u00fcckzug bieten mir der Dachgarten und der Musikklub. Begegnungen habe ich beim Mittagessen am Stammtisch. Das muss auch nicht lange geplant werden, da findet man immer jemanden. Das ist wie Social-Roulette: mal gucken, wer sich neben mich setzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Im zweiten Teil des Interviews bilanziert\u00a0Hansuli Matter den Prozess und die Ergebnisse, die mit ODI einhergingen, und sch\u00e4tzt die neue&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":889,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[256885,292],"tags":[],"class_list":["post-7374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebrauchsspuren","category-interviews"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/889"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7374"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7390,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7374\/revisions\/7390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/toniblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}